»In every port in the world, at least two Estonians can be found.«
Ernest Hemingway

Estland

Eesti

02:22 h | 0 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
rund 1,3 Millionen

Bevölkerungsdichte
29 pro km²

Fläche
45.227 km²

Hauptstadt
Tallinn

Staatsform
Parlamentarische Republik

Hauptsprachen
Estnisch, Russisch

Währung
Euro (€)

Nationalfeiertag
24. Februar (Erlangung der Unabhängigkeit 1918)

Flugdauer
1041 km Luftlinie Berlin-Tallinn ≈  1 ¾ Std.

Entfernung über Land
Berlin – Tallinn rund 1500 km

Anzahl der Inseln
1500

Zahl der grammatischen Fälle im Estnischen
14

Zahl der EU-Mitglieder die kleiner sind als Estland (nach Fläche)
7

Braunbären in Estland
rund 700

Geburtsjahr des Regierungschefs
1979

Dies und Das

Natur

© T. Altheide

Eine vielfältige und lange Küstenlinie, zahlreiche Inseln, naturbelassene Moorgebiete, lichte Kiefernwälder, abwechselnd mit Weiden und Feldern. Die estnische Natur bietet keine Superlative und übt doch mit ihrer harmonischen Unaufgeregtheit einen besonderen Reiz auf viele Besucher aus. Die Sehenswürdigkeiten der estnischen Natur sind große Findlinge, Sandsteinaufschlüsse und Karstwiesen, hier und da ein knorriger, ‚heiliger’ Baum. Am besten erschließt sich diese Schönheit bei einer Paddel- oder Radtour oder bei einer Wanderung auf einem der zahlreichen ausgeschilderten Naturpfade, zum Beispiel im Lahemaa-Nationalpark.

Tiere

Viele in Mitteleuropa seltene oder gar nicht (mehr) vorkommende Säugetiere fühlen sich in den estnischen Wäldern wohl: Bären, Wölfe, Luchse und Elche sind zwar nur selten zu sehen, aber recht zahlreich vorhanden. Wichtige Durchgangsstationen für Zugvögel sind der Matsalu- und der Vilsandi-Nationalpark. Störche sind im Sommer ein täglicher Begleiter von Reisenden. Mit etwas Glück trifft man auch auf Kraniche.

Essen

Ein typischer, estnischer kulinarischer Tagesablauf könnte so aussehen: Morgens eine Schale Grießbrei mit Butter, mittags im Restaurant das Tagesgericht (päevapraad), bestehend aus Kartoffeln und Schweinefleisch, zwischendurch eine Pirogge (gefüllte Teigtasche, zum Beispiel mit Pilzen, Karotte und Ei oder Hackfleisch), abends ein Rote-Bete-Salat, Omelett und Kilu (Sprotte). Zahlreiche Kuchenvariationen, süßes Gebäck und die legendären Kohuke (schokoladenummantelte Quarkröllchen) decken den Bedarf an Süßem.

Kultur

Sehenswert sind die historischen Altstädte. Tallinn ist mit Abstand der größte Touristenmagnet, aber auch die Universitätsstadt Tartu, die Sommerhauptstadt Pärnu mit ihrem regen Strandleben und das beschauliche Haapsalu sind einen Besuch wert. Bei der Fahrt über Land finden Kultur- und Architekturinteressierte trutzige Kirchen, schlossartig ausgebaute Gutshöfe und die oft romantisch gelegenen Ruinen von Ordensburgen. Wer nach historischen Spuren sucht, stößt auf zahlreiche Verweise auf die Deutschbalten, schwedische Einfüsse, Reste aus der Zeit des Zarenreiches und die selten schönen, aber dennoch erinnerungswerten Spuren der sowjetischen Besatzungszeit.

Tallinn bei Nacht. © T. Altheide

Reisezeit

Kurze Sommer und strenge Winter prägen das estnische Klima. Stabiles Sommerwetter kann man im Juli und August erwarten, Ende Juni ist es wegen der hellen Nächte besonders schön.  Januar und Februar sind am kältesten, Tageshöchsttemperaturen von unter -25° C sind zwar nicht die Regel aber jederzeit möglich. Von Oktober bis April muss man mit winterlichen Verhältnissen rechnen. Außer in Tallinn sind in dieser Zeit touristische Einrichtungen nur sehr eingeschränkt verfügbar.

Religion

Estland wird manchmal als das atheistischste Land der Welt bezeichnet: weniger als 30% der Bevölkerung sind Angehörige einer Religionsgemeinschaft. Traditionell ist Estland protestantisch geprägt.

Tipps

Links die weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.de | www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Visit Estonia ist die informative, offizielle estnische Tourismusseite: www.visitestonia.com/de

Naturinteressierte (und des Englischen kundige) finden auf http://loodusegakoos.ee/en Infos zu Schutzgebieten und Outdooraktivitäten. Loodusega koos heißt soviel wie ‚Gemeinsam mit der Natur’ und ist die touristische Seite der estnischen Forstverwaltung, der auch die Nationalparks und Schutzgebiete unterstehen.

Wer sich zuhause schon mal einstimmen will, findet auf www.infobalt.de im Veranstaltungskalender alles was in Deutschland mit Bezug zum Baltikum los ist.

Deutsche Botschaft in Tallinn: www.tallinn.diplo.de/Vertretung/tallinn/de/

Reise- und Gesundheitsinformationen: www.crm.de

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

Dos and Dont

Esten und Estinnen sind eher unkompliziert was die Verhaltensregeln angeht. Eine Regel sollte man aber befolgen: Schuhe ausziehen! Bei allen Besuchen in Privaträumen werden die Schuhe gleich an der Tür ausgezogen. Und das gilt auch in der Spielecke im Restaurant oder auf der Fähre. Übrigens wechseln Schüler morgens in der Schule ihre Straßenschuhe ebenfalls gegen saubere ‚Hausschuhe’.

Exkurs: Die Sängerfeste – mehr als nur ein Musikfestival

Es ist nicht nur ein Klischee, dass die Esten ein Volk von Sängern sind. Viele singen in Chören, es gibt Ensembles und Chöre von Weltruf und entsprechend viele Festivals, die sich großer Besucherscharen erfreuen. Das wichtigste und größte Musikfest ist das Sängerfest, das alle fünf Jahre auf der großen Bühne der Tallinner Sängerfestwiese abgehalten wird. Beim Fest im Jahr 2009 betrug allein die Zahl der Teilnehmer rund 26.000 (!). Die Besucher, die alle Hänge des Festplatzes füllen, sind noch viel zahlreicher. Einige der dort gesungenen Lieder haben praktisch den Status von Nationalhymnen und sind für das Nationalbewusstsein der Esten von immenser Bedeutung. Es werden Erinnerungen an die Singende Revolution wach. 1988 versammelten sich ebenfalls auf dem Sängerfestplatz rund 300.000 Menschen, um singend ihrem Willen nach nationaler Unabhängigkeit Ausdruck zu verleihen. Der Dokumentarfilm „The Singing Revolution“ zeichnet diese Ereignisse nach.

Doch die Verknüpfung von Gesang und Politik reicht noch weiter zurück. Mitte des 19. Jh., in der Zeit des nationalen Erwachens, organisierten sich die Esten in Chören, um gemeinsam ihr eigenes kulturelles Erbe zu bewahren und zu entwickeln. 1869 fand in Tartu das erste estnische Sängerfest statt (und damit das erste im Baltikum) und legte den Grundstein für diese Tradition. Auch während der Sowjetzeit fanden die Feste statt und leisteten ihren Beitrag dazu, das Nationalbewusstsein der Esten wach zu halten. 1988 erklang dann zum ersten Mal wieder laut die Nationalhymne „Mu isamaa, mu õnn ja rõõm“ (Mein Vaterland, mein Glück und meine Freude). Nach dem Sängerfest 2014 geht es erst wieder im Jahr 2019 weiter. Dazwischen gibt es noch ähnliche, kleinere Veranstaltungen wie das Jugendsängerfest.

Alle Texte: Thorsten Altheide, Exkurs Sängerfeste aus CityTrip Tallinn von Thorsten Altheide, Heli Rahkema

Titelbild: Thorsten Altheide