„Mieti tarkkaan, matkamies, mikä onkaan sinun ties.“
»Überlege dir gut, Reisender, welchen Weg du wählst.«
finnisch-karelisches Sprichwort

Finnland
Suomen tasavalta (finnisch)
Republiken Finland (schwedisch)

02:18 h | 0 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
5.414.000

Bevölkerungsdichte
16 pro km²

Fläche
338.144 km2

Hauptstadt
Helsinki (Helsingfors)

Staatsform
parlamentarische Republik

Hauptsprachen
Finnisch, Schwedisch

Währung
Euro (€)

Nationalfeiertag
6. Dezember

Flugdauer
1.514,54 km ≈ 2 Std.

Ferienhäuschen:
Ca. 0.5 Mio.

Waldfläche
70% des Landes

Älteste Felsen Europas
29 Mio. Jahre alt

Inseln
95.000 (geschätzt)

Seen (ab 500m²)
187.888 Seen

Gefangene Barsche
10 Mio. kg jährlich

Winter in Lappland
Knapp 200 Tage

Saunas
1,8 Millionen

Rekord Gummistiefelweitwurf
68,03 m, Antti Ruusuvirta (2012)

Aktive Winterschwimmer
120.000

Dies und Das

Natur

Die finnische Seele ist eng mit der Natur des Landes verbunden. Viele Finnen leben unmittelbar mit der Natur zusammen, nützen sie und schützen sie und sie ist ein fester Bestandteil ihres Lebens.

Wald, Fels und Wasser, das sind die drei Hauptbestandteile finnischer Natur und dies oft in einer unberührten Wildheit, die viele vermeintlich einsiedlerische Ausflugsgebiete Mitteleuropas erblassen lässt. 70 Prozent der Landesfläche ist von Wald bedeckt – das ist mehr Waldfläche, als die meisten europäischen Länder besitzen. Der Rest ist eine Mischung aus landwirtschaftlichen Nutzflächen, Straßen und Brachland wie Sandstrände und Moore.

Die Bodengestalt des Landes ist noch vor der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren entstanden; die Erosion von Jahrmillionen

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schliff schroffes Gestein und raue Berge zu flachen, weichen Konturen ab. Als sich die Kälte zurückzog, hob sich das von dem Gewicht des Eises befreite Land über das Wasser: Tausende von Seen und Inseln wurden geboren und gestalteten die zerklüfteten Schärengebiete und die Seenlandschaft. Das reißende Schmelzwasser führte alles lose Material mit sich und schüttete kleineres Gestein zu zahllosen Moränen auf.

Die Nachwirkungen der letzten Eiszeit sind auch heute zu spüren: Noch immer atmet das Land nach dem ungeheuren Druck des Eises auf und hebt sich aus dem Wasser. Die Trockenfläche Finnlands wächst jedes Jahr um rund sieben Quadratkilometer. So entstehen immer wieder neue Inselgruppen und erweitern vor allem die Südwestküste, die flach und zerklüftet ist.

Einen weltweiten Spitzenplatz nimmt Finnland aufgrund der Anzahl seiner Seen (187.888)ein. Auf der Landkarte stechen die blauen Flächen im Südosten und in Mittelfinnland gleich ins Auge – dieses Gebiet nennt sich finnische Seenplatte.

Finnland ist kein Gebirgsland. Viele flache Hügel bis zu 100 Metern Höhe bedecken das Land und verleihen ihm eine sanfte, weibliche Struktur. Daher und von der Form auf der Landkarte kommt auch die Bezeichnung „finnisches Mädchen“, mit der die Finnen gern ihr Land titulieren.

Tiere

Von der Waldlandschaft ist auch die Fauna geprägt, die zum paläarktischen Typus gehört. Großwild wird in Finnland vom Gesetz geschützt und diesen Maßnahmen ist es zu verdanken, dass sich so manche Bestände erholt haben. Ungefähr 65 Säugetierarten gibt es in Finnland und fast alle der 350 Vogelarten ziehen im Herbst in den Süden. Die größten Greifvögel des Landes, die See- und Steinadler, haben sich heute nach fast völliger Ausrottung wieder erholt.

Das größte in Finnland lebende Tier ist der Elch, der gern in sumpfnahen Gebieten lebt. Er hat sich in den letzten 30 Jahren so vermehrt, dass sich der Elchbestand vervierfacht hat.

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Der Staat greift ein, um das natürliche Gleichgewicht wiederherzustellen: Zwischen 50.000 und 85.000  Abschussgenehmigungen werden jährlich erteilt.

Rentiere sind vor allem in Lappland zu finden und das unglücklicherweise nicht selten um und auf Autostraßen, was häufig zu Unfällen führt. Auch Braunbären, Wölfe, Luchse, Füchse und Vielfraße zählen zu Finnlands Tieren, die sich aufgrund der strengen Abschussregeln wieder vermehren.

Eine echte Seltenheit und finnische Spezialität ist die Ringelrobbe, die im verzweigten Seensystem des Saimaa lebt. Nur noch ca. 270 Exemplare gibt es und das macht dieses Tier zu einem der gefährdetsten in Europa.

Lemminge, kleine mausartige Säugetiere, treten in den nördlichsten Teilen des Landes zu bestimmten Zeiten in großer Zahl auf. Sie wandern zwischen Sommer- und Winterfressgebieten und haben eine stark schwankende Population. In Spitzenjahren, ca. einmal in 30 Jahren, trifft man sie in Lappland auf Schritt und Tritt.

Ohne Zweifel ist ein Tier jedem Finnlandreisenden bekannt: die Mücke. Dieses blutrünstige Insekt tritt vor allem an warmen Sommertagen in Gewässernähe auf und macht den Touristen zu schaffen – die Einheimischen sind meist längst immun gegen sein Gift.

Essen

Finnland ist kein Land der Gourmets. Seine Einwohner ziehen ungekünstelte Hausmannskost kulinarischen Höchstleistungen vor. Die klimatischen Verhältnisse – lange Winter und kurze Wachstumsperioden – boten früher nur beschränkt Möglichkeiten zu abwechslungsreicher Kost. Essen war eine Notwendigkeit, die man eher schlecht als recht bestritt. Schlechte Ernten und Kriege stürzten die Landbevölkerung in Hungersnöte, in denen oft Getreidemehl mit geriebener Birkenrinde

gestreckt wurde. Um in dieser schwierige Zeit überleben zu können, machte man von allem, was einem die Natur anbot, Gebrauch. Davon legt heutzutage noch das Brennnesselbrot Zeugnis ab. Die Grundlage der Mahlzeiten bestand aus Kartoffeln und Wurzelgemüse, die man mit Beeren, Fisch und Wild abwechslungsreicher zu gestalten versuchte.

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Heute ist freilich vieles anders. Auch im Winter gibt es in Supermärkten ein reichhaltiges Angebot an Obst und Gemüse und Händler liefern feinste Delikatessen aus der ganzen Welt in den hohen Norden. Trotzdem sind die finnische Küche, das Kochen und die Esskultur geprägt von einer Einfachheit, die auf den Besucher durch ihre nordischen Zutaten exotisch wirkt und einen besonderen Genuss birgt. Die finnische Küche ist ein Spiegel der finnischen Natur, ungekünstelt, pur und qualitativ hochwertig.

Charakteristisch für Finnland sind regional stark differierende Speisen, die sich teilweise auch am Angebot der Natur orientieren. Für die Küsten und Seengebiete sind Fisch, für Mittel- und Ostfinnland Wild, für Ostbottnien Gerichte aus Getreide und für Lappland Rentierfleisch typisch.

Reisezeit

Erwähnt man Finnland als mögliches Reiseziel, so ist oftmals die Reaktion Unkundiger vorprogrammiert. Umgehend wird die arktische Kälte angeführt, die einen ja seit Jahren von einem Besuch abhält. Sicherlich wird es in Helsinki im Winter oft knackig kalt, aber dafür hat man auch (fast) eine Schneegarantie – und wo kann man sonst schon mitten in der Stadt Schlittschuhlaufen? Gerade der Stadturlaub ermöglicht auch im Winter vielerlei Aktivitäten wie Shopping, Museums-, Ausstellungs- und Konzertbesuche. Natürlich sollte man dann warme Winterkleidung im Gepäck haben, die Küstenwinde können beißend kalt sein. Auch in Finnland gilt: Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Bekleidung.

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Die klassische Reisezeit für Finnland ist sicherlich der Sommer. In der Zeit von Mai bis September besuchen mit Abstand die meisten Touristen das Land im hohen Norden.

Im Dezember sind die Tage mit unter 6 Stunden zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang (ca. 9.30 bis 15.15 Uhr) erwartungsgemäß kurz, im Juni hingegen mit 19 Stunden Tageslicht (ca. 4 bis 23 Uhr) ausgesprochen lang.

Religion

76% Lutheraner, 4% Orthodoxe u.a.; 20% religionslos

Sauna

Sauna ist das einzige finnische Wort, das wohl jeder Mitteleuropäer ohne Probleme aussprechen kann und von dem er auch weiß, was es bedeutet. Als finnische Nationalinstitution ist sie auch in unseren Breiten bekannt und beliebt, obwohl das, was im deutschen Sprachraum als Sauna verkauft wird, dem finnischen Typus meist nicht das Wasser reichen kann.

In Finnland wird in rund 1,8 Millionen Saunas geschwitzt, was das Zeug hält. Auf die Bevölkerung aufgerechnet bedeutet das, dass auf drei Finnen eine Sauna kommt und das ist wohl global gesehen die höchste Saunadichte.

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Man könnte aufgrund dieser recht beeindruckenden Zahlen meinen, Finnland sei das Ursprungsland der Sauna. Doch dem ist nicht so, haben doch zahlreiche Kulturen entsprechende Bade- und Schwitzgewohnheiten.

Weshalb kennen wir dennoch die Finnen als das Saunavolk schlechthin? Erstens, weil sie es geschafft haben, diese schöne Tradition in die moderne Welt herüberzuretten. Zweitens, weil die Sauna ein alltäglicher Bestandteil ihres Lebens ist. Und drittens, weil die „original finnische Sauna“ als Kulturexportartikel in der ganzen Welt beliebt ist, da sie erfolgreich zwei Arten des Bades miteinander kombiniert: das Schwitzbad und das Dampfbad.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

Guten Morgen
Hyvää huomenta

Guten Tag
Hyvää päivää

Guten Abend
Hyvää iltaa

Gute Nacht
Hyvää yötä

Hallo (unter Freunden)
Hei

Hallo (sehr locker, unter Jugendlichen)
Moi

Hallo (unter Kollegen/Bekannten)
Terve

Auf Wiedersehen!
Näkemiin!

Tschüss!
Hei hei! oder Moi moi!

Danke
Kiitos

Vielen Dank
Kiitos paljon

Bitte
Olkaa hyvä (formell)/Ole hyvä (informell)

Entschuldigung
Anteeksi

Ja
Kyllä

Nein
Ei

Wie heißt du?
Mikä sinun nimesi on?

Ich heiße ...
Nimeni on ...

Wie geht’s?
Mitä kuuluu?

Danke, gut.
Kiitos, hyvää.

Sprechen Sie Deutsch?
Puhutteko saksaa?

Ich spreche kein Finnisch.
En puhu suomea.

Ich verstehe Sie nicht.
En ymmärrä.

Ich komme aus Berlin.
Olen Berliinistä.

Kauderwelsch Finnisch Wort für Wort Band 15

Links die weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.dehttp://www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Botschaft: www.finnland.de

Fremdenverkehrsamt: www.visitfinland.de

Deutsche Botschaft: www.helsinki.diplo.de

thisisFINLAND: http://virtual.finland.fi

Reise- und Gesundheitsinformationen: www.crm.de

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

Dos and Don’ts

Was man tun sollte

- Wird man von Finnen nach Hause eingeladen, sollte man auf jeden Fall direkt an der Türschwelle die Schuhe ausziehen. Es gilt als ausgesprochen unhöflich, mit dreckigen Straßenschuhen die Wohnung zu betreten.

- Bei einer Einladung im privaten Rahmen sollte man immer so lange bleiben, bis der Gastgeber zum Abschluss einen Kaffee offeriert, der (manchmal) das offizielle Ende einer Zusammenkunft markiert.

- Der Gastgeberin ein kleines Geschenk mitbringen. Dem neuen Bekannten an der Bar ein Getränk ausgeben, aber sich anschließend nicht wundern, wenn man mit dessen Trinkgeschwindigkeit nicht mithalten kann.

- Die Finnen mit Vornamen ansprechen, da die Ansprache mit dem Nachnamen als sehr distanziert angesehen wird. Als sehr deutsch/österreichisch/schweizerisch gilt die Nennung eines möglichen Titels. Ein „Herr Dr. Müller“ ruft bei den Finnen ein (zumindest innerliches) Grinsen hervor.

- Die Einheimischen aussprechen lassen. Das höhere Sprechtempo im deutschen Sprachraum verleitet Besucher manchmal dazu, bei etwas längeren Pausen zwischen den Sätzen, die in Finnland absolut normal sind, verbal dazwischenzupreschen.

- Einige Worte Finnisch lernen und sie im passenden Kontext anwenden. Die Muttersprachler wissen das sehr zu schätzen und ein charmantes kiitos (Danke) im Supermarkt kann Wunder wirken.

Was man nicht tun sollte

- Finnische Größen aus Politik, Sport und Gesellschaft kritisieren. Die Finnen sind sehr stolz auf ihr Land und nehmen Kritik, z. B. am Staatspräsidenten, schnell persönlich. Noch schlimmer: Nie behaupten, dass der große Rivale Schweden besser wäre, selbst wenn die finnische Eishockey-Nationalmannschaft gegen das schwedische Team gerade 8 : 0 verloren hat.

- Unverbindliche Zusagen oder Versprechungen machen. Die Finnen stufen ein „Lass uns doch am Freitag baden gehen“ als verbindliche Absprache ein und stehen dann schnell in Badehose vor der Tür.

- Eine eher belanglose Konversation führen, die über Small Talk nicht hinausgeht. Finnen beteiligen sich an Gesprächen immer mit Ehrlichkeit und Herzblut. Ein lockeres „Wie geht’s?“ könnte schnell in einen Diskurs über emotionale Abgründe führen.

- Im öffentlichen Raum überlaut sprechen, singen oder schreien. In Helsinki geht es ruhig und bedächtig zu und nur Ausländer sind laut. Ausnahme: der Freitag und Samstagabend.

- Stolz von persönlichen Erfolgen berichten, selbst wenn es zutrifft. Solch ein Verhalten gilt in Finnland schnell als arrogant und großspurig.

- Sich in öffentlichen Institutionen wie Bank, Fahrkartenschalter oder Apotheke vordrängeln. Hier gilt es, erst eine Wartenummer am Automaten zu ziehen und geduldig darauf warten, dass die gezogene Nummer aufgerufen wird.

Exkurs: Die Macht des Löyly: Saunieren in Finnland

Und wer hat’s erfunden? Die Finnen waren es! Wohl nur wenige kulturelle Errungenschaften verbindet man so sehr mit Finnland wie die Sauna. Noch heute existieren in dem Land bei gut 5 Millionen Einwohnern 1,7 Millionen Saunas: Drei Finnen teilen sich also rechnerisch eine Sauna! Schon seit Jahrhunderten gehört die Sauna zur finnischen Lebenskultur. Anfangs war es ein offenes Feuer in den einfachen Hütten, das mit Steinen umgeben wurde, die auch in den kalten Nächten die Wärme speichern konnten. Mit der Zeit wurden wegen der Feuergefahr daraus eigene, freistehende Gebäude, die nur zum Zweck des Saunierens errichtet wurden.

In Finnland wird, anders als in Deutschland, traditionell nach Geschlechtern getrennt sauniert. Die Saunierer sitzen auf drei in der Höhe abgestuften Bänken, wobei es auf der obersten Bank immer am heißesten ist. In der trockenen Sauna liegen die Temperaturen zwischen 80 und 100 Grad Celsius, ein regelmäßiger Aufguss sorgt immer wieder für eine neue Temperaturspitze. Dem heißen Wasserdampf, auf Finnisch „Löyly“, wird in Kombination mit dem Schwitzvorgang eine besondere reinigende Wirkung von Körper und Seele zugesprochen. Zur äußeren Abkühlung nimmt man im Anschluss an das Saunieren gerne ein eiskaltes Bad – auf dem Lande werden die Saunagebäude meist direkt am nächstgelegenen See errichtet– und für innerliche Abkühlung wählen nicht nur  finnische Männer oft ein kühles Bier.

Neben den nachgewiesenen gesundheitlich positiven Auswirkungen mag der Triumphzug der Sauna aber auch noch durch einen anderen Effekt unterstützt worden sein, von dem die Finnen absolut überzeugt sind: Frauen sind nach dem Saunagang am schönsten!

 

Exkurs: CityTrip Helsinki, S. 113

Exkurs: Seinäjoki – Führende Tangostadt der Welt

Im Zuge des neuen Tangobooms gibt es seit 1985 in der ostbottnischen Stadt Seinäjoki ein Tangofestival, das heute bereits international bekannt und beliebt ist. Ostbottnien ist in Finnland als Wilder Westen bekannt und das Festival macht Seinäjoki einerseits zur zweiten Tangoweltstadt nach Buenos Aires, andererseits trägt es zur Reputation Ostbottniens als etwas seltsam und ungewöhnlich bei. Rund 100.000 Besucher lauschen jährlich im Sommer wehmütigen Tangoklängen und krönen beim Gesangswettbewerb eine Tangokönigin und einen Tangokönig. Dieses Ereignis wird live vom finnischen Fernsehen übertragen und sogar internationale Fernsehstationen berichten darüber. Auch einen Tangotanzwettbewerb gibt es im Zuge des Festivals. Dass man sich in Finnland darüber bewusst ist, wo die Wurzeln des Tangos liegen, beweist der regelmäßige Auftritt argentinischer Künstler beim Tangofestival. 1995 wurde in Seinäjoki das Olavi-Virta-Tangomuseum eröffnet. Es umfasst eine Ausstellung über die Geschichte und Entwicklung des argentinischen und finnischen Tangos und ein Archiv. Buenos Aires und Seinäjoki unterschrieben übrigens im Jahr 2000 ein vertragsähnliches Dokument, das die beiden Städte zu Welttangostädten machte. Der Bevollmächtigte von Seinäjoki besiegelte bei seinem Besuch in Buenos Aires den Vertrag mit einem Kuss auf die Wange der Kultursekretärin der argentinischen Hauptstadt. Die Ausformulierung dieser Zusammenarbeit war jedoch ein kleiner Kompromiss für die Finnen: Die Ostbottnier hatten zuerst eine Version präsentiert, nach der die Städte „die führenden Metropolen des Tangos“ wären. Die argentinischen Delegierten gaben jedoch zu bedenken, dass bei einer Population von rund 29.000  wohl kaum von einer Metropole gesprochen werden könnte. Die Enttäuschung der Seinäjoki-Tangobegeisterten über die neue Formulierung als „führende Tangostadt der Welt“ wurde dadurch wettgemacht, dass Buenos Aires sich einverstanden erklärte, für die Reisekosten der argentinische Tangokünstler aufzukommen, die beim Tangofestival in Seinäjoki auftreten wollten. So ist das Ganze auch für die finnischen Veranstalter von Vorteil.

Seit der Unterzeichnung dieses Vertrages scheinen sich die Argentinier vom finnischen Tango etwas bedroht zu fühlen. Der damalige Präsident Fernando de la Rua zeigte sich Ende 2000 so besorgt über den Status des Tango, dass er vorschlug, dieses Kulturgut auf die Liste des  Weltkulturerbes der Unesco zu setzen. Die „Chicago Sun-Times“ berichtete daraufhin, dass der Präsident so reagiert hätte, weil er die Konkurrenz aus Finnland befürchtete, die dem argentinischen Tango seinen Platz streitig machen würde. „Ilta-Sanomat“, die finnische Entsprechung des amerikanischen Boulevardblattes, titelte daraufhin mit „Krieg der Tangos!“ und prophezeite eine argentinisch-finnische Diskussion um diesen Tanz. Diese ist freilich bis zum heutigen Tag ausgeblieben und es scheint, die ganze Aufregung war ein Sturm im Wasserglas.

 

Exkurs: KulturSchock Finnland, S. 172

Alle Texte aus: Kulturschock Finnland von Ildikó Hámos und Ilari Sohlo und CityTrip Helsinki von Lars Dörenmeier

Uhrzeit und Temperatur: Helsinki

Titelfoto © Ildikó Hámos