»Unter allen Völkerschaften haben die Griechen den Traum des Lebens am schönsten geträumt«
Johann Wolfgang von Goethe

Griechenland
Ελληνική Δημοκρατία
Ellinikí Dimokratía
Hellenische Republik

02:05 h | 24 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
11.032.000

Bevölkerungsdichte
84 pro km²

Fläche
131.957 km² (95)

Hauptstadt
Athen

Staatsform
Parlamentarische Republik

Hauptsprachen
Griechisch

Währung
Euro

Nationalfeiertag
25.3

Oliven
Drittgrößte Produzent von Oliven weltweit

Internationale Ankünfte/Touristen
17,92 Mio.

Flugdauer
1.799,80 ~ 2 ¼ h

Entfernung über Land
2.398,94 km

Nationalhymne
Die griechische Nationalhymne hat 158 Strophen

Hochzeit
Im antiken Griechenland wurde das Alter einer Frau von ihrer Hochzeit an gezählt.

Theater
Geburtsstätte der Tragödie

Urbanisierung
Knapp 2/3 der griechischen Bevölkerung lebt in urbanen Gebieten. 40 Prozent allein in Athen.

Gesetz
Jeder Grieche über 18 ist verpflichtet zu wählen

Inseln
Mehr als 2.000, davon 170 bewohnt

Schwämme
Griechenland ist Marktführer in der Meeresschwammproduktion

Museen
Griechenland hat weltweit die meisten archäologischen Museen

Landschaft
Kein Punkt Griechenlands ist mehr als 137 Kilometer vom Wasser entfernt

Küstenlänge
mehr als 14.000 Kilometer

Dies und Das

Natur

Landschaftlich ist Griechenland ein im Meer verwurzeltes Gebirge. Nur ein Fünftel des Landes entfallen auf tiefer gelegene Küstenstreifen und auf Beckenlandschaften. Dominierend sind rund 2000 bergige Inseln und ein vor Urzeiten zerbrochener Gebirgsbogen. Vom Pindosgebirge im Norden pflanzt sicher dieser Bogen über drei weitere Massive auf die Halbinsel Peloponnes fort, taucht dann ab, um auf Kreta erneute Flagge zu zeigen und hebt sein Haupt dann ein letztes Mal auf Rhodos.

Tiere

Griechenland hat eine der größten Artenvielfalt Europas. Insgesamt leben hier 116 Säugetier-, 18 Amphibien-, 59 Reptilien-, 240 Vogel- und 107 Fischarten. Allerdings hat Griechenland auch große Probleme mit dem Tierschutz. Allein über die Hälfte der endemischen Säugetierarten sind vom Aussterben bedroht.

Essen

Traditionell essen die Bauern gegen 10 Uhr Schafskäse, Tomaten und Oliven mit Brot. Wenn die Fischer am späten Vormittag vom Meer zurückkommen, verspeisen sie Fisch und trinken Ouzo. Am Nachmittag gegen 16 Uhr essen die Griechen eher eine Kleinigkeit. Zum Abendessen hingegen gibt es eine große Mahlzeit, die meist nicht vor 22 Uhr aufgetischt wird. Neben tsatsíki und féta, gibt es unter anderem die typisch griechischen Spezialitäten souvláki (gegrillte Spieße), biftéki und kefthédes (Hackfleischbällchen gegrillt oder gebraten), moussaká (Auflauf mit Kartoffeln und Auberginen, oben Bechamelsauce) oder gýros.

Reisezeit

Günstig sind die Monate der Nebensaison, also März bis Mitte Juni und September/Oktober. Im Hochsommer herrscht in den geschützten Lagen des Landesinneren oft drückende Windstille, Touren sollten zu dieser Jahreszeit überwiegend in Küstennähe oder luftigen Höhen stattfinden und die heißeste Tageszeit, 14–17 Uhr, an einem schattigen Plätzchen verdöst werden.

Religion

Eine wichtige Rolle im Leben der Griechen spielt bis heute die griechisch-orthodoxe Kirche, der fast 97% der Bevölkerung angehört. Kirchen und Kapellen gehören einfach zu Griechenland wie Ziegen und Olivenbäume.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

Wörter die weiterhelfen

Ja / Nein – Ne / Óchji

Danke – Efcharißtó

Bitte – Parakaló

Hallo – Já ßaß / Ja

Tschüss – Adío

Guten Tag – Kaliméra

Guten Abend – Kalißpéra

Gute Nacht – Kaliníchta

Auf Wiedersehen – Chjérete

Herzlich Willkommen – kalóß oríßate

Wie geht es dir? – Ti kániß

Guten Appetit – Káli órekßi

Prost – Já ßaß

Es tut mir sehr leid – Lipáme polí

 

Aus Kauderwelsch Griechisch Wort für Wort Band 4

Dos and Don’ts

Der Umgang der Griechen miteinander ist viel weniger verkrampft als der unter uns Deutschen. Man zeigt seine Gefühle offen und schämt sich ihrer nicht. Oft sieht man, wie sich Freundinnen spontan um den Hals fallen und Küsse tauschen, oder wie junge Burschen händchenhaltend spazieren gehen; man sollte daraus keine falschen Schlüsse ziehen. Schon als kleine Kinder lernen Griechen, zu allen Menschen zärtlich und liebevoll zu sein. Man kennt daher keine Angst vor der körperlichen Berührung. Mit einer wichtige Ausnahme allerdings. Zwischen den Geschlechtern herrscht ab einem bestimmten Alter ein Tabu, dass bis heute nur selten gebrochen wird. Selbst befreundete oder verlobte Paare verhalten sich nämlich in der Öffentlichkeit zueinander oftmals eher kühl und distanziert. Ausländische Liebespaare, die ohne Rücksicht auf unfreiwillige Zuschauer Zärtlichkeiten austauschen, stoßen daher auf Unverständnis und Ablehnung. Als besonders rücksichtslos wird das empfunden, wenn Kinder in der Nähe sind. Aber, wie gesagt, grundsätzlich gehen Griechen emotional miteinander um. Bei Unterhaltungen geht es daher meist sehr ungezwungen zu. Griechen diskutieren leidenschaftlich gern, und gerade auch über politische Themen. Für ausländische Gäste bieten sich solche Gesprächsstoffe aber nicht an. Manche Themen sind – gerade in krisenhaften Zeiten – ausgesprochen konfliktgeladen. Einem Fremden steht eine Einmischung in diese inneren Angelegenheiten der Griechen nicht zu, und auch gut gemeinte Ratschläge werden leicht als arrogant und besserwisserisch empfunden. Wenn die Griechen aber untereinander diskutieren, herrscht weniger Zurückhaltung und es kann dann durchaus lauter werden. Das ist in den meisten Fällen gar nicht aggressiv gemeint. Der Lärmpegel ist im Allgemeinen höher als hierzulande.

Bei der Bekleidung bevorzugen die Griechen der mittleren und älteren Generation noch immer das eher Konservative. Sie sollten sich außerhalb der Strandzonen nicht allzu freizeitmäßig (sprich: ungepflegt) geben. Frauen sollten sich nicht unangemessen freizügig kleiden oder gar verhalten. Das heißt aber nicht, dass sommerlich kurze Damenbekleidung noch immer Skandale verursacht. Auch junge Griechinnen kleiden sich durchaus im Sommer wie anderswo in der westlichen Welt. Beim Betreten von Kirchen erwartet man allerdings von beiderlei Geschlecht ordentliche und eher „züchtige“ Kleidung.

Griechische Eltern sind zwar unheimlich stolz auf ihre Kinder, mögen es aber nicht immer, wenn man diese zu intensiv anschaut. Das Kind könnte durch den „bösen Blick“ verhext werden bzw. durch zu viel Aufmerksamkeit gewissermaßen den Neid der Götter erregen. Hexerei ist auch im Spiel, wenn man jemandem die Handfläche mit gespreizten Fingern entgegenhält. Diese Geste, múndsa genannt, ist das Zeichen einer bösen Verwünschung. Passen Sie also auf, wenn Sie jemandem durch Handzeichen die Zahl „fünf“ verständlich machen wollen.

Wenn ein Grieche seinen Kopf nach hinten wirft, will er damit eine Verneinung unterstreichen. Diese Kopfbewegung wird oft als Kopfnicken missdeutet. Dabei schnalzen die Griechen gelegentlich noch und heben ein wenig abwehrend die rechte Hand. Zuckt jemand schräg mit dem Kopf zur Seite und schnalzt ebenfalls, bedeutet dies „komm!“.

Etwas ganz Auffälliges noch zum Schluss: Griechen bekreuzigen sich sehr oft. Sie tun das, weil sie gerade an einer Kirche, einer Kapelle oder einem anderen geweihten Ort vorbeigekommen sind. Man bekreuzigt sich auch bei Antritt einer Reise, vor beginn einer schwierigen Aufgabe, oder wenn man sich erschrocken hat.

Exkurs Olivenöl – Das Geheimnis der kretischen Gesundheit

„Unsere Küche ist die gesündeste der Welt“, behaupten stolz die Kreter, erst recht, da sie durch neue wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt wurden. Der Leiter der epidemiologischen Abteilung der Universität Minnesota, Professor Dr. Ancel Keys, fand heraus, dass die Bewohner des Mittelmeerraums und insbesondere Kretas die geringste Rate an tödlich verlaufenden koronaren Herzkrankheiten aufweisen. Laut der Studie entfallen auf Kreta nur 1,75 % der Todesfälle auf eine koronare Herzkrankheit, im Mittelmeerraum sind es 17 %, in den Niederlanden ca. 38 %, während in den USA knapp 50 % der Todesfälle auf eine Herzkrankheit zurückgehen.

Auch andere Untersuchungen haben ähnlich frappierende Ergebnisse erbracht und bestätigt, dass die Kreter zu den gesündesten Menschen der westlichen Welt gehören. Und das liegt in erster Linie an ihren Essgewohnheiten, an der „Dieta Mediterranea“, der „Mittelmeerdiät“. Hiermit ist eine Ernährungsweise aus überwiegend vegetarischer Kost gemeint; neben Brot gehören viel Obst und Gemüse und schließlich Milchprodukte dazu. Hingegen spielt Fleisch in dieser Ernährung nur eine sehr untergeordnete Rolle und wird ggf. durch Fisch kompensiert. Alkohol wird in Maßen, und wenn, dann vorwiegend in Form von Rotwein genossen, ein weiterer Faktor, der zum Wohlergehen beiträgt.

Einem anderen Ernährungsbestandteil, der mit „Diät“ eigentlich nichts zu tun hat, kommt in Griechenland eine zentrale Rolle zu: dem Fett, das zwar reichlich, aber fast ausschließlich in Form von zumeist einfach ungesättigten Fettsäuren, nämlich als Olivenöl, genossen wird. Tierische Fette, wie die in Nordeuropa heiß geliebte Butter, spielen hingegen kaum eine Rolle. Niederländische Untersuchungen haben gezeigt, dass eine solche olivenölreiche Ernährung eine deutliche Senkung des Gesamtcholesterinspiegels zur Folge hat. Ein zu hoher Cholesterinwert gilt als Hauptverursacher von Gefäßerkrankungen. Forschung hin oder her, auch auf Kreta zeichnet sich in letzter Zeit zunehmend eine Änderung der Lebensweise und Ernährungsgewohnheiten ab. Übergewichtige sind keine Seltenheit mehr. Junge, im Berufsleben stehende und in den Städten lebende Kreter greifen heute weit häufiger auf Fast- und Convenience Food zurück und schätzen ausländische Produkte oft mehr als ihre eigenen, gesünderen.

Das Phänomen „Kafeníon“

Man findet es meist auf dem Dorfplatz, markiert durch einen Schatten spendenden Maulbeerbaum oder eine Platane: das Kafeníon. Es handelt sich meist um eine karge Halle mit Theke am Kopfende, eingerichtet mit den charakteristischen harten Holzstühlen mit Strohgeflecht als Sitzfläche und kleinen Tischchen, die sich zum Teil im Freien befinden und an denen, wie zum Inventar gehörig, immer ein paar alte Männer sitzen. Das Kafeníon ist kein Café im uns geläufigen Sinn – es ist eine Institution, in der bis heute Touristen und Frauen nicht gern gesehen sind.

Traditionell kommen hier die Männer zusammen, werktags und tagsüber vor allem jene, die nicht mehr berufstätig sind. Sie sitzen stundenlang beisammen, ein Glas Wasser oder Kaffee trinkend, selten Alkohol, debattieren über Gott, Fußball, Basketball und die Welt, spielen Tavlí oder Karten, sehen fern oder sitzen einfach nur da und drehen die Perlen ihrer Komboloi zwischen den Fingern. Das Kafeníon ist eine „soziale Einrichtung“: Hier konsumiert man nicht, hier löst man Probleme, schlägt Zeit tot oder entflieht der Einsamkeit. Sofern es in einem Ort mehrere Kafenía gibt, scheiden sich oft die Geister: Man geht möglicherweise je nach parteilicher Zugehörigkeit in das eine oder andere. Ursprünglich unterschieden sich diese sogar optisch: Rötlich-braune Türen und Fensterrahmen waren ein klarer Hinweis auf kommunistische Gesinnung, Grün deutete auf Sozialisten und Blau auf Konservative. Noch heute sind die schlicht bis spartanisch ausgestatteten Gasträume in vielen Dörfern zu finden, während sie in den Städten weitgehend ausgestorben und von „touristisch aufgemachten“ Cafés abgelöst worden sind. Was nicht verwundert, denn im traditionellen Kafeníon herrscht kein Verzehrzwang, lediglich eine Ausleihgebühr für Karten und Tavlí- Bretter fällt an, und alte Männer, die über Stunden einen einzigen Kaffee trinken, sind natürlich weit weniger lukrativ als konsumfreudige Touristen, die Cocktails und Häppchen verlangen. Immerhin erlebt das Tavlí-Spiel in letzter Zeit bei jüngeren Menschen, natürlich in schickerem Ambiente, ein Revival.

Der Drachen von Filérimos

Anfang des 14. Jh. war es für Pilger nicht ganz ungefährlich, das Dorf Filérimos auf Rhodos zu besuchen, denn das Kloster hatte einen Hausdrachen, der Pilger fraß. Während andernorts Drachen eher der Fantasie entspringen, muss dieser aus Fleisch und Blut gewesen sein. Es handelte sich um ein Krokodil, das vermutlich im Bauch eines Handelsschiffes aus Ägypten die Reise nach Rhódos angetreten hatte. Irgendwie war das Reptil auf der Insel in die Wildnis gelangt. Es hatte sich unterhalb von Filérimos in einem Moor ein neues Zuhause gesucht und fraß alles, was ihm in die Quere kam – auch Pilger. Der junge Kreuzritter de Gozon machte sich eines Tages auf die Suche nach dem Ungeheuer – gegen den Willen des Großmeisters de Villaret, denn der hatte schon einige jagdfreudige Ritter als Krokodilfutter opfern müssen. Obwohl de Gozon erfolgreich war und das Krokodil erlegte, erntete er zunächst kein Lob vom Großmeister, denn der erwartete strengen Gehorsam, und de Gozon hatte schließlich gegen seinen Willen gehandelt. Der junge Ritter wollte den Orden schon beleidigt verlassen, als der Großmeister sich darauf besann, dass aus diesem Bürschchen vielleicht noch etwas Rechtes werden könnte. Und de Gozon brachte es auch wirklich noch zu etwas, er wurde in späteren Jahren selbst Großmeister. Über diese Geschichte hat Friedrich Schiller 1798 ein Gedicht geschrieben.

Aus: Griechisch – Wort für Wort von Karin Spitzing, Fahrradführer Europa von Herbert Lindenberg, Rhodos von Margret van Blokland, Kreta von Margit Brinke und Peter Kränzle

Uhrzeit und Temperatur: Athen

Titelfoto: Margret van Blokland