»Die Briten haben das besondere Talent auch in nicht vorhandenen Krisen gelassen zu bleiben.«
Franklin P. Jones (1887 - 1929)

Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland
United Kingdom of Great Britain and Ireland

08:54 h | 5 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
63 228 000 (22)

Bevölkerungsdichte
260 pro km²

Fläche
242 910 km² (Weltrang 78 )

Hauptstadt
London

Staatsform
Königreich

Regierungsform
Parlamentarische Monarchie

Hauptsprache
Englisch

Währung
Pfund Sterling

Nationalfeiertag
2. Samstag im Juni

Internationale Ankünfte/Touristen
Ca. 30 000 000

Flugdauer

637,35 km ≈ 1 Std.

Entfernung über Land
763 km

Länge der Küstenlinie
Ca. 12 500 km

Eurotunnel/Channel Tunnel
50,45 km

Teeverbrauch
2,3 kg/Kopf

Königliche Pferde
2 Hengste, 25 Reitpferde, 25 Zuchtpferde

Höchster Berg
Ben Nevis 1 344 m

Olympiasiege im Rudern (3)
63 Medaillen

Fussballweltmeister
1 Mal 1966

Gareth Frank Bale /Mittelfeldspieler
80 Mio. Euro

Dies und Das

Landesstruktur

Das Vereinigte Königreich umfasst: England, Nordirland, Schottland, Wales, Außengebiete sind: Guernsey, Jersey und Isle of Man.

Als Overseas Territories zählen: Anguilla, Bermuda, Britische Jungferninseln, Britisches Territorium im Indischen Ozean,  Britisches Territorium in der Antarktis, Falklandinseln, Gibraltar, Kaimaninseln, Montserrat, Pitcairninseln, St.Helena, Südgeorgien und Süd-Sandwich-Inseln, Turks-und Caicosinseln und mehr.

Natur/Tiere

England ist eine dicht besiedelte, landwirtschaftlich stark genutzte Landschaft, in der nur wenig an natürlicher Flora und Fauna erhalten ist. Doch immerhin sind noch 7 % der Gesamtfläche Englands Waldgebiete. Daneben wurden zahlreiche Landschaftsgärten und Nationalparks eingerichtet, in denen die heimische Tier- und Pflanzenwelt gehegt und gepflegt wird. So sind beispielsweise viele Nationalparks im August, wenn das Schmalblättrige Weidenröschen blüht, bis an den Horizont mit einem lilafarbenen, leuchtenden Teppich bedeckt, und in weiteren großen Regionen strahlt purpurn die Heide.

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Durch Waldgebiete, aber auch entlang landwirtschaftlich beackerter Felder bewegt sich der schwarz-weiß gestreifte Dachs, während an den Flussufern wieder die Ansiedlung von Ottern beobachtet werden konnte. Igel, Kaninchen und Füchse sind im ganzen Land weit verbreitet. Vom gestiegenen Umweltbewusstsein haben vor allem die Füchse profitiert, deren Population stark zugenommen hat. Sie gelten bei den Farmern mittlerweile wieder als Landplage und dringen auch in die Dörfer und in die Vororte der Städte vor, um sich hier bequem von den Speiseresten der Bewohner zu ernähren.

Reich ist die Vogelwelt entlang der 11.200 km langen Küste Großbritanniens, und Bird Watching gehört bei vielen Briten zur liebsten Feierabend und Ferienbeschäftigung. Die RSPB, die Royal Society for the Protection of Birds, ist eine der mitgliederstärksten Institutionen im Inselreich.

An der Küste geraten in das Blickfeld des Feldstechers die majestätischen Kormorane (cormorant), die lustig aussehenden Papageientaucher (puffin), Austernfischer (oystercatcher), die Gemeinen Seeschwalben (common tern), Seetaucher (grebe), Tordalk (razorbill), Trottellummen (guillemot), die rasant durch die Lüfte fetzenden Sturmschwalben (storm petrel), die unermüdlich ihren englischen Namen Kittiwake, Kittiwake krächzenden Dreizehenmöwen und die an Land recht unbeholfenen und daher treffend benannten Basstölpel (northern gannet), die aus großer Höhe in Sturzflügen ins Meer schießen.

Der mächtigste Vogel ist die Große Seemöwe (great black-backed gull), die eine Spannweite von mehr als 1,50 m erreichen kann. Wohlgelitten ist sie bei den Birdwatchern nicht, denn sie bringt die allseits beliebten, putzigen Papageientaucher ums Leben.

Umweltschutz

Die Engländer haben bei weitem kein so ausgeprägtes Umweltbewusstsein wie die Deutschen. Dennoch erfolgt langsam, aber stetig ein Umdenken, was den Umgang mit natürlichen Ressourcen betrifft.

Mit gutem Beispiel voran geht Prince Charles, wenn er seine Ländereien nach allen Regeln des Umweltschutzes hegt und seinen Landsleuten kräftig ins Gewissen redet. Bestes Beispiel sind seine Initiativen auf den Isles of Scilly, wo umweltzerstörender Tourismus eingedämmt und das nicht bewohnte

Land dem Schutz eines Environmental Trust überantwortet wurde.

Auch die restlichen Areale von Prince Charles’ Duchy of Cornwall (Herzogtum Cornwall), das rund 66.500 ha Agrarland umfasst, werden von seinen Pächtern durch eine umweltverträgliche Landwirtschaft bearbeitet, die sich für alle Beteiligten mittlerweile auch finanziell lohnt.

Essen

Den miserablen Ruf, den das englische Essen hat, werden die Briten sicher nie mehr los. Urlauber seien deshalb vorab informiert, dass sie auf einer Fahrt durch das Inselreich sehr wohl gastronomische Highlights erleben können.

Breakfast: Doch beginnen wir erst einmal mit dem außerordentlich sättigenden, aber auch den Cholesterinspiegel in ungeahnte Höhen treibenden Frühstück. Es geht los mit cereals (Cornflakes oder Müsli), Hartgesottene können auch porridge (Haferschleim) ordern; hat man sich reichlich bedient, wird man nach den Wünschen bezüglich des cooked breakfast gefragt und ordert etwa bacon and scrambled eggs with sausages and baked beans, also gebratenen Schinken und Rühreier, Würstchen und (süße) Bohnen in Tomatensauce. (Tipp: Verzichten Sie unbedingt auf die Würstchen – ihr Innenleben erinnert eher an in Öl getränkte Servietten!) Außerdem wird Toast mit Butter und Marmelade gereicht. Häufig gibt es eine schrumpelige, gegrillte Tomate zum cooked breakfast, oder auch gebratene Champignons (mushrooms). Statt Rührei kann man auch Spiegeleier (fried eggs) bestellen. Bestellen Sie Tee und nicht den berühmten englischen Kaffee!

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Lunch: Über die Mittagszeit, zum Lunch, trifft man sich gerne in den Pubs und Inns und greift dort zum Pub Grub bzw. Bar Meal. Alle Tavernen auf dem Land haben eine weite Palette an Snacks im Angebot. Es muss ja nicht immer ein Sandwich sein, man kann ja auch einmal einen Ploughman’s oder Fisherman’s Lunch probieren. Ersterer besteht aus einer dicken Scheibe Käse, Brot mit Butter und etwas Salat, Letzterer hat statt Käse eine Räuchermakrele auf dem Teller.

Salate mit Schinken oder Fleischbeilage sind ebenfalls beliebt und weit verbreitet, gleiches gilt für Currys, also indische Hühner-, Schweine- und Rindfleischgerichte mit Reis.

Auch eine Soup of the Day – Tomaten-, Hühner-, Gemüse- oder Spargelcremesuppe – ist immer im Angebot. Serviert wird sie mit gerösteten Brotstücken obendrauf sowie mit Brot und Butter.

Zwei Arten von Pies sind sehr beliebt: Steak and Kidney Pie, Rindfleisch- und Nierengulasch in einer Teighülle, sowie Shepherd’s Pie, das ist Hackfleisch mit überbackenem Kartoffelpüree.

Man kann den Wirt ruhig fragen, was er sonst noch im Angebot hat; oft hängt aber drinnen oder draußen eine große schwarze Wandtafel, auf der alle Gerichte verzeichnet sind.

Tea Time: Am späteren Nachmittag schlägt dann die Stunde der Tea Rooms. Hier, in einer gemütlichen Wohnzimmeratmosphäre, nehmen Briten gern ihren Cream Tea, und haben Kontinentaleuropäer diese Sitte erst einmal kennengelernt, so werden sie sie bald nicht mehr missen wollen. Ein Cream-Tea- Gedeck beinhaltet eine Kanne Tee, frische, warme und leicht süße Scones (weiche Brötchen, beispielsweise mit Rosinen), Clotted Cream, dicke Buttersahne, und Jam, Marmelade.

Dinner: Ein Dinner ist dann der gastronomische Hochgenuss. Leider sind Restaurants weitaus teurer als bei uns, dennoch darf man sich das eine oder andere gute Lokal nicht entgehen lassen.

An der Küste finden sich hervorragende Seafood Restaurants, doch sollte man auch die spezifisch britische Küche nicht aus den Augen verlieren; so etwa Lamm in Minzsauce oder Roastbeef und Yorkshire Pudding. Urlauber staunen immer wieder, wie schmackhaft die englische Küche ist.

Restaurants der gehobenen Kategorie erwarten übrigens angemessene Kleidung vom Gast, also ein Sakko mit Krawatte bzw. ein Kleid.

Reisezeit

© Stefan Blank

Die beste Reisezeit erstreckt sich von Anfang Mai bis Ende Juni. Dann steht alles in schönster Blüte; Hotels, Pensionen und Restaurants sind nicht überfüllt, und auch die Niederschlagsmengen halten sich in erträglichen Grenzen. Ende Juli dann beginnen in Großbritannien die Sommerferien, und die Küsten und Nationalparks gehören selbstverständlich zu den beliebtesten Urlaubsgebieten der Briten. Im Juli und August strömen auch die Kontinentaleuropäer auf die Insel, und Hotelbetten können schon einmal knapp werden. Im September ist es dann wieder schön ruhig, und auch die Temperaturen sind noch durchschnittlich so hoch wie im Juni.

Religion

72% Christen, 2,8 % Muslime, 1,0 % Hindus, 0,6 % Sikhs, 0,5 % Juden, 0,3 % Buddhisten, 15,1 % religionslos.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

Kleine Vokabelliste rund ums Essen

leg of lamb  –   Lammkeule

with mint sauce –  in Minzsoße

roast rib of beef   –   geröstete Rippe vom Rind

gammon steak   –   Schinkensteak

grilled sirloin steak   –   Rumpsteak

fried fillet of   –   Schollenfilet mit

plaice with   –   Remouladensoße

tartare sauce

grilled salmon   –   gegrillter Lachs

lamb cutlets   –   Lammkoteletts

pork   –   Schweinefleisch

mussels   –   Muscheln

prawns   –   Garnelen

trout   –   Forelle

brussels sprouts   –   Rosenkohl

mushrooms    –   Champignons

creamed potatoes   –   Kartoffelpüree

baked potatoes   –   Folienkartoffel

vegetables   –   Gemüse

peas   –   grüne Erbsen

cabbage   –   Grünkohl

cauliflower   –   Blumenkohl

leeks   –   Lauch

lemon meringue pie   –   Zitronenbaisertorte

hot apple pie   –   warmer Apfelkuchen

fruit salad   –   Obstsalat

 

Kauderwelsch Englisch Wort für Wort Band 64

Dos and Don’ts

Zu den wichtigsten sozialen Regeln im täglichen Leben in England gehört der Gebrauch der Höflichkeitsfloskeln Thank you („Danke schön“) und Sorry („Entschuldigung“). Hier gilt die Regel, dass beides nicht oft genug gesagt werden kann. Man dankt jedem, dem man nur danken kann, und wo immer sich die Gelegenheit dazu ergibt. Ob dieses Dankeschön jedes Mal wirklich von Herzen gemeint ist oder nicht, es erzeugt auf jeden Fall auch bei einem Fremden ein behagliches Gefühl. Man fühlt sich aufgehoben in einer Kultur von gut meinenden Menschen.

Ähnlich verhält es sich mit der Entschuldigung, dem Sorry. Wenn ein Bus außer Betrieb ist, erscheint in der Ansage nicht einfach nur der Hinweis „Außer Betrieb“, sondern: Sorry, not in service. Die englische Bahn entschuldigt sich dreimal pro Minute, wenn ein Zug Verspätung hat. Jeder entschuldigt sich grundsätzlich für alles und jedes.

Bei beiden Floskeln spielt übrigens auch die Intonation eine wichtige Rolle. Je mehr Thank yous und Sorrys man von sich gibt, umso mehr bringt man auch verschiedene Gefühle mit in den Ausdruck. Bei Missachtung dieser Höflichkeitsrituale empfinden Briten jemanden schnell als ungehobelt (rude). Dem Briten fällt der lockere Umgangston leichter als einem Deutschen, da es keine Unterscheidung zwischen der höflichen Anrede „Sie“ und der freundschaftlichen Anrede „Du“ gibt. Das macht vieles einfacher, führt aber bei Fremden hin und wieder zu Missverständnissen. Die Tatsache, dass man mit dem Vornamen angeredet und geduzt wird, bedeutet nicht, dass einem das Gegenüber in irgend einer Weise näher steht. Es kreiert allerdings im täglichen Umgang miteinander (ebenso wie das Bedanken und Entschuldigen) eine freundliche Atmosphäre und auch das wohlige Gefühl, in einem Sicherheitsnetz aufgehoben zu sein, wo einem niemand etwas Böses will.

Lediglich Menschen in Uniform o.Ä. begegnet man mit größerem Ehrerbieten. Einen Arzt, einen Würdenträger, einen Bankangestellten oder Beamten würde man nicht mit Vornamen ansprechen (Ärzte und Würdenträger erscheinen im Anzug, alle anderen tragen eine Uniform). Hier gilt die Anrede Sir oder im Falle einer Frau Madam. Polizisten nennt man Officer. Auch das Gegenüber nutzt in diesem Fall die höfliche Anrede.

Dies sind allgemein akzeptierte Umgangsformen, die man erlernen muss, will man nicht immer wieder in Fettnäpfchen treten.

Exkurs: Pub Lunch

Eine britische Tradition, die mit dem Pub in Verbindung gebracht wird, ist der sonntägliche „Pub Lunch“, der in bestimmten Gesellschaftsschichten weitverbreitet ist. Allerdings scheiden sich hier die Geister, denn einige Briten schwören darauf und anderen ist dieser Brauch verhasst.

Das sonntägliche Mittagessen war und ist traditionell eine der wenigen Gelegenheiten, wo die gesamte Familie beisammen sitzt. In der Vergangenheit trafen sich hier die Mitglieder der erweiterten Familie, nicht nur diejenigen, die zusammen wohnten. Auf dem Speiseplan stand normalerweise ein Braten („Roast“) mit Beilagen („Trimmings“) in Form von „Yorkshire Pudding“ (eine Art knuspriger, dünner Pfannkuchen), Rosenkohl, Karotten oder Kohl, gerösteten Kartoffeln und Soße. Nach dem Essen saß man beim Fernsehen zusammen oder ging spazieren.

Heute empfinden viele die Zubereitung einer so großen Mahlzeit als zu aufwendig und man zieht es daher vor, auswärts zu essen. Die meisten Pubs bieten ein „Sunday Roast“ an, das leider jedoch nur noch selten frisch gekocht ist. Oft kommt es direkt aus der Tiefkühltruhe bzw. aus der Mikrowelle (Fleisch ausgetrocknet, Gemüse überkocht und Yorkshire Puddings so zäh wie Kaugummi). Die Qualität variiert daher je nach Etablissement sehr stark und ist am besten in kleineren, unabhängigen Pubs, wo tatsächlich noch Hausmannskost zubereitet wird.

Heutzutage verkommt der „Pub Lunch“ leider oft zu einem Trinkgelage am Nachmittag, bei dem die Kinder in der Spielecke herumtollen und die Erwachsenen trinken und klönen. So werden viele sonnige Nachmittage anstatt beim Nachmittagskaffee und Spaziergang (wie z. B. in Deutschland) in einer dunklen Kneipe verbracht.

Besser ist es im Sommer, wenn man draußen sitzen kann. Allerdings sind viele Biergärten der Pubs dann auch bevölkert von Männern mit entblößten und geröteten Oberkörpern, die sich beim Biertrinken gleichzeitig in der Sonne braten.

 

Das Mirakel der englischen Ausspracheregeln

Wieso spricht man eigentlich „Worcester“ und „Leicester“ nicht so aus, wie man  es schreibt?

Nicht fragen, nur wundern!

Das Englische und seine Ausspracheregeln bzw. deren Ausnahmen ist für Urlauber oft ein Buch mit sieben Siegeln. George Bernard Shaw hat sich darüber mal lustig gemacht und hielt Sprachexperten eines Tages das Kunstwort „Ghoti“ entgegen. Er erklärte, dass es nur in der englischen Sprache wie „Fish“ ausgesprochen werden könnte. Die geniale Erklärung des Meisters: Das gh kann man als „f“ wie in rough sprechen, das o als „i“ wie in women, und das ti als „sh“ wie in nation. Ergebnis: Fish!

Nachahmer tüftelten aus, dass man nach ähnlichem Argumentationsmuster auch das Wort potatoe als ghoughphtheightteeau schreiben könnte ...

Texte aus: England der Süden von Hans-Günter Semsek und Stefan Blank, England Norden und Mitte von Hans-Günter Semsek, KulturSchock Grossbritannien von Simon Hart und Lilly Nielitz-Hart

Uhrzeit und Temperatur: London

Titelfoto: Stefan Blank.