»100 Mal hören bedeutet weniger als einmal sehen.«
»Hyakubun wa ikken ni shikazu.«
Altes japanisches Sprichwort

Japan
Nihon-koku/Nippon-koku

01:17 h | 27 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
128.057.352

Bevölkerungsdichte
337 pro km²

Fläche
377.873 km² (61)

Hauptstadt
Tokyo

Staatsform
Parlamentarische Erbmonarchie

Hauptsprachen
Japanisch

Währung
Yen (¥)

Nationalfeiertag
23.12.

Internationale Ankünfte/Touristen
8.358.000 (2012)

Flugdauer
9331,49 ≈ 11 ½ h

Berganteil
Etwa 73 %

Geishas
Ca. 10.000

Alphabetisierungsrate
99 %

Schreibsysteme
4 (romaji, katakana, hiragana und kanji)

Erdbeben
Etwa 1500 pro Jahr

Inseln
Über 4000

Verkaufsautomaten
Über 5,5 Mio.

Vulkane
Über 200

Längster Zugtunnel
54 km

Migrationsanteil
2%

© Robert Baum

Dies und Das

Natur

Japans Flora ist nicht zuletzt aufgrund der Landesausdehnung über mehrere Klimazonen besonders vielfältig: 160 Baum- und 800 Straucharten bietet Japan, das ist im Vergleich mit Europa jeweils ungefähr das Doppelte. Einige kleine abgelegene Inseln Japans (Teile der Ogasawara- oder der Okinawa-Inseln) sind bis heute noch weitgehend von Menschenhand unberührt, sodass sich dort einzigartige Ökosysteme entwickeln und erhalten konnten. Diese Inseln beherbergen vom Aussterben bedrohte Tierarten, die in keinem anderen Gebiet der Welt noch vorkommen.

Tiere

Zu den einzigartigen Spezies in Japan zählen zum Beispiel Arten von Libellen, Spechten, Salamandern, Krabben, Haien und Meeressäugetieren. In Hokkaidō ist der Braunbär beheimatet, während in Tōhoku der asiatische Schwarzbär vorkommt. In ganz Japan wird man auf wilde Affenpopulationen stoßen, ob in Yakushima, bei Kyoto, in Nagano oder in Tōhoku. Die Japan-Makaken (Rotgesichts-Makaken) stellen die nördlichste Affenpopulation der Welt dar.

Essen

© Oliver Hoffmann und Kikue Ryuno

Japan ist in kulinarischer Hinsicht ein Paradies. Die Varianten sind fast grenzenlos, was sowohl die Zutaten als auch die Arrangements der Gerichte betrifft. Schnell wird man bei seinem Japan-Aufenthalt feststellen, dass die japanische Küche weit mehr als nur Sushi, Tempura oder Sukiyaki zu bieten hat. Viel mehr ist sie bestimmt von Reis, Gemüse, Tofu und der Nähe zum Meer – dementsprechend finden sich so viele Variationen mit Meeresfrüchten, wie man sie anderswo in der Welt wohl vergeblich suchen wird. Bei den Zutaten kommt es vor allem auf Frische an, was sich auf den Wochen- und in den Supermärkten in Form einer überraschend großen Auswahl niederschlägt. Die japanische Küche hat es in den vergangenen Jahrhunderten geschafft, fremde internationale Einflüsse zu adaptieren, den eigenen Traditionen hinzuzufügen und daraus etwas Eigenständiges zu schaffen. Ein Beispiel dafür sind die Rāmen-Nudeln, die ursprünglich aus China stammen, in der jetzigen Form aber als ureigenes japanisches Gericht gelten. Neben den typischen Speisen bietet Japan viele regionale und jahreszeitliche Gerichte, die in den einzelnen Kapiteln zu den Regionen Erwähnung finden.

Religion

© Szabolcs Arany

Die Frage „Was ist Ihre Religion?“ ist für viele Japaner nicht so eindeutig zu beantworten, wie man das vergleichsweise in unserem Kulturkreis erwartet. Laut Statistik fühlen sich 80 Prozent der Japaner zu mehreren Religionen zugehörig: 107 Millionen zum Shintoismus, 91 Millionen zum Buddhismus und 1,4 Millionen zum Christentum. Religion ist in Japan keine Bekenntnisfrage. Charakteristisch für die Ausübung der religiösen Zeremonien in Japan ist, dass jedes Ereignis oder Fest von der Tradition einer Glaubensform bestimmt wird. Hochzeiten sind das Metier des Shintō. Beerdigungen und das Gedenken an die Toten ist dagegen buddhistisch geprägt. Gesellschaftskritiker werfen ein, dass nur eine Erscheinungsform der japanischen Moderne den traditionellen Religionen Konkurrenz machen kann: die Ehrerbietung und Aufopferung der Arbeiter gegenüber ihrer Firma, die herkömmlichen religiösen Motiven in nichts nachstehe …

Reisezeit

Hauptreisezeiten für Japan sind eindeutig Frühling und Herbst, also März bis Mai und September bis November. Je nach Reiseort – Japan erstreckt sich über drei Klimazonen – kann sich die beste Reisezeit etwas verschieben. Die meisten Besucher kommen im Frühling zur Zeit der Kirschblüte ins Land, wenn sich Japan von seiner besten Seite zeigt. Das überwiegend gemäßigte bis subtropische Klima sorgt für sehr heiße Sommer, die auch aufgrund der Regenzeit nicht unbedingt als Reisezeit zu empfehlen sind. Am ehesten mit unserem mitteleuropäischen Klima sind die Regionen Hokkaidō und Nord-Honshū zu vergleichen, die über trockene Sommer und schneereiche Winter verfügen. Zur Orientierung: Kyoto liegt auf einem Breitengrad mit Nordafrika, Sapporo liegt auf einer Höhe mit Rom.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

hai
Ja

ile
Nein

kangae-sasete kudasai
Lass mich darüber nachdenken (= nein)

dômô
Bitte (Antwort auf Danke)

arigatô (gozai-masu)
Vielen Dank

dô ita shi-mashite
Keine Ursache

yôkoso
Willkommen

konnichi wa
Guten Tag

komban wa
Guten Abend

sayônara
Auf Wiedersehen

ja ne
Tschüss

kampai/ikki
Zum Wohl

gomen nasai
Entschuldigung

kamai-masen
Das macht doch nichts

dôzô tasukete kudasai
Helfen Sie mir bitte

Kleine Sprachhilfe
Kauderwelsch Japanisch, Band 6

Dos and Don'ts

Japanische Höflichkeit ist sprichwörtlich. Solange die Menschen sich anonym bewegen, kann es schon mal vorkommen, dass sie andere anrempeln und keine Notiz davon nehmen. Im Moment jedoch, wo zwei Menschen mit einander ins Gespräch kommen, gelten die Regeln der Höflichkeit in ihrer ganzen Vielfalt von gleich zu gleich, gleich zu höher gestellten, gleich zu niedrig gestellten, höher zu niedriger und niedriger zu höher gestellten Personen. Die Japaner haben darin natürlich von klein auf Übung. Als gaijin wird man sich selten ganz angemessen verhalten können.

Aber niemand wird einem diese unbeabsichtigte Unhöflichkeit verübeln, dazu sind die Japaner eben viel zu höflich. Gegenüber Fremden verrät man nicht seine Gefühle von Schmerz, Trauer, Ärger. Ein Mensch mag tief traurig sein und wird doch für andere ein Lächeln übrig haben. Man möchte andere nicht mit seinen Sorgen belästigen. Es gibt viele Beispiele, dass lieber ein Todesfall in Kauf genommen wurde, als andere zu belästigen. Aber solche Extreme wird man wohl nicht erleben. Unter ihres gleichen fühlen Japaner sich sehr entspannt und (re)agieren sehr temperamentvoll. Japaner sind gern in Gesellschaft, am liebsten in ihrer Bezugsgruppe. Außerhalb dieser Gruppe, z. B. im Ausland, fühlen sie sich daher eher unsicher, wirken etwas steif. Die Japaner haben, wegen der Insel-Lage und ihrer Jahrhundertelangen Abgeschiedenheit, ein sehr ausgeprägtes Nationalgefühl. Man muss bedenken, dass weniger als ein 1% der Bevölkerung nicht-japanischen Ursprungs ist (Koreaner und Chinesen) und dass sich die Bevölkerungszusammensetzung in den letzten 2.000 Jahren kaum geändert hat. Und die Urbevölkerung der Ainu ist, bis auf wenige Reste auf Hokkaido, mit den Japanern verschmolzen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich die Japaner – das Kaiserhaus eingeschlossen – als eine einzige große Familie fühlen. Und in der Tat gibt es wohl kaum ein Volk, dass so homogen ist.

Als gaijin ist man Gast, zumal man wohl nur einige Wochen oder Monate im Land bleiben wird. Und Gast in Japan zu sein, ist ein sehr angenehmer Zustand. Frauen können sich grundsätzlich sehr sicher fühlen: selbst, wenn sie mitten in der Nacht durch schmale Gassen gehen, werden sie nicht belästigt. Tôkyô hat auch heute noch die niedrigste Kriminalitätsrate aller Metropolen, auch wenn sie nicht zuletzt durch die wachsende Zahl von Gastarbeitern steigt. Die unzähligen Polizeiboxen tragen mit dazu bei. Denn die Polizei (keisatsu) wird noch als „Freund und Helfer“, gern auch als mawari-san „Herr Nachbar“ empfunden. Sie erkundigen sich z. B. nach dem Befinden älterer Mitbürger, man kann sie jederzeit nach dem Weg fragen, usw. Bei der Begrüßung verbeugen sich die Japaner, wobei sie die Hände vorn an die Oberschenkel anlegen. Wer mehr Respekt zu zollen hat, wer also im Rang (Alter, gesellschaftliche Stellung, usw.) niedriger steht, sollte sich tiefer verbeugen und sich nicht aufrichten, bevor es sein ranghöheres Gegenüber getan hat. Verbeugungen sind allgegenwärtig. Selbst beim Telefonieren wird man angedeutete Verbeugungen bemerken. Das sind eben eingeschliffene Reflexe.

Beim Betreten einer Wohnung muss man seine Schuhe ausziehen. Im Eingangsraum von Privathäusern gibt es zunächst Stein böden, begrenzt von einer hohen Stufe. Jenseits der Stufe ist der Fußboden tabu für Schuhe. Pantoffeln werden nur im Flur getragen. Beim Betreten der Toilette (o-te-arai, Händewaschort) wechselt man von den Flurpantoffeln in Toilettenpantoffel. Die Tatami-Matten werden nur mit Socken oder barfuß betreten.

In Tôkyô gab es früher im Winter im Durchschnitt 70 Brände pro Tag. Die Holzhäuser in der Stadt brennen wie Zunder. Man heizt in diesen Häusern mit Gas- oder Elektroöfen. Dann kann man leicht ein Feuer verursachen. Also Vorsicht im Winter!

Einsame Trinker sind in Japan nicht erwünscht. Man schenkt sich sein Getränk nicht selbst ein, wenn man in Gesellschaft ist, sondern schenkt stets einander ein. Also achtet man immer darauf, ob das Glas des oder der anderen nachgefüllt werden sollte. Beliebte Getränke sind Sake (ni hon-shu = Japan-Wein), Bier und Whisky mit Soda (mizu-wari = mit Wasser). Japaner vertragen keine großen Alkoholmengen. Der Alkoholkosum zeigt also schnell Wirkung und sie werden recht lustig, wenn sie es nicht schon vorher sind.

Sicher werden Sie mal ins öffentliche Bad – sentô – gehen. Sie sind ein Erlebnis, das man keinesfalls verpassen sollte. Bis auf manche ländlichen Gebiete, wo gemischt gebadet wird, sind die Bäder nach Männern und Frauen getrennt. Man zieht sich aus, hängt die Kleidung in den Spind, hockt sich auf einen niedrigen Hocker vor den Spiegel und die beiden Wasserhähne für heiß und kalt. Man mischt sich das Wasser in einer Schüssel, seift sich ein, spült sich ab. Dann erst steigt man in das Hockbecken von meist 40 – 45°, also Vorsicht am Anfang! Dort entspannt man sich einige Minuten, geht heraus, spült sich kalt ab, setzt sich vielleicht in den Garten und beginnt von neuem – eine herrliche Entspannung.

Öffentliche Toiletten, z. B. in Gaststätten sind oft nicht nach Männern und Frauen getrennt. Die Pissoirs stehen im Toilettenvorraum. Frauen tun einfach so, als ob niemand da ist und gehen zur Toilette.

Um jemanden heranzuwinken, bewegt man die Hand nach unten; zeigt man auf Leute, deutet man mit der ganzen Hand in die Richtung, nie mit dem Zeigefinger! Meinen Japaner sich selbst, zeigen sie mit dem Zeigefinger auf die eigene Nasen spitze; Frauen und Mädchen lachen meist mit vorgehaltener Hand; Zärtlichkeiten werden selten in der Öffentlichkeit ausgetauscht. Aber die dem Westen nachstrebenden, jungen Japaner kleiden sich nicht nur wie bei uns, sondern benehmen sich auch oft so. Dennoch die Norm ist: nicht einmal Händchen halten.

Exkurs: Kansai International Airport – Wunder der Architektur

Der Kansai International Airport ist eine der atemberaubendsten Flughafen-Konstruktionen und zählt zu den architektonischen Wundern des 20. Jahrhunderts. Der 1994 fertig gestellte Flughafen wurde als weltweit erster komplett auf einer künstlich errichteten Insel gebaut. Der Platzmangel in der Kansai-Region hatte die Planer sehr schnell überzeugt, dass man mit einer Neulandaufschüttung in der seichten Osaka-Bucht viele Probleme beseitigen könnte. Heute schwebt man beim Landeanflug lange über dem Wasser, ehe plötzlich, wie aus dem Nichts, die Landebahn auftaucht. Aufgrund seiner Lage sind keine Lärmschutzbestimmungen einzuhalten und der Flughafen kann als einziger Japans 24 Stunden täglich operieren.

Die Technik der Neulandaufschüttung ist nicht neu und vor allem nicht neu in Japan, sind doch vorher in Kobe und in der Bucht Tokyos auch künstliche Inseln errichtet worden. Neu war das Ausmaß der Aufschüttung und die Konzeption eines ganzen Flughafens. Die Aufschüttungstechnik an sich ist langwierig und kostspielig: Zuerst müssen mächtige Pfeiler tief in den Meeresboden getrieben werden, ehe anschließend die Umrisse der zukünftigen Insel als große Wannen angelegt werden. Innerhalb dieser Fläche wird dann nach und nach mit Schutt, Müll und Sand aufgefüllt, Wasser abgepumpt und trockengelegt, bis langsam das neue Areal entsteht. Für den Kansai-Airport mit einer Größe von 4,8 Quadratkilometern waren rund 180 Millionen Kubikmeter Füllmaterial nötig.

Durch das Gewicht des gesamten Flughafens und die Wechselwirkungen des Füllmaterials mit der Umgebung sinkt der Flughafen jährlich um rund 20 Zentimeter ab. Das Absinken verläuft insgesamt schneller als den ursprünglichen Planungen zufolge, das müssen auch die Konstrukteure zugeben. Doch 1000 einzeln verstellbare Stahlpfeiler halten den Flughafen stets in der Balance. Einen Härtetest ganz besonderer Art erlebte der Flughafen kurz nach seiner Fertigstellung: Während beim großen Hanshin-Awaji-Erdbeben 1995 im 30 Kilometer entfernten Kobe ganze Stadtteile vernichtet wurden, blieb der Kansai-Flughafen ohne ­Kratzer.

Eine zweite, 4 Kilometer lange Flughafen-Insel mit mehreren Rollbahnen, wird gerade angebaut.

Exkurs: Pachinko

Pachinko ist für Japaner eine Wissenschaft für sich – für Touristen meistens auch, und zwar eine unverstandene. Pachinko-Hallen erkennt man entweder an den Warteschlangen davor oder am ohrenbetäubenden Lärm und Klappern, das aus den Hallen kommt. Hunderte von Automaten drängen sich dicht an dicht wie in einer Spielhalle.

Die japanische Erfindung Pachinko mit einem senkrechten Flipper oder einem Geldspielautomaten zu vergleichen, kommt der Sache nur ansatzweise nahe. Der Spieler kauft zu Beginn einige Hunderte Metallkugeln, die er oben in den Automaten gibt. Die Kugeln fallen durch labyrinthartige Nägel und Stifte nach unten, wobei der Spieler mit einem Regler die Geschwindigkeit steuern kann. Idealerweise steuern die Spieler die Kugeln so, dass diese unten in Speziallöcher fallen – was wiederum Kugelnachschub oder andere Bonifikationen auslöst. Gewinner erkennt man also an vielen Schalen mit Metallkügelchen, die an der Kasse offiziell gegen Sachpreise eingelöst werden, da in Japan Geldspielverbot herrscht. Die Sachpreise können an der nächsten Ecke jedoch bei spezialisierten Händlern versilbert werden.

Pachinko nur als Hobby zu bezeichnen, ginge nicht weit genug. Die Zahl der Berufspachinkospieler wird auf etwa 50.000 geschätzt, die mit Pachinko ihr Geld verdienen oder zumindest angeben, es damit zu verdienen. Angaben darüber, wie viele Menschen sich mit Pachinko ruiniert haben und wie viele der Sucht zum Opfer gefallen sind, finden sich seltener. Fest steht jedenfalls, dass es neben Glück wohl auch einer Portion an Technik bedarf. Die Automaten, die den regelmäßigen Spielern zufolge mehr Gewinne ausschütten als andere, sind deswegen sehr belegt. Deshalb kann es sein, dass einige Automaten in der Spielhalle frei sind, gleichzeitig Spieler aber an einem bestimmten Automaten anstehen. Das ist in Pachinko-Hallen völlig normal.

Japaner geben jährlich die unglaubliche Summe von 250 Milliarden Euro für Pachinko aus. Die Spielhallen sind vor allem abends und an Wochenenden gut gefüllt, Pachinko wird von Frauen wie Männern gleichermaßen gespielt.

Exkurs: Omiyage-Kultur

Omiyage könnte durchaus zu den ersten japanischen Wörtern zählen, an die man sich aufgrund häufiger Nennung erinnern kann. Omiyage bedeutet kleines Mitbringsel und Geschenk. Ein Omiyage ist nie fehl am Platz und der erstaunte Europäer kann sich zu Beginn kaum ausmalen, wie viele Gelegenheiten es in Japan gibt, ein Omiyage unterzubringen. Es gibt eins, wenn man Freunde zum Abendessen trifft, wenn ein Bekannter aus dem Urlaub zurückkommt, wenn man einfach zufällig in der Gegend ist und natürlich ganz besonders bei offiziellen Anlässen. Gegenstand eines Omiyage kann alles Mögliche sein, von der Schokolade bis hin zum Touristensouvenir. Wichtiger als der Inhalt ist manchmal noch die Verpackung, denn sie muss besonders schmuck und glitzernd sein und darf auf keinen Fall fehlen.

Neben den kleinen Anlässen für Geschenke gibt es natürlich auch die traditionellen Geschenktage wie Weihnachten, Geburtstage, Muttertag oder Valentinstag. Darüber hinaus herrscht aber auch noch zweimal pro Jahr Geschenksaison. Die Geschenke im Sommer, Chūgen genannt, werden an Vorgesetzte, sozial Höherstehende, Freunde oder an Personen verteilt, von denen man vormals ein Geschenk erhalten hat. Der Einzelhandel erinnert zur rechten Zeit an die Tradition. Am Jahresende wiederholt sich der Ablauf, nur dass die Geschenke Seibo genannt werden.

Besonders respektvoll erscheint es, Präsente persönlich zu übergeben. Doch – infolge der Fülle der Geschenke und der schnellen Abfolge der Geschenkanlässe – kann man nahezu jedes Geschenk aus einem Department Store verpacken und direkt der bedachten Person per Lieferservice zukommen lassen. Die Kaufhäuser sind auf diese Geschenktraditionen bestens vorbereitet, weisen rechtzeitig mit großen Anzeigenkampagnen darauf hin und halten natürlich auch die passenden Geschenkpackungen mit z.B. Kaffee oder Tee bereit.

Wer tiefer in die japanischen Rituale der Geschenke einsteigen will, wird früher oder später auf Okaeshi stoßen, dem Gegengeschenk zum Geschenk. Bei Hochzeiten, Geburtstagen oder großen Partys, zu denen die Gäste Geschenke mitbringen, werden gleichzeitig wiederum kleine Geschenke an die Gäste verteilt. Dies muss nicht unbedingt zur gleichen Zeit erfolgen, das Überreichen eines kleineren Geschenks im Gegenzug gilt als höflich und kann bei einer anderen Gelegenheit nachgeholt werden – der japanische Kalender bietet viele Möglichkeiten dazu.

Aus: Japan von Oliver Hoffmann und Kikue Ryuno

Uhrzeit und Temperatur: Tokyo

Titelbild: © Szabolcs Arany