Jordanien
al-Mamlaka al-Urdunniyya al-Hāschimiyya
Haschemitisches Königreich Jordanien

20:17 h | 20 °C

Das Land in Zahlen

Staatsform
Konstitutionelle Monarchie mit König Abdullah II. seit 1999.

Einwohnerzahl
7, 931 Millionen

Fläche
89 342 qkm, davon sind nur knapp 2 % kultivierbar

Hauptstadt
Amman mit 1,7 Millionen Einwohnern (Großraum Amman 2,7 Mio)

Nationalfeiertag/Unabhängigkeitstag
25. Mai

Währung
Jordanischer Dinar (1,03 Euro)

Durchschnittsausgaben eines Touristen
Ca. 95 € pro Tag

Flugdauer
Ca. 4 Stunden

Dies und Das

Nachbarländer

Jordanien ist von fünf Ländern umgeben: Saudi-Arabien (744 km gemeinsame Grenze), Syrien (375 km), Israel (238 km), Irak (181 km), Palästina (West Bank 97 km) und nur 26 km Küste am Golf von Aqaba.

Touristische Kleidung

Frauen sollten sich bedeckt, d.h. nicht körperbetont kleiden. Lange Hosen oder Röcke und weite Blusen sind auch fürs Kleinklima zu bevorzugen. Männer in Shorts machen sich lächerlich. Für kühlere Abende Pullover mitnehmen.

Aqaba, im Gewürzladen © Christa Epe

Die Menschen

98 % der Jordanier sind Araber (etwa 1/3 kamen als palästinensische Flüchtlinge), je 1 % Kirkisen und Armenier. 97,2 % bekennen sich zum Islam (hauptsächlich Sunniten), 2,2 % zum Christentum, der Rest sind Buddhisten, Hindus, Juden und andere.

Die Bevölkerungszuwachsrate liegt bei 2,3 %. Die Lebenserwartung beträgt durchschnittlich 74 Jahre. Die Alphabetisierungsrate erreicht mit 95 % einen Spitzenwert.

Ökonomie

Das Bruttoinlandsprodukt stieg 2013 um 3,3 %, das Prokopfeinkommen lag bei 6 100 US$, die Arbeitslosenquote offiziell bei 14 %.

3 % des Bruttoinlandsprodukts werden in der Landwirtschaft, 30 % in der Industrie und 67% im Dienstleistungsbereich erwirtschaftet. Das an natürlichen Rohstoffen arme Land exportiert Potasche, Phosphat, Düngemittel, landwirtschaftliche Produkte und Kleidung.

Klima, Reisezeit

Die Wüstengebiete sind fast durchgängig trocken und im Sommer bis zu 40 Grad heiß; im Winter kann es selbst im fernen Osten Jordaniens kurzzeitig regnen, Trockenwadis verwandeln sich u.U. in reißende Flüsse. Die Gebirgsketten im Westen bescheren dem Land von November bis April Regenschauer, selten Dauerregen. In höheren Lagen kann es schneien. Die beste Reisezeit ist das spätere Frühjahr – also Mitte/Ende März bis Ende Mai – wie auch der Frühherbst (September, Oktober).

Landschaft

Wadi Nimrim Mündung am Toten Meer © Christa Epe

Drei große Landschaftszonen liegen in Ostwestrichtung nebeneinander. Die östliche Zone besteht aus Wüste, die sich auf einem relativ schmalen Streifen im Norden als Basaltwüste, dann bis fast zum Süden als relativ langweilige Stein- und Sandwüste auf einem 500 bis 800 m hohen Plateau ausbreitet. Viel spektakulärer dagegen ist der südliche Wüstenteil mit dem Wadi Rum, das zu den faszinierendsten Wüstenlandschaften der Erde zählt. Die zweite Zone stellt das westlich der Wüste liegende Bergland mit den steil abfallenden, durch wilde Wadis und Schluchten zergliederten Gebirgsfaltungen mit bis zu 1700 m hohen Gipfeln (im Süden) dar. Die dritte Zone umfasst das Tiefland des syrisch-ostafri­kani­schen Grabenbruchs – den durchschnittlich 12 km breiten Jordangraben -, der sich von Syrien durch das jordanische Tiefland und durch das Rote Meer bis Ostafrika hinzieht. Auch das 408 m unterhalb Meereshöhe liegende Tote Meer ist Teil des Tieflandes, also eine Folge des Grabenbruchs.

Flora

Trotz Wüstenlandschaft kommen in Jordanien zahlenmäßig so viele Pflanzenarten wie in Deutschland vor. In den wasserreiche­ren Gebirgszonen im Westen ist Wald übrig geblieben bzw. durch Aufforstung wiedererstanden. Vor allem im Nordwesten findet man Ei­chen- und Kiefernwälder, weiter südlich reicht es dann nur noch für Wacholder. Die Step­pe, die zwischen den Gebirgszonen und der Wüste liegt, wird heute an vielen Stellen mit Hilfe künstlicher Bewässerung kultiviert. Wo sie noch im ursprünglichen Zustand blieb, wachsen im Norden Gräser, im Süden eher Beifuß. In den echten Wüstengebieten sieht es natürlich kahl aus. Besonders die La­vawüste im Nordosten lässt kaum Vegetation zu. In der Sandsteinwüste des Südens, wie z.B. im Wadi Rum, kommt etwas mehr Vegetation vor.

Die Wasserversorgung

stellt ein ständiges Problem dar, weil die natürlichen Vorkommen kaum ausreichen, die wachsende Bevölkerung zu versorgen. Regentage sind also Glückstage. Zwar liegt das Land streckenweise am Yarmuk und am Jordan. Beide Flüsse werden aber flussaufwärts von Israel bzw. Syrien angezapft. Die durchschnittlich zur Verfügung stehen­de Wassermenge pro Kopf der Bevölkerung zählt mit 85 Litern pro Tag zu den niedrigsten der Welt; die benachbarten Israelis verbrauchen 300 Liter, die Libanesen 150 Liter, mit der geringsten Menge von nur 50 Litern müssen die Pa­lästinenser auskommen.

Tipps

Exkurs: Saus und Braus

In nur 29 Jahren nach dem Tod des Propheten Mohammed hatte sich das bis dahin am unwirtlichen Rand des Weltgeschehens gelegene bedui­nische Arabien explosionsartig entfaltet und als Weltreich etabliert; die Omayadan hatten die Herrschaft an sich gerissen und den Regierungssitz vom abgelegenen Mekka in die Metro­pole Damaskus verlegt.

Zu jener Zeit konnte man als unumschränkter Herrscher einer Weltmacht genug Ausre­den finden, die strengen Gesetze Mo­hammeds ein bisschen zu umgehen. Die Oma­yaden fielen historisch – neben ihren großen politischen Erfolgen – auch als lebensfreudige Genießer auf. Sie bauten diverse Paläste und prägten einen unverwechselbaren Baustil, z.B. mit dem Felsendom von Jerusalem ebenso wie mit der Omayaden-Moschee von Damaskus.

In den alten Tagen hatte Alkohol auch im Leben der Wüstensöhne eine Rolle gespielt. Neben dem eigentlichen Genuss konnte ein Trinker mit eherner Standfestigkeit seiner Umgebung imponieren. Vielleicht war dies Ausrede genug, die Trinkfähigkeit im Sinne der Staatsautorität auch weiterhin zu trainieren. Von Walid II wird berichtet, dass er sich – nackt in einem mit Wein gefüllten Becken liegend – bis zur Be­wusstlosigkeit betrinken konnte.

Wie das im Norden Jordaniens stehende Amra-Schlösschen zeigt, waren die Herrscher auch der Fleischeslust nicht abge­neigt. Die Omayaden mögen als Erfinder des Harems gelten, der sich aus dem Zusammen­leben mit mehreren Hauptfrauen entwickelte, um die sich immer mehr Konkubinen ansam­melten (später brachten es ihre indischen Mogul-Kollegen auf über 1000 Haremsange­hörige). Nur darf man nicht glauben, dass die Geliebten etwa unseren Schönheitsidealen entsprachen; ein Walid würde sich beim An­blick unserer Schönheitsköniginnen vermutlich im Grab wegdrehen. Aus der Literatur geht hervor, dass die damalige Idealfrau so dick war, dass sie nur schwer aufstehen konnte und bei schnelleren Bewegungen atemlos wurde; ihr Po sollte so ausladend sein, dass sie Schwie­rigkeiten hatte, durch Türen zu gehen. Die Lieb­lingsfrau von Walid I kam diesem Ideal sehr nahe: Bei 1,50 m Größe wog sie 110 kg, hatte einen Körperumfang von 170 cm und stöhnte oder schrie vor Schmerzen bei jedem Schritt…

Alle Texte von Wil Tondok.

Titelbild: Wil Tondok.