»When I'm in Canada, I feel this is what the world should be like.«
Jane Fonda

Kanada
Canada

13:16 h | 22 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl:
35 Mio.

Bevölkerungsdichte:
3,4 Einwohner pro km²

Fläche:
9,98 Mio. km²

Hauptstadt:
Ottawa

Staatsform:
Parlamentarische Monarchie

Hauptsprachen:
englisch, französisch

Währung:
Kanadischer Dollar

Nationalfeiertag:
1. Juli (Canada Day)

Internationale Ankünfte/Touristen:
28 Mio. (davon 12 Mio. aus den USA)

Längste Süßwasserstrand der Welt:
14 km (Wasaga Beach)

Höchstes Bauwerk:
553 m (CN Tower)
 

Flugdauer:
6.350 km / 8,5 Stunden (Toronto)
8.050 km / 10,5 Stunden (Vancouver)

Ahornsirupproduktion:
80% des weltweit konsumierten Ahornsirups (27 Mio. Liter.)

Millionenstädte:
4

Bevölkerung:
90% leben auf nur einem Fünftel des Gesamtterritoriums

Natur

Kanada gilt als Inbegriff unberührter Natur, Einsamkeit und Wildnisabenteuer. Weite Gebiete im Westen und Norden des riesigen Landes entsprechen auch tatsächlich diesem Bild: Unendliche Wälder, glasklare Bäche und Seen, reißende Flüsse, schneebedeckte Berge und mächtige Gletscher warten auf den Reisenden. Kaum bekannt ist, dass die südlichsten Zipfel Kanadas auf derselben Breite wie Nordkalifornien oder Rom liegen. Während in der subarktischen Tundra die Vegetation gegen Dauerfrost kämpft, gedeihen im südeuropäisch anmutenden Sommerklima Ontarios Weintrauben und Pfirsiche. Im südlichen Alberta und Saskatchewan, wo im Juli und August Tagestemperaturen von 25°-30°C überwiegen, ist es sogar noch wärmer.

© iStockphoto.com/bgsmith

Tiere

Begegnungen mit Bären und Elchen sind keine Seltenheit, Gewässer voller Forellen und Lachse der Traum eines jeden Anglers. Ob per Wohnmobil, mit dem Zelt, zwischendurch vielleicht auch mal auf Schusters Rappen, auf dem Pferderücken oder im Kanu, in Kanada gehören Tiere, Naturerlebnis und Lagerfeuerromantik zu den selbstverständlichen »Zutaten« jeder Reise, ja machen ihren besonderen Reiz aus.

Essen

Lebensmittel sind in Kanada teurer als in Deutschland. Viel höher sind die Preise insbesondere für Gemüse und Obst, sieht man von Erntezeiten im Anbaugebiet ab. Auf Vancouver Island und generell mit wachsender Entfernung von den Bevölkerungszentren steigen die Kosten für Frischprodukte. Alkohol ist mit einer hohen Steuer belegt – und teuer! Zudem nur in sogenannten Liquor Stores (Ausnahme Québec), staatlichen Monopolläden, erhältlich. In Kanada ist pappiges Weißbrot weit verbreitet, aber oft gibt es deutschen Brotsorten nahekommende Produkte – und auch deutsche (ausgewanderte) Bäcker. Eine kanadische Brotspezialität ist Bannock.

Reisezeit

© Christoph Müller

Grundsätzlich eignen sich die Monate Juni bis September am besten für einen Urlaub in Kanada, bei dem ja in der Regel das Naturerlebnis im Vordergrund steht. Bis in den Mai hinein und ab Oktober muss man – je nach Region – mit witterungsmäßigen Unbilden und begrenzten touristischen Möglichkeiten rechnen. Regenperioden und sehr kühle Tage, in den Höhenlagen Schnee und Kälte, sind dann wahrscheinlicher. Einige Straßen schneien bei Schlechtwettereinbrüchen selbst im Juni schon mal wieder zu, so etwa der Icefields Parkway in den Nationalparks Jasper und Banff. Obwohl im Hochsommer Gutwetter-Perioden eher die Regel sind, kann das Wetter auch schon mal recht wechselhaft ausfallen. Bereits Ende August wird es nachts in aller Regel empfindlich kühl. Spätestens Mitte September sinken auch die Tagestemperaturen auf ein ungemütliches Niveau, und der erste Schnee lässt oft nicht mehr lange auf sich warten.

Religion

Etwa 75% der kanadischen Bevölkerung gehören einer christlichen Konfession an (ca. 45% katholisch, 30% protestantisch). Mit den jüngsten Einwanderungswellen wachsen weitere religiöse Gruppen wie Hindus, Muslime, Juden, Sikh und Buddhisten. Sie konzentrieren sich in den Großstädten Toronto und Vancouver.

Tipps

Dos and Don'ts

Tanken/Panne: Ein voller Reservekanister kann nie schaden. Darüber hinaus sollte man es sich im hohen Norden zur Gewohnheit machen, stets nach dem Straßenzustand zu fragen und ab halbvollem Tank nachzufüllen, wenn sich die Gelegenheit bietet – die nächste Tankstelle könnte geschlossen sein. Bei Pannen helfen sich die Autofahrer im einsamen Norden häufig untereinander – eine schöne Gewissheit.

Hockey: Eishockey (in Kanada = Hockey) ist neben Lacrosse die kanadische Nationalsportart – sie wurde auch von den Kanadiern erfunden. Man sollte voller Demut den nationalen Helden huldigen – und nicht gar behaupten, die Nachbarn aus dem Süden wären ihnen überlegen! Das denkwürdige Finale bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver, das Kanada 3:2 gegen die USA gewann, schaffte Fakten. Auch 2014 in Sotschi gewann Kanada.

Exkurs: Regenwald und Logging

Von der Bedrohung der tropischen Regenwälder ist weltweit die Rede, dass es aber auch auf Vancouver Island, an den Küsten und im Inneren von British Columbia (noch) ausgedehnte temperierte (außertropische) Regenwälder gibt, die in ihrer Existenz gefährdet sind, ist nur wenigen bekannt. Mächtige Holzkonzerne, die bereits über 50 % des kanadischen Regenwalds abgeholzt haben, rücken den jahrhundertealten Baumbeständen der Westküste zu Leibe.

Am einfachsten und billigsten für die Unternehmen ist das Clear Cutting, der Kahlschlag ganzer Landstriche mit verheerender ökologischer Auswirkung: Durch Erosion wird der Boden seiner Nährstoffe beraubt, und nicht selten sind Erdrutsche die Folge der radikalen Eingriffe in die Natur.

Die Verantwortlichen räumen durchaus ein, dass Clear Cuts die Umwelt verändern, betreiben aber gleichzeitig eine Verschleierungs- und Verharmlosungspolitik. Damit die kahlen Hänge nicht so »auffallen«, wurden von Hubschraubern Grassamen zur Begrünung der Berge abgeworfen. Stolz weist die Forstindustrie auf die Hirsche hin, die sich aufgrund besserer Bewegungsfreiheit (!) nun stark vermehren. Tatsächlich breitet sich dieses Wild, das im Nadelwald der Westküste und auf Vancouver Island zuvor kaum vertreten war, in den lichten »Baumplantagen« der aufgeforsteten Gebiete rasch aus. Tiere, die sicheren Unterschlupf im dichten und feuchten Unterholz der Naturwälder fanden – zumeist seltene oder gefährdete Arten – bleiben aber auf der Strecke.

Dass die Provinzregierung die Holzindustrie nahezu ungestört schalten und walten lässt und den Firmen mit einer Tree Farm License großzügig Landnutzungsrechte für 25 Jahre erteilte, erklärt sich aus der enormen Bedeutung der Holzwirtschaft auch für die Staatseinnahmen (32% aller Exporte beziehen sich auf Holzprodukte; die Holzindustrie beschäftigt 112.000 Menschen; www.cofi.org).

Umwelt- und Naturschützer haben es in einer solchen Situation schwer. Aber obwohl ihnen Geld und Personal fehlen und massive Imagewerbung der Holzgiganten ihre Argumente zu konterkarieren versucht, haben Öffentlichkeit und Provinzregierung das Problem in den letzten Jahren stärker zur Kenntnis genommen. Und so zeigten weltweite Aktionen von Umweltschutzgruppen und Boykottaufrufe gegen kanadische Produkte Wirkung. Der boomenden Tourismusindustrie drohten mit dem Imageschaden Geschäftseinbußen. Angesichts einer gleichzeitig rückläufigen  Beschäftigung in der Holz- und Papierwirtschaft lenkte die Politik ein. Im Great Bear Rainforest Agreement vereinbarten Holzindustrie, Native Americans und die Umweltschutzgruppen Forest Ethics, Sierra Club und Greenpeace im Jahre 2001 den vollständigen Erhalt von 20 Regenwaldtälern im gleichnamigen Waldgebiet (www.savethegreatbear.org).

In letzter Zeit sorgte eine verminderte Holznachfrage aus den USA (wegen Zusammenbruch des Immobilienmarktes weniger Hausbau, Finanzkrise 2008-2013) für einen Absatzrückgang. Der Wald als schützenswerte touristische und damit auch gewinnbringende Attraktion gewann dadurch zusätzlich an Bedeutung.

Aus: Kanada, der ganze Westen mit Alaska von Hans-R. Grundmann und Bernd Wagner,

Alle Texte von Ulf Behrmann

Uhrzeit und Temperatur: Ottawa

Titelbild: © iStockphoto.com/bgsmith