Hakuna Matata 
Keine Sorgen

Kenianisches Sprichwort

Kenia
Jamhuri ya Kenya
Republik Kenia

 

11:56 h | 19 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl:
43.178.000

Bevölkerungsdichte:
74 pro km²

Fläche:
582.646 km² (47 )

Hauptstadt:
Nairobi

Staatsform:
Präsidialrepublik

Hauptsprachen:
Kisuaheli, Englisch

Währung:
Kenia-Schilling (Ksh)

Nationalfeiertag:
12.12

Internationale Ankünfte/Touristen:
1.470.000 (stand 2010)

Flugdauer:
7,8 Std.

Entfernung über Land:
9118 Km

Geburtenrate:
4,80 Geburten pro Frau

Lebenserwartung:
57,2 Jahre

Ökologische Schutzgebiete:
über 60 mit einer Gesamtfläche von 50.000 km² (Fläche größer als die Schweiz)

Volksgruppen:
mehr als 40

Inidigene Sprachen/Dialekte:
mehr als 50

© Hartmut Fiebig

Natur

Kenia ist seit Jahrzehnten für seine puderfeinen, weißen Sandstrände am Indischen Ozean und natürlich für seine endlosen, tierreichen Savannen bekannt. Aber wussten Sie schon, dass das kenianische Kaleidoskop grandioser Naturlandschaften außerdem verträumte Inselwelten, den schneebedeckten 5000er Mount Kenya, flimmernde Wüsten, fruchtbare Hochländer, dampfende Urwälder und faszinierende Seen wie etwa den riesigen Lake Victoria bereithält? Die Landesnatur gliedert sich in klar voneinander abgesetzte Räume, in denen sich viele verschiedene Landschaftsformen herausgebildet haben. Diese reichen von tropischem Regenwald über Wüstengebieten, Korallengärten, Mangrovenwälder und Dornenbusch sowie die Savannen, Flussläufe und Vulkane. Die Verschiedenartigkeit der Ökosysteme und Attraktionen in kenianischen Nationalparks und Reserves ist rekordverdächtig.

Tiere

© Hartmut Fiebig

Kenia ist für jeden Tierliebhaber und leidenschaftlichen Tierbeobachter der wahrgewordene Traum. Kein Land auf der Welt identifiziert sich so sehr über seine atemberaubende Artenvielfalt und seine Safari Parks. So lebt in den Urwäldern des Mt. Kenya Nationalparks eine Elefantenpopulation von rund 1000 Tieren. Auch Wildbüffel sind stellenweise sehr zahlreich, außerdem gibt es Hyänen und sogar Löwen. Weitere erwähnenswerte Tierarten sind das seltene Spitzmaulnashorn und die außerordentlich scheue Bongoantilope.

 

weiter

Im Amboseli Nationalpark leben wegen der Süßwasservorkommen im Park relativ viele Tiere. Die Sümpfe sind von Wildbüffeln und Nilpferden bevölkert. Zahlreiche grasende Tierarten wie Weißbartgnus, Steppenzebras, Thomson- und Grant Gazellen sowie Impalas, Gerenuks und Spießböcke lassen sich beobachten. Sie bilden die Nahrungsgrundlage für Raubtiere wie Löwe, Gepard, Leopard, Wildhund, Schakal, Tüpfelhyäne und sogar die kleinen scheuen Löffelhunde. In den berühmtesten Nationalparks, die Savanneh, der Nairobi Nationalpark und, Aberdare Nationalpark kann man beinahe jede erdenkliche afrikanische Tierarte beobachten von den „Big Five“ – Elefant, Nashorn, Büffel, Leopard und Löwe – über riesige Gnu- und Zebraherden bis hin zu Giraffen, Nielpferden und Krokodilen.

Reisezeit

Das Reisen in Kenia ist für afrikanische Verhältnisse unkompliziert: Die Verständigung mit Englisch klappt hervorragend, das Land besitzt ausgezeichnete Hotels und die beste Infrastruktur der Region und seine Hauptstadt ist weltoffen. Der allgemeine Temperaturverlauf am Äquator ist dem in Europa entgegengesetzt: April bis September sind die kühleren Monate, von November bis März herrschen die höchsten Temperaturen. Die vielfältigen Landschaften Kenias bringen es mit sich, dass die optimalen Reisezeiten in den einzelnen Landesteilen variieren. An der Küste herrschen das ganze Jahr über warme Temperaturen, aber April und Mai sind wegen des Südost-Monsuns eher grau und ungemütlich. Zwischen Mai und August ist wegen der aufgewühlten See und schlechter Sicht Tauchen kaum lohnenswert.

 

weiter

Im zentralen Hochland und den Bergregionen des Westens ist es im europäischen Sommer oft bedeckt und kühl, dann können die Temperaturen nachts bis auf 10 Grad sinken, in Höhenlagen gibt es sogar Minusgrade. Die trockenen Monate Januar und Februar eignen sich für Bergbesteigungen am besten, weil sich dann die Berge oft unverhüllt zeigen. Die besten Monate für Tierbeobachtungen sind die Trockenzeiten von Januar bis März und von Juli bis September, wenn sich das Wild in der Nähe der dauerhaften Wasserquellen aufhält und das Gras nicht so hoch ist.

Essen

© Hartmut Fiebig

Kenia ist nicht nur religiös und kulturell, sondern auch auf dem Teller zweigeteilt. Denn an der vom Orient beeinflussten Suaheli-Küste gibt es ganz andere Essgewohnheiten als im schwarzafrikanischen Inland. Die traditionelle afrikanische Küche von  Hirtenvölkern, wie den Masai, Samburu oder Turkana biete Milch, Blut und das Fleisch ihrer Viehherden. Das Grundnahrungsmittel der Ackerbau betreibenden Völker ist Maisbrei („Ugali“). Die trockene und ungesalzene Polenta wird mit Fleisch oder Fisch und etwas Gemüse gereicht.

weiter

Die einfachste Form des gastronomischen Betriebes ist in Ostafrika das „Hoteli“, nicht zu verwechseln mit einer Unterkunft. Zum Frühstück erhalten SieMaharagwe (gekochte Bohnen), Chapati (eine Art Pfannenkuchen aus Weizenmehl), Samoza (eine mit Gemüse oder Hackfleisch gefüllte Teigtasche), Mandazi (in Fett gebackenen Krapfen) und Eier (gebraten, gekocht oder als Omelett). Unerschrockene können bereits am Morgen Supu ordern, alsoZiegen- oder Rindfleisch in klarer Brühe, mit viel Sehnen, Knochen und Fett. Zu Mittag und am Abend erhält man gekochtes oder gebratenes Rind-, Ziegen- und Hühnerfleisch. So etwas wie das Nationalgericht ist Nyama Choma. Dieses „Barbeque à la Kenia“ gehört für jeden, der es sich leisten kann, zu einem gelungenen Wochenende.

Religion

Spiritualität durchdringt bei den meisten Kenianern alle Lebensbereiche. Auf dem Papier sind 78 Prozent der Kenianer Christen, 10 Prozent pflegen traditionelle Glaubensformen, 10 Prozent sind Muslime, und 2 Prozent gehören anderen – meist asiatischen – Religionen an, beispielsweise dem Hinduismus, Jainismus, Sikhismus oder den Bahai. Die kenianischen Christen sind überwiegend protestantisch. Über zahlreiche Mini-Gruppierungen um oft selbst ernannte afrikanische Priester fließen auch traditionelle Religionen in die christliche Glaubenslehre ein. Massenpredigten, exotische Kulte und Trachten begegnet man immer wieder.

weiter

Die einzelnen Ausprägungen der Naturreligionen variieren in Abhängigkeit von der jeweiligen Ethnie relativ stark. In der Regel sind sie aber durch die Vorstellung eines übergeordneten, fernen, schöpferischen Gottes (in Kisuaheli: „Mungu“) geprägt, dessen Existenz für die Menschen meist nur in Form von Katastrophen unmittelbar sichtbar  wird. Im Verständnis der Kikuyu ist der Mt. Kenya die Wohnstatt Gottes, während der Mt. Ngiro in Nordkenia den Samburu heilig ist. Die überwiegend sunnitische islamische Religionsgemeinschaft Kenias ist nur klein und besitzt vor allem an der Küste, in den großen Städten und in Teilen Nordkenias Gewicht.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

ninakupenda
Ich liebe dich

Kwa heri
Auf Wiedersehen

Mambo vipi?
Wie geht es dir?

Poa, fresh.
Gesund, gut!

pole pole
Immer mit der Ruhe

Haraka, Haraka!
Beeilung!

ndiyo
Ja

Hapana
Nein

mimi ni msafiri
Ich bin ein Tourist

Una miaka mingapi?
Wie alt bist du?

Kleine Sprachhilfe
Kauderwelsch Kisuaheli, Band 10

Dos and Don'ts

Im ländlichen Raum und an der kenianischen (muslimisch geprägten) Küste dominieren noch traditionelle Wertevorstellungen, die stark von europäischen Verhaltensweisen abweichen. Begrüßungen spielen zur Pflege sozialer Kontakte und für den Ausdruck von Respekt eine große Rolle. Ihnen wird immer Zeit gewidmet, selbst wenn man nur nach dem Weg fragen möchte. „Pole pole“, was auf Kisuaheli so viel wie „Immer mit der Ruhe“ bedeutet, wird man öfter zu hören bekommen, denn es gilt als unhöflich, direkt mit der Tür ins Haus zu fallen, deshalb wirkt vieles in Kenia in den Augen eines ungeduldigen Europäers langsam und uneffektiv.

Konflikte versucht man im Konsens zu lösen, sodass alle Beteiligten ihr Gesicht wahren können. Dementsprechend wird es als ein kolossaler Affront empfunden, andere Leute in der Öffentlichkeit zu blamieren. Daran sollten Sie denken, wenn Ihnen in einer bestimmten Situation die Hutschnur platzt. Sonst erreichen Sie eventuell das Gegenteil von dem, was Sie beabsichtigten. Der Beschuldigte (und Beleidigte) wird sich möglicherweise auf etwas versteifen, um keinen Fehler einräumen zu müssen. Wer Unstimmigkeiten und Probleme diskret löst, fährt im Allgemeinen besser.

Älteren Menschen wird großer Respekt gezollt, sie werden um Rat gefragt und immer als erstes begrüßt. Sein Ansehen kann man schnell mit unangemessener Kleidung verspielen. Afrikaner legen sehr großen Wert auf ein gepflegtes Äußeres. Da Europäer als wohlhabend betrachtet werden, hat man kein Verständnis für „Muzungu“ (Kisuaheli für „Weiße“), die in abgerissener oder zu knapper Kleidung herumlaufen. Das gilt ganz besonders für den muslimischen Küstenstreifen. Oben ohne oder gar Nacktbaden und der Austausch von Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit sind tabu.

In ernste Schwierigkeiten können Sie geraten, wenn Sie Insignien des kenianischen Staates ohne den gebührenden Respekt behandeln, beispielsweise Geldscheine, die Nationalflagge oder das Bildnis des Präsidenten verbrennen, zerreißen oder beschmutzen.

Exkurs: Kaya – Fluchtpunkte und rituelle Orte

Wer die Teerstraße befährt bemerkt vielleicht Urwaldinseln und Reste der Vegetation, die einst den größten Teil des Küstenstreifens bedeckte. Was nur wenige wissen: Diese Waldflecken, die sogenannten Kaya, wurden deswegen nie gerodet, weil sie heilig sind. Kaya bedeutet in der Mijikenda-Sprache zunächst einmal nichts anderes als „Dorf“ und bezeichnet den Platz, an dem die Clans nach der Einwanderung aus Somalia ihr erstes Dorf errichteten.

Die Menschen wohnten in der Umgebung dieser von Palisadenzäunen gesicherten Verstecke, die nur über zwei Pfade zugänglich waren. Sie lagen im Kern des neuen Siedlungsgebiets, von dem aus sich die Dörfer nach allen Richtungen ausbreiteten. Wenn ein Familienverband oder Subclan von hier aus aufbrach und weiterzog, um irgendwo anders neue Äcker zu roden, gründete er beim erneuten Sesshaftwerden ein Tochter-Kaya. So überzog schließlich ein ganzes Netz von über- und untergeordneten Kaya das Siedlungsgebiet der Mijikenda.

Auch in Friedenszeiten besaßen die Kaya eine überragende Funktion für das soziale, politische und religiöse Leben der Gruppe. Hier wurden die wichtigsten kultischen Akte ausgeführt, aber auch die neuen Altersklassen initiiert. Anders als allgemein hin angenommen, ist noch bis vor kurzem nur ein relativ kleiner Teil der Küstenbevölkerung muslimisch gewesen. Erst in den letzten Jahrzehnten konvertierten mehr und mehr Menschen vom traditionellen Glauben zum Christentum und zum Islam. Der Glauben an Naturgeister und die Macht der Ahnen ist dabei weitgehend intakt geblieben. Selbst bei den Rabai, jener Mijikenda-Volksgruppe, in deren Zentrum die älteste Missionsstation Ostafrikas aus der Mitte des 19. Jahrhunderts liegt, glauben viele Menschen immer noch an den Gott Mulungu, mit dem sie über die Geister der Vorfahren, Koma, Kontakt aufnehmen.

In ihrer Glaubenswelt existieren auch Dämonen, Mapepo, die Krankheiten und Verhexungen bewirken können. Talismane, Mafingo, gehören daher zum Alltagsleben. Wunderheiler werden bei Krankheiten und anderem Unglück konsultiert, um den Grund für das Missgeschick herauszufinden.  Auch die Bestattungsform der Rabai ist erwähnenswert. Sie unterscheidet sich je nach Alter, Geschlecht und Religion des Verstorbenen. Normalerweise wird ein Grabpfosten, Tiuwalawala, aufgestellt. Bei ehrwürdigen Personen, etwa den Ältesten des jeweiligen Kaya, wird der Tiuwalawala aus Ebenholz geschnitzt und wie ein Mensch angezogen. Die weibliche Entsprechung wäre Emkone, die ebenfalls gekleidet wird. Wenn die Geister durch besondere Zeichen ein Speiseopfer einfordern, wird dieses am Grab der Ahnen dargeboten.

Mais wird auf traditionelle Weise mit Steinen zerrieben, um daraus Ugali zu kochen, zwei Hühner werden geschlachtet, ihr Blut verspritzt und das Fleisch zubereitet. Mit dem Maisbrei, den besten Fleischstücken und einer ausgehöhlten Baobabfrucht voller Wasser werden dann die Ahnen am Tiuwalawala gefüttert, wobei der Platz zunächst zeremoniell gereinigt wird und die Rabai sich dem Grab nur ohne Hemd nähern.

Die Kaya und einige andere heilige Orte genießen bei den meisten Mijikenda immer noch höchsten Respekt. Vor dem Betreten müssen alle modernen Gegenstände wie Ohrringe, Uhren, Armreifen, Brillen, Schuhe und Hosen abgelegt werden. Wer gegen dieses Gebot verstößt, verunreinigt den Platz und beschwört einen Fluch über die Gemeinschaft des Kaya herauf, wenn dieser nicht mit traditionellen Reinigungszeremonien und speziellen Kräutern wieder gesäubert wird. So kommt es einer kulturellen, sozialen und religiösen Katastrophe gleich, dass immer mehr Kaya entweiht oder, noch schlimmer, abgeholzt werden. Denn der Kaya ist der Identifikationspunkt einer lokalen Gruppe, und viele Mijikenda tragen bis heute sogenannte Kaya-Punkte auf der Haut, Narben, die Eingeweihten verraten, aus welchem „Bezirk“ der Träger stammt.

Aus: Reiseführer Kenia von Hartmut Fiebig, Kenia Kompakt von Hartmut Fiebig

Uhrzeit und Temperatur: Nairobi

Titelbild: © Hartmut Fiebig