Ein einziges Blättchen Erfahrung ist mehr wert als ein Baum voller guter Ratschläge.
Litauisches Sprichwort

Litauen
Lietuvos Respublika
Republik Litauen

20:20 h | 14 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl:
2.880.000

Bevölkerungsdichte:
44 pro km²

Fläche:
65.301 km² (Weltrang 121)

Hauptstadt:
Vilnius/Wilna

Staatsform:
Parlamentarische Republik

Hauptsprachen:
Litauisch

Währung:
Euro

Nationalfeiertag:
16. Februar

Internationale Ankünfte/Touristen:
1.775.000 (2011)

Flugdauer:
1.231,91 km ≈ 1,5 Std.

Entfernung über Land:
1.534 km

 

Anzahl der Seen:
2.833

Waldfläche:
30%

Kulturdenkmäler:
290

Geburten pro Frau:
1,76 Kinder

Pilze:
1 200 Arten, 380 essbar

Selbstmorde (Weltrang 1)
44 pro 100 000 Menschen

Dies und Das

Natur

© Günther Schäfer

Fast ein Drittel des Landes ist heute noch von Wäldern bedeckt. Litauen war schon seit alters her bekannt für große und undurchdringliche Wälder, die Schutz vor Feinden boten. Durch Rodung und teilweise Wiederaufforstung hat sich der Wald- und Baumbestand verändert. Der Anteil der über 100 Jahre alten Bäume beträgt nur noch 4 %. Große Waldflächen finden sich fast nur noch in den Nationalparks. Es gibt jedoch viele kleinere Wälder zwischen den landwirtschaftlich genutzten Feldern und Wiesen. Zu den Baumarten gehören neben der dominierenden Kiefer auch Ahorn, Birken, Buchen, Eiben, Eichen, Erlen, Eschen, Espen, Fichten, Linden und Tannen.

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Je nach Bodenart und dem Ausmaß der Aufforstung findet man verschiedene Arten von Mischwäldern sowie entweder nordische Nadel- oder mitteleuropäische Laubwälder, im Aukštaitija- Nationalpark sogar ein „Urwaldreservat“. Auch in der Art des Bodenbewuchses gibt es große Unterschiede: Meist ist der Boden der Kiefernwälder von Beerensträuchern bedeckt (Preiselbeeren, Heidelbeeren, Sanddorn, Wacholder), häufig von Heidekraut, Moos und Flechten. In den Fichtenwäldern findet man Sauerklee und Blaubeeren, in den Birkenwäldern hauptsächlich Riedgräser und in den Erlenwäldern Farne und Nesseln. Viele der Busch-, Gras- und Rohrpflanzen sind geschützt. Es gibt auch viele Wildblumen sowie Pilze (meist Pfifferling, Steinpilz, voveraitë, baravykas). Von den rund 1200 Pilzarten in Litauen sind 380 essbar, gesammelt werden aber nur 10–20 Arten. Es gibt rund 100 giftige Pilzarten. Eine sehr populäre Freizeitbeschäftigung ist das Beeren- und Pilzesammeln.

Tiere

In Litauen gibt es etwa 330 verschiedene Vogelarten, darunter seltene Eulenarten, Seeadler, Fischadler und Schwarzstörche. Das Land ist ein Paradies für Vogelbeobachtung. Ein Drittel der Vögel brüten aber nicht in Litauen. Ca. 13 der hier vorkommenden Arten sind weltweit bedroht. Auffällig zahlreich sind die Störche, die hier noch zum Dorfbild gehören (manchmal sind es auch bloße Attrappen im Storchennest). Am 25. März, dem Tag des Storches, wird dieser Vogel als Symbol des Hausbeschützers und als Glücksbringer für eine gute Ernte verehrt. Der Storch gilt als Nationalvogel. Litauen hat die weltweit dichteste Storchpopulation, bei der letzten Weißstorchzählung wurden etwa 13.000 brütende Paare registriert.

 

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Im Baltikum gibt es zwar mehr große wilde Tiere als anderswo in Europa, aber sie in der freien Natur zu Gesicht zu bekommen, erfordert Geduld, Entschlossenheit und meist auch die fachkundige Begleitung eines Führers. Nicht fehlen darf das Glück, das man haben muss, um einen der geschätzten 5000 Elche – meist in der Morgen- und Abenddämmerung – sehen zu können. Unter den rund 70 Säugetierarten finden sich einige, die in Mitteleuropa selten oder ganz verschwunden sind. In den Wäldern leben außer Elch und Wildschwein auch der einst fast ausgerottete Rothirsch sowie Reh, Damwild, Hase, Hermelin, Iltis, Fuchs, Marder, Dachs, Wiesel und mit steigender Tendenz auch Luchs und Wolf. Im 19. und 20. Jh. wurden neue Tierarten eingeführt: Nerz, Sitkahirsch, Bisamratte, Mufflon, Fasan, Marderhund, Eichhörnchen und Waschbär. Im Krekenava-Regionalpark wurden 1969 wieder die größten Tiere Europas, die Wisente (europäische Bisons) angesiedelt, nachdem sie aus der freien Natur schon verschwunden waren.

Essen

Die heimische Küche sollte den früher auf dem Feld arbeitenden Bauern Energie spenden, deshalb ist sie relativ schlicht, aber auch rustikal und fett, zumal sie gern mit saurer Sahne oder Mayonnaise verfeinert wird. Mit Gewürzen wird sparsam umgegangen. Viele Gerichte werden mit Dill garniert. Eine Suppe, Kartoffeln oder Teigwaren, Fleisch oder Fisch sowie Gemüse gehören fast immer auf den Tisch. So eine Art Nationalgericht sind die blynai; das sind z.B. mit Fleisch (mësa), Kohl (kopustai), Pilzen (grybai), Quark (varškë), saurer Sahne, Kartoffeln, Lachs, Fisch (‡uvis),Obst (vaisiai) oder Beerenmarmelade (uogienë) gefüllte Pfannkuchen. Dazu gehören auch blyneliai (kleine Pfannkuchen), bulviniai (Pfannkuchen mit geriebenen Kartoffeln), varškëiai (Quarkpfannkuchen) und lietiniai (ohne Hefe). Landesweit sehr beliebt sind auch die Cepelinai (Kartoffelklöße mit Speckfüllung). Das hört sich nicht nur so an, sondern bedeutet tatsächlich Zeppelin, denn genau diese Form haben die Klöße, die mit einer Soße aus Speckschnitten und Zwiebeln serviert werden.

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Andere litauische Spezialitäten sind kugelis (eine Art Kartoffelpuffer mit Möhren und Sauerrahm), vëdarai (mit Kartoffeln oder Graupen gefüllte Würste), Ceburekai (dünne, tiefgefrorene Pfannkuchen mit Fleischfüllung), kepsnys (Schweine, Rind- oder Hähnchenfilet), balandëliai (Krautrouladen mit Hackfleisch- oder Reisfüllung), kibinai (Fleischpastete), kold©nai (Ravioli mit Fleisch-, Pilz- oder Kartoffelfüllung), suktiniai (Fleischrouladen mit Ei-, Zwiebel- und Speckfüllung), rugštynës (Sauerampfersuppe), troškinys (in Tontöpfchen servierter Eintopf mit Kartoffeln, Fleisch und Pilzen), lie‡uvis (Kuhzunge) und šaltibaršciai(kalte Rote-Bete-Suppe mit Buttermilch, Eiern, gekochten Kartoffeln, Gurken; im Sommer sehr beliebt).

Reisezeit

Die beste Reisezeit ist von Mai bis September. Dann finden auch die meisten Feste und Festivals statt, ein Magnet für viele Touristen (für Juli und August ggf. die Unterkunft rechtzeitig reservieren). Im Mai blühen die Blumen, im Juni herrschen angenehme Temperaturen und die Tage sind sehr lang. Juli und August sind am wärmsten, aber es regnet auch viel. Abends ist am Kurischen Haff manchmal ein tropisches Phänomen zu beobachten. Schlagartig verdunkelt sich der Himmel, ein Sturm zieht auf und es regnet etwa 15 Minuten in Strömen.

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Die Wassertemperatur an der Küste liegt zwischen 17 und 23°C, letztere vor allem im Juli und August, in Flüssen und Seen bei rund 16–18°C. Verhältnismäßig stabil ist die Wetterlage während des Altweibersommers im September, der besonders an der Küste eine der schönsten Jahreszeiten ist. Nachts kann es frisch werden, aber die Tage sind oft noch angenehm mild und sonnig. Die endlosen Strände sind praktisch menschenleer und laden zu herrlichen Spaziergängen ein. Dort kann man sogar Anfang Oktober noch manchmal baden und in der Sonne liegen. Die Blätterfärbung tritt stellenweise schon im September ein.

Religion

77 % Katholiken, 4 % Orthodoxe, 6 % religionslos, Protestanten und Muslime

Tipps

Wörter die weiterhelfen

Taip                                     
Ja

Ne
Nein

Taip, aš esu                         
Ja, ich bin

Ne, aš nesu                         
Nein, ich bin nicht

Taip, aš turiu                       
Ja, ich habe

Ne, aš neturiu                     
Nein, ich habe nicht

Aš galiu                
Ich kann

Aš negaliu                           
Ich kann nicht

Kiek?                                    
Wieviel(e)?

Kaip toli?                              
Wie weit?

Kaip ilgai?                            
Wie lang?

Aš noriu                
Ich möchte

Aš nenoriu                          
Ich möchte nicht


Kleine Sprachhilfe
Kauderwelsch Litauisch, Band 54

Links die weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.de | www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Visum: litauen.botschaft-berlin.net | amb.at@urm.lt | ch.mfa.lt.

Fremdenverkehrsamt: www.baltikuminfo.de | www.lithuaniantravel.com

Deutsche Botschaft: www.wilna.diplo.de

Reise- und Gesundheitsinformationen: www.crm.de

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

Dos and Don'ts

Eine nette Sitte ist es, den Gastgeber mit Blumen zu beschenken; es gibt viele Blumenmärkte, praktisch in jeder Stadt und oft bis in die späte Nacht hinein. Es ist jedoch zu beachten, dass eine gerade Anzahl von Blumen nur bei traurigen Anlässen überreicht wird (makabrerweise auch ein Dutzend rote Rosen). Gelbe Blumen sind tabu für alte Leute (Farbe der Eifersucht), Lilien und Chrysanthemen sind für Trauerfälle, rote Nelken sind ein Symbol des Kommunismus. Eine einzige Blume ist meist unhöflich, außer bei Liebhabern.

Männer begrüßen sich immer mit einem Händedruck. Es ist nicht üblich, dass sich Männer und Frauen mit einer Umarmung oder einem Kuss begrüßen. Lassen Sie sich nicht dadurch beirren, dass Litauer nicht immer Personen gegenseitig vorstellen, die sich nicht kennen.

Homosexualität ist zwar legal, wird aber nicht immer toleriert. Infos unter www.gay.lt oder www.gayline.lt.

Es ist verboten, auf öffentlichen Plätzen Alkohol zu trinken (die Strafen reichen von einer Verwarnung bis zu 150 Lt., bei Wiederholungstätern bis zu 30 Tagen Gefängnis).

Beim Betreten eines Hauses zieht man die Schuhe aus (Hausschuhe werden angeboten).

Um wortlos Wodka zu bestellen, legt man den linken Daumen auf den linken Mittelfinger, schnippt diesen an den Hals und grinst die Bedienung an. Wer beim Trinken mit den Fingern sein Ohrläppchen etwas umdreht oder mit seinen Fingerknöcheln enthusiastisch auf den Tisch klopft, deutet damit an, dass sein Gegenüber gerade etwas ziemlich Dummes gesagt hat.

Exkurs: Hochzeit und Scheidung auf Litauisch

Überall in Litauen begegnet man samstagmittags ganzen Paraden von Brautpaaren, oft bis zu 50 in einer Stadt. Sie versammeln sich vor den Hochzeitspalästen, bevor sie sich, meist in einer Kirche, trauen lassen. Die Hochzeitsgäste warten ungeduldig mit Blumen, Geschenken und Champagner auf die frisch Vermählten, bevor diese in einem blumengeschmückten Auto herumkutschiert werden. Der Brauch verlangt, dass sich die Paare nach der Trauung vor allen Monumenten von nationaler Bedeutung fotografieren lassen – auch hierbei begegnet man ihnen als Tourist immer wieder. Die Feierlichkeiten dauern meist drei Tage. Kurioserweise hat Litauen eine der höchsten Scheidungs- und Wiederverheiratungsraten weltweit. Die Scheidungsrate beträgt 3,2 pro 1000 Einwohner. Um dies nicht so offen zutage treten zu lassen, müssen in den Hochzeitspalästen Braut- und Scheidungspaare verschiedene Türen benutzen.

Aus: Reiseführer Litauen von Günther Schäfer

Uhrzeit und Temperatur: Vilnius

Titelbild: Günther Schäfer