»Des Schöpfers erste Frau ist die Erde, die die Lebenden ernährt und die Ahnen umgibt.« 
Madagassisches Sprichwort

Madagaskar

Repoblikan’i Madagasikara
Republik Madagaskar

02:10 h | 25 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
22.294.000

Bevölkerungsdichte
​38 pro km²

Fläche
587.041 km² (45)

Hauptstadt
Antananarivo

Staatsform
Präsidialdemokratie

Hauptsprachen
Malagasy, Französisch

Währung
Ariary (Ar)

Nationalfeiertag
26.06.

Flugdauer
8570 = 10,7 Stunden

Tierarten
250.000 Tierarten (davon über 70 % endemisch)

Pflanzenarten
14.000 Pflanzenarten (davon 90 % endemisch)

Blütenpflanzen
ca. 12.000 Blütenpflanzen ( 1/4 der Artenzahl von ganz Afrika, bei 1/50 der Fläche)

Inselgröße
Viertgrößte Insel der Erde

Ethnische Gruppen
18

Religiöse Organisationen
1000 (Statistik des Innenministeriums 2008)

Name des Präsidenten
Hery Rajaonarimampianina

Dies und Das

Natur

Die Insel hat Hunderte von kilometerlangen Sandstränden, die weit einladender sind als Strände bekannterer Badeinseln. Aber auch die außergewöhnlichen Bäume, Büsche und Blumen sowie unterschiedlichste Lebensräume lassen den Besuch Madagaskars für Naturliebhaber zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Die oft bizarren Wuchsformen wie zum Beispiel die vielen Falschenbäume - vor allem im trockenen Südwesten - machen die Pflanzenwelt Madagaskars erst so „exotisch“.  

Tiere

© K. Heimer

Die auf der Welt einmalige Tier- und Pflanzenwelt ist zweifellos einer der vorrangigsten. Dabei macht weniger die Formenfülle den Reiz der Insel aus, sondern mehr die Tierarten, die es nirgends sonst gibt. Man denke nur an die zu den Halbaffen gehörenden Lemuren, an die den Spitzmäusen und Igeln nahe stehenden Tenreks (auch „Madagaskarigel“ genannt), aber auch an viele ungewöhnliche Vögel, an Reptilien wie die Strahlen-, Spinnen- oder Schnabelbrustschildkröte und die vielen Chamäleons. Unter den – insgesamt nur rund 100 – Säugetierarten Madagaskars sind die bekanntesten zweifellos die Lemuren. Ihren Namen erhielten diese Halbaffen nach den römischen Hausgeistern, die bei Nacht ihr Unwesen trieben.

Essen

Egal, wo man in Madagaskar zum Essen geht, es werden in der Regel hervorragend zubereitete Mahlzeiten serviert.

Romazava – eine Art Gulasch aus Rindfleisch, bredes (Blätter der Maniokwurzel), Tomaten und Knoblauch – und Ravitoto (aus Maniokblättern, Schweinefleisch, Öl, Tomaten und Chili zubereitet) gehören zu den überall bereitstehenden Angeboten und sind madagassische Nationalgerichte.

Eine Mahlzeit kostet etwa 1 Euro inklusive „Rano Vola“ und Reis.

Die frischen Gewürze, Nahrungsmittel, eine aus Südostasien, China, Indien, Arabien und Frankreich inspirierte Kochkunst und die individuelle Zubereitung der Speisen auf Holzkohlenfeuer sorgen für geschmackvolle Gerichte. An den Küsten werden Meeresfrüchte in bester Qualität für europäische Verhältnisse günstig feilgeboten, im Hochland dominieren Fleischgerichte vom Zeburind z.B. Zebusteak mit grünem Pfeffer („Steak Madagaskar“). Achtung: In manchen Lokalen (meist chinesischen) werden als „Spezialgerichte“ gelegentlich auch Schlangen-, Lemurenfleisch, Tenrek, Flughund, Eingeweide oder Meeresschildkröte angeboten. 

© K. Heimer

Reisezeit

Im „Südwinter“ zwischen Mai und Oktober regnet es weniger, und die Temperaturen entsprechen denen unserer europäischen Sommermonate, während es im „Südsommer“ tropisch feucht und heiß ist. Abgesehen von den Zyklonperioden ist aber auch in dieser Zeit eine Reise problemlos durchführbar. Eine „beste Reisezeit“ gibt es nicht, denn erstens hat die riesige Insel Dutzende unterschiedlicher Klimazonen, und zweitens weist jede Jahreszeit ihre besonderen Reize auf. Wollen Sie dichten grünen Urwald, blühenden Hibiskus, Orchideen und grüne Weiden sehen, sind die im Hochland, Westen und Süden trockenen Monate Juli, August und September ungeeignet – Wale können Sie aber nur zu dieser Jahreszeit beobachten. Wollen Sie abgelegene Regionen mit dem Geländewagen erkunden, Trekkingtouren durch den Regenwald oder die Naturparks unternehmen, dann ist der Südwinter die sicherere Jahreszeit. Im Südwinter (besonders Juni bis September) gibt es nahezu täglich einzelne, meist nur ein paar Stunden andauernde Regenschauer, die viele Pisten dauerhaft unbrauchbar machen können. Die Jahreszeit sollte daher nur bei sehr speziellen Reisewünschen ein Kriterium sein. Reisen Sie dann nach Madagaskar ,wenn Sie sich am längsten Zeit nehmen können, und stellen Sie sich darauf ein, dass vielleicht wegen der Wetterverhältnisse mal improvisiert werden muss.

Religion

Auf Madagaskar haben alle großen Weltreligionen ihre Spuren hinterlassen.Etwa 50% der Bevölkerung gehören dem christlichen Glauben an, in vielen Dörfern findet man sowohl eine katholische als auch eine protestantische Kirche. Bevölkerungsgruppen arabischer Herkunft und ein Teil der Antankarana um Antsiranana sind Mohammedaner, und zum Hinduismus bekennen sich etwa 10.000 Madagassen, darunter vor allem vor vielen hundert Jahren eingewanderte Inder. Christen und Moslems haben die Gemeinsamkeit, ihrem Glauben zwar den formalen Regeln entsprechend zu folgen, ihr tägliches Leben aber und der „wahre Glaube“ beruhen weiterhin auf den madagassischen Traditionen der jeweiligen Volkszugehörigkeit. Ein Madagasse – auch wenn er christlich getauft ist oder dem Islam angehört – glaubt an die Unsterblichkeit des menschlichen Geistes und der Seele. Sekten vor allem aus den USA verzeichnen seit einigen Jahren einen enormen Zulauf.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

Mittag (Tageszeit) - mitataovovonana

Toilettenpapier – taratasy fivoahana

Wir sind glücklich. – Sambatra izahay.

Ich mag madagassisches Essen – Tia sakafo malagasy aho.

Wie geht es Ihnen – Manao ahoana tompoko?

Wie heißen Sie? – Iza no anaranao.

Woher kommst du? – Avy aiza ianao?

Vielen Dank! – Misaotra betsaka!

Auf Wiedersehen – Mandra – pihaona!

Kauderwelsch Madagassisch, Band 41

Dos and Dont's

Ungeduld ist unhöflich, Madagaskar ist das Land des „Mora Mora“ („Langsam, langsam“ oder „immer mit der Ruhe“). Niemand kann etwas dafür, wennn der Motor des Buschtaxis kaputt, das Flugzeug defekt ist – „Zanahary“ (Gott) wollte es so. Wem hilft Hast, Ungeduld, Ärger, Zorn? Ein Madagasse fühlt sich nicht – wie wir – eingeklemmt in die kurze Spanne zwischen Geburt und Tod.

Bei Madagassen hinterlassen laute und fordernde Menschen keinen guten Eindruck, denn die ursprüngliche madagassische Kultur ist von Bescheidenheit, Hilfsbereitschaft und Respekt geprägt. Glauben Sie nicht, Sie müssten nur mal „richtig auf den Tisch hauen“ dann klappt das schon – gerade dann wird es nicht klappen. Auch ein „Taschengeld“ (Bestechung) hilft nur bei Menschen, die bereits einen Teil ihrer kulturellen Identität durch Kontakte mit materiell denkenden Ausländern verloren haben. 

Exkurs: Die Zebu-Bank – eine einzigartige Einrichtung

In einer der ungewöhnlichsten Banken der Welt dreht sich fast alles ums Buckelrind (Zebu). Der französische Pilot Stéphane Geay gründete 1996 die Zebu Overseas Bank (heute Zebu Overseas Board) in Madagaskars Edelsteinmetropole Antsirabe. Im Hochland der Tropeninsel, 168 km südlich der Hauptstadt Antananarivo, bietet sie eine geradezu tierisch geniale Dienstleistung an.

Zu den rund 3000 Geldgebern gehören Franzosen, Schweizer, Dänen, Belgier, Italiener, Portugiesen, US-Amerikaner sowie über 100 Deutsche aus Hamburg, München, Dortmund, Magdeburg, Berlin und weiteren Städten. Auch etliche im Ausland lebende Madagassen haben bereits in ein Zebu investiert, das seit jeher als Arbeitstier und Statussymbol auf der Insel einen hohen Stellenwert besitzt.

Das Bankgeschäft funktioniert ähnlich wie der Kredit-finanzierte Kauf eines Neuwagens:

Aus einem Umkreis von gut 100km um Antsirabe kommen Madagassen zur Bank am kleinen Markt und kaufen ein Zebu auf Kredit. Besonders gefragt sind zweijährige weibliche Tiere, die auf dem örtlichen Markt erworben und auf einer bankeigenen Farm tierärztlich untersucht werden. Ein Zebu kostet zur Zeit etwa 700.000 Ariary, rund 300 Euro. Ein ferner Geber finanziert den Kauf des jeweiligen Zebus. Eine Kuh, die zwischen drei und 15 Liter Milch pro Tag gibt, schlägt mit 600 Euro zu Buche, eine Milchkuh mit höherer Leistung (ab 15 Liter aufwärts) mit 1200 Euro, ein Schwein mit 100 Euro. Der Vierbeiner wird dann von der Bank der madagassischen Familie (pro Person gibt es maximal ein Tier) oder dem Antrag stellenden Dorf übergeben. Pro Monat müssen die Halter einen festgelegten Betrag an die Bank zurückzahlen. Milch und Kälber dürfen sie behalten. Die neuen Besitzer haben also neben der Arbeitskraft des Tieres auf den Reisfeldern oder als Zugtier noch eine zusätzliche Einnahmequelle. Die Madagassen können so innerhalb von zwei bis drei Jahren den wertvollen vierbeinigen Hausgenossen komplett abbezahlen. Die Warteliste von Familien, die ein Zebu wünschen, ist groß: Bis zu zwanzig melden sich pro Monat. Die Bank zahlt den Einkaufspreis nach zwei Jahren in der Landeswährung Ariary mit 1,5% Zinsen an die Geldgeber zurück. Sollten diese den Betrag nicht innerhalb von fünf Jahren abrufen, fließt er in ein neues Projekt. So mancher Geldgeber kommt aber selbst auf die Insel, um sich „sein“ Zebu anzuschauen und dabei gleich das eingesetzte Geld für den Urlaub zu verwenden. Die Investoren aus Europa und anderswo erhalten ein Foto ihres Tieres und ein Kaufzertifikat. Darüber hinaus besteht die Chance, mit Hilfe des „Zebu-Briefes“ per Internet (www.zob-madagascar.org) oder Mail (contact@zob-madagascar.org) Kontakt zur Bank zu halten, deren Geschäftsstelle am kleinen Markt ist.

„Ein Zebu ist ein ideales Geschenk von und für Menschen, die glauben, sie hätten bereits alles im Leben erreicht und erhalten“, heißt es im Informationsschreiben. „Doch für diese Menschen könnte es eine besondere Freude sein, so ein edles Tier wie ein Zebu zu besitzen, das sogar nach ihnen benannt werden kann“, betont Gründer Geay.

Exkurs: Tauchen und Baden

Als Badeziel wird Madagaskar oft unterschätzt. Die Insel hat Hunderte von kilometerlangen Sandstränden, die weit einladender sind als Strände bekannterer Badeinseln. Inzwischen sind ein paar Dutzend durch mehr oder weniger hübsch gestaltete Bungalowanlagen erschlossen. Kaum ein Einheimischer versteht allerdings, warum die „Vazaha“ dauernd ins Wasser springen oder fast nackt am Strand liegen wollen. Für sie ist das Meer eine geheimnisvolle, fremde Welt, die dem Fischer Nahrung spendet. Ansonsten ist es aber dem Menschen feindlich gesinnt, und so gut wie möglich sollte jeder Kontakt vermieden werden. Übrigens dienen Strände oft als öffentliche Toi lette! Von den Dorfbewohnern werden Zonen ausgewiesen, wo Frauen und Männer ihre Notdurft erledigen. Wenn Sie „Landminen“ an einem Strandabschnitt finden, sollten Sie weitergehen, denn die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es dort auch schwimmende Minen gibt … Außerdem haben Sie in der Toilette der Einheimischen nichts verloren! Für Ihr Sonnenbad eignen sich noch genügend andere Flecken. Nacktbaden ist für erwachsene Madagassen völlig unverständlich. Sie werden auf ungläubig staunende Einheimische treffen, wenn Sie es trotzdem tun. Auf den Komoren und in vorwiegend islamischen Regionen im Norden Madagaskars könnte es sein, dass Ihnen (nicht zu Unrecht) Aggressionen entgegengebracht werden.

Alle Texte aus: Reiseführer Madagaskar von Klaus Heimer und Wolfgang Därr.

Titelbild: Klaus Heimer.