»Auf Malta ist nichts weit, außer man hat es eilig!«
Maltesisches Sprichwort

Malta

Repubblika ta’ Malta
Republik Malta

19:12 h | 19 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
427.000 (Weltrang 167)

Bevölkerungsdichte
1.351 Einw. pro km²

Fläche
316 km² (189)

Hauptstadt
Valletta

Staatsform
parlamentarische Republik

Hauptsprachen
Maltesisch, Englisch

Währung
Euro

Nationalfeiertag
21.9.

Internationale Ankünfte/Touristen
1.582.000

Flugdauer
1622 km ≈ 2,5 Std.

Entfernung über Land und Wasser
2263 km

Europäische Kulturhauptstadt
Valletta 2018

Christianisierung
60 n. Chr. durch Paulus

Kolonialzeit
150 Jahre britische Kronkolonie

Straßenverkehr
Linksverkehr

Urbanisierungsgrad
92%

Motorisierungsquote
592 PKWs je 1.000 Einwohner (Platz 2 in Europa, Stand 2012)

Anzahl der Inseln
6 (Malta, Gozo und Comino bewohnt)

Höchste Erhebung
Ta’ Dmejrek 253m
(zweitniedrigster höchster Punkt Europas)

Jagdlizenen
18.000 (höchste Jägerdichte Europas)

Wahlbeteiligung
>90% bei Parlamentswahlen

Dies und Das

© Werner Lips

Natur

Wegen der größeren Nähe zu Sizilien und der frühgeschichtlichen Besiedlung von Italien her zählt Malta geografisch zu Europa. Die Republik Malta liegt im zentralen Mittelmeer, 95 Kilometer südlich von Sizilien und 290 Kilometer östlich von Tunesien. Zu Malta gehören die bewohnten Inseln Malta (246 km²), Gozo (67 km²) und Comino (2,5 km²), ferner die unbewohnten Eilande Filfla, Cominotto und St. Paul’s Island sowie einige Felsformationen. Die Hauptinsel Malta erstreckt sich von Nordwest nach Südost auf einer Länge von maximal 27 und einer Breite von bis zu 15 Kilometern und ist von ihrer Schwesterinsel Gozo durch den fünf Kilometer breiten Gozo-Channel getrennt.

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Malta und Gozo werden von schroffen Steilküsten an den Südseiten geprägt, die nach Norden hin leicht abfallen und sich zu einigen Buchten an der jeweiligen Nordseite hin öffnen. Dieser Steilküstencharakter sowie die zentrale Mittelmeerlage zwischen Sizilien und Nordafrika charakterisierten Malta als eine bedeutende, natürliche und – wie die Geschichte zeigen sollte – uneinnehmbare „Festung“. Die höchste Erhebung Maltas, Ta’ Dmejrek, auf dem Plateau der Dingli- Cliffs südlich von Clapham Junction, misst 253 Meter.
Ganzjährig wasserführende Bäche oder Flüsse gibt es nicht, weshalb die Wasserversorgung auch die größte ökologische Herausforderung des Landes bedeutet. Auf Malta herrscht ein ausgeprägtes Mittelmeerklima.

Tiere

Während es noch zu Johanniterzeiten Großwild auf Malta gegeben haben soll, beschränkt sich die Tierwelt heute – von Schlacht- und Nutzvieh abgesehen – auf einige Kleinsäuger, Vögel, Insekten und Reptilien. Zu den frei lebenden Säugetieren Maltas zählen das Wildkaninchen Fenek (welches als Nationalgericht auf dem Teller endet), Igel, Wiesel, Ratten und Mäuse. Sie ernähren sich zum Teil von den zahlreichen Schmetterlingen, Libellen, Grillen und Bienen. Letztere spielen bei der Erzeugung des berühmten maltesischen Honigs eine traditionelle Rolle, schon den Römern war Malta als „Honiginsel“ bekannt. Der besondere Geschmack ist auf das überall wuchernde Thymiankraut zu - rückzuführen.

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Skorpione und (ungiftige) Schlangen sind gelegentlich auf Comino und Gozo anzutreffen. Abseits der Wege werden Wanderer auch Eidechsen sehen, von denen mehrere Arten auf dem maltesischen Archipel beheimatet sind. Eine Art, die Laferla Filfolensis, lebt nur auf dem Inselchen Filfla. Bedingt durch den Mangel an Bäumen brüten in Malta nur wenige Vogelarten. Zu den wichtigsten der zwölf hier vertretenen zählen Sturmtaucher, Sturmschwalbe, Kurzzehenlerche und die Blaumerle, der Nationalvogel Maltas. Der natürliche Lebensraum dieser Vögel ist auf die Naturschutzgebiete Filfla und Għadira (Mellieħa Bay) sowie den kleinen Wald in Buskett Forest beschränkt.
Die maltesischen Inseln sind aber auch alljährlich eine bedeutende Zwischenstation für zahlreiche Zugvögel, darunter bedrohte Arten, auf dem Weg zwischen Europa und Afrika.
Die Gewässer um Malta sind weder tropisch, noch gibt es mangels hinreichenden Planktons eine besonders große Vielfalt an Fischen oder Unterwasserflora. Schwertfische, Sardinen, Barben, Dorsch und der „Nationalfisch“ Lampuki (Makrelenart) stehen dennoch oft auf dem Speisezettel.

© Werner Lips

Essen

Die maltesische Küche ist bei uns weitgehend unbekannt oder wird als Anhängsel der italienischen Küche abgetan. Dieses Vorurteil resultiert aus den Anfängen des Tourismus auf Malta in den 1960er Jahren, als die Hotelküchen und Gaststätten ausschließlich internationale (italienische und englische) Gerichte servierten, damit sich der Gast „wie daheim“ fühle. Erst mit der zunehmenden Nachfrage internationaler Besucher nach einheimischen Gerichten wurde die heimische Gastronomie neu „entdeckt“, sodass neben der stark vertretenen italienischen auch die maltesische Küche dem Besucher Gaumenfreuden bietet.

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Die wichtigsten Zutaten der maltesischen Küche sind Kapern, Oliven und Tomaten beim Gemüse, Ricotta und Schafs- oder Ziegenkäse, beim Brot das Weizenbrot mit dunkler, knuspriger Kruste, Reis oder Nudeln als Beilage sowie frischer Fisch oder Kaninchen als Hauptspeise. Alle Zutaten werden vorzugsweise frisch auf den Märkten oder von fahrenden Gemüsehändlern und Bäckerwagen gekauft, in größeren Orten gibt es natürlich auch Fischgeschäfte, Metzgereien und Bäckereien.
Nicht zuletzt wegen des hohen Touristenaufkommens muss ein Gutteil der Nahrungsmittel importiert werden, je nach Saison werden aber auf Malta selbst u.a. Weintrauben, Feigen, Kakteenfrüchte, Erdbeeren, Orangen, Linsen, Bohnen, Kohl, Kartoffeln, Tomaten, Oliven (Olivenöl) und natürlich Kapern geerntet. Auch der maltesische Honig erlangte im ganzen Mittelmeerraum Berühmtheit.
Neben Weintrauben gehören Blutorangen, die um Attard, Rabat und Buskett gezüchtet werden, zu den bedeutendsten maltesischen Früchten. Der maltesischen Blutorange wurden seit jeher besondere Heilkräfte zugesprochen, sodass sich schon zu Johanniterzeiten die Tradition entwickelte, ausländischen Rittern und höchsten Würdenträgern als Gastgeschenk Honig und Apfelsinen zu überreichen – eine Tradition, die der maltesische Präsident bei Staatsbesuchen noch heute aufrechterhält.
Die verschiedenen Völker und Kulturen, die Malta im Laufe der Jahrhunderte beherrschten, hinterließen auch ihre kulinarischen Spuren, und so zentral Maltas Lage im Mittelmeer zwischen Italien und Nordafrika ist, so vermischt scheinen auch die Gerichte; etliche Begriffe wurden aus dem Arabischen oder Italienischen übernommen.
Maltesische Gerichte findet man vor allem in einfachen Kneipen, Kiosken, Bäckereien und Snack-Bars (Takeaway). Die nationale „Stulle“ ist das sehr nahrhafte Ħobż biż-żejt (Brot mit Öl), ein großes, rundes Brötchen, belegt mit Tomate, Oliven, Kapern, Minze, (eventuell) Sardellen und mit etwas Öl beträufelt. In Bars bekommt man als Snack den Ħobż biż-żejt in leicht abgewandelter Form: Das Brot wird in Stücke geschnitten und in Öl getränkt, dann mit den genannten Zutaten bestreut; gegessen wird es ohne Besteck.
Ebenfalls ein Häppchen sind die Pastizzi (kleine, gebackene Teigtaschen) mit Ricottakäse, Spinat und Erbsenpaste als Füllung – ein Gedicht, aber ähnlich wie die Weißwurst in Bayern nur sehr früh zu bekommen, meist bei Straßenverkäufern und Bäckereien, vor allem in Valletta. Eine günstige und sättigende Mahlzeit wird mit Timpana geboten, einer Lasagneart, die mit Rigatoni (Röhrennudeln), Gemüse und Ġbejniet-Käse (aus Gozo) zubereitet wird, gelegentlich auch mit Schinken, Leber oder Speck. In Malta werden alle möglichen Reste in die Timpana gegeben, sodass sie nirgends gleich schmeckt und vom Prinzip her etwa dem mitteleuropäischen Eintopf entspricht.

Reisezeit

Die Monate Juni bis August sind knochentrocken, von der dritten Augustwoche (laut Bauernregel heftige Regentage) abgesehen. Ein leichter Regen fällt zu dieser Zeit überwiegend nachts, was der Tourist allerdings kaum realisieren wird. Mitte September endet der Hochsommer mit sintflutartigen Regenfällen, die wegen des knochenharten Bodens zu Straßenüberschwemmungen führen (Höhepunkt Oktober). Dann pendelt sich der maltesische „Winter“ mit launischem und täglich völlig unterschiedlichem Wetter von mild bis stürmisch ein. Ab Mitte Februar nehmen die Regentage deutlich ab und die Pflanzenwelt blüht auf. Ende April beginnt für die Landwirtschaft dann wieder die lange Trockenzeit. Während dieser Trockenphase wird die Luft so staubig, dass Fahrzeuge nach einem kleinen Sommerregen mit einer deutlich sichtbaren Staubschicht bedeckt sind und schmutziger aussehen als vorher!

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Touristische Hochsaison herrscht während der Monate Juli und August, wenn in Italien und Malta die großen Betriebsferien anstehen und auch massenweise Briten sowie mittlerweile auch viele Reisende aus dem deutschsprachigen Raum ihre Ferien hier verbringen.
Wer auf ein gemischtes Kultur- und Strandprogramm Wert legt und es sich zeitlich einrichten kann, wird sicherlich den Zeitraum Mitte Mai bis Ende Juni bevorzugen, wenn die Temperaturen warm, aber nicht unerträglich heiß sind, kaum Regen fällt und die Haupt - reise zeit noch nicht begonnen hat. Wen gelegentliche Schauer nicht stören, dem sei der September bei sehr guten Wassertemperaturen empfohlen.

© Werner Lips

Religion

Von der kleinen anglikanischen Minderheit der im Lande verbliebenen Briten abgesehen, gehört die Bevölkerung Maltas fast ausnahmslos zur römisch- katholischen Kirche (98%). Ein deutliches Zeichen dafür, wie wichtig die Kirche auch im Alltag der Malteser ist, sind die zahlreichen Festas zu Ehren diverser Schutzheiliger.

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Ein unübersehbares, prägendes Merkmal auf Malta sind die über 300 Kirchen des Landes, die zum Teil bis in das 11. Jh. zurückreichen. Selbst wenn der Tourist einen Bus betritt, wird er bereits den starken Einfluss der Kirche feststellen: Viele Fahrerbereiche gleichen kleinen Kapellen und sind mit Heiligenbildern und Statuetten ausgeschmückt. Ebenso tragen viele Privathäuser anstatt einer Hausnummer den Namen eines Schutzheiligen. An kirchlichen Feiertagen ist das ganze Dorf auf den Beinen, Tradition und Familie werden in allen Lebensbereichen groß geschrieben. Ein Großereignis der jüngeren Kirchengeschichte Maltas war seinerzeit der Besuch des inzwischen verstorbenen Papst Johannes Pauls II. 1990.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

Skuzi

Entschuldigung (ital.)

Grazzi

Danke (ital.)

Jekk jogħġbok

Bitte

Bonġu

Guten Tag (frz.)

Il-lejl

Guten Abend

iva

Ja

le

Nein

narak

Auf Wiedersehen

saħħa

Tschüss

Kif inti?

Wie geht’s?

Ġebel

Berg (arab.)

Wied

Tal (arab.)

Ġhar

Höhle (arab.)

Ġðajn

Quelle (arab.)

Bir

Brunnen (arab.)

Triq

Straße

Ħal

Dorf

Citta

Stadt (ital.)

Alla

Gott (arab.)

Fortizza

Festung (ital.)

Torri

Turm (latein.)

Marsa

Hafen (phön.)

Baħar

Meer (arab.)

Ras

Landzunge (arab.)

Ramla

Sand (arab.)

Links die weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.de | www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Visum: www.airmalta.com/informationen | www.languagecourse.net/visa/malta

Fremdenverkehrsamt: www.visitmalta.com/de

Deutsche Botschaft: www.valletta.diplo.de

Maltesische Botschaft: mfa.gov.mt (Englisch)

Reise- und Gesundheitsinformationen: www.crm.de

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

Dos and Don’ts

Die Malteser zeichnen sich durch eine hohe Gastfreundschaft aus. Es gibt aber doch einige Verhaltensregeln, die zu beachten sind. Prinzipiell sollte man jedoch keine großen Schwierigkeiten bekommen, wenn man die in Europa üblichen Höflichkeitsformen beachtet.
Durch die stark ausgeprägte Religiosität in Malta sollte man bei dem Besuch von Gotteshäusern auf einen angemessene Kleidung achten. Es sollten, bei Männern ebenso wie bei Frauen, die Schultern und die Beine bedeckt sein. In Badekleidung sollte zwingend kein Besuch von Kirchen vorgenommen werden.
Das Rauchen ist auf Malta in öffentlichen Verkehrsmitteln und öffentlichen Gebäuden verboten. Ebenso ist das Nacktbaden offiziell verboten. In touristischen Gegenden wird es geduldet, aber um Missverständnisse zu vermeiden, sollte man lieber komplett darauf verzichten.
Da auf Malta ein für gewöhnlich ein Mangel an Trinkwasser herrscht, sollte man die Verschwendung von Wasser tunlichst vermeiden. Das Leitungswasser kann im Normalfall ohne Bedenken zu sich genommen werden, jedoch ist es häufig gechlort. Wer einen empfindlichen Magen besitzt, sollte lieber auf abgepacktes Wasser zurückgreifen.
Die Gastronomie- und Hotelbetriebe finanzieren sich zu einem gewissen Teil von Trinkgeld. Die üblichen 10% werden daher in Restaurants, Cafés, Kneipen, Hotels... erwartet. Es kann jedoch auch sein, dass die 10 Prozent direkt schon auf die Rechnung draufgeschlagen werden. Darauf sollte man beim Lesen der Rechnung achten um nicht unfreiwillig doppelt zu entlöhnen.

Exkurs: The Great Siege (1565)

Sultan Suleyman der Prächtige beschloss im Herbst 1564, seine gegen Westeuropa vor rückenden Landtruppen durch einen Vorstoß zur See mit dem Fernziel Sizilien zu unterstützen. Hätte er Sizilien, wäre der Weg nach Südeuropa frei. Es gab nur ein Hindernis, welches auch der große Sultan nicht hatte vorhersehen können: Malta und die Ordensritter, die er in ritterlicher Großmut 1522/23 von Rhodos hatte abziehen lassen in der Annahme, der Orden sei geschlagen, ohne eigenes Territorium und würde sich rasch auflösen.
Suleyman entsandte daher im Frühsommer 1565 rund 35.000 Janitscharen (Eliteeinheiten) und weitere 4000 Iayalaren (Selbstmord-Truppen) nach Malta mit dem Auftrag, „diese Söhne des Shejtan (Teufel) zu zerschmettern und ein für allemal zu vernichten“. Den Oberbefehl hatte jener Mustafa Pasha, der schon in Rhodos gegen die Johanniter gekämpft hatte. Dem standen gerade einmal 540 Ritter und rund 5000 Söldner und Freiwillige gegenüber. Der Gegenspieler Mustafa Paschas hieß Jean Parisot de la Valette, 1557 zum Großmeister gewählt und bei Beginn der Belagerung im 70. Lebensjahr. Als Kämpfer von Rhodos kannte er die Türken, und obgleich Malta weit schlechter befestigt war als seinerzeit Rhodos, schätzte er die Lage als nicht völlig hoffnungslos ein. Zum einen waren die feindlichen Nachschubwege um ein Vielfaches weiter als in Rhodos, zum anderen boten die maltesischen Inseln den Türken nicht die Möglichkeit, sich aus dem Land zu ernähren, und schließlich – für de la Valette ein entscheidender Faktor – wusste er, dass bei einer neuerlichen Niederlage kein Regent Europas den Johannitern auch nur einen Felsblock abtreten würde. Es ging für den Orden um Triumph oder Untergang, als am 18. Mai 1565 die Wachtposten in Fort San Angelo die türkische Flotte sichteten.
Die Truppen setzten in Marsaxlokk an Land und errichteten ihre Basis unterhalb des Monte Scibberas (heute Valletta) und begannen mit dem Beschuss des Fort San Elmo. Die Schiffe sollten dann im Schutz des eroberten Forts auf der anderen Seite des Grand Harbour (Marsamxett) ankern und die Versorgung sicherstellen. De la Valette hatte Kampf bis zum letzten Mann befohlen, um Zeit für die Vorbereitung auf den Hauptangriff gegen San Angelo zu gewinnen. San Elmo, von einer kleinen Garnison besetzt, wurde ununterbrochen bombardiert und nach 31 Tagen, am 23. Juni, unter hohen Verlusten im Sturm erobert. Beide Seiten gingen mit äußerster Grausamkeit vor: Die Türken enthaupteten die toten Ritter, nagelten sie auf Kreuze und ließen die Leichname nach San Angelo treiben. De la Valette revanchierte sich mit der Enthauptung aller Gefangenen und ließ die Köpfe mit Mörsern in das türkische Lager schießen.
Anfang Juli begann der Beschuss von Birgu, dem mehrere erfolglose land- und seeseitige Anstürme folgten. Am 7. August hatten die Türken bereits eine Bresche in die Verteidigungslinien von Senglea geschlagen und standen kurz vor dem Sieg, als sie zurückbeordert wurden – ein Entsatzheer aus Europa sei eingetroffen und habe das Lager vernichtet. Die Türken zogen sich eiligst ins Lager zurück, und Mustafa Pascha bemerkte zu spät, dass lediglich eine Hand voll Kavalleristen aus Mdina einen unbedeutenden Ausfall gewagt hatten – Senglea war vorerst gerettet. Mustafa ließ Birgu nun Tag und Nacht beschießen, der Kanonendonner soll noch in Sizilien zu hören gewesen sein. Am 18. August brach die Mauer des Poste de Castille zusammen, die Türken stürmten hinauf, und unter den Verteidigern schien Panik auszubrechen. Der greise de la Valette selbst eilte mit einer Hand voll Ritter an die bedrohte Stelle und schlug die Angreifer wie ein Berserker unter schweren eigenen Verwundungen zurück.
Die zweite Augusthälfte brachte beiden Seiten die Hölle. Im türkischen Lager brachen, bedingt durch große Hitze und von den Rittern verseuchte Brunnen, Krankheiten und Seuchen aus. Die Verteidiger hatten kaum noch Munition und waren mit den Kräften am Ende – es gab kaum jemanden, der noch keine Verletzung erlitten hatte. Mustafa verstärkte den Beschuss weiter und wollte um jeden Preis vor Einbruch der Regenzeit die Entscheidung herbeiführen, doch die Moral seiner Truppen war bereits empfindlich getroffen, die Verluste unglaublich hoch. De la Valette hatte fortwährend Botschaften über Sizilien an die europäischen Regenten mit Bitte um Unterstützung gesandt, und am 6. September fuhr tatsächlich ein spanisches Entsatzheer von 7000 Mann auf Malta zu.
Die Nachricht allein genügte, um die Türken zum Abzug zu bewegen: Am Morgen des 8. September stachen die geschlagenen Truppen überstürzt in See. Angesichts der größten Niederlage, die den Truppen von Sultan Suleyman dem Prächtigen je beigebracht worden war – nur ein Drittel des Heeres kehrte zurück – schwor dieser, er selbst werde im Folgejahr die endgültige Vernichtung der Johanniter leiten. Ungeachtet der Jubelfeiern in ganz Europa wusste de la Valette um diese Gefahr. Er wusste auch, dass bis zur Fertigstellung Vallettas und dem Wiederaufbau der Bastionen am Grand Harbour Jahre vergehen würden und Malta einem erneuten Angriff nicht würde standhalten können. Er ließ daher die großen Pulverkammern von Konstantinopel durch Spione sprengen, was die im Aufbau begriffene türkische Armee erheblich zurückwarf. Nach dem Tod Suleymans 1566 wurden die Angriffspläne verworfen, die Gefahr war damit zunächst gebannt.

Exkurs: Die Valletta-Rabat-Bahn

Haben wir nicht in der Schule gelernt „Malta gehört zu Europa“ und „Island ist das einzige europäische Land ohne Eisenbahn“? Also gibt es auf Malta eine Bahn, sollte man meinen!
Nun, es gab von 1883 bis 1931 eine Eisenbahnlinie von Valletta nach Mdina, die zur Zeit der britischen Kolonialherrschaft entstand. Die Malteser sind noch heute stolz auf ihren heimischen Architekten A. Vassallo, der vier Brücken auf der Strecke baute. Mit der Fertigstellung des ersten Elektrizitätswerkes 1903 wurde ein Teil der Schienenstrecke ab Februar 1905 sogar elektrifiziert – zumindest bis Balzan. Doch dann kamen bald die schnelleren Busse nach Malta, und die Linie musste mangels Kundenaufkommens stillgelegt werden. Heute erinnern nur noch drei Punkte an diese (einzige) maltesische Linie: das Restaurant Stazzjon in Mdina (ehemaliger Bahnhof), der Original- Bahnhof mit Wagon im Park von Birkirkara sowie ein kleines, privates Eisenbahnmuseum in Attard.
In der jüngeren Vergangenheit wurde des Öfteren diskutiert, ob eine ähnliche Linie nicht die durch den zunehmenden Individualverkehr entstandenen Verkehrsprobleme lösen könnte. Doch zurzeit ist das Thema „Bahn“ – abgesehen von einer „historischen“ Touristenbimmelbahn Mtarfa – Rabat – Geschichte beziehungsweise ferne Zukunftsmusik. Immerhin hat die Deutsche Bahn bereits das komplette Busnetz übernommen, mal abwarten, was da noch passiert!

Exkurs: Das Wunder von Mosta

Als am 9. April 1942 deutsche Jagdflieger einen Angriff auf Valletta und den britischen Feldflughafen Ta Qali flogen, ereignete sich das sogenannte „Wunder von Mosta“. Einer der beteiligten Piloten, Dr. Felix Sauer, wurde später als Augenzeuge nach Mosta eingeladen und erinnerte sich in einer Rede in der Rotunda 1988:
„Am 9. April 1942, nachmittags gegen 16.40 Uhr, flogen wir einen Einsatz gegen den Grand Harbour und Ta Qali. Sekunden später sah ich eine Staub- und Stichwolke aus der großen Kuppel ihrer Kirche hochsteigen (...) ich dachte daran, welche furchtbaren Zerstörungen die Bombe im Inneren der Kirche an Leib und Leben der Gläubigen hervorgerufen haben könnte. Als ich 1975 anlässlich eines Besuches auf Malta erfuhr, dass die Bombe nicht explodiert sei, war ich seelisch sehr erleichtert (...) Ich selber habe vier Wochen später eine ebenso wundersame Rettung erfahren dürfen, als ich aus meinem brennenden Flugzeug bei Malta abspringen musste. Nach achttägigem Umhertreiben im Mittelmeer wurde ich längst aufgegeben, schließlich aber doch noch von einem italienischen Kriegsschiff geborgen ...“
Tatsächlich durchschlug die Fliegerbombe das Kuppeldach, detonierte aber am Boden nicht – zum Glück der rund 300 Kirchenbesucher, von denen niemand verletzt wurde. Diesem „Wunder von Mosta“ wird noch heute alljährlich mit einem feierlichen Dankgottesdienst gedacht.
Doch dann begann der absurde Teil der Geschichte: Zu einem perfekten Wunder gehört auch die perfekte Bombe – und damit konnte die zerbeulte deutsche Bombe nicht dienen. Also nahm man eine unbenutzte, entschärfte englische Bombe und stellt sie seither in der Sakristei als jene deutsche Fliegerbombe aus, die damals eingeschlagen habe. Über diesen „historischen Irrtum“ hinaus mehrten sich im Laufe der Jahre in zunehmendem Maße die Legenden um dieses Geschoss. Laut ortsansässigem Kirchenführer tauchte 1995 ein österreichischer angeblicher Zeitzeuge auf und behauptete, die Engländer hätten eine mit Sägespänen gefüllte deutsche Bombe abgeworfen. Der Grund sei gewesen, die maltesische Bevölkerung gegen die Deutschen aufzubringen.
Auch offizielle Verlautbarungen änderten in der Vergangenheit die Aussage mehrfach: Zunächst war es demnach eine deutsche Bombe, dann doch eine italienische, mittlerweile legt man sich auf die offizielle Formulierung „feindlich“ fest.

Alle Texte aus: Reiseführer Malta, Gozo, Comino von Werner Lips

Uhrzeit und Temperatur: Valletta

Titelbild: © Werner Lips