»Marokko liefert sich nicht aus, man muss es sich selbst suchen.«
Tahar Ben Jelloun

Marokko
al-Mamlaka al-Maghribīya (Arabisch)
Tageldit n Elmeɣrib (Tamazight)

14:17 h | 9 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl:
32.521.000

Bevölkerungsdichte:
71 pro km²

Fläche:
458.730 km2

Hauptstadt:
Ar-Rabāt (Rabat)

Staatsform:
Konstitutionelle Monarchie

Hauptsprachen:
Arabisch

Währung:
Dirham (DH)

Nationalfeiertag:
30. Juli

Internationale Ankünfte/Touristen:
9.342.000 (2011)

 

Flugdauer:
2.191,19 km ≈ 3 Std.

Entfernung über Land:
2.765 km

Olivenbäume:
13 Millionen

Export von Bohnen:
119.572.508 kg (2010)(Weltrang 1)

Dies und Das

Natur

© Astrid Därr

Marokko bildet mit Tunesien und Algerien zusammen den Landschaftsraum der Atlasländer. Die Gipfelhöhen des Atlas-Gebirgsmassivs nehmen westwärts von Tunesien über Algerien nach Marokko hin ständig zu und erreichen im Hohen Atlas ihre größten Höhen. Die landschaftliche und klimatische Gestaltung Marokkos wird wesentlich von den Ketten des Atlas-Gebirges geprägt. Marokko hat von Norden her bis etwa zum Anti-Atlas Anteil am gemäßigten Mittelmeerklima.

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Südlich der als Klimascheide wirkenden Atlas-Ketten bewegen wir uns bis etwa zum Breitengrad der Kanarischen Inseln bei 28° im Bereich des Steppenklimas. Wesentlich heißer und trockener noch wird es im Wüstenklima der Westsahara und der südöstlichen Hammadas. Auch zum Landesinneren hin wird das Klima allgemein extremer, d.h. die Temperaturgegensätze zwischen Tag und Nacht und – vor allem im Gebirge – auch zwischen Sommer und Winter nehmen zu.

Tiere

Bemerkenswert an Marokko ist nicht eine bestimmte Landschaftsformation oder das einzigartige Vorkommen von Pflanzen und Tieren, sondern der Wechsel und das zum Teil sehr krasse Nebeneinander der verschiedenen Landschaftstypen. Getrennt durch das Atlasgebirge ergibt sich der mediterrane Bewuchs auf der nördlichen Seite und die Wüstensteppe auf der südlichen Seite des Gebirges. Als Nutztiere gelten Geflügel, Schafe, Ziegen, Rinder, Pferde, Kamele, Esel und Maultiere sowie Kamele als traditionelles Transportmittel.

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Erwähnenswert im Vergleich zur heimischen Fauna ist sicher das Vorkommen der Berberaffen (magot). Marokko besitzt neben Algerien die letzten nennenswerten Bestände dieser schwanzlosen, „winterfesten“ Affenart. Sonstige Säugetiere sind Gazellen, Hyänen, Schakale, Stachelschweine und Wüstenfüchse. Aufgrund der Temperaturen ist Marokko ziemlich ideal für Insekten. Diese bilden die Nahrungsgrundlage für Reptilien, Vögel, Nagetiere und sog. Insektenfresser wie Igel und Spitzmäuse.

Essen

So reichhaltig wie die Natur ist Marokkos vielfältige Küche. Das Wesentliche an der marokkanischen Küche sind die Gewürze. Araber waren lange Zeit führend im Gewürzhandel und konnten bis ins 13. Jahrhundert das Geheimnis der Herkunft von seltenen Gewürzen wie Muskat, Zimt, Nelken, Ingwer und Safran wahren. Eine eigene Gewürzmischung (Ras el Hanout), bestehend aus bis zu 35 verschiedenen Gewürzen, sorgt dafür, dass die Nationalgerichte Tajine und Couscous den richtigen Geschmack bekommen. Couscous wird in allen nordafrikanischen Ländern in verschiedenen Varianten gegessen. Es besteht aus Hartweizengrieß, der in einem Sieb über einem Eintopf aus Hammel-, Lamm- oder Hühnerfleisch mit sieben verschiedenen Gemüsen und Kichererbsen gedämpft wird. Dazu kommt eine sehr scharfe Soße aus Harissa (Paprikamark).

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Ein sehr landestypisches Gericht, welches in jedem marokkanischen Restaurant angeboten wird ist der Tajine (Taschin). Für die Zubereitung wird ein Tontopf mit spitzhaubigem Deckel verwendet, in dem das Gericht direkt über der Holzkohle im Kanoun geschmort wird. Ein Tajine kann aus gebratenem Hähnchen mit Mandeln, Rosinen und Oliven oder aus gestückeltem Hammelfleisch mit Quitten, oder Rindfleisch mit Pflaumen und Mandeln bzw. verschiedenen Gemüsen bestehen. Es gibt viele Zubereitungsmöglichkeiten.
In den Küstenregionen wird sehr viel Fisch gefangen, aber auch Langusten, Krabben und allerlei Meeresfrüchte gehen ins Netz. Zahlreiche Restaurants entlang der Meeresküste bieten hervorragende Fischgerichte an. Salate aus frischem Gemüse sind in Marokko weit verbreitet und in verschiedensten Variationen erhältlich. Sehr gebräuchlich ist ein Salatteller aus Gurken, Kartoffeln, Tomaten und Roten Beeten.
Als Nachtisch reicht man Obst, das in Marokko reichlich wächst, oder süßes Gebäck mit viel Honig und Mandeln.

© Astrid Därr

Wirtschaft

Marokko ist ein Agrarland: 44% der Bevölkerung leben von der Land- bzw. Forstwirtschaft und von der Fischerei, und mit – je nach Ernteerträgen – 12–17% des Bruttoinlandsproduktes sind sie ein wichtiger Sektor der Volkswirtschaft. Fast 22% der Landfläche entfallen auf Ackerland und Dauerkulturen, 13,5% davon werden bewässert. Vor allem der Anbau von Weizen, Gerste und Hafer nimmt mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Fläche ein. Hinzu kommen Mais, Tomaten, Zuckerrohr, Zuckerrüben und Kartoffeln. Im Obstanbau dominieren Orangen, Zitronen, Mandarinen und Mandeln. Zwei Drittel der Weintrauben werden zu Wein verarbeitet und zum Großteil exportiert.

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Privatisierung, Liberalisierung und Investitionsförderung stehen im Mittelpunkt der marokkanischen Wirtschaftspolitik. So wurde der ökonomische Anschluss an den Westen erreicht: eine marktfreundliche Wirtschaftsordnung, Schutz des Eigentums, Preisbildung hauptsächlich durch Angebot und Nachfrage, realistische Wechselkurse, Gewerbe- und Niederlassungsfreiheit.
Wichtige Industrien sind der Nahrungsmittelsektor (mit 8% des BIP), die Textilindustrie und Lederprodukte, die chemische Industrie (Phosphate, Sulfate, pneumatische und Kunststoffartikel, Zement) und die Zulieferindustrie in den Bereichen IT, Automobile und Luftfahrt. Die marokkanische Exportbilanz entwickelt sich positiv. Insgesamt aber ist Marokko aufgrund geringer Produktivität und Qualität international noch nicht ausreichend wettbewerbsfähig.

Reisezeit

© Astrid Därr

Die angenehmste Reisezeit in Marokko ist das Frühjahr von Anfang März bis Ende Mai, denn hier zeigt sich die im Herbst graubraune Landschaft in ihrem schönsten Kleid und alles grünt und blüht. Die Zeit um Ostern ist jedoch auch diejenige mit den meisten Touristen, also Hochsaison, was sich vor allem in Marrakesch in erhöhten Preisen und vollen Hotels auswirkt. Preiswerter wird es im Mai, jedoch ist gerade Agadir um diese Zeit häufig mit einer Nebeldecke verhüllt. Trotz meist sehr angenehmer Temperaturen im Frühjahr kann es zu dieser Zeit auch starke Regenfälle und Kälteeinbrüche geben.

 

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Im Sommer, vor allem im August, während er europäischen und marokkanischen Ferien, sind die Badeorte am Atlantik (und am Mittelmeer) überfüllt, und die Campingplätze quellen von marokkanischen Großfamilien über, mit der Folge, dass die Zustände auf manchen Plätzen unerträglich sind. Im Landesinnern dagegen lässt es sich vor allem an den hoch gelegenen Seen des Mittleren Atlas gut aushalten, und auch der Hohe Atlas ist noch nicht von Touristen überlaufen. Übrigens bietet selbst der Hochsommer keine Schönwettergarantie. Gerade im Gebirge sind sturzflutartige Regenfälle nicht selten.
Der Herbst ist wiederum eine sehr beliebte Reisezeit auch für Gruppen- und Trekkingreisen. Es fehlt jedoch die Farbenpracht des Frühjahrs, und, wie bereits erwähnt, wirken weite Landstriche aufgrund der abgeernteten Felder braun und kahl.

Ramadan

Wichtig ist es, bei der Reiseplanung zu überlegen, ob die Reisezeit in den Fastenmonat Ramadan fällt. Da ein erwachsener Moslem während dieser Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts essen darf, bleibt es nicht aus, dass man, sofern man tagsüber etwas zu sich nimmt, als Tourist entweder unangenehm auffällt oder sich irgendwohin zurückziehen muss. Rucksacktouristen haben es etwas schwerer als Pauschaltouristen, da in kleinen Restaurants und arabischen Hotels nicht gekocht wird und der Geldbeutel für große Hotels zu schmal ist. Ein sparsamer Esser oder Man/Frau mit Diätabsichten hat während des Ramadan allerdings eine beschaulichere Reisezeit, da wesentlich weniger Touristen im Land unterwegs sind.

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Und wenn die Fastenzeit nicht gerade in den Hochsommer fällt, wenn die Tage am längsten sind, dann lässt sich das Fasten ganz gut auch für den Touristen durchhalten. Cluburlauber und Gäste größerer Hotels brauchen auf die gewohnte Küche nicht zu verzichten, aber einem marokkanischen Hotelangestellten wird man es kaum verübeln, wenn er angesichts opulenter Buffets und eigenem knurrenden Magen nur noch mürrisch seiner Arbeit nachgeht. Das öffentliche Leben insgesamt läuft während des Ramadan auf Sparflamme: Man kann nur vormittags mit geöffneten Schaltern rechnen; Museen und andere Sehenswürdigkeiten haben verkürzte Öffnungszeiten; Cafés sind tagsüber geschlossen; Brot gibt es in kleineren Orten erst nachmittags, alle anderen Lebensmittel aber sind reichlich auf den Märkten zu haben.
Nach Sonnenuntergang wird umso üppiger gegessen und gefeiert, auf den Straßen ist viel mehr los, und wegen des turbulenten Nachtlebens kann es recht interessant sein, zu Ramadanzeiten zu reisen.

Religion

99% Muslime (90% Sunniten); Minderheiten von Christen und Juden

Tipps

Wörter die weiterhelfen

In Marokko ist Arabisch die offizielle Amts- und Landessprache. Französisch ist seit der Kolonialzeit Verkehrs-, Bildungs- und Handelssprache, also bei Behörden, in Büros und im Geschäftsverkehr üblich.

 

Kleine Sprachhilfe
Marokkanisch-Arabisch, Band 77

Links die weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.de | www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Fremdenverkehrsamt: www.visitmorocco.com

Deutsche Botschaft: www.rabat.diplo.de

Marokkanische Botschaft: www.botschaft-marokko.de/

Reise- und Gesundheitsinformationen: www.crm.de

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

Dos and Don'ts

Bekleidung: Kleider machen Leute. Man sollte niemals alte oder abgenutzte Kleidung tragen, denn dies gilt als respektlos. Vermieden werden sollten außerdem ärmellose T-Shirts und Shorts (beides gilt als Unterwäsche), bei Frauen des Weiteren tiefe Ausschnitte oder sehr eng anliegende Kleidung. Ein BH ist ein Muss, Röcke müssen zumindest bis zu den Knien reichen. Je ordentlicher man auftritt, desto höher wird man in der gesellschaftlichen Hierarchie eingestuft werden, und um so respektvoller wird man behandelt. Kopftücher sind übrigens nicht nötig. Auch viele Marokkanerinnen laufen mittlerweile „oben ohne“ herum! Gegen die heiße Sonne und den Staub schützt es jedoch enorm!

Begrüßung: Wer durch eine Stadt läuft oder durch ein Dorf, wird immer wieder mit einem freundlichen „La’bas?“, „Wie geht es dir?“, begrüßt werden. Antworten Sie mit einem „La’bas al-hamdulillah“, „Mir geht es gut, dank sei Gott“. Eine persönliche Begegnung beginnt fast immer mit einem Handschlag, wobei man die Hand anschließend als Geste des Respektes zum Herzen führt.

Küssen: Männer dürfen Frauen nie die Hand geben, und Küssen ist schon ganz und gar tabu, selbst innerhalb der Familie! Küsst eine Frau einen Mann auf die Wangen, wird sie als „leichtes Mädchen“ abgestempelt, und die Ehre der Familie steht infrage. Das gilt übrigens auch für Küsse oder Zärtlichkeiten unter Touristen.

Schuhe: Wie in jedem anderen islamischen Land auch, müssen Schuhe vor der Haustüre ausgezogen werden.

Ess- und Trinksitten: Es wird mit der rechten Hand gegessen, die linke gilt als unrein. Besteck gibt es inzwischen – abgesehen von Privathaushalten – fast überall. Getrunken wird hinterher, und zwar traditionell zubereiteter Tee.

Höflichkeit: Man sollte in einem Gespräch immer wieder seinen Gegenüber loben! Wer raucht, sollte sich nie eine Zigarette anstecken, ohne dem anderen eine anzubieten, und wer etwas zu essen oder zu trinken auspackt, darf das nie allein zu sich nehmen: Selbst in Zugabteilen wird alles geteilt, in Bussen mit den Leuten rundum und bei jedem Teehausbesuch sowieso! Auch wer wild campt oder auf freier Strecke ein Picknick veranstaltet, muss damit rechnen, dass Menschen aus der näheren Umgebung auftauchen, um sich den Fremden anzusehen. Laden Sie sie zu einem Tee ein oder falls Sie gerade essen, laden Sie sie ein mitzuessen. Es wäre sehr unhöflich, es nicht zu tun, so wie es unhöflich wäre, diese Einladung abzulehnen.

Toilette/Notdurft: Statt Toilettenpapier werden in Marokko die Hand und frisches Wasser verwendet. Deshalb findet sich in jeder Toilette auch ein Wasserhahn. Toiletten, wie wir sie aus Europa kennen, sind außerhalb der Hotels und Restaurants eher unüblich, es gibt überall Stehtoiletten.

Trinkgeld: Trinkgeld spielt eine wichtige Rolle angesichts des meist geringen Einkommens der Einheimischen. Zimmermädchen, Kofferträger sowie Kellner im Hotel sollten nicht erst bei der Abreise bedacht werden – ein Trinkgeld vorweg bzw. zwischendurch hebt die Stimmung und verbessert den Service.Im Restaurant sind je nach Service 5–10% angemessen, bei Bar- und Taxipreisen rundet man auf. Busfahrer, Reiseleiter, Bergführer etc. bekommen ihren Tarif, erwarten aber trotzdem Trinkgeld von der Gruppe.

Berührungen: Gefühlsbezeugungen oder gar der Austausch von Zärtlichkeiten zwischen Mann und Frau in der Öffentlichkeit widersprechen den islamischen Moralvorstellungen. Umgekehrt lässt sich beobachten, dass marokkanische Männer häufig Händchen haltend oder Arm in Arm miteinander durch die Straßen gehen. Dies ist meist Ausdruck einer ganz „normalen“ guten Freundschaft unter Männern und in Marokko durchaus üblich. Als ungebührlich gilt, wenn ein männlicher Tourist in der Öffentlichkeit eine marokkanische Frau anspricht, und sei es nur, um nach dem Weg zu fragen.

Fotografieren: Grundsätzlich verboten ist das Filmen und Fotografieren militärischer Einrichtungen im weitesten Sinne, dazu gehören auch die Staumauern der Stauseen. Nach strenger Koranauslegung ist jede bildliche Darstellung des Menschen verboten, daher ist vor allem bei Personenaufnahmen äußerstes Feingefühl gefragt. Wer Menschen fotografieren will (und dies nicht unbemerkt tun kann), sollte sich durch Fragen oder entsprechende freundliche Gestik vergewissern, dass der Betroffene nichts dagegen hat. Im Zweifelsfall: kein Foto. Während die berberische Bevölkerung zumeist aufgeschlossen aufs Fotografieren reagiert, ist es nach wie vor undenkbar, z.B. eine traditionell gekleidete arabische Frau ungefragt aus der Nähe „abzuschießen“.

Exkurs: Die Suqs

Zu jeder Stadtbesichtigung gehört der Besuch des Suq, manchem auch unter dem persischen Wort „Basar“ bekannt. Das Suqviertel liegt nach alter Tradition in der Nähe der Hauptmoschee in der Medina (Altstadt) und ist durchzogen von unzähligen unübersichtlichen Gassen, in denen kein Auto, vielleicht gerade noch ein Eselskarren Platz findet. Diese Gassen sind oft mit Stroh- oder Schilfmatten als Schutz gegen Regen und Sonne überdacht. Der Suq ist keineswegs nur Kaufhaus oder traditioneller Supermarkt, sondern Arbeits- und Verkaufsstätte zugleich. Die Viertel des Suqs sind unterteilt nach Handwerkszweigen: So gibt es den Töpfer- und den Tischler-, den Wollfärber-, den Messing- und Kupferschmiede-, den Schneider-, den Babuschen-, den Hutmacher- und den Apotheker-, den Schmuck- und den Ledersuq, an den sich meist das Gerberviertel anschließt, das normalerweise am Stadtrand untergebracht ist, da auch im Chemiezeitalter häufig noch mit Tierurin gegerbt wird und bestialische Gerüche über der malerischen Szene hängen. Dieses Viertel ist vor allem in Fès Touristenattraktion, spiegelt aber auch die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in solchen traditionellen Berufen wieder. Die Färber stehen bis zu den Knien in riesigen gemauerten Bottichen, in denen das Leder in der Farbe gestampft und gewalkt wird. Für den Reisenden Fotomotiv, aber für die Arbeiter der niedrigste Dienst auf der untersten sozialen Stufe.

Der Suq als Arbeits- und Handelsplatz zählt zu den schönsten Erlebnissen einer Orientreise und entfaltet eine Farbenpracht und Fülle von Eindrücken, wie sie kein noch so schönes Großkaufhaus in westlichen Städten bieten kann. Auch wird hier ein repräsentativer Querschnitt durch die Bevölkerung – ob arm oder reich, Gelegenheitsverkäufer, Gaukler, Handwerker mit Kleinbetrieb oder angesehener Händler im riesigen Teppichladen – präsentiert. Dem Besucher bietet sich die Möglichkeit, das Entstehen einer Ware bis zu ihrem Verkauf zu verfolgen, ein für uns ungewohntes Erlebnis. In den verschiedenen Vierteln wird gehämmert, gefeilt, getischlert, gewebt, gefärbt, genäht oder nur einfach verkauft. Auch der Verkauf ist nicht nur ein Entgegennehmen und Bezahlen von Ware, sondern dem Kauf geht nicht selten ein ausführliches Einführungsgespräch über die Art der Ware, vor allem bei Teppichen über deren Muster, Herkunft und Bedeutung, voraus. Der Kunde wird mit Tee oder Softdrinks bewirtet und in ein persönliches Gespräch verwickelt, und nebenbei findet ein erstes Vortasten über die Preisvorstellung statt. Nicht selten ist man bei einem ersten Suqbesuch überwältigt und zugleich überfordert, deshalb ein hilfloses Opfer geschäftstüchtiger Bazaristen (siehe auch nächstes Kapitel). Der Suq ist aber in erster Linie eine Einrichtung für Einheimische, und er ist dies trotz vieler  touristischer Einflüsse in den meisten Städten und Orten auch geblieben. Das Warenangebot reicht von einfachen Plastiksandalen und -schüsseln bis zu kunstvoll ziselierten Kästchen  und Holzmöbeln. Der Suq ist ein wesentlicher Bestandteil des orientalischen Lebens: Handels-, Arbeits- und Begegnungsstätte, auf der Waren hergestellt und verkauft, Neuigkeiten ausgetauscht und Verbindungen geknüpft werden.

Auf dem Lande ist der Suq keine feste Einrichtung wie in den Städten, sondern Wochenmarkt, der an bestimmten Tagen abgehalten wird und eine typische Erscheinung des Landlebens darstellt. Nicht selten ist ein Ort nach dem Tag benannt, an dem der Wochenmarkt stattfindet. Der große Anteil der Landbevölkerung macht es notwendig, dass jeder Stamm mehrere Suqs abhalten muss, die sich gewöhnlich mitten auf dem Lande oder an einem ganz bestimmten, mit Mauern umgebenen Platz abspielen. Oft sind die Bauern und Nomaden schon ab fünf Uhr morgens mit ihren Eseln unterwegs, um sich auf die Wochenmärkte zu begeben. Diese Märkte sind ein malerisches Schauspiel für den Touristen,  och echt und unverfälscht. Neben dem Viehmarkt, auf dem meist Schafe, im Süden auch Kamele, angeboten werden, findet man sämtliche Waren des täglichen Gebrauchs. Von Töpferwaren bis zum Plastikgeschirr, allerlei Amulette als Glücksbringer, verschiedenste Gewürze und die schönsten Gemüse und Früchte des Landes. Der Wochenmarkt dient mehr zur Befriedigung der unmittelbaren alltäglichen Bedürfnisse, während der Stadtsuq sämtliche Utensilien des täglichen wie auch des häuslichen und längerfristigen Bedarfs, wie z.B. Kleider und Möbel, feilbietet. Neben den ländlichen Marktplätzen sind die Eselsparkplätze mit Bergen von Sätteln entlang der Mauern und zahlreichen schreienden und fortpflanzungswilligen Eselhengsten eine malerische und amüsante Fotokulisse.

Die bekanntesten Suqs sind die von Fès und Marrakesch, hier finden Sie das größte Warenangebot, aber auch sämtliche traditionellen Handwerkszweige sind dort vertreten. Auch Meknès und Rabat haben schöne Suqs, die bei weitem nicht so touristisch sind wie die erstgenannten.

Aus: Reiseführer Marokko von Astrid Därr und Erika Därr, Kulturschock Marokko von Muriel Brunswig-Ibrahim

Uhrzeit und Temperatur: Rabat

Titelbild: © Astrid Därr