»Jeder Weg hat zwei Richtungen«
Moldauisches Sprichwort

Moldau

Republica Moldova
Republik Moldau
 

02:06 h | 14 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
3.556.000 (Weltrang 130)

Bevölkerungsdichte
105 Einw. pro km²

Fläche
33.800 km² (136)

Hauptstadt
Chişinău

Staatsform
Parlamentarische Republik

Hauptsprachen
Rumänisch

Währung
Moldauischer Leu (MDL)

Nationalfeiertag
27.8.

Internationale Ankünfte/Touristen
11.500

Flugdauer
1525 km ≈ 2 Std.

Entfernung über Land
1.924 km

Höchste Erhebung
Dealul Bălănești (430 m)

Länge der Donau in Moldau
≈ 500 Meter (als Grenze)

Anzahl Nachbarländer
2 (Rumänien, Ukraine)

minimale Entfernung zum Schwarzen Meer
>2 km (bei Palanca)

Internationaler Flughafen
Aeroportul Internațional Chișinău

Dies und Das

© Joscha Remus

Natur

Das nur 33.700 Quadratkilometer große Land (so viel wie das Bundesland Nordrhein-Westfalen) hat keinen Zugang zum Meer und besteht größtenteils aus kontinentaler Steppe. Die flachen, weithin übersehbaren Hügel sind jedoch einzigartig in der Welt, zumal sich zwischen ihnen viele Seen ausdehnen (57 natürliche mit einer Gesamtfläche von 62 Quadratkilometern und 3000 künstliche mit einer Gesamtfläche von 330 Quadratkilometern). Die Landschaft eignet sich daher in hohem Maße für Naturwanderungen zu Fuß oder Touren mit dem Mountainbike sowie zum Angeln und Wassersport.

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Moldau erstreckt sich rhombusartig zwischen dem Fluss Prut im Westen (967 km lang, Grenze zu Rumänien) und dem Nistru im Osten (1345 km lang, Grenze zur Ukraine). Am Südzipfel des Landes mündet der Prut in die Donau, deren Ufer auf 500 m Länge auf moldauischem Boden liegt. Die Durchfahrt von Westen nach Osten dauert nur ca. 2 Stunden, die aus der Hauptstadt in den äußersten Süden oder Norden jeweils 3 Stunden.
Im Zentrum des Landes erhebt sich der Dealul Bălănești auf 430 m Höhe; er ist umgeben vom Codru-Wald.

Tiere

68 Säugetierarten wurden in Moldau gezählt, dazu gehören Wolf, Steinbock, Damhirsch und Wildschwein. Außerdem  werden 280 Vogelarten und über 14.000 wirbellose Tierarten unterschieden. Der geringe Waldwuchs und die intensive Nutzung aller Ressourcen lässt den Tieren wenig Raum.
Zur Geschichte von Flora und Fauna bietet das naturkundliche und ethnografische Museum in Chişinău einen lehrreichen Überblick mit vielen verblüffenden Funden, z.B. dem Skelett eines riesengroßen Urpferdes.

© Joscha Remus

Essen

Die Moldauische Küche ist wenig grün (Salat), dafür oft aufwendig zubereitet und in mehreren Gängen serviert, etwas deftig (z.B. Wurstsuppe/ Solianka oder eingelegter Fisch) und manchmal mit Knoblauch versehen.
Wer einer privaten Einladung folgt, muss viel essen und trinken. Will man das nicht, kann man zwar darauf hinweisen, wird sich aber dennoch kaum erwehren können.

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Die Gastronomie ist durchaus vielfältig, Snacks sind selten warm. „Fast Food“ gibt es nur als Butterbrot (das heißt auch so) oder Plăcintă (Blätterteigrollen mit Kohl = Varză, Kartoffeln = Cartofi oder Apfel = Mere).
Typische moldauische Gerichte sind auch in Rumänien bekannt, z.B. Sărmăle (kleine Krautwickel), Mămăligă (Maisbrei à la Polenta), Mititei (Grillröllchen aus Gehacktem), hinzu kommen slawische Köstlichkeiten (Schaschlik, Blini = Crêpes, Icre = Kaviar).

Reisezeit

Die Sommer sind, durch das kontinentale Klima, für gewöhnlich sehr heiß. Da Moldau kein Badeland ist und auch kaum Bademöglichkeiten bietet, ist eine Reise im Hochsommer nicht zu empfehlen. Die Hitze macht Unternehmungen praktisch unmöglich.
In den Monaten März bis Mai und im September gibt es traditionell ein buntes Programm an Kulturaktivitäten. Für Kulturreisende ist das der optimale Zeitpunkt um das kleine Land zu bereisen.

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Der Schnee fällt früh und viel in Moldau. Ab Oktober muss man mit Schnee rechnen, welcher sich über das Land legt und auch bis Februar oder gar in den März hinein dort bleibt. Zusätzlich machen die kalten Temperaturen eine Reise im Winter ziemlich unattraktiv, da es auch keinerlei Infrastruktur für Wintersportaktivitäten gibt.

© Joscha Remus

Religion

Statistisch sind 98 Prozent der Bevölkerung, d.h. auch alle Ethnien einschließlich der türkischstämmigen Gagausen, orthodoxen Glaubens. In Wirklichkeit praktizieren diesen nur etwa halb so viele Menschen. Die christlichen Kirchen haben seit der politischen Öffnung einen großen Auftrieb erlebt, viele Kirchen sind neu gebaut und Klöster wieder eröffnet worden.
Im Gegensatz zu den rumänischen Moldauklöstern sind die moldauischen selbst sehr viel rustikaler, häufig verbunden mit Felsenklöstern aus dem Mittelalter. Eine Tour sollte mit dem Auto unternommen oder durch ein kompetentes Reisebüro in Chişinău organisiert werden.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

Deutsch

Rumänisch

Hallo

Bună/Servus/Salut

Guten Morgen

Bună dimineata

Guten Tag

Bună ziua

Guten Abend

Bună seara

Gute Nacht

Noapte bună

Danke

Mulţumesc

Bitte

Vă rog

Ja

Da

Nein

Nu

Wie viel kostet …?

Cât costă …?

Wo ist …?

Unde este …?

Wann fährt der Bus/Zug nach … ab? 

Când pleacă  autobusul/trenul spre …?

Was ist das?

Ce-i asta?

Wie geht es Ihnen/dir?

Ce mai faceţi/faci?

Gut

Bine

Schlecht

Rău

Entschuldigung!

Scuză-mă

Kreuzung

Intersecţie

Straße

 Strada

Geradeaus

Tot înainte

Rechts

Dreapta

Links

Stânga

Heute

Azi

Morgen

Mâine

Gestern

Ieri

Wunderbar

Fantastic

Guten Appetit

Poftă bună

Prost

Noroc

Zahlen, bitte

Platesc, vă rog

Auf Wiedersehen

La revedere

Tschüss

Pa

Links die weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.de | www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Visum: www.auswaertiges-amt.de/Laenderinformation/Moldau | www.chisinau.diplo.de/Visabestimmungen

Fremdenverkehrsamt: www.moldawien.de | www.moldova.org/en/ (Englisch)

Deutsche Botschaft: www.chisinau.diplo.de

Moldauische Botschaft: www.germania.mfa.md/de

Reise- und Gesundheitsinformationen: www.crm.de

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

Dos and Don’ts

Zum Beginn sei angemerkt, dass wir die ganze Zeit – zurecht – von der Republik Moldau, oder kurz Moldau, reden. Durch die russische Übersetzung wurde aus dem Land im 20. Jahrhundert Moldawien. Doch die Amtssprache der Republik Moldau ist rumänisch, sodass eine russische Übersetzung NICHT korrekt ist. Die richtige Übersetzung lautet Moldau, was auch die richtige Bezeichnung ist.
Doch im Allgemeinen kann der Reisende in Moldau nicht viel vermasseln. Die Menschen treten sehr zurückhaltend auf – Temperament ja, aber sehr gemessen und „zivilisiert“. Nur wenn es wirklich nötig ist, kommuniziert man in Moldau mit Fremden. Wird Hilfe angeboten oder werden z.B. Ratschläge im Bus gegeben, ist das stets seriös gemeint.
Frauen sind in Moldau vergleichsweise emanzipiert, vor allem natürlich in den Städten. Auf dem Land reichen Frauen zum Gruß nicht die Hand. Wichtig: Moldauer benutzen das Reden, um in Kontakt zu kommen. Augenkontakt allein und Lächeln ohne verbale Unterstützung laufen ins Leere. Sie werden es merken.
Auch Aberglaube spielt eine Rolle: Werden zwei Menschen durch eine Türschwelle getrennt, indem der eine in der Wohnung und der andere im Treppenhaus steht, dürfen sie sich auf keinen Fall die Hand reichen – es würde sonst Unglück bringen.
Und noch eine Eigenheit: Ist ein Russe in der Gruppe, so wird generell russisch gesprochen, auch wenn er mit 49 Moldauern zusammen ist.

Exkurs: Mafia und Vetternwirtschaft

Neben dem Terrorismus sind mafiose Organisationen und ihre Taten die schwierigste und bedeutendste Form von Kriminalität. Weltweit sind Mafiagruppen in den Schmuggel von Drogen und Zigaretten, in den Handel mit Frauen, Organen und Kindern und vielfältige weitere Operationsgebiete involviert, in Italien, dem Mutterland der historischen Mafia, auch in Wirtschaft und Bürokratie. In Moldau zeigen sich die Facetten der Mafia, im Guten wie im Bösen. Kein Land zeichnet sich so durch das Vertrauen auf Freundschaft und Loyalität aus und stellt damit offizielle, formelle Institutionen in den Schatten. Diese als Vetternwirtschaft oder Nepotismus bezeichnete Mentalität und Arbeitsweise betrifft alle. Harmlos?
Nepotismus und Mafia sind nicht zu vergleichen. Länder wie Malta oder Montenegro funktionieren zutiefst nepotisch, nicht aber mafios. Insofern sind die Moldauer mit ihrer netten, freundschaftlichen Art nepotisch, nicht aber automatisch schon mafios. Und doch bietet das kleine Land eine hervorragende Einführung in Formen der Mafia: Da sind die vielen privaten Schutzdienste, die an schwarzer Kleidung, Bodybuilder- Körpern und kurz geschorenen Haaren zu erkennen sind. Sie benutzen große, schwarze Autos mit verspiegelten Scheiben, schauen stets ernst und wichtig, haben gepflegte Umgangsformen und um sich herum manchmal attraktive Frauen. Da sind die ausdifferenzierten Polizeieinheiten, eine Truppe für Sondereinsätze, eine Antiterrorismus-Gruppe, eine für die Drogenbekämpfung, eine Sondereinheit gegen organisierte Kriminalität. Wer in den Fitnesscentern Chişinăus verkehrt, sieht die Herren der Schutzdienste und der Polizei gemeinsam trainieren.
In Form von Transnistrien gibt es schließlich einen ganzen Staat, der Mafiastrukturen aufweist: von niemandem anerkannt und selbst ernannt; hochverbindlich, weil er den Bürgern nicht die Wahl lässt; und nicht legal, weil er keine legitimierten Gesetze kennt. Konkret nutzt die Familie des „Präsidenten“ die zwölf größten Unternehmen des Landes, um ihren Separatismus zu finanzieren; mit der Sherif-Gruppe wurde ein potentes Wirtschaftsimperium aufgebaut, dessen Umsatz den Staatshaushalt des Mutterlandes Moldau überflügelt.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war die Bevölkerung gespalten in obrigkeitshörige Bürger und gierige Neureiche. Der Zugang zu Machtstellen und Informationsquellen war nur wenigen vergönnt und wurde – in einer Zeit des Umbruchs und der Ungewissheit – von dieser Minderheit zum eigenen Vorteil genutzt. Armut und Not vor allem der ländlichen Bevölkerung führten zu schlimmen Auswüchsen: Kinder wurden (allzu) früh in die Erwerbstätigkeit geschickt, was häufig in der Prostitution endete. Auch wurden Kinder aus durchaus nachvollziehbaren Motiven zur Adoption freigegeben, um dann aber in prekären Verhältnissen zu enden oder gar durch die internationale Organmafia beispielsweise einer ihrer Nieren beraubt zu werden.
Inzwischen sind nur sehr spezifische Formen der organisierten Kriminalität geblieben, wie in den meisten Ländern der Welt. Und die massive Entsendung von Gastarbeitern hat zivilisierte Formen angenommen. 2010 richtete das Außenministerium Moldaus sogar eine globale Hotline für Auslandsmoldauer ein.

Exkurs: Schach in Moldau

1970 wurde der Republikanische Club für Schach und Dame gegründet. Die Vereinigung erreichte vor allem die Einführung des Schachspiels als Unterrichtseinheit in den Grundschulen. Dies hatte eine rapide Erweiterung der Nachwuchsbasis und damit die Stärkung des nationalen Schachs zur Folge.
Mit der 1991 erreichten staatlichen Unabhängigkeit stieß die nun selbstständig teilnehmende Republik Moldau in die höchsten Wettbewerbe vor. 1994 fand in Chişinău das erste weibliche Großmeisterturnier statt, 1995 das erste Zonen- sowie Interzonenturnier der Dameneinzelweltmeisterschaft, und seit 1997 finden jährliche Auswahlturniere der Großmeister in Moldau statt. Ebenfalls 1997 wurde Chişinău Gastgeber des 68. FIDE-Kongresses (die FIDE ist die Weltschachvereinigung als Dachverband aller nationalen Schachbünde). 2005 richtete Moldau die Einzelmeisterschaft der Damen für Teilnehmerinnen aus 28 Ländern aus. Aktuell befindet sich die Republik Moldau mit fünf internationalen Großmeistern auf Platz 38 der Weltrangliste der Länder.
An der moldauischen Spitze rangiert Viorel Bologan, der zurzeit Platz 49 der Weltrangliste einnimmt und von der Gemeinschaft der Spieler zum besten nationalen Spieler 2005 gewählt wurde. Im selben Jahr gewann er zum zweiten Mal den Europameistertitel in Italien. In Deutschland hat Bologan 2003 das wichtige Dortmunder Schachturnier gewonnen, es gilt als das „Wimbledon des Schach“. Dort bezwang Bologan den „Tiger von Madras“, Viswanathan Anand. Ebenso gewann Bologan zweimal den Dresdner Porzellan-Pokal (2005 und 2006) und die Aeroflot Open (2003). Bologan konnte Siege über hochdekorierte Großmeister verbuchen, etwa Anatoli Karpov (Russland), Peter Leko (Ungarn), Vaselin Topalov (Bulgarien), Vladimir Akopian (Armenien) u.v.m. Sein autobiografischer Sportband „Nach und nach“ wurde vom Weltmeister Gari Kasparov mit einem Vorwort versehen. Interessierte Gastspieler können im Schachclub im Zentrum von Chişinău täglich von 11–17 Uhr mitspielen. An den schönen, traditionellen Spielraum im Parterre des Gebäudes schließt sich das Museum des moldauischen Schachs an, wo Fotos, Diplome und Artikel seit den 1940er Jahren gesammelt wurden.

Alle Texte aus: Reiseführer Rumänien (Abschnitt Moldau) von Joscha Remus

Uhrzeit und Temperatur: Chişinău

Titelbild: © Joscha Remus