»Besser einmal mit eigenen Augen sehen, als tausendmal von anderen hören«
Mongolisches Sprichwort

Mongolei
Монгол Улс, Mongol Uls,
Mongolischer Staat

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
2.881.000 (Weltrang 137)

Bevölkerungsdichte
1,8 Einw. pro km²

Fläche
1.564.100 km2 (18) 

Hauptstadt
Ulaanbaatar (Ulan-Bator)

Staatsform
Parlamentarische Demokratie

Hauptsprachen
Mongolisch

Währung
Tögrög

Nationalfeiertag
11.7.

Internationale Ankünfte/Touristen
418.000 (2013)

Flugdauer
6.612 km ~ 8 ¼ Std.

Entfernung über Land
8.265 km

Anzahl der Transitländer (von Deutschland)
3 (Polen, Weißrussland, Russland)

Anzahl der Nachbarländer
2 (China und Russland)

Niedrigste Bevölkerungsdichte der Welt
1,8 Einwohner pro km²

Höchster Berg
Chuiten Uul (4.374 m)

Tiefster Punkt
Salzsee Chuch Nuur (530 m)

Tourismus in der Mongolei
Drittstärkster Wirtschaftszweig

Anteil am Welttourismus
0,0%

Großstädte
1 (Ulan-Bator ist die einzige Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern)

Transmongolische Eisenbahn
2215km (Strecke Moskau - Peking)

Anzahl Landschaftszonen
4 (Hochgebirge, Taiga, Steppe, Wüste)

Größe
Zweitgrößter Binnenstaat der Welt

Festnetzanschlüsse je 100 Einwohner:
7,9

Größtes zusammenhängendes Reich der Weltgeschichte
Mongolei 1279

Archäologie
Erstmalige Entdeckung fossiler Dinosauriereier 1923

Dies und Das

Natur

Die Mongolei ist ein Binnenstaat in Zentralasien, wobei dieser Begriff etwas weiter zu fassen ist, denn sie liegt noch weit östlich der zentralasiatischen Republiken im engeren Sinne (Usbekistan, Kirgisistan etc.). Ihr Staatsgebiet umfasst 1,56 Millionen Quadratkilometer. Damit ist die Mongolei etwa viermal so groß wie Deutschland und steht auf Platz 18 der größten Länder der Erde. Die Ausdehnung von Nord nach Süd entspricht etwa der Strecke zwischen Flensburg und Mailand (1250 Kilometer) und die von West nach Ost etwa der von Mönchengladbach nach Moskau (2370 Kilometer). Wer durch die Mongolei reist, muss sich auf große Distanzen einstellen. Es gibt nur zwei Nachbarländer, Russland im Norden und China im Westen, Süden und Osten. Die Grenze nach Russland ist 3485 Kilometer lang, die nach China 4677 Kilometer. Knapp 40 Kilometer vom westlichsten Punkt der Mongolei entfernt liegt der östlichste Punkt von Kasachstan, was auch erklärt, warum im Nordwesten des Landes viele Kasachen leben. Die größte Stadt ist Ulan Bator mit 1,3 Millionen Einwohnern, gefolgt von den im mittleren Norden des Landes gelegenen Städten Erdenet mit knapp 80.000 und Darchan mit 74.000 Einwohnern sowie Tschojbalsan im Osten mit 44.000 Einwohnern.

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Die Mongolei ist mit einer durchschnittlichen Höhe von 1580 Metern ein ausgesprochenes Hochland, etwa ein Drittel der Staatsfläche ist Hochgebirge, ein Viertel liegt zwischen 2000 und 3000 Metern hoch. Entsprechend unterschiedlichsind die Landschafts- und Vegetationszonen, die deutlich parallel zum Breitenkreisverlaufen. Im flachwelligen Osten ist die Steppe fast lehrbuchhaft ausgeprägt, da es keine störenden Gebirgsreliefs gibt. Die Westmongolei ist geografisch stärker gegliedert, wodurch die

Landschafts- und Vegetationszonen durch die verschiedenen Höhenlagen und Hangausrichtungen bestimmt werden. Dort sind Wälder, Wüsten, Wüstensteppen, Steppen, Gebirgs- und Gebirgswaldsteppen sowie alpine Hochgebirgsregionen zu finden. Der Süden ist von Hochebenen mit Wüstensteppen und Wüsten geprägt. Die verschiedenen Zonen wechseln nicht nur in Nord-Süd-Position, sondern auch mit der jeweiligen Höhe.

Tiere

© Sarah Fischer

Die Menschen in der Mongolei halten sich vor allem Pferde, Schafe, Ziegen, Yaks und Kamele. Die Nomaden transportieren ihr Hab und Gut mit Yaks, Kamelen oder domestizierten Rentieren von Weidegrund zu Weidegrund, sofern sie nicht motorisiert sind. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde die nomadische Lebensweise mit mobiler Nutztierhaltung intensiviert und die Nomaden versuchten, ihren Lebensunterhalt durch die Vergrößerung ihrer Herden zu sichern. Insgesamt wächst die Population der Nutztiere seit Jahren. Entsprechend steigt der Bedarf an Weidegründen und Wasser und damit auch die Konkurrenz mit den Wildtieren um Nahrung und Wasser. Die Zusammensetzung der Herden hängt von den jeweiligen Vegetationszonen ab. In der Gebirgstaiga dominieren die Schafe, gefolgt von Ziegen und Yaks mit etwa gleichen Anteilen, auf Pferde fallen etwa zehn Prozent. Im Bereich der Steppenzone steigt der Anteil der Schafe an und verdrängt Ziegen und Yaks. In den Steppen machen Schafe oft mehr als 50 Prozent aus, Yaks und Ziegen liegen jeweils zwischen zehn und 25 Prozent.

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In den Wüstensteppen verschiebt sich das Szenario. Hier bestehen die Herden meist zu mehr als der Hälfte aus Ziegen, Schafe machen etwa 30 bis 40 Prozent aus, Rinder unter zehn Prozent. Die Herden in der Wüste bestehen zu rund 60 Prozent aus Ziegen, gefolgt von etwa 20 Prozent Schafen, der Rest sind Pferde und Kamele. Yaks gibt es dort kaum.

Trotz der extremen Vegetationszonen ist in der Mongolei auch bei den wild lebenden Tieren eine große Artenvielfalt zu finden. Das Land weist eine hohe Biodiversität auf. Die Tierwelt hat sich an die höchst unterschiedlichen Lebensbedingungen vor Ort angepasst. Sie ist von den jeweiligen Landschaftsformen und den klimatischen Bedingungen abhängig und variiert je nach Region in den riesigen Territorien streckenweise erheblich. Es gibt eine erstaunliche Anzahl endemischer Arten, also von Tieren, die nur unter den klar abgegrenzten lokalen Bedingungen vorkommen und sonst weltweit nirgendwo anders zu finden sind.

Essen

© Sarah Fischer

Kulinarische Raffinessen darf man von der mongolischen Küche nicht erwarten. Traditionell sind die Speisen sehr fleischlastig, sie schmecken „tierisch“ wegen des vielen Fetts und sehr intensiv, vergleichbar mit unseren Wildgerichten. Die Nomaden verarbeiten wegen der Nährstoffe die Milch ihrer Tiere zu Quark, Käse und Joghurt. Da in der Mongolei wenig Gemüse angebaut wird, gilt es als Delikatesse und ist teuer. Wichtig ist die Haltbarkeit, deshalb gibt es – wenn überhaupt – Kohl und Möhren. Die Nomaden sammeln gern wilde Zwiebeln, mit denen sie auch im Winter das Essen würzen. Ein landestypisches Gericht ist „Ziege in der Milchkanne“. Das Ziegenfleisch wird  schichtweise zwischen heißen Steinen in einer Milchkanne auf dem Feuer gegart. Häufig wird auch Murmeltierfleisch gegessen, allerdings ist es sehr zäh. Typisch kasachische Gerichte sind marinierter Hammelrücken, Uuts genannt, und die Joghurt-Reis-Suppe Koje. Zum Tsagaan-Saar-Fest, dem mongolischen Neujahrsfest, wird als Delikatesse Fettschafschwanz angeboten. Natürlich dürfen auch die in der Regel mit Lammfleisch gefüllten und gerollten Teigtaschen Buuz, die in Dampf gegart werden, nicht fehlen, dazu isst man gern Krautsalat. Süße Ergänzung sind die Neujahrskuchen, in Fett ausgebackene Teigbrote, die zu einer Pyramide aufgeschichtet und mit Zuckerstückchen, Bonbons und Aarul verziert werden.

Reisezeit

Die meisten Touristen bereisen das Land im Sommer. Dann weht oft eine leichte Brise in der Steppe und es regnet recht viel, aber die Temperaturen sind angenehm. Im Juli sinken sie während der Nacht selten unter 0 °C. Frost kann nachts noch im Juni und schon wieder im August vorkommen, vor allem im Norden und Westen. Viele Touristen, die im Sommer in die Mongolei fahren, besuchen das Naadam-Fest vom 11. bis 13. Juli und genießen das Baden in Flüssen und Seen bei moderaten Temperaturen. Die meisten Ger-Camps für Touristen sind nur im Sommer geöffnet. Hauptreisesaison ist von Juni bis August. Während dieser Zeit sind die Flüge meist ausgebucht, nur mit viel Glück kann man noch einen Platz ergattern. Die zwei langen lokalen Ferienperioden sind von Anfang Juli bis Ende August und im Februar/März um das Tsaagan-Saar-Fest. Wer nicht zur Hauptsaison mit vielen anderen Touristen im Landherumreisen möchte, kann stattdessen zum Beipiel das Neujahrsfest Tsaagan-Saar erleben und anschließend zum Eisfest auf dem Chuwsgul-See in den Norden oder zum Kamelfest in die südliche Mongolei fahren. Es hat durchaus seinen Charme, wenn das Land mit Schnee bedeckt ist und die Seen und Flüsse zugefroren sind – vorausgesetzt, man hält die trockene Kälte bis zu minus 45 °C

Religion

53 Prozent der Mongolen gehören dem Buddhismus an. Er ist vorherrschende Religion. 39 Prozent bezeichneten sich als Atheisten. Ferner gibt es drei Prozent Muslime, die überwiegend der kasachischen Minderheit angehören, sowie2,9 Prozent Schamanisten. Die in der Bevölkerung tief verwurzelte Tradition des Schamanismus wurde zeitweise – auch gewaltsam – in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts vom Buddhismus verdrängt. Trotzdem gelang es beiden Religionen über lange Zeit, relativ friedlich miteinander zu existieren. Die Buddhisten in der Mongolei integrierten schamanistische Elemente in ihre Religion und die Mönche übernahmen die Wahrsagerei. Doch mit den gesellschaftlichen Umwälzungen Anfang des 20. Jahrhunderts änderte sich das. Religiöses Denken wurde geächtet und verfolgt. Vor allem gegen Ende der 1930er Jahre wurden viele Mönche und Schamanen grausam hingerichtet. Dennoch übten einige Schamanen ihre Tätigkeit weiterhin heimlich aus. Vor allem im Norden der Mongolei in den undurchdringlichen Gebieten des Aimags Chuwsgul konnte der Schamanismus überleben und seit den 1990er Jahren leben seine alten Traditionen wieder auf.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

Sain baina uu
Guten Tag

Saichan amarsan uu
Guten Morgen

Saichan amraarai
Gute Nacht

Bayartai
Auf Wiedersehen

Bayarlalaa
Danke

Zuegeer
Bitte

Za
Ja

Ugui
Nein

Sain Javaarai
Gute Reise

Sain suutsch baigaarai
Leben Sie wohl

Tany ner hen be?
Wie heißen Sie?

Tschini ner hen be?
Wie heißt du?

Tany biye sain uu?
Wie geht es Ihnen?

Ta haanas irsen be?
Wo kommen Sie her?

Bi germanaas/ aavstraas/ shvitsaraas irsen
Ich komme aus Deutschland/Österreich/Schweiz

Kauderwelsch Mongolisch, Band 68

Dos and Don’ts

Gelassenheit:

In der Mongolei sollte man grundsätzlich nicht die Erwartung haben, etwas schnell erledigen zu wollen, und dann verärgert sein, wenn das nicht gelingt. Gelassenheit ist eine wichtige Grundhaltung, die man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen sollte, vor allem bei Behördengängen und Autopannen. Die Fahrer sind aber meistens Profis und kennen ihre Fahrzeuge gut. Sie geben sich größte Mühe, jedes Problem – mal schneller, mal langsamer – zu lösen. Sie sind auf jeden Fall Meister des Improvisierens und im Bedarfsfall helfen sie sich gegenseitig. Begegnen Sie den Mongolen mit Freundlichkeit, dann wird Ihnen selten eine Bitte abgeschlagen. Ein gutes Motto ist auch, nie etwas zu erwarten, allenfalls zu hoffen. Dann kann man auch nicht enttäuscht werden.

Zu Gast bei Nomaden:
Mongolen sind, besonders auf dem Land, sehr gastfreundlich. Eile gilt als unhöflich, deshalb sollte man sich für einen Besuch ausreichend Zeit nehmen, denn er ist für die einsam lebenden Nomaden eine willkommene Abwechslung. In der Regel wird man freudig begrüßt und in die Jurte eingeladen. Diese wird mit einem Schritt über die Schwelle betreten, auf keinen Fall darf man sie mit dem Fuß berühren, gleiches gilt für den Kopf in Bezug auf den oberen Türstock. In jeder Jurte gibt es eine feste Aufteilung. Gleich links vom Eingang ist Platz für Kleinvieh im Winter, hinten links ist der Ehrenplatz für die Gäste, hinten rechts steht der Altar und gleich rechts vorn neben dem Eingang liegt der Küchenbereich, der zugleich der Platz für die Frauen ist. Die Schuhe lässt man in der Jurte an, aber beim Sitzen ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Fußsohlen nicht zum Feuer, auf Menschen oder zum Hausaltar zeigen. Zur Begrüßung werden sehr gern Schnupftabakdöschen herumgereicht, an denen Sie schnuppern können, bevor Sie diese weiterreichen. Kosten Sie von allem, was Ihnen angeboten wird, und sei es symbolisch, sonst gelten Sie als unfreundlich. Speisen und Getränke werden mit beiden Händen entgegengenommen oder mit der rechten Hand, wobei die linke Hand den rechten Ellenbogen stützen sollte. Wenn Sie ein Getränk erhalten, tauchen Sie einen Finger hinein und verschnipsen Sie die Flüssigkeit in alle vier Himmelsrichtungen. Sie erweisen der Natur und den Göttern damit eine besondere Ehre und bezeugen Respekt. Die Mongolen ernäh ren sich insbesondere auf dem Land sehr fleischlastig, Vegetarier haben es deshalb schwer, vor allem dann, wenn ihretwegen zur Feier des Tages Dinge auf den Tisch kommen, die für die Mongolen sehr wertvoll sind. Es zählt weder, Vegetarier zu sein, noch dass man Allergien hat. Beides stößt auf Unverständnis. Als Gast bringt man am besten kleine, uneingepackte Geschenke mit, die zum Abschied mit beiden Händen überreicht werden. Für die Männer haben sich Taschenmesser, Angelhaken, Feuerzeuge oder Taschenlampen bzw. Stirnlampen bewährt, bei Frauen kann man mit Kosmetikprodukten wie Shampoo, Bodylotion oder Schminke, Parfümproben, Kartoffelschälern und Seife punkten. Kinder gewinnt man mit Aufklebern und Malstiften. Auch wenn der Fahrer oder Dolmetscher dies vorschlägt – verschenken Sie keinen Wodka und an Kinder keine Süßigkeiten. Die Familien freuen sich, wenn man Fotos von der eigenen Familie und der Heimat im Gepäck hat, um sie herumzuzeigen. Gern wird auch gemeinsam gesungen, es ist also sinnvoll, sich vor der Abfahrt mit ein paar deutschen Volksliedern vertraut zu machen, die man bei dieser Gelegenheit zum Besten geben kann. Mongolen gehen sehr respektvoll mit den Naturelementen um, mit denen sie seit Jahrhunderten leben. Deshalb werden vor allem die Feuer- und Wassergeister verehrt. Abfall oder Zigarettenkippen ins Feuer zu werfen, gilt als verwerflich. Flüsse und Seen gelten als Trinkwasser, daher wäscht man sich in ihnen nicht mit Seife und sollte sich in deren Nähe auch nicht erleichtern. Dass man seinen Abfall mitnimmt und nicht liegen lässt, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Genauso wie die Frage um Erlaubnis, wenn man in der Nähe der Nomadenjurten sein Zelt aufschlagen möchte. Bei der Abfahrt ist es durchaus üblich, dass man Ihnen mit den Fingern Milchtee auf alle vier Reifen des Fahrzeugs schnipst. Das soll vor Unfällen bewahren und Glück bringen. Und falls eine Autopanne die Fahrt über das Land unterbricht, was bei den schlechten Pisten eher die Regel als eine Ausnahme ist, können Sie auf die Hilfe anderer vertrauen – sofern sich die Wege irgendwo in der Einsamkeit der Landschaft kreuzen.

 

Gesten und Körpersprache:

Das bei uns normale Händeschütteln gibt es in der Mongolei nicht. Man grüßt sich allenfalls per Blickkontakt. Die Kopfbewegungen für „ja“ und „nein“ sind wie bei uns. Treten sich Mongolen versehentlich gegenseitig auf den Fuß, ergreifen sie kurz die Hand des anderen, das ist so üblich. Visitenkarten werden in der Mongolei ohne spezielle Formvorgaben, wie sie beispielsweise in Japan üblich sind, ausgetauscht. Will man älteren Menschen ein Geschenk überreichen, muss man als Zeichen des Respekts eine Kopfbedeckung tragen. Beim Fest Tsagan Saar spricht man dazu die Grußformel „Saikhan Shinleerei“. Anstelle einer richtigen Umarmung wird die Luft hörbar durch die Nase gezogen, so als würde man an seinem Gegenüber riechen. Diese Geste betont, dass die Älteren den Jüngeren vertrauen können. Nimmt man eine Tasse oder ein Geschenk an, greift man ausschließlich mit beiden Händen zu oder stützt mit der linken Hand den rechten Unterarm. Gern fügt man einen Wunsch hinzu, zum Beispiel für die Gesundheit des Viehbestands und ausreichend Futter, eine gute Reise oder eine gesunde Familie.

Vorsicht:
Auch wenn die Mongolei ein sehr liberales Land ist und man oft Mongolinnen in kurzen Röcken oder mit tief ausgeschnittenen Oberteilen sieht, sollte man sich als Touristin lieber nicht aufreizend kleiden. Das könnte leicht missverstanden werden. Auch wenn man einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn hat, sollte man nicht dazwischen gehen, wenn sich Mongolen streiten und es gegen offensichtlich Schwächere geht: Meistens stehen die Beteiligten unter Alkoholeinfluss.

Exkurs: Ovoos - Glücksbringer für Reisende

Im ganzen Land sieht man immer wieder auffällige Steinhaufen, meist einen bis zwei Meter hoch: an Ausfallstraßen und Pässen, auf Bergen und an Bäumen oder auch an Flüssen, Seen und Quellen. Es handelt sich um Ovoos (auch Obos), heilige Stätten, die die Mongolen errichtet haben, um eine gute Reise zu erflehen. Sie werden als Wohnsitze örtlicher Gottheiten und Geister angesehen. Kommt ein Reisender an einen solchen Ovoo, umrundet er ihn vor der Weiterfahrt dreimal im Uhrzeigersinn, sammelt dabei drei Steine und legt diese zusammen mit verschiedenen Opfergaben auf dem Ovoo ab. Das können beispielsweise Schalen mit Wasser, Münzen, Geldscheine, Bonbons, Tee oder abgenagte Knochen sein. Die Zeremonie ist ein Omen für eine gute Heimkehr. Es versteht sich von selbst, dass die Opfergaben nicht entfernt werden dürfen. Meist sind blaue Tücher, sogenannte Khadaks, an die Ovoos gebunden. Es sind Gebetstücher, die man überall in der Mongolei antrifft. Sie symbolisieren den Himmel, denn die Mongolei wird mit einer Durchschnittshöhe von 1500 Metern das „Land des blauen Himmels“ genannt.

Exkurs: Die Berkutschi – traditionelles Jagen mit dem Adler

Im Altai-Gebirge im äußersten Westen der Mongolei nahe der russischen Grenze leben im Aimag Bajan-Ulgij Nomaden, die der kasachischen Minderheit in der Mongolei angehören. In diesem Aimag sind sie mit einem Bevölkerungsanteil von 80 Prozent sogar in der Überzahl. Wie die mongolischen Nomaden leben sie in Jurten, deren Dächer jedoch spitzer sind. Die Nomaden leben hauptsächlich von und mit ihren Tierherden, im Winter bringt die Jagd ein willkommenes Zubrot. Die Jäger nennt man Berkutschi. Berkut bedeutet auf Russisch Adler, ein Berkutschi ist ein Adlermann.

Die Berkutschi pflegen eine Jahrtausende alte Tradition: die Beizjagd mit Adlern. Der Begriff beizen kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet „beißen lassen“. Das erklärt auch, worum es bei der Falknerei geht, denn die Vögel fangen ihre Beute mit den Krallen und einem Biss. Der Greifvogel wird so an den Menschen gewöhnt, dass der Falkner oder Berkutschi ihm seine Beute abnehmen kann – so bleibt das wertvolle Fell möglichst unbeschadet.

Die Jagd mit Greifvögeln ist schon sehr alt. Bereits vor rund 6000 Jahren entstand diese Jagdmethode in Zentralasien. In der deckungslosen Steppe hat sie viele Vorteile, weil die Beute aus langen Distanzen gejagt werden kann. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern, wo viel mit Falken gejagt wird, sind in der Mongolei jedoch seit Jahrhunderten Steinadler (Aquila chrysaetos) im Einsatz. Während in vielen Ländern der Bestand der Steinadler gefährdet ist, gibt es in der Mongolei ausreichend Tiere. Die Kunst des Abrichtens wird von Generation zu Generation weitergegeben, Schriftliches existiert nicht und man braucht sehr viel Erfahrung und jahrelange Übung, um erfolgreich zu sein. Die heutige Jugend hat an dieser zeitaufwendigen und imposanten Jagdmethode jedoch nicht mehr sehr großes Interesse.

Steinadler leben in offenen oder halboffenen Landschaften aller Art, die ihnen ein ausreichendes Nahrungsangebot bieten. Sie nisten in der Mongolei meist in hohen Felswänden, ihre Nester liegen wind- und wettergeschützt in Höhlungen oder unter Überhängen. Es gibt zwei Arten für die Berkutschi, an einen Adler zu gelangen. In der Regel holt sich ein Adlerjäger ein erst wenige Wochen altes Adlerküken aus dem Horst – ein je nach Lage des Nestes riskantes Unterfangen – und gewöhnt es dann langsam an das Leben mit den Menschen. Selten werden auch ältere Vögel mit Fallen gefangen, die anschließend abgerichtet werden, aber diese sind deutlich schwerer zu zähmen. Allerdings verfügen diese Adler schon über eine ausgereifte Jagdtechnik in der Wildnis. Für die Adlerjagd werden vorzugsweise weibliche Adler genutzt, denn sie sind größer und kräftiger als ihre männlichen Artgenossen. Sie können bis zu einem Meter lang werden und haben mit ausgebreiteten Schwingen eine Spannweite von bis zu 2,20 Metern. In der Regel wiegen sie zwischen vier und knapp sieben Kilogramm.

Im ersten Lebensjahr ist das Gefieder der Steinadler weitgehend dunkelbraun mit auffallend weißen Federpartien auf der Unterseite des Schwanzes und der Flügel. Erst mit fünf bis sieben Lebensjahren ist das Gefieder voll ausgefärbt und wird insgesamt etwas heller. Der Schnabel der Vögel ist graublau und die Augen sind bernsteinfarben bis dunkelbraun. Typisch für Steinadler ist, dass ihre Beine bis zu den kräftig gelb gefärbten Zehen befiedert sind. Trotz ihrer Größe fliegen die Steinadler sehr leicht und elegant. Man kann sie gut an der typischen starken Fingerung der sogenannten Handschwingen, das sind die zehn äußersten, großen Federn der Flügel, und dem relativ leicht gerundeten, breiten Schwanz erkennen. Die gut genutzte Wechselwirkung von Thermik und Auftrieb lässt die Vögel bei Bedarf auf der Suche nach Beute stundenlang in der Luft segeln. Dabei legen sie auch weite Strecken zurück.

Das Abrichten eines Adlers ist ein schwieriges und zeitaufwendiges Vorhaben, denn für den Berkutschi gilt es, ihn schonend an seinen Besitzer zu gewöhnen. Beide sind zusammen mit dem Reitpferd des Adlerjägers am Ende der Ausbildung ein bestens aufeinander eingespieltes Team. Für ihre Zähmung werden die Tiere zunächst an einen Holzpfosten angebunden. Versucht der Vogel wegzufliegen, kommt er nicht weit und landet auf dem Boden. Während dieser Phase gibt es kein Futter. Nach ein paar Tagen ist der Adler so hungrig, dass er seine Fluchtversuche aufgibt und beim Berkutschi frisst.

Von diesem Zeitpunkt an üben Vogel und Berkutschi fleißig miteinander. Der Adler muss lernen, seine Schutzhaube zu tragen, auf dem Arm seines Besitzers zu stehen und dessen Befehle zu befolgen. Nach jeder erfolgreichen Übung erhält er zur Belohnung eine Kleinigkeit zu fressen. Es ist gerade so viel, dass er bei Kräften und zugleich hungrig bleibt, denn wenn der Adler satt ist, will er nicht jagen. Die Flugdistanzen sind anfangs kurz, werden aber im Laufe der Zeit immer länger, und zugleich wird die Bindung zwischen Tier und Besitzer immer enger. Anschließend folgen Übungen mit der sogenannten Fuchsschleppe. Das ist ein Seil, an dem ein Fuchsfell befestigt ist und das der Berkutschi mit seinem Pferd durch die Steppe zieht. Greift der Steinadler die Fuchsschleppe an, gibt es zur Belohnung Futter. Wichtig ist bei dieser Jagdmethode, dass das Pferd des Besitzers sich an die Anwesenheit des Adlers gewöhnt. Pferde haben einen natürlichen Fluchtinstinkt. Dieser würde es normalerweise nicht erlauben, dass der Berkutschi zusammen mit seinem Greif auf dem Rücken des Pferdes sitzt, deshalb muss auch das Pferd daran gewöhnt sein.

Der letzte Schritt der Ausbildung ist, dass der Adler lernt, seine Beute nicht zu töten, sondern sie nur mit seinen Krallen festzuhalten und zu warten, bis sein Besitzer da ist und diese Aufgabe übernimmt. Nur der Adlerjäger darf die Beute töten. Diese Maßnahme dient dazu, die Felle möglichst unversehrt zu lassen, damit sie sich gut verkaufen lassen. Die acht Löcher, die durch das Festhalten der Beute mit den Krallen immer im Fell sind, lassen sich nicht vermeiden. Nach etwa zwei Jahren sind Adler und Berkutschi ein eingespieltes Team und das Tier lebt für fünf bis zehn weitere Jahre mit der Nomadenfamilie. Oftmals hat es in der Jurte einen Sitzplatz auf einer Art Holzhocker. Breitet der Adler seine Flügel aus, wird es eng. Meistens werden die Tiere aber neben der Jurte in einem eigenen Verschlag gehalten oder sie stehen draußen auf einem Holzgestell, wo sie im Winter gegen die eisige Kälte mit einem speziellen Umhang geschützt werden. Für einen Adlerjäger ist es eine Ehre, einen Adler zur Familie zu zählen, und er hat eine enge Beziehung zu ihm. Die Adler haben aber keinen eigenen Namen, sondern werden nach ihrem Alter benannt: Ein Einjähriger heißt Balapan, ein Zweijähriger Ternek, ein Dreijähriger Testulek, ein Vierjähriger Ana, ein Fünfjähriger Hana, ein Sechsjähriger Suntulek, ein Siebenjähriger Humtulek, ein Achtjähriger Bartschen, ein Neunjähriger Hantulek. Ab einem Alter von zehn Jahren heißt er nur noch Kar. Oftmals werden Eulenfedern am Rücken des Adlers befestigt, die ihm Mut und Kraft geben sollen. Jeder Adler ist ein Charakterkopf. Die Gemüter der Vögel sind so unterschiedlich wie die der Menschen, es gibt faule, fleißige, intelligente oder auch Querköpfe. Das Geheimnis des Jagderfolgs liegt darin, dass Berkutschi, Adler und Pferd sich perfekt ergänzen. Nur dann ist man als Gespann bei der Jagd sehr erfolgreich.

Wenn der Berkutschi auf dem Pferderücken mit seinem Adler unterwegs ist, legt er den Arm, auf dem der Adler steht, in eine spezielle Holzstütze, die am Sattel fixiert wird, denn die vier bis sieben Kilogramm Gewicht, die ein ausgewachsener Adler auf die Waage bringt, sind auf Dauer für einen Arm sehr schwer. Zum Schutz vor den Krallen trägt der Berkutschi den Biyalai, einen dicken, fellgefütterten Lederhandschuh. Die Jagdsaison ist von Herbst bis ins Frühjahr, aber vorwiegend kommen die Vögel im Winter zum Einsatz, wenn die Beutetiere ein dickes Winterfell haben. Das bringt beim Verkauf mehr Ertrag. In der Mongolei werden meist Hasen, Murmeltiere, Füchse oder Marder, ganz selten auch junge Wölfe gejagt. War der Adler erfolgreich, wird er vom Berkutschi für die Jagdbeute mit fleischigen Knochen belohnt. Steinadler sind sehr sensibel und nehmen viel mehr Informationen auf als unsereins. Deshalb tragen sie zum eigenen Schutz eine maßgeschneiderte Lederhaube. Diese soll auch Fluchtversuche verhindern. Ein Adlerauge sieht deutlich mehr als das menschliche Auge. Seine Linse ist weicher, stellt viel schneller scharf und vergrößert stärker als unser Auge. Hinzu kommt, dass ein Adler zwei Schärfezentren hat, also gleichzeitig geradeaus und zur Seite scharf sehen kann. Der Mensch hingegen sieht nur geradeaus richtig scharf. Auch die Sehzellen im Schärfebereich des Auges stehen beim Adler doppelt so dicht wie beim Menschen, entsprechend größer ist die Auflösung in seinem Auge. Die Forschung geht davon aus, dass das Auflösungsvermögen eines Adlers etwa doppelt so groß ist wie das eines Menschen. Aber er braucht dafür ziemlich hohe Lichtstärken und helles Tageslicht.

Steinadler greifen ihre Opfer meist auf dem Boden oder, bei Vögeln, im bodennahen Luftraum auf. Sie fangen die Tiere mit ihren außerordentlich kräftigen Fängen. An den je vier Zehen der zwei Fänge befinden sich scharfe Krallen, mit denen die Vögel ihre Beute geradezu erdolchen. Tiere wie Füchse werden dabei am Kopf angegriffen. In freier Wildbahn schlägt der Adler seine Krallen durch die Schädeldecke ins Gehirn und die Opfer sind innerhalb kürzester Zeit tot. Bei der Jagd auf Wölfe muss der Adler jedoch warten, bis der Berkutschi die Beute tötet, denn Wölfe sind sehr schwer und wehrhaft. Die Steinadler können im Flug keine Kadaver tragen, die schwerer sind als das eigene Körpergewicht. Das maximale Beutegewicht liegt bei ungefähr 15 Kilogramm. In der freien Wildbahn zerteilen sie deshalb die Beute und deponieren sie portionsweise oder fliegen den Kadaver über mehrere Tage hinweg an.

Exkurs: Waldbrände – in der Taiga eher Nutzen als Schaden

Waldbrände sind in den Taigawäldern eine natürliche Störung. Das dortige Ökosystem hat sich perfekt, wenn auch unterschiedlich, angepasst: Nur durch ein Feuer kann hier die Biomasse mineralisiert werden, weil es wegen des ausgeprägt kontinentalen Klimas wenige Kleinstlebewesen wie Regenwürmer, Asseln, Pilze und Mikroben gibt, die diese Aufgabe in der Natur sonst übernehmen. Brände entstehen im Sommer durch Blitzeinschlag, wodurch sich die dicken und trockenen Nadeln entzünden. Die Feuer laufen sich in der Regel relativ rasch im frischen Grün tot, aber gelegentlich kommt es durch viel Totholz auch zu Vollfeuern. 1996 kam es zu einem Großunglück, als 370 Feuer außer Kontrolle gerieten und insgesamt 107.000 Quadratkilometer Wald verbrannten, was knapp einem Drittel der Fläche Deutschlands entspricht.

Doch auch der Mensch verursacht Brände, zum Beispiel durch Lagerfeuer oder elektrische Überlandleitungen. Teilweise werden die Brände absichtlich gelegt, weil es eine Verordnung gibt, die die Holznutzung aus verbrannten Wäldern zulässt. So gibt es beispielsweise Möbel aus Zirbelkiefernholz, obwohl der Baum eigentlich nicht geschlagen werden darf. Wurde das Holz ehemaligen Brand arealen entnommen, gibt es rechtlich keine Handhabe gegen seine Verwendung.

Die dünnborkigen Baumarten fallen dem Feuer als erste zum Opfer, während alte Exemplare der Lärchen und Kiefern teilweise eine bis zu 30 Zentimeter dicke Borke haben und vergleichsweise widerstandsfähig sind. Neue Wälder können auf Brandflächen aber nur entstehen, wenn noch Altbäume als Samengeber vorhanden sind. Zuerst setzt sich die Pionierbaumart Birke durch, nach 20 bis 40 Jahren siedeln sich wieder Nadelhölzer an. Wichtig ist es, viel Holz liegen zu lassen, sodass sowohl stehendes als auch liegendes Holz vorhanden ist, damit es Schatten und Nischen für die kleinen Sprösslinge gibt.

Die Natur hat einige feuerliebende Holzinsektenarten, die quasi auf Brände fliegen, geschaffen. Sie brauchen Bäume mit Brandschäden zur Ablage ihrer Eier, die sich nach einem Feuer dann zwischen Rinde und Stamm, ungestört von den Abwehrmechanismen eines lebenden Baumes, entwickeln können. Diese Insekten, beispielsweise der Schwarze Kiefernprachtkäfer (Melanophila accuminata), haben sich perfekt angepasst und sind mit einem speziellen Infrarot- und Geruchssinn für Brandgeruch in der Lage, Feuer auch über große Entfernungen zu finden und so den Fortbestand ihrer Art zu sichern. Die Vielzahl der Insekten wiederum bildet die Nahrungsgrundlage für Insektenfresser wie den Weißrückenspecht (Dendrocopos leucotos) und den Dreizehenspecht (Picoides tridactylus).

Alle Texte aus: Reiseführer Mongolei von Sarah Fischer und Nicole Funck