»Als Gott die Erde schuf und die Steine verteilte, platzte der Sack und alle fielen auf Montenegro«
Montenegrinisches Sprichwort

Montenegro

Crna Gora

01:06 h | 13 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
622.000 (Weltrang 162)

Bevölkerungsdichte
45 Einw. pro km²

Fläche
13.812 km² (156)

Hauptstadt
Podgorica

Staatsform
parlamentarische Republik

Hauptsprachen
Montenegrinisch

Währung
Euro

Nationalfeiertag
13.7.

Internationale Ankünfte/Touristen
1.439.500

Flugdauer
1.176 km ≈ 1,5 Std.

Entfernung über Land
1.538 km

Höchste Erhebung
Bobotov Kuk (2.522 m)

Längster Fluss
Tara (≈ 144 km)

Tara I
tiefste Schlucht Europas: 1.300m

Tara II
längste Schlucht Europas: 78km

Eisenbahn I
Streckennetz: 250 km

Eisenbahn II
Verbindungen: 2

Eisenbahn III
Höchste Eisenbahnbrücke Europas: 198 m

Nationalsport Wasserball
Europameister 2008

Dies und Das

© Werner Lips

Natur

Montenegro erweist sich geografisch als ein schwer zugängliches Gebirgsland, welches hinter der Adriaküste zum verkarsteten Dinarischen Gebirge aufsteigt und im Durmitor-Nationalpark eine Höhe von 2522 m über dem Meeresspiegel erreicht, während sich südlich und nördlich des Skutari- oder Shkoder-Sees kleine Niederungen erstrecken. Davon unterscheidet sich deutlich das mediterran geprägte Küstengebiet mit teils zerklüfteten Felsbuchten, teils langen, ebenen Sandstränden.

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Die Landesfläche umfasst 13.812 Quadratkilometer mit 293 km Küstenlinie und 704 km Landgrenzen zu den Nachbarstaaten Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Kosovo und Albanien.
Diese nackten Fakten sind jedoch nur eingeschränkt geeignet, ein Bild von den tatsächlichen Verhältnissen wiederzugeben. Auch die Schweiz ist ein Gebirgsland, aber nicht unbedingt „schwer zugänglich“. Der Hauptunterschied liegt in fehlenden „sanften, üppig begrünten Hügellandschaften“, Montenegros Hinterland ist von wenigen Ebenen und einer Karstlandschaft mit zahllosen steil ansteigenden, zerklüfteten Felsstrukturen geprägt. Daraus resultieren aber auch eine Reihe landschaftlicher Höhepunkte, die ihresgleichen suchen: die 1300 m tiefe Tara-Schlucht, die sich zweitgrößter Canyon der Welt (nach dem Grand Canyon) nennen darf, der Shkoder-See als größter See auf dem gesamten Balkan oder die Bucht von Kotor, der größte Fjord im gesamten östlichen Mittelmeerraum. Hinzu kommt eine Vielzahl unterschiedlicher Strände und Küstenabschnitte, so dass die außerordentliche geografische Vielfalt den besonderen Reiz Montenegros ausmacht.

Reisezeit

Montenegro kann man durchaus als ganzjähriges Reiseziel bezeichnen. Ein Sprung ins kühle Nass empfiehlt sich prinzipiell von Juni bis Oktober. Für die Urlaubsplanung sind die Zeiten Mitte Mai bis Mitte Juli und Anfang September bis Ende Oktober das, was man den idealen Zeitraum nennen könnte. Über die Osterferien ist das Wasser trotz angenehmer Temperaturen recht frisch, ab Ende Oktober muss mit Schlechtwetterperioden vor allem im Landesinneren gerechnet werden. Im Hochsommer wird es an der Küste und im Landesinneren so heiß, dass man kaum vor die Tür gehen möchte – mithin Gelegenheit für Ausflüge ins kühlere Bergland.

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Auch wenn die Sommermonate Juli/August, trotz der Hitze, absolute Hauptsaison mit gelegentlichen Engpässen bei Unterkunft oder Leihfahrzeug sind, so ist es doch insgesamt sehr angenehm, dass sich die Reisesaison recht weit dehnt und Montenegro noch lange nicht das Bild eines überlaufenen Reisezieles bietet. Solange Montenegro keine touristische Massendestination ist, bedeutet dies aber auch, dass viele Lokale und vor allem Campingplätze außerhalb des Hochsommers geschlossen sind.

© Werner Lips

Tiere

Die natürlichen Gegebenheiten und das schwer zugängliche Bergland gestatten noch heute einigen größeren Säugetieren das Überleben in freier Wildbahn. So liegt die Braunbärenpopulation derzeit bei 120 bis 130 Tieren, die verteilt im montenegrinischen Bergland in Höhenlagen zwischen 1000 und 1500 m leben. Sie bevorzugen Laubwälder ebenso wie der Luchs, der auch schon auf 500 Höhenmetern bis zu den höchsten Gipfeln angetroffen werden kann. Die Wolfspopulation beträgt rund 250 Tiere – allerdings werden noch heute im „Umweltstaat“ Montenegro Abschussprämien für Wölfe gezahlt. In der Praxis muss man schon Riesenglück haben, um einem der genannten Tiere überhaupt zu begegnen. Dies gilt auch für Hirsche, Rehe, Gemsen und Wildschweine. Wo eine Kultivierung der Felslandschaften nicht möglich ist, dominieren Ziege und Schaf als pflegeleichte Nutztiere. Esel und Mulis dienen noch heute als Transportmittel auf den unwirtlichen Bergpfaden und Hängen.

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Montenegro bietet einer Vielzahl von Vogelarten eine dauerhafte Heimat, in den Wintermonaten nutzen zudem zahlreiche Zugvögel das Land als Durchreisestation zwischen Europa und Nordafrika/ Nahost. Das wichtigste Brut- und Rückzugsgebiet für mehr als 250 Vogelarten ist der Shkoder-See, wo neben zahllosen Entenarten auch Großvögel wie Eulen, Pelikane und Adler beobachtet werden können. Während Watvögel, Kormorane und Pelikane auch an den Salzpfannen bei Ulcinj angetroffen werden können, dienen die höher gelegenen Regionen (Durmitor, Biogradska Gora) als Heimat zahlreicher Sing- und Greifvögel von Nachtigall und Specht bis zu Eule und Adler.
Unter Wasser entdeckt der Taucher Nacktschnecken, Einsiedlerkrebse, Garnelen, Seeigel, Seespinnen, Sepia, Zackenbarsche und sogar Katzenhaie. Auch an Wracks und Grotten oder Höhlen mangelt es nicht. Bedingt durch den Felsboden ist die Sicht sehr gut, das Wasser fast überall von hervorragender Qualität. Umweltschäden sind in der Ost-Adria glücklicherweise nicht vorhanden. Taucher, Schnorchler und Badegäste müssen sich nur vor einem Fisch besonders in Acht nehmen: dem Petermännchen. Der kleine rötliche Fisch gräbt sich so im Sand ein, dass nur Augen und Rückenflosse zu erkennen sind. Seine vordere Rückenflosse ist sehr spitz und mit Giftdrüsen versehen. Zwischenfälle mit Petermännchen sind in Montenegro bislang nicht bekannt, kommt es jedoch zu einer Verletzung, empfiehlt sich unbedingt der Gang zum Arzt.

Essen

Die montenegrinische Küche kennt sowohl jene bekannten Gerichte, die schon im ehemaligen Jugoslawien auf keiner Speiserkarte fehlen durften, wie Ćivapćići (längliche, gebratene oder gegrillte Hackfleischröllchen) oder Ražnići (Spieße mit Fleischstücken), regional typisch sind diese jedoch weniger. An der Küste sowie am Shkoder-See dominieren Fischgerichte das Angebot. Je nach Fangzeit werden an Süßwasserfischen Karpfen, Forelle und Aal sowie Tintenfisch, Brasse, Wolfbarsch und Drachenkopf als typische Meerestiere neben Muscheln und Krebsen angeboten.
Im Hinterland, aber auch in der häuslichen Küche, sind deftige Fleischgerichte, oftmals Lamm, bestimmend. Zubereitet werden die Speisen typischerweise „ispod“ (in einem geschlossen Gefäß in Holzkohle), ansonsten gegrillt, gebraten oder gekocht, wobei heute Grillgerichte am häufigsten angeboten werden.

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Bedeutende regionale Spezialitäten sind der mit besonderen lokalen Hölzern geräucherte Schinken von Njeguši und „kajmak“, eine Art Kräuterfrischkäse, der besonders im Hochland von Durmitor weit verbreitet ist und gerne auch als Dip zum Fladenbrot gereicht wird.
Aufgrund der unterschiedlichen Höhenlagen und Anbauvoraussetzungen sind auch zahlreiche Gemüsearten (Tomaten, Auberginen, Kohl), Pilze sowie Olivenöl ein unverzichtbarer Bestandteil der montenegrinischen Küche. Wichtigste Beilagen sind Kartoffeln, Reis und Salat mit Olivenöl.
Der allmählich wieder einsetzende Tourismus, insbesondere aus den westlichen Staaten, hinterlässt langsam aber sicher seine Spuren. So sind zahllose gute und preiswerte Pizzerien heute ebenso selbstverständlich anzutreffen wie Imbissbuden mit Hot Dogs, Hamburgern und Pommes. Wer mehr auf eine Erfrischung oder etwas Süßes aus ist, gehe in die „slasdićana“, wo man neben kalten Getränken auch Eiscreme, Kuchen und Gebäck findet.
Sehr weit verbreitet – besonders in Touristenorten – ist die „pivnica“, eine Mischung aus Bar und Café, die ausschließlich Getränke vorrätig hat, eventuell auch kleine Snacks.
Jede Art von Gaststätte für Getränke und Speisen nennt sich „restoran“, ohne dass der Begriff wie bei uns auf höherpreisige Restaurants gemünzt wäre. Besucher werden oftmals auch den Begriff „pizzerija“ entdecken, wo grundsätzlich neben Pizzen noch Nudelgerichte wie Spaghetti oder Lasagne serviert werden.
Selbstredend hinterlässt der hohe muslimische Bevölkerungsanteil auch auf der montenegrinischen Speisekarte seine Spuren, wobei allerdings zwei Dinge festzuhalten sind: Zum einen wird man den „heimischen“ Döner-Stand vor Ort vergeblich suchen, zum anderen haben sich die Montenegriner in ihrer Geschichte stets gegen Fremdeinflüsse gewehrt und die eigenen Traditionen bewahrt. Auch wenn man heute von einer mehr oder minder erfolgreichen multikulturellen Gesellschaft sprechen darf, so sind es doch hauptsächlich Snacks wie „burek“ (mit Hackfleisch, Spinat, Käse oder auch Apfel gefüllte Blätterteigtaschen) oder Süßwaren, die man landesweit finden kann. Die eher typischen Lammfleisch- oder Reisgerichte sind dagegen in den moslemisch geprägten Regionen nahe zur albanischen Grenze oder zum Kosovo an der Tagesordnung.
Die Speisekarten („jelovnik“) sind in aller Regel mehrsprachig, landet man nicht gänzlich abseits der beschriebenen Routen, sollte zumindest Englisch immer dabei sein, an der Küste oft sogar Deutsch.
Um die Rechnung bittet man mit „platiti molim“ (Zahlen, bitte!), wobei man ein Trinkgeld (5% des Rechnungsbetrages) nach Erhalt des Wechselgeldes auf dem Tisch belässt. Das Preisgefüge, welches um 20–30% unter dem mitteleuropäischen liegt, entlastet die Urlaubskasse doch spürbar, wenn man auf Lokale angewiesen sein sollte.

© Werner Lips

Religion

Die Montenegriner sind ein gläubiges Volk, über 90% der Leute geben an, einem Glauben anzugehören. Davon fallen die meisten Mitglieder auf die serbisch-orthodoxe Kirche ab, nämlich 72% der Bevölkerung. Die Zugehörigkeit ist vor allem historisch gegeben, da die serbisch-orthodoxe Kirche schon seit einigen Jahrhunderten die bestimmende Kirche in der Balkanregion ist.
Die 1993 gegründete autokephale Kirche Montenegros (welche von der sebisch-orthodoxen Kirche jedoch nicht anerkannt wird) bildet eine weitere wichtige Glaubensgemeinschaft. Zahlenmäßig die zweitgrößte Religion ist jedoch der Islam. Rund 16% der Bevölkerung sind Muslime. Ebenso gibt es, häufig an den Grenzen zu Albanien und Kroatien anzutreffen, mehrere tausend Katholiken, die ebenso wie das Judentum einige Gemeinden im Land stellen.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

Danke

Hvala

Bitte

Molim

Guten Tag

Dobar Dan

Gute Nacht

Vecer

Guten Abend

Dobar

Guten Morgen

Dobro Jutro

Hallo

Zdravo

Tschüss

Ćao!

Auf Wiedersehen

Doviđenja!

Ja

Da

Nein

Ne

Entschuldigung

Oprostite

Prost!

Živeli!

Guten Appetit

Prijatno

Hilfe!

Upomoć!

Bahnhof

Stanica

Zug

Voz

Bus

Autobuska

Toilette

Tualeti

Stadt

Grad

Zentrum (Stadt)

Centar

Strand

Plaža

Polizei

Milicija

Krankenhaus

Bolnica

Post

Pošta

Restaurant

Restoran

Gasthaus

Hanovi

Links die weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.de | www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Visum: www.auswaertiges-amt.de/Laenderinformation/Montenegro

Fremdenverkehrsamt: www.montenegro-reiseinfo.com/de | go.montenegro.travel/en (Englisch)

Deutsche Botschaft: www.podgorica.diplo.de

Reise- und Gesundheitsinformationen: www.crm.de       

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

Dos and Don’ts

Das kleine Balkanland an der Adria unterscheidet sich nicht sonderlich von seinen Nachbarn im Bezug auf Sitten und Bräuche. Es gibt keine großen Fettnäpfchen, in die Touristen fallen könnten.
Die Montenegriner sind sehr hilfsbereit und gastfreundlich und man wird schnell mit den Bewohnern das Landes in Kontakt kommen. Dazu gesellt sich gern mal ein Schnaps, um alle Beteiligten ein wenig aufzulockern. Auch am Morgen wird dieses Ritual gern praktiziert. Wer Fahrer ist, sollte eventuell ablehnen, die Gastgeber werden die Reaktion zusammen mit der Erklärung verstehen.
Die jüngste Geschichte ist wahrscheinlich nicht das beste Thema, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Die Republik und die Unabhängigkeit sind beides noch recht frische Errungenschaften. Trotzdem ist man stolz darauf, auch wenn es noch Unterschiede zu den „alten“, westlichen, etablierten Demokratien gibt.

Exkurs: Die Johanniter und die Muttergottes von Philermos

Der zur Zeit der Kreuzzüge berühmte Orden der Johanniter (auch Hospitalier, später Malteser genannt) hatte drei allerheiligste Reliquien in seinem Besitz: die Hand Johannes des Täufers (daher „Johanniter“), einen Splitter des echten Christuskreuzes sowie eine der bedeutendsten Reliquien der Ostkirche, die Ikone der „Muttergottes von Philermos“ (Theotokos Phileremou).
Letztere soll vom Evangelisten Lukas selbst in Jerusalem gemalt worden sein und wurde von den Johannitern nach der Vertreibung aus dem Heiligen Land um das Jahr 1000 nach Rhodos mitgebracht, wo sie ihren Namen nach dem Berg Filermo erhielt und Inselpatronin wurde. Hier verblieb die Ikone bis zum Jahr 1523, wobei Legenden zufolge die Insel Rhodos nicht nur durch die Geschicklichkeit und den Heldenmut der Johanniter, sondern auch durch die Macht der „Muttergottes von Philermos“ gegen türkische Invasionsversuche verteidigt werden konnte. Nach der großen Besatzung und der endgültigen Niederlage 1522, als die Insel dem Eroberer Suleiman dem Prächtigen übergeben wurde, erkannte dieser die Tapferkeit der Ritter an und gestattete ihnen freien Abzug und Mitnahme sakraler Reliquien. Auf der Suche nach einem neuen Domizil brachten die Johanniter die Ikone zunächst in Italien (1523–1527) und Frankreich (1527– 1530) unter.
Als die Ritter vom spanischen König Karl V. die Inselgruppe Malta als Lehen erhielten („Der maltesische Falke“), fand die Ikone dort zunächst in den Kirchen San Lorenzo (1530–1571), Santa Maria della Vittoria (1571–1578) und der berühmten Kathedrale des Hl. Johannes (1578–1798) ihren Platz. Auch hier wurden der Ikone Wunderkräfte insbesondere während der „großen Belagerung“ (1565) zugeschrieben.
Als Malta 1798 von Napoleon besetzt wurde, kamen die drei Reliquien mit einigen der Johanniterritter über Triest nach Russland, wo der russische Zar Paul I. Schutzherr des Ordens und Großmeister geworden war. Die Ikone erhielt ein goldenes, mit Diamanten, Rubinen und Saphiren verziertes Kleid. Sie blieb bis zur Revolution (1917) in Russland und wurde während des bolschewistischen Umsturzes zuerst von den Weißgardisten verborgen (Moskau, Sankt Petersburg, Gatchina) und 1919 dann über Estland nach Kopenhagen zur geflohenen Mutter der russischen Zarin gebracht. Diese bewahrte sie von 1919–1928 auf, 1928/ 1929 wurden sie auf bislang ungeklärte Weise in der russisch-orthodoxen Bischofssynode in Berlin eingelagert und im Auftrag der Zarinnenmutter an die serbische königliche Familie Karađorđević weitergeleitet.
Im Zweiten Weltkrieg kamen alle drei Reliquien in die Obhut des Klosters Ostrog, nach dem Krieg befanden sie sich in der staatlichen Schatzkammer, 1978 schließlich wurden zwei Reliquien dem Kloster von Cetinje und die Ikone dem Nationalmuseum (Vladin Dom) übergeben, wo sie als „Blaue Madonna“ verehrt wird. Die drei heiligsten Reliquien der Johanniter befinden sich somit heute in Cetinje, Montenegro!

Exkurs Karstlandschaft

Der Begriff Karst (serbokroatisch kras, italienisch carso) bezeichnet die meist waldlose Kalkhochfläche östlich des Golfs von Triest auf dem Balkan sowie in Italien. Diese Karstlandschaften dürften eine jener natürlichen Besonderheiten sein, von denen jedes Kind im Geographieunterricht hört, wenn das südöstliche Europa besprochen wird.
Karst bezeichnet einen Millionen Jahre dauernden Prozess, an dessen Ende bizarre Tropfsteinhöhlen, Täler und Kraterlandschaften stehen. Voraussetzung dafür sind extrem weiche Kalkgesteine sowie Kohlensäure. Die wasserlöslichen Gesteine wie Kalk und Gips werden vom Oberflächen- und Grundwasser ausgelaugt und ausgespült.
Das Ergebnis sind Höhlen (Blasen) und Schluchten (aufgeplatzte Blasen). Sickerwasser lässt später in diesen Hohlräumen Tropfsteinhöhlen entstehen. Der Prozess setzt sich permanent fort und wird in Millionen von Jahren weitere Naturkunstwerke vollbringen. Die Karstlandschaften sind sehr kalkhaltig und erstrecken sich entlang der gesamten Küste und im Hinterland Montenegros.

Exkurs: Die autokephale serbisch-orthodoxe Kirche

Ähnlich wie auf Zypern ist auch die serbisch-orthodoxe Kirche unabhängig (autokephal) und untersteht lediglich ihrem Oberhaupt, dem so genannten „Patriarchen der Serben“ (Erzbischof von Peč, Metropolit von Belgrad und Karlovci) mit Sitz in Belgrad. Die Zahl der Gläubigen in Serbien und Montenegro wird auf rund zwölf Millionen beziffert (einschließlich ca. 200.000 in Deutschland lebender Serben).
Zum Verwaltungsgebiet des Serbischen Patriarchats (klerikale Jurisdiktion) gehören die Diözesen in Serbien (einschließlich Kosovo und Vojvodina), Montenegro und Bosnien-Herzegowina sowie der jeweiligen Minderheiten in Kroatien, Slowenien, Ungarn, Rumänien, West-, Mittel-, Nordeuropa (Großbritannien und Skandinavien), Nordamerika und Australien.
Die serbische Kirchenorganisation reicht bis ins 9. Jahrhundert zurück, eine eigenständige (autokephale) serbisch-orthodoxe Kirche entstand allerdings erst im 13. Jahrhundert unter dem erstem Erzbischof Sava (um 1219).
Nach der türkischen Eroberung Serbiens (1389 „Vidovdan“; Schlacht auf dem Amselfeld) wurde das Patriarchat 1459 aufgehoben und die serbische Kirche dem Erzbistum Ohrid unterstellt. Erst 1831 konnte die serbisch-orthodoxe Kirche im Fürstentum Serbien die Autonomie und 1877/79 die Autokephalie erringen. Nach dem Ersten Weltkrieg (1918) entstand das erste Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, die bis dahin eigenständigen Teilkirchen von Serbien (Sitz Belgrad), Montenegro (Sitz Cetinje) und Dalmatien schlossen sich zur serbisch-orthodoxen Kirche zusammen (1920 anerkannt).
Im Bürgerkrieg, der dem Zerfall der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien folgte (1991–95), versuchte die serbisch-orthodoxe Kirche auf dem schmalen Grat zwischen der Wahrung serbischer Interessen und dem Ausgleich zwischen den Kriegsparteien zu wandeln – nicht immer mit Erfolg.

Alle Texte aus: Reiseführer Montenegro von Werner Lips
Außerdem von Max Reitmeyer

Uhrzeit und Temperatur: Podgorica

Titelbild: © Werner Lips