»Im Tal gibt es so viele Tempel wie Wohnhäuser und so viele Götterbilder wie Menschen.«
Colonel William Kirkpatrick (1754–1812)

Nepal
Saṃghīya Loktāntrik Gaṇatantrātmak Nepāl
Demokratische Bundesrepublik Nepal

06:14 h | 8 °C

Land in Zahlen

Einwohnerzahl:
27.474.000 (46)

Bevölkerungsdichte:
187 pro km²

Fläche:
147.181 km² (Weltrang 93 )

Hauptstadt:
Kathmandu

Staatsform:
Parlamentarische Bundesrepublik

Hauptsprachen:
Nepalesisch

Währung:
Nepalesische Rupie (Nep.Rs.)

Nationalfeiertag:
29.05.

Internationale Ankünfte/Touristen:
736 000 (2012)

 

Flugdauer:
6759,86 km ≈ 8 Std.

Entfernung über Land:
9310 km

Höchster Berg der Erde:
8.848 m Mount Everest

Blumen:
6500 Arten

Farne:
375 Arten

Dies und Das

Natur

Entsprechend der geografischen Zonen kann man Nepal auch in fünf größere Vegetationszonen unterteilen: die tropische Zone im extremen Süden, die sich anschließende subtropische, die gemäßigte, die subalpine und schließlich die alpine Zone. Auf Grund der unterschiedlichen Klimazonen ist die Artenvielfalt sehr groß. Diese ungeheure Artenvielfalt, ist nicht ungefährdet. 87 % des Energiebedarfs wird aus Brennholz gedeckt, und die daraus resultierende Abholzung der Wälder löst eine Kette von ökologischen Katastrophen aus: Erdrutsche, Überschwemmungen, vielen Tier und Pflanzenarten wird die Lebensgrundlage entzogen.

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Waren 1990 noch knapp 40 % der Landesfläche mit Wald bedeckt, dürften es heute kaum noch 25 % sein. Holz ist ein wichtiges Exportgut und bringt dem Land jährliche Einnahmen von 50 bis 100 Mio. Rupien. Am meisten betroffen von der Waldzerstörung sind die mittleren Höhenzüge bis 2750 m, wo anstelle von Wäldern vielerorts nur noch ödes Strauchland zu finden ist.

© M. Schlachter

Tiere

Insgesamt beheimatet Nepal über 800 Vogel-, 590 verschiedene Schmetterlings- und 120 Fischarten. In den Niederungen tummeln sich Gekkos und Warane, aber auch zahlreiche Schlangenarten. Letztere halten die Ratten- und Mäusepopulation in Grenzen (insgesamt 22 Arten), die Schätzungen gemäß ohne hin schon 15 bis 20 % einer jeden Ernte vernichten. Ohne die Mäuse jagenden Schlangen wäre der Schaden noch höher.
Wie nicht anders zu erwarten, beherbergt jede der so unterschiedlichen Klima- und Höhenzonen ihre eigenen Tiergattungen. So findet man im heißen Terai Affenarten wie Makaken und Languren, verschiedene Wildkatzen, Hyänen, Füchse, Mungos, Otter, Maulwürfe, Einhörnchen, Karnickel, Wildschweine, Schwarzbären und etliche Hirscharten.

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Die Mittelgebirge bis 3000 m werden bevölkert von Makaken, Languren, Wölfen, Füchsen, verschiedenen Bärenarten, Wildschweinen, diversem Rotwild, Dschungelkatzen, Leoparden und Schakalen.
In Höhen bis zu 4000 m leben wiederum die allgegenwärtigen Languren, verschiedene Schaf- und Rotwildarten, Bären, Rote Pandas, Wölfe, Bergfüchse, Braun- und Himalaya-Bären und Schnee - leoparden.

Essen

Die ursprüngliche nepalesische Küche spiegelt die einfachen Lebensverhältnisse wider und ist entsprechend schlicht und begrenzt. Das Standardgericht besteht aus Reis (bhat), zu dem eine Art herzhafter Linsenbrei (dal) und/oder Gemüse-Currys (tarkari) serviert werden. Als Beilage gibt es meist klein geschnittene Zwiebeln (piyaj), ein wenig Pickles (acar) – das sind sauer-scharf eingelegte Früchte (z.B. unreife Mangos, Limonen etc.) –, gelegentlich auch eingelegtes Gemüse oder Knoblauch. Hausgemachter Joghurt (dahi) rundet die Mahlzeit ab. Die obige Kombination von Dal-Bhat-Tarkari ist so etwas wie Nepals Nationalgericht, kann auf die Dauer aber recht eintönig werden.

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Glücklicherweise ist man nicht auf rein nepalesische Kost angewiesen. Zur Abwechslung bieten sich tibetische oder – in weit größerem Maße – indische Gerichte an. Fast alle halbwegs besseren Restaurants in Kathmandu kochen indisch. Das ist auf den großen Zustrom von Indern zurückzuführen. Daneben gibt es in Kathmandu eine große Auswahl an West-Speisen. In den bekannten Travellerzentren muss niemand auf sein Morgen-Müsli, Vollkorn- Käsebrot oder Spinat-Lasagne verzichten. In dieser Beziehung kann der Aufenthalt in Kathmandu zu einem wahren Schlemmertrip werden. Die Qualität ist durchweg gut.

Wirtschaft

© Rainer Krack

Mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 626 US$ pro Kopf ist Nepal das zweitärmste Land Asiens  (knapp nach Afghanistan mit 622 US$) und eines der zehn ärmsten Länder der Welt. Etwa 42 % der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Einkommen pro Einwohner in Deutschland liegt bei 41.500 US$. Die ökonomischen Aussichten in Nepal sind permanent schlecht, und so zieht es viele Nepalesen ins Ausland. Gemäß einer Studie des South Asia Centre for Policy Studies aus dem Jahre 2007 sind 15 % des nepalesischen Bruttosozialprodukts den Überweisungen der im Auslands lebenden Nepalesen zu verdanken. Kein Wunder, dass aus jedem vierten Haushalt ein Einwohner das Glück im Ausland sucht.

Reisezeit

Grundsätzlich kann man das Jahr in drei Haupt- und zwei Nebenjahreszeiten unterteilen. Von Mitte Juni bis Anfang Oktober herrscht der bei Touristen so unbeliebte Monsun, den die Nepalesen Ritu Hawa nennen, die „Jahreszeit der Winde“. Dies ist die ungünstigste Jahreszeit für Reisen, es gibt oft lange anhaltenden Regen, und die sonst so weithin sichtbaren Berge sind dicht von Wolken verhüllt. Im Kathmandu Valley aber fallen die Regenfälle nicht so stark aus wie z.B. im Terai, und man kann durchaus einige Tage hintereinander erleben, an denen die Sonne scheint und es keinen Regen gibt. Der Vorteil der Regenzeit ist, dass sich die Natur in ihrem besten Gewand präsentiert, das ganze Tal ist in ein sattes Grün.

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Das Ende des Monsuns leitet in die schönste Jahreszeit über, eine Art kurzen Herbst, der etwa von Mitte Oktober bis Mitte November dauert. Auf Nepali heißt er Sharad Ritu, die „Kühle Jahreszeit“. Das Wetter ist klar, die Sicht gut, die Landschaften erscheinen nach den voran gegangenen Regengüssen erneut grün und fruchtbar. Es folgt der Winter (Hiuñdo oder Jarobela), der etwa bis Ende Februar oder Anfang März dauert. Es kann empfindlich kühl werden, in Kathmandu werden gelegentlich Nachttemperaturen von knapp unter 0 Grad gemessen. Das Ende der kalten Jahreszeit wird durch das hinduistische Frühlingsfest Holi markiert, nach dem es tatsächlich oft schlagartig heiß wird. Dieser Frühling oder Basanta Ritu geht schon bald in eine Art Vormonsun über (ca. Ende April), dessen gelegentliche Stürme den nahenden Regen ankünden.

Religion

81,3 % Hindus, 9 % Buddhisten, 4,4 % Muslime, 1,4 % Christen.

© Rainer Krack

Verkehrsmittel /Fahrräder

Bis vor einem Jahrzehnt noch war das Fahrrad das angenehmste Verkehrsmittel in Kathmandu. Mit dem enorm angestiegenen Verkehr und der damit einhergehenden Luftverschmutzung ist es jedoch in der Innenstadt und auf den viel befahrenen Ausfallstraßen nur noch bedingt zu empfehlen. Auf den größeren Straßen (z.B. in Richtung Bhaktapur oder Patan) wird man oft mit giftigen Abgaswolken konfrontiert. Die schlimmsten Verursacher sind die zahlreichen mitDiesel betriebenen Fahrzeuge. Man kann sich vielleicht damit trösten, dass die Luftqualität in den letzten Jahren tatsächlich besser geworden ist.

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Das liegt an der Abschaffung der dieselbetriebenen drei rädrigen Motor-Rikschas und daran, dass die Tempos (Minibusse) mittlerweile von Diesel auf Elektrobetrieb umgestellt wurden. Trotzdem gibt es noch genügend Diesel-Lkw, die die Luft malträtieren. Zum Schutz vor Emissionen kann man sich in einer Drogerie für ein paar Rupien eine Atemschutzmaske zulegen. Diese hilft auch gegen den Staub, der besonders in der heißen Jahreszeit (März bis Mai) aufgewirbelt wird. Zahlreiche Fahrrad-Verleiher finden sich in Thamel, in der Freak Street oder am Durbar Square. Anzuraten ist in jedem Fall eine vorhergehende Prüfung des Gefährts, um anschließend etwaige Ersatzforderungen des Vermieters für Schäden, die man nicht zu verantworten hat, auszuschließen. Mit dem Fahrrad lassen sich alle Sehenswürdigkeiten Kathmandus leicht besichtigen, ebenso die meisten Orte innerhalb des Kathmandu Valley. Soll die Fahrt in die hoch gelegenen Randgebiete des Tales führen (z.B. Nagarkot, Kakani usw.), ist unbedingt ein Mountainbike zu empfehlen.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

Namasté
Guten Morgen/Tag/Abend!
Seien Sie gegrüßt!
Auf Wiedersehen!

Thiik tscho!
Okay! Alles klar!

Ke khabar tscho?
Was gibt’s Neues?

Maaph garnus!
Entschuldigen Sie!

Mero naam ho
Mein Name ist

Aaphuko naam ke ho?
Wie heißen Sie?

kaahaa chhaa?
Wo befindet sich?

Naam ke ho?
Wie heißt das?

Kleine Sprachhilfe
Kauderwelsch Nepali, Band 9

Links die weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.de | www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Visum - Embassy of Nepal:  www.nepalembassy-germany.de

Fremdenverkehrsamt: www.welcome-nepal.com

Reise- und Gesundheitsinformationen: www.crm.de

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

Nepal- und Trekking-Forum (deutsch): www.nepalforum.de | www.dach-der-welt.de

Dos and Don'ts

Zwar sind die Nepalesen im Allgemeinen ein sehr tolerantes Volk, doch sollte diese Tatsache nicht als Freibrief gewertet werden. Wie in jeder anderen Gesellschaft auch, gibt es spezifische Tabus, derer man sich bewusst sein und die man nicht verletzen sollte.

Die nepalesische Form der Bejahung oder Zustimmung ist dieselbe wie in Indien: Der Kopf wird mehrere Male seitlich von links nach rechts und umgekehrt gerollt, etwa so wie bei unserer Geste fürs „Nein“. Je nach Intensität der Bewegung kann sie verschiedene Nuancen der Zustimmung ausdrücken: heftig – „Ja, auf jeden Fall“, mittel – „Ja, wahrscheinlich“, zögernd – „Ja, ich glaube“, vielleicht auch: „Ich weiß eigentlich nicht“. Darüber hinaus gibt es natürlich noch alle möglichen Zwischennuancen. Das „Nein“ wird durch ein kurzes seitliches Zucken des Kopfes ausgedrückt, möglicherweise unterstützt durch ein abfälliges Schnalzen.

Das Händeschütteln ist in Nepal generell nicht üblich, man begrüßt oder verabschiedet sich, indem man die Handflächen wie zum Gebet vor der Brust zusammenlegt und „Namasté“ sagt. „Namasté“ stammt aus dem Sanskrit und bedeutet frei übersetzt: „Ich grüße den Gott in dir“. Gebraucht werden kann es zu jeder Tageszeit. Nicht anwenden sollte man das Namasté jedoch gegenüber eindeutig Niedriggestellten wie Bettlern, Schuhputzern usw., die sich durch die unangemessen respektvolle Begrüßung verhöhnt fühlen könnten. In diesem Falle sollte man nicht grüßen.

Die linke Hand wird bei traditionellen nepalesischen Toiletten zum Reinigen nach dem Stuhlgang benutzt und gilt daher als unrein. Deshalb sollten damit keine Lebensmittel angefasst und auch keine Personen berührt werden.

Auf dem Boden liegende Speisen sind zu umgehen, das Darübersteigen würde sie rituell verunreinigen. Das Betreten des Allerheiligsten von Hindu-Tempeln ist nur Hindus gestattet. Nicht-Hindus sind aber direkt am Tempel, auf dem Innenhof des Tempels, in einigen evtl. umliegenden, dazugehörigen Gebäuden etc. zugelassen – nur eben nicht im zentralen Heiligtum.

Exkurs: … und ein Fisch fiel vom Himmel – die Legende von den zwei Astrologen

Wenige Meter vom Annapurna-Tempel, im Marktgewimmel nur allzu leicht zu übersehen, wurde ein Denkmal der ganz besonderen Art errichtet: eine rechteckige Mulde in der Straße, in der die länglich-ovale steinerne Form eines Fisches zu schwimmen scheint. Wie in Nepal nicht anders zu erwarten, so rankt sich auch um diese Merkwürdigkeit eine Legende. Ein bekannter Astrologe saß in seinem Arbeitszimmer und erwartete ungeduldig einen Glockenschlag, der ihm die Geburt seines Kindes ankündigen sollte.

Nach langem Warten war es endlich soweit, ein paar Straßen weiter hatte seine Frau einen Sohn zur Welt gebracht, und die Glocke erschallte laut und hell. Sogleich machte sich der Astrologe daran, das Horoskop des Kindes zu erstellen. Als es jedoch fertiggestellt war, fühlte er sich wie vom Blitz getroffen: Gemäß den Gestirnen konnte er nicht der Vater des Kindes sein! Ein Irrtum war ausgeschlossen, hatte er sich doch noch nie in seinen Kalkulationen geirrt, und so tat er das Erstbeste, das ihm in den Sinn kam – er flüchtete aus der Stadt, um ihr für immer den Rücken zu kehren. Nach vielen Jahren aber hatte er die Schmach vergessen und kehrte zu rück.

Eines Tages traf er einen jungen, schon hoch angesehenen Astrologen, bei dem er erneut in die Lehre ging. Irgendwann schickte sich der junge Sternendeuter an, die Kenntnisse des älteren Astrologen zu prüfen, indem er ihn um die exakte Berechnung eines zukünftigen Ereignisses bat. Gemäß einer alten Weissagung nämlich sollte in Kürze ein Fisch vom Himmel fallen. Der ältere Astrologe stellte seine Berechnungen an, dann der jüngere, und dann verglichen beide ihre Ergebnisse. Der jüngere bemerkte sogleich, dass sein Schüler einen kapitalen Fehler begangen hatte. Er hatte den Effekt des Windes nicht berücksichtigt! Und da ging dem älteren Astrologen ein Licht auf: Auch damals, als der Glockenschlag ihm die Geburt seines Sohnes verkündete, hatte er es versäumt, die Zeit zu berücksichtigen, die der Glockenklang zur Überbrückung der Distanz benötigte. Da er nicht den richtigen Geburtsmoment zur Grundlage genommen hatte, konnte auch das Horoskop nicht stimmen.

Sogleich machte er sich daran, das Horoskop neu zu erstellen, und siehe da – der junge, meisterhafte Astrologe war niemand anderes als sein Sohn. Zum Gedenken an ihr Treffen beschlossen Vater und Sohn, ein Denkmal zu errichten – den Fisch von Asan Tol.

Aus: Reiseführer Nepal: Kathmandu Valley von Rainer Krack

Titelbild: © M. Schlachter