»Met de hoed in de hand komt men door het ganse land.«
Mit dem Hut in der Hand kommt man durch das ganze Land.

Niederlande

Nederland
Nederlân

 

01:21 h | 13 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
16.854.000 (Weltrang 63)

Bevölkerungsdichte
406 Einw. pro km²

Fläche
41.526 km² (131)

Hauptstadt
Amsterdam

Regierungssitz
Den Haag

Staatsform
parlamentarische Monarchie

Hauptsprachen
Niederländisch, Friesisch (Regional)

Währung
Euro

Nationalfeiertag
27.4.

Internationale Ankünfte/Touristen
12.783.000

Flugdauer
365 km ≈ 45 Min.

Entfernung über Land
442 km

Niederländische Überseeinseln
3 (Bonaire, Sint Eustatius, Sana)

Autonome Länder im Königreich
3 (Aruba, Curaçao, Sint Maarten)

Durchschnittliche Körpergröße I
Männer 1,83 m (Weltrekord)

Durchschnittliche Körpergröße II
Frauen 1,72 m (Weltrekord)

Anzahl der Windmühlen
≈ 1.000 in Betrieb

Holzschuhe
25 traditionelle Hersteller

Käseerzeugung
650.000.000 Kilo pro Jahr

Brücken in Amsterdam
1.281

Keukenhof
7 Millionen Tulpen

Blumenkorso Bollenstreek
40 km Länge

Höhe unter dem Meeresspiegel
≈ 25% der Landesfläche

Kaffeekonsum
140 Liter pro Jahr

Hafen von Rotterdam
Umschlag 466.400.000 Tonnen

Dies und Das

© Roland Hanewald

Natur

Die Niederlande beschreiben sich mit ihrem Landesnamen eigentlich selbst sehr gut. Es sind eben fast ausschließlich niedrige Lande die man bei unseren westlichen Nachbarn antrifft. Der höchste Punkt (ohne die Überseegebiete) liegt auf dem Vaalserberg und beträgt gerade einmal 322 m über dem Meeresspiegel. Rund ein Viertel des Landes liegt sogar unter dem Meeresspiegel und insgesamt die Hälfte der Landesfläche liegen weniger als einen Meter hoch im Vergleich zur Meereshöhe. Bewaldete Gebiete betragen lediglich 8% der Landesfläche. Dafür gibt es viele Felder, die das Erscheinungsbild des Landes prägen. Besonders die riesigen Tulpenfelder, die im Frühjahr blühen, ziehen viele Interessierte an und bescheren herrliche Bilder. Außerdem gibt es ganze Provinzen, die durch Landgewinnung entstanden sind. So vergrößert sich die Fläche der Niederlande kontinuierlich.

Tiere

Bekannt für seine Artenvielfalt sind die Niederlande wenn überhaupt durch die Küstenregionen. Im stark besiedelten Landesinneren gibt es wenige Rückzugsmöglichkeiten für Tiere. Nur 8% der Landesfläche sind bewaldet und davon ist der Großteil sogar durch den Menschen angepflanzt worden. Dort findet man die typischen mitteleuropäischen Waldbewohner: Hase, Fuchs, Reh, Igel...
Aber zurück zu den spannenderen Regionen: dem Wattenmeer. Der bekannteste Vertreter an der Küste ist der Seehund. Weiterhin gibt es einige Vögel, die man typischerweise im Watt findet. Dazu gehören der Austernfischer, der Strandläufer und eine Vielzahl an Möwen oder Schwalbenarten.

© Alexander Schwarz

Essen

„Die Holländer speisen, als hätten sie gerade einen Krieg verloren: hochkalorischen Gemüsematsch mit fetten Wurstschnibbeln, den sie stampotje nennen. Oder sogenannten Balkenbrei aus Schmalz, Mehl und Schweineblut oder schorfige, fußwarme Kroketten aus Automaten – ‚aus der Mauer‘, wie es der Volksmund nennt.“ So lästerte einst der Spiegel, worauf die holländische Presse hitzig zurückschlug und die Deutschen pauschal als dumpfe Currywurstfresser darstellte.

weiter

 

Beides, sowohl die Sache mit dem verlorenen Krieg als auch die mit der Currywurst, dürfte etwas überzogen sein. Wahr ist zwar, dass man von Deutschland aus speziell zum Essen wohl lieber nach Frankreich als in die Niederlande reisen würde. Das flubbige Wattebrot, das fast überall die Frühstückstische ziert; die dazu gereichten, mit dem landesüblichen Zilmetta-Hobel hauchdünn geschliffenen Käsescheiben; die lange Zeit berüchtigt geschmacklosen Treibhaustomaten – „Gemüse-Gau“ (Natur); „Wasser im vierten Aggregatzustand“ (Spiegel) –; der schlimme Krokettenteig, mit dem selbst die feinsten Sachen gestraft werden – das alles wird dem Hollandbesucher nicht immer so smakelijk vorkommen, wie es ihm seitens der Einheimischen vor einer Mahlzeit gewöhnlich gewünscht wird. Selbst die Engländer (ausgerechnet) mokierten sich schon im 17. Jahrhundert über das holländische Essen und nannten es heartless, grausam.
Verantwortlich für diese kulinarische Kargheit ist seit eh und je der generell spartanische Lebensstil der Holländer gewesen. Doch man verstand sich durchaus darauf, schmackhaftere Gerichte als den bekannten Balkenbrei zuzubereiten – man sehe sich nur die vollen Tafeln auf den Bildern der alten Meister an. Tendenziell wurden die Leckerbissen aber lieber gegen hartes Bares exportiert. Insofern hat sich seit alten Zeiten zwar nichts unbedingt Grundlegendes geändert. Sogar das holländische Bier scheint in diese Sparte zu fallen. Vor einiger Zeit testete die deutsche Illustrierte Bunte unter anderem die führende Marke Heineken und kam zu dem Ergebnis: „O.K., wenn’s nichts besseres gibt; neutral, unrund, Note 4.“
Man braucht sich indes keineswegs der Befürchtung hinzugeben, in den Niederlanden in eine kulinarische Wüste zu geraten. Die vom Spiegel geäußerten, nicht ganz vorurteilsfreien Ansichten sind vorwiegend dieselben, die Ausländer traditionell gegenüber der deutschen „Plumpsküche“ (Wolfram Siebeck) hegen. Als nach dem 2. Weltkrieg nämlich der Wohlstand immer fühlbarer über die Niederlande hereinbrach, änderten sich die Esssitten auch dort vom Frugalen weg und zum Leckeren hin. Dazu trugen vor allem die vielen Immigranten bei, die aus den aufgelösten Kolonien und anderen exotischen Ländern kamen und sich in den Niederlanden ansiedelten. Versteht sich, dass sie ihre nationale Küche mitbrachten und sie vor Ort propagierten.

Reisezeit

In die Niederlande kann man zu jeder Jahreszeit reisen. Das Klima ist im Winter milder als bei uns und im Sommer kühler. Dies liegt an der maritimen Lage an der Nordsee gepaart mit dem häufig wehenden Südwestwind. Ein besonderes Highlight, welches viele Leute Jahr für Jahr anlockt, ist die Blütezeit der Tulpen im Frühling. Dann verwandeln sich die kilometerlangen Felder in prächtig leuchtende Teppiche in allen möglichen Farben. Im Sommer gibt es dann viele Feste und Festivals, die auch die Touristen anziehen und besucht werden wollen. Der Herbst gehört an der Küste hauptsächlich den Windsurfern und anderen Extremsportlern. Diese nutzen das teils ungemütliche Wetter für ihre Zwecke und beeindrucken mit waghalsigen Sprüngen. Und falls es im Winter doch einmal ungemütlich werden sollte, gibt es immernoch eine unglaubliche Vielzahl an Museen, die auch gern besucht werden wollen.

© Roland Hanewald

Religion

Innerhalb Europas ist die Niederlande eines der Länder, mit einem geringen Anteil religiöser Menschen. Ungefähr die Hälfte der Bevölkerung gehört keiner Kirche oder Konfession an. Der restliche Teil der Bevölkerung gehört hauptsächlich dem christlichen Glauben an. Davon gehören 28 Prozent der römisch-katholischen Kirche an und weitere 17 Prozent der evangelischen Glaubensrichtung. Kleinere Glaubensgemeinschaften im Land stellen noch Muslime, Hindus, Buddhisten und Juden.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

ja

ja

nein

nee

danke

dank U

bitte

alstublieft

Keine Ursache/gern geschehen

graag gedaan/tot uw je dienst

Danke gleichfalls!

Dankjewel, hetzelfde/ eensgelijks!

Guten Morgen!

Goedemorgen!

Guten Tag!

Goededag!

Guten Mittag!

Goedemiddag!

Guten Abend!

Goedenavond!

Gute Nacht!

Welterusten!

Willkommen!

Welkom!

Wie geht es dir/Ihnen?

Hoe gaat het met jou/U?

Danke, gut

Dank U wel, goed!/ Dankje wel!

Hallo!

Hallo!/Hoi!

Tschüss!

Dag!

Auf Wiedersehen!

Tot ziens!

In Ordnung!

Okee!

Guten Appetit!

Eet smakelijk!

Zum Wohl! Prost!

Proost!

Entschuldigung!

Sorry!

Macht nichts!

Is niet erg./Is Okee.

Herzlichen Glückwunsch!

Hartelijk gefeliciteerd!

Das gefällt mir.

Dat bevalt me.

Das gefällt mir nicht.

Dat bevalt me niet.

Bis bald.

Tot gauw.

Links die weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.de | www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Visum: www.auswaertiges-amt.de/Laenderinformation/Niederlande

Fremdenverkehrsamt: www.holland.com/de (Deutsch) | www.visitholland.nl (Englisch)

Deutsche Botschaft: www.niederlande.diplo.de

Niederländische Botschaft: deutschland.nlbotschaft.org

Reise- und Gesundheitsinformationen: www.crm.de         

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

Dos and Don’ts

„Waarom de messen bij Nederland-Duitsland altijd geslepen zijn“, steht über einem Artikel zum Thema Fußball in der holländischen Zeitschrift Panorama: „Warum die Messer bei Holland – Deutschland immer gewetzt sind.“ In der Tat. Da fliegt nicht nur der Ball, sondern auch die Faust und, vom genannten Journal im Bild festgehalten, mitunter auch Spucke. Man rempelt sich an, tritt sich ins Gemächte (in den Hintern sowieso): „Voetbal is oorlog, jawel – Fußball ist Krieg, jawohl!“
Jawohl. Der 1. Weltkrieg verschonte die Niederländer. Als Kaiser Wilhelm II., der den Oorlog verloren hatte, dort 1918 bescheiden anklopfte, gewährten sie ihm bereitwillig und dankbar Asyl und weigerten sich, ihn an die Siegermächte auszuliefern. Er war eh ein naher Verwandter; die niederländische Nationalhymne beginnt mit den Worten: „Wilhelmus van Nassouwe ben ick van Duitschen bloet ...“ Dieser Wilhelmus hackte in Doorn bei Utrecht noch friedlich Holz, als die Deutschen schon wieder die Kriegstrommel rührten. Doch dieses Mal, im 2. Weltkrieg, machten sie um ihr kleines Nachbarland keinen Bogen, sondern, wie die Holländer noch heute in einem zornigen Euphemismus festhalten, „polderten es ein“. 600.000 Niederländer wurden ab 1942 zum „Arbeitseinsatz“ ins Deutsche Reich deportiert, in die Versklavung. Die Gestapo wütete in den besetzten Gebieten, Geiseln wurden öffentlich hingerichtet, die jüdische Bevölkerung der Niederlande – die tragische Geschichte der Anne Frank spielt dort – bis auf einen winzigen Rest ausgerottet, mit fleißiger einheimischer Kollaboration übrigens. Und die völkerrechtswidrige Bombardierung Rotterdams (noch kurz vor Abschluss der Kapitulationsverhandlungen) durch die Luftwaffe mit fast 1000 Opfern blieb bis in die Neuzeit einer der neuralgischen Punkte der deutsch-niederländischen Beziehungen ...
Verständlich, dass uns die Holländer angesichts „der Schatten der bösen Vergangenheit“ (Leo Leertouwer, Rektor der Universität Leiden) immer noch nicht so recht grün sind. Moffen sagen sie zu den Deutschen, wenn sie sich an diese unseligen Zeiten erinnern, wenn sie einen Kleinen getrunken haben oder eben als Fußballer gegen sie antreten. Was dieses „Schimpfwort“ allerdings so perfide macht, scheint im Dunkel einer langen gemeinsamen Nachbarschaftsbeziehung verborgen zu sein. Schon preußische Grenadiere auf holländischer Seite wurden derart tituliert. Kein Holländer kann jedenfalls erklären, weshalb man die Deutschen im Zorn ausgerechnet „Handschuhe“ nennt, denn nichts anderes bedeutet das Wort moffen. „Muffe“, also „Schiss“ haben, mag ihm zu Grunde liegen, was freilich reines Wunschdenken beinhalten dürfte. Die Deutschen haben traditionell immer nur Gott und den Kaiser gefürchtet, weniger die Niederländer, und wenn schon, dann ihre Tomaten.
Auf 15 Milliarden Euro wurde bei Kriegsende der von den Deutschen angerichtete materielle Schaden an dem kleinen neutralen Land beziffert. Dass es mit der Neutralität in Wahrheit nicht so weit her war, ist aber selbst vielen Holländern heute unbekannt. Eine entsprechende Politik der Regierung und des Königshauses, die Hitler keinen Anlass zum Einmarsch geben sollte, wurde von säbelrasselnden Kommissköppen, unter einer Decke vor allem mit den Engländern, nämlich nach Kräften hintertrieben. Den Deutschen, denen diese Machenschaften nicht verborgen blieben, wurde dadurch ein perfektes Motiv für ihre Invasion geliefert. Ob es andernfalls ein glücklicheres Ende genommen hätte, sei dahingestellt. Schon waren deutsche Fallschirmjäger nach Den Haag unterwegs, um die königliche Familie festzusetzen, als diese von holländischen Generalstäblern auf Schiffen der Royal Navy eilends ins britische Exil geschickt wurde. Für Prinz Bernhard, naiven Herzens auf deutsche Worttreue bauend, kam der Schachzug völlig überraschend, er hatte nur ein einziges Hemd dabei; Königin Wilhelmina, schlimmer noch, wurde quasi gekidnappt. Immerhin hatte man aber den Staatsschatz sozusagen nebenbei in Sicherheit bringen können. „Verrat!“ schnaubten die Deutschen – und so nahm die Geschichte ihren schändlichen Lauf.
Während viele ältere Holländer dem „Biervolk, das auf groben Soldatenstiefeln in den stillen Garten Hollands hineinstürmt“ (Romanautor Maurits Dekker), immer noch sehr reserviert gegenüberstehen, haben die Berührungsängste der jüngeren Generationen merklich abgenommen. Mit „Ribbentrops Lügengewebe“ und einem „wortbrüchigen Deutschen Reich“ wissen sie nichts mehr anzufangen. Sie sind wie ihre Nachbarn Europäer, zudem liberaler, toleranter und vorurteilsfreier als die meisten. Oder so will es zumindest die Eigendarstellung.
Dennoch kommen in Umfragen selbst bei Jugendlichen die Deutschen im EU-Vergleich immer noch nicht besonders gut davon. Die erfahrungsgehärteten Vorurteile gegenüber dem „reichen“ und oft arroganten Nachbarn sitzen anscheinend tief. Und sie treten prompt wieder zu Tage, wenn es in der Disco oder beim Fußball mal Krawall gibt. Sollte so etwas wie ein „David-Goliath-Syndrom“ existieren, das den Kleineren, wahr empfunden oder nicht, sich stets die Rolle des Prügelknaben aneignen lässt?
Bis 1648 waren wir, Deutsche und Niederländer, vielleicht noch so etwas wie Brüder und Schwestern, jedenfalls war unser Nachbarland bis zum „Frieden von Münster“ jenes Jahres Teil des Deutschen Reiches. Das ist aber immerhin dreieinhalb Jahrhunderte her, und seitdem sind beide Völker unterschiedliche Wege gegangen.
Traditionell hatten die Niederländer, im Guten wie im Bösen, ohnehin immer weitaus mehr mit den Völkern in ihrem Westen – Engländern, Franzosen, Spaniern – zu tun als mit den Moffen. Nach wie vor sehen uns die Holländer deshalb nicht als enge Verwandte, und als liebe schon gar nicht, sondern ungefähr so, wie die meisten Deutschen sich die Russen vorstellen: als andere, gewiss manchmal nette, doch mentalitätsfremde, obrigkeitshörige, muffelige und unberechenbare Vreemdelingen, die man, zurück zu den Niederländern, mit Pfiffigkeit und Zuvorkommenheit (Gastfreundschaft im Wert von rund 300 Millionen Euro pro Jahr) besser bei Laune hält. Deutsche, gleich welchen Alters, die in den Niederlanden den großen Zampano spielen wollen, sind nach wie vor nicht gern gesehen. Wer die Sau rauslassen will, deklamiert ein kleines Volk mit vollem Recht, tue das dort, wo sie hingehört – nicht bei uns!

Exkurs: Niederländische Meister

In keiner Nation der Welt ­– Japan ausgenommen – hat die Malerei jemals einen derart hohen Rang besessen wie in den Niederlanden. Mit Staunen berichtet ein britischer Hollandbesucher im Jahre 1640, dass prächtige Gemälde selbst die Behausungen der schlichtesten Bürger zierten – Gegenstücke vielleicht zum schmucklosen niederländischen, insbesondere nüchtern-calvinistischen Alltag? Schon zu einem frühen Zeitpunkt versuchten die Holländer, die Produkte ihrer Maler international zu vermarkten. Und zwar vor allem dort, wo damals, im 17. und 18. Jahrhundert, das große Geld zu finden war: an den Fürstenhöfen Persiens, Indiens, Chinas und Japans. Doch man stieß überwiegend auf Ablehnung. In den Zentren des orientalischen Ästhetizismus hatte man damals keinen Sinn für die Werke eines Frans Hals, Jan Vermeer, Rembrandt Harmensz van Rijn (wie er mit vollem Namen hieß) oder Pieter Paul Rubens.
Heute hat man sich in Japan auf Versäumtes besonnen und findet kein Gebot für den Erwerb eines niederländischen Klassikers zu hoch. Den unbedarfteren Liebhabern des Genres fehlt allerdings das nötige Kleingeld, generell im achtstelligen Eurobereich, um da mitzuhalten. Notgedrungen wird man sich, kaufwillig, einen moderneren Meister zulegen müssen.
In den meisten Orten gibt es massenweise Gemäldegalerien, die ihre Werke anbieten. Gäbe es ein schöneres Urlaubssouvenir als einen „echten Holländer“ von dort mit nach Hause zu bringen? Und was ungefähr sollte man für diese Investition anlegen?
Die New York Times beantwortet diese Fragen wie folgt: „Bedenkt man die jahrhundertelange Verbundenheit Hollands mit der Malerei, dann müsste man sich eigentlich wundern, dass die Regierung des Landes sich entschlossen hat, immerhin 215.000 Kunstwerke zu verschenken. In vier Jahrzehnten hat sie mit Käufen im Gesamtwert von mehr als zweieinhalb Milliarden Gulden den Lebensunterhalt vieler Künstler gesichert. Im Jahre 1986 wurde der Ankauf dann jedoch eingestellt, weil die Zahl der unterstützten zahlreichen Künstler und der von ihnen produzierten Kunstwerke überhand nahmen.
„In den letzten Jahren kamen die Sachen schon containerweise herein“, sagt die Kunsthistorikerin Heleen Buijs, die Leiterin der Schenkungsaktion, mit der sich das Kultusministerium hohe Lagerspesen sparen will. „Unter den Aufkäufern waren auch Sozialarbeiter, die oft statt nach der Qualität der Kunstwerke mehr danach gegangen sind, ob die Künstler das Geld brauchten.“ Kein Wunder, dass viele dieser „niederländischen Meister“ keine Abnehmer finden.“

Exkurs: Warum stranden Wale?

Bereits Aristoteles machte sich in seiner Historia Animalium Gedanken darüber. „Es ist nicht bekannt“, schrieb er, „weshalb sie auf das trockene Land gehen; man sagt jedenfalls, dass sie dies mitunter tun, und aus keinem ersichtlichen Grund.“ Heute, 2300 Jahre später, wissen wir immer noch nicht genau, „weshalb sie auf das trockene Land gehen“, die Wale. Auch in Holland und Belgien, wo seit Menschengedenken immer wieder lebende Wale – manchmal ganze Rudel – an den Stränden anlandeten, kann man sich keinen rechten Reim darauf machen. Man überlegte, ob sie sich vielleicht in der flachen Nordsee verirrt hätten und bei der verzweifelten Suche nach einem Ausweg auf den Sänden geendet wären. Auch aus anderen Ländern, vornehmlich den Vereinigten Staaten, hört man des öfteren solche Nachrichten und überdies von den aufwendigen Aktionen, die unweigerlich in Gang gesetzt werden, um ein gestrandetes Tier zu retten, indem man es wieder in tiefes Wasser befördert.
Im Jahre 1977 trat in den USA ein Symposium von hochkarätigen Wissenschaftlern zusammen, um Licht auf die Frage zu werfen: Warum stranden Wale? Werden sie Opfer der Gezeiten? Nein, so simpel ist die Erklärung wirklich nicht, denn sie stranden auch in gezeitenarmen Gewässern, wie der alte Grieche bereits im Mittelmeer beobachtet hatte. Unter den Theorien fanden sich Spekulationen über gestörte Navigationssysteme, Flucht vor Verfolgern und tödlichen Übereifer bei der Nahrungssuche bis hin zu gewagteren Mutmaßungen wie jener, dass Wale, da sie ja von terrestrischen Lebewesen abstammen, sich auf die archaischen Landrouten ihrer Ahnen zu begeben suchen. Das Symposium kam zu keiner rechten Schlussfolgerung außer derjenigen, dass sich die Frage bis auf weiteres nicht streng wissenschaftlich, sondern eben nur spekulativ beantworten ließe.
Heißohrige Tierschützer warten mit weitaus abenteuerlicheren Thesen auf. Mittels Selbstmord protestierten die klugen Wale gegen das jahrhundertelange Abschlachten ihrer Gattung, behaupten manche allen Ernstes. Andere, die von Aristoteles wohl noch nicht gehört hatten, sehen ein symbolisches Aufbäumen gegen die heutige Verschmutzung der Meere. Doch es gibt auch nüchternere Überlegungen. Nach sorgfältigem Abwägen aller Argumente und Hinzuziehung zahlreicher Quellen kommt der amerikanische Forscher Richard Ellis zu einleuchtenden Schlüssen. Weshalb sollten Wale mit defektem Sonarsystem immer nur an Stränden landen und nicht an anderen Küsten, fragt er. Daran kann es also nicht liegen. Sie können auch nicht auf den Strand „gejagt“ worden sein, denn häufig sind es die Jäger selbst, Mörderwale zum Beispiel, die auf dem Trockenen enden. Er gelangt letztlich zu der Folgerung, dass strandende Wale nur kranke Tiere sein können, die, zu schwach zum Schwimmen und somit dem Ertrinken nahe, ihrem Leben hier ein relativ leichtes Ende zu setzen suchen. Massenstrandungen – 835 Tiere bei Mar del Plata (Argentinien) im Jahre 1946! – erklären sich nach seinen Recherchen aus dem Herdenverhalten der Wale, die den Notsignalen eines sterbenden Artgenossen bis in den eigenen Tod folgen.
In der Tat waren die vielbeachteten Bemühungen, gestrandete Wale mit großem Aufwand wieder ins Freie zu bugsieren, nur in den seltensten Fällen von Erfolg gekrönt. Gelang es einmal, einen tonnenschweren Koloss „abzubergen“, so rannte das Tier entweder erneut gegen den Strand an, oder aber es verschwand, wahrscheinlich gleichbedeutend mit Ertrinken. Ellis verdammt die so „selbstlosen“ Großaktionen deshalb als unbotmäßige Eingriffe in natürliche Abläufe und fordert, man solle gestrandete Wale in Frieden sterben lassen, denn nach nichts anderem stünde ihnen der Sinn. Vielleicht sollte man sich, falls auf einem holländischen Inselstrand wieder einmal ein Wal auf dem Trockenen liegt, diese Überlegung zu eigen machen, statt etwa untätig dabeistehende Küstenwächter und andere Amtspersonen in Grund und Boden zu verdammen.

Exkurs: Der Schatz der Lutine

Man erwähne gegenüber einem Kenner der See und Liebhaber von Gold- und Schatzgeschichten das Wort Terschelling, und der Name der Lutine wird als nächstes fallen. Es handelt sich um eines der berühmtesten und legendärsten Schatzschiffe aller Zeiten.
Im Jahre 1785 wurde La Lutine – „der Quälgeist“ – in Toulon gebaut und dort acht Jahre später von französischen Royalisten an die Engländer übergeben, damit sie nicht in die Hände der aufständischen Jakobiner fiel. Ab Sommer 1799 war das Schiff in Yarmouth stationiert.
In diesem Jahr flammt über Europa die Fackel des Krieges, die napoleonische Geißel peitscht den Kontinent. Britische Kaufleute in der reichen Hansestadt Hamburg geraten durch die französische Blockade an den Rand des Konkurses, ein dringender Geldnachschub ist umgehend erforderlich. Auf eine vereinbarte Anleihe hin stellt London 1,5 Millionen Pfund Sterling bereitwillig zur Verfügung; für den Transport wird die bewaffnete Fregatte Lutine abkommandiert. Anfang Oktober 1799 werden 1900 Gold- und Silberbarren, dazu zahlreiche Fässer und Kisten voll gemünzten Goldes auf das Schiff verladen, weiterhin Gerüchten zufolge 147.000 Pfund Besoldung für die Truppen auf Texel. Der deutsch-englische Kaufmann John Wienholt nimmt die Gunst der Stunde wahr, um 40.000 Pfund in Goldbarren mit auf die Reise zu schicken; der Prinz von Oranien steuert ein Kontingent Brillanten bei. Über die Assekuranzgesellschaft Lloyds schwer versichert, läuft die Lutine am frühen Morgen des 9. Oktober 1799 aus.
Noch am gleichen Abend um 22 Uhr ist die Reise zu Ende. In einem heulenden Orkan gerät die Lutine im Vliegat zwischen Vlieland und Terschelling auf die Sände und sinkt um halb drei am nächsten Morgen. Alle an Bord befindlichen Personen kommen dabei ums Leben.
Lloyds erstattet den Verlust, ohne mit der Wimper zu zucken. Schon zwölf Tage nach dem Untergang der Lutine geht eine Ersatzladung ab und kommt auch glücklich an. Und jetzt beginnt die Jagd nach dem gewaltigen Schatz ... Da sich die Niederlande einmal wieder zu diesem Zeitpunkt mit England im Kriegszustand befinden, wird sofort von Amts wegen Anspruch auf die Beute erhoben. Ein paar Fischern gelingt es, eine kleine Anzahl von Goldbarren zu bergen, dann versinkt das Schiff im Mahlsand. Zwischen 1800 und 1801 heben Berger 58 Gold- und 99 Silberbarren sowie 41.697 spanische Silbermünzen aus dem Wrack. Anno 1814 beginnt der Bürgermeister von Terschelling eine kostspielige Suchaktion. Amtlich bekannt gegebenes Resultat: 17 Münzen. 1838 gehen britische Taucher zu Werke; Erfolge werden keine vermeldet, obwohl Sachkenner vermuten, dass gerade in diesem Fall mit gezinkten Karten gespielt wurde. Zudem ist man ein paar Jahre später auf den Inseln erstaunlich liquide; neue Häuser werden gebaut. Offizielle Erklärung: keine. Im Sommer 1857 legt eine günstige Strömung das Wrack plötzlich wieder annähernd frei. Sofort beginnen erneute Unterwasserarbeiten. Die Taucher bergen einige Kanonen der Lutine, dann 44 Gold- und 64 Silberbarren sowie 15.028 spanische Münzen. Auch erscheinen ganze Horden von Fischern auf dem Plan. Was sie an Land ziehen, ist nicht verbucht. Zwei Jahre später bringen Taucher die Glocke der Lutine an die Oberfläche, die bis noch vor wenigen Jahren bei dem gebeutelten Unternehmen Lloyds jeden neuen Schiffsverlust einläutete. Im Jahr darauf wird das Ruder geborgen. Aus ihm lässt Lloyds einen kunstvoll verarbeiteten Tisch und einen Sessel fertigen.

Alle Texte aus: Nordseeinseln Holland von Roland Hanewald
Außerdem von Max Reitmeyer

Uhrzeit und Temperatur: Amsterdam

Angaben zur Entfernung: von Frankfurt/Main

Titelbild: © Roland Hanewald