»Eine der wichtigsten Reisen, die man unternehmen kann, ist die, bei der man das Ziel hat, jemand anders auf halben Weg zu begegnen.«
Norwegisches Sprichwort

Norwegen

Kongeriket Norge
Königreich Norwegen

19:17 h | 14 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
ca. 5 Millionen, davon etwa 40.000 Samen und 10.000 Finnen

Bevölkerungsdichte
16 Einwohner pro km²

Fläche
323.759 km²

Nord-Süd-Ausdehnung
ca. 1750 km

Ost-West-Ausdehnung
zwischen 6,3 und 430 km

Küstenlänge inkl. aller Fjorde
25.148 km

Anzahl der vorgelagerten Inseln
ca. 150.000

Anzahl der Stabkirchen
28

Hauptstadt
Oslo

Staatsform
Parlamentarische Monarchie

Hauptsprachen
Norwegisch (in zwei Schriftversionen), Samisch

Währung
Norwegische Krone (nkr)

Nationalfeiertag
17. Mai

Internationale Ankünfte/Touristen
5,2 Millionen (2009)

Flugdauer (Frankfurt – Oslo)
ca. 2 Stunden

Entfernung über Land
1307 km

Dies und Das

Natur

© Martin Schmidt

Wer an Norwegen denkt, denkt unweigerlich an Fjorde, Gletscher und die kahlen Hochebenen („Fjell“ bzw. „Vidda“ genannt) im Landesinneren. Fjorde sind tief ins Landesinnere reichende Meeresarme, entstanden durch die enormen Gletschermassen der Eiszeit, welche bereits bestehende Täler verbreiterten und verlängerten. Beim Rückzug des Eises waren viele Täler so weit abgesunken, dass sie unter dem Meeresspiegel lagen und mit Salzwasser voll liefen. Die Fjorde sind dort am tiefsten, wo der Gletscher einst am mächtigsten war, also im Landesinneren. So liegt z.B. der Grund des Sognefjordes bei Balestrand 1300m unter der Wasseroberfläche, während er kurz vor der Mündung in die Nordsee nur 20m tief ist.

Das Nordkap ist entgegen der gängigen Meinung nicht der nördlichste Punkt Europas. Trotzdem kommen jedes Jahr circa 200.000 Besucher hierher und erfüllen damit die Vorraussetzung für die (kostenpflichtige) Mitgliedschaft im Royal North Cape Club.

Lemminge

Diese Nagetiere stehen den Wühlmäusen nahe und sind ca. 8-15 cm lang. Sie machen sich in riesigen Zügen auf Wanderschaft; viele Mythen und Legenden haben sich dazu gebildet. Das meiste davon stimmt nicht, vieles kann aber auch heute noch nicht erklärt werden. Man vermutet Folgendes: Steigt die Population über ein bestimmtes Maß an, weichen die Tiere dem Bevölkerungsdruck aus und wandern los. Die Züge sind besonders auffällig beim skandinavischen Berglemming (Lemmus lemmus), da er nur bergab wandert und sich dadurch ein brodelndes Meer aus Lemmingen in den engen Tälern sammelt.

Essen

Der bräunliche Ziegenkäse geitost ist sehr beliebt, er schmeckt leicht karamellig und würzig. Im Gegensatz dazu schmeckt der gamalost (alter Käse) so streng, dass selbst die meisten Norweger nicht verstehen, wie man so etwas verzehren kann …

Insgesamt ist die norwegische Küche deftig und greift auf die natürlichen Ressourcen des Landes zurück. Elch und Rentier sind ebenso auf der Speisekarte zu finden wie Schneehuhn und Fisch jedweder Art.

Reisezeit

© Thorsten Altheide

Für den Sommerurlaub eignet sich die Zeit von Mitte Juni bis Ende August, wobei es Ende Juni/Anfang Juli am längsten hell ist, nördlich des Polarkreises die Mitternachtssonne scheint und Mitte August die wenigsten Touristen unterwegs sind. Hauptreisezeit ist der Juli, und auch dann sind nur wenige Regionen wirklich überlaufen.

Im Winter eignet sich besonders der März. Es ist recht lange hell, und die Temperaturen liegen bei erträglichen minus 5 bis plus 5 Grad, und das bei sehr guten Schneeverhältnissen. Bei einer Winterreise ist zu beachten, dass einige Pässe dauerhaft oder zeitweise gesperrt sind. Viele Landschaften haben gerade im Winter ein „zweites Gesicht“ und gewinnen zusätzlich an Reiz (z.B. Hardangerfjord und obere Valdres).

Mitternachtssonne und Polarnacht

Durch die Schrägstellung der Erdachse kommt es nördlich der geografischen Breite von 66,5° (Polarkreis) zum sommerlichen Phänomen des 24-Stunden-Tageslichtes. Zur Zeit der Sommersonnenwende, am 21.6., ist es am Polarkreis genau einen Tag und eine Nacht lang hell. Je weiter nördlich man reist, umso länger dauert die Zeit des Dauerlichtes. In Bodø scheint die Mitternachtssonne vom 4.6. bis 8.7., auf den Lofoten vom 28.5. bis zum 15.7. Natürlich kommt es im Winter dann auch zum umgekehrten Phänomen, was speziell für die Lofoten heißt, dass vom 5.12. bis 7.1. die Dunkelheit regiert. Allein um die Mittagszeit dämmert es ein klein wenig.

Hinzu kommen in dieser Jahreszeit die Farbspiele des Polarlichtes. Der flackernde Lichtschein entsteht am Firmament durch elektrisch geladene Teilchen, die von der Sonne ausgesandt werden und die nur im Bereich der Pole in die Atmosphäre eindringen können. Dort werden sie durch Sauerstoffatome zum Leuchten gebracht. Es entfaltet sich dann ein magisches Schauspiel aus grünen, goldenen und roten Bändern und Formationen. Zu sehen ist das Polarlicht, bei klarem Himmel, recht häufig nördlich des Polarkreises. In Südnorwegen jedoch nur noch an etwa 30 Tagen im Jahr, wobei natürlich während der Sommermonate aufgrund der Helligkeit nichts erkennbar ist.

Religion

Circa 80% evangelische Lutheraner, 1% Katholiken, 1,5% Muslime u.a.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

Verständigung

ja – ja

nei – nein

Hei! – Hallo!

Hva heter du? – Wie heißt du?

Jeg heter … – Ich heiße …

Hvor kommer du fra? – Wo kommst du her?

Jeg kommer fra … – Ich komme aus …

Hvordan går det? – Wie geht es dir?

Det går bra. – Es geht gut.

takk – danke

vær så god – bitte

Unnskyld! – Entschuldigung!

Kleine Sprachhilfe
Kauderwelsch Norwegisch, Band 30

Links die weiterhelfen

www.norwegeninfo.net

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.de | www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Visum: www.norwegen.no

Fremdenverkehrsamt: www.visitnorway.de

Deutsche Botschaft: www.oslo.diplo.de

Reise- und Gesundheitsinformationen: www.crm.de

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

Dos and Dont's

Es ist in Norwegen üblich, sich zu duzen und dabei den Vornamen zu verwenden. Zur Begrüßung reicht meist ein einfaches „Hei“. 

Gespräche leitet man am einfachsten mit Bemerkungen über das Wetter ein: Da kann man nie etwas falsch machen. Ansonsten sind Bescheidenheit und ein wenig Zurückhaltung angesagt. Auch sollte man nicht zu sehr am Lande herumnörgeln. Der Norweger selbst spricht öfter recht selbstkritisch, ja fast masochistisch, über seine Heimat, vom Touristen hört man jedoch am liebsten nur nette Sachen.

Betritt man die Wohnung eines Norwegers, zieht man immer die Straßenschuhe aus, egal wie sauber diese auch sein mögen. Zur Begrüßung sind kleine Mitbringsel gern gesehen. Kommt es zu einem gemeinsamen Essen, so gilt es als höflich und fein, sich an schließend mit „Takk for maten“, „Danke für das Essen“ zu bedanken. In jedem Falle angebracht ist es, sich recht häufig mit einem „Takk“ für alles mögliche zu bedanken, und sei es für das Knöllchen am falsch geparkten Auto …

Exkurs: Der Streit um das richtige Norwegisch

Mit dem Unionswechsel anno 1814 und der innenpolitischen Selbstständigkeit des Landes stellte sich auch die Frage nach einer eigenen Sprache. Zwar hatten auf dem Lande die norwegischen Dialekte überlebt, in den größeren Orten und Städten war jedoch Dänisch Amtssprache. Ivar Aasen aus Volda in Westnorwegen wollte dies ändern. Mitte des 19. Jh. begann er, altnorwegische Wörter zu sammeln und zu einer neuen Schriftsprache zusammenzufügen. Diese sollte die Bauerndialekte unterstützen und konservieren helfen. Die neue Sprache nannte er Landsmål, Landes- oder ländliche Sprache. Das Landsmål war jedoch in den Städten nicht wohl gelitten und so kam es unter Knud Knudsen zu einer „Gegenreformation“. Knudsen begann, das Dänische zu norwegisieren und so eine moderne Landessprache zu schaffen. Diese nannte er Riksmål, Reichssprache. Da eine Vereinigung beider Schriftsprachen scheiterte, wurden diese immerhin einander etwas weiter angepasst und im Zuge dessen in Nynorsk, Neunorwegisch, und Bokmål, Buchsprache, umbenannt. Bokmål ist heute die dominante Schriftform und wird von ca. 85 % der Bevölkerung verwendet. Beachtenswert ist, dass es sich hierbei nur um Schriftsprachen handelt, gesprochen wird Dialekt. Dieser kann jedoch dem Bokmål ähneln, so in Ostnorwegen, oder dem Nynorsk, was meist in Westnorwegen der Fall ist.

(CT Oslo, S. 45)

Exkurs: Die Trolle

Früher als in der Ebene verschwindet die Sonne. Blutrot versinkt sie hinter den Felsgiganten. Entfacht ein himmlisches Feuer, das recht bald in graublauer Finsternis erstickt. Nebel zieht auf. Der Wald bekommt Augen. Wolken bilden Schaumbärte. Die runden Berge verschwimmen zu greisen, mächtigen Trollen. Der Riesen Zepter ist eine umgestürzte Fichte, ihr Reich beginnt gleich hinter dem letzten Haus. Dort, direkt hinter dem Zaun, liegt die unnahbare, düstere Heimat des Waldtrolls (Skogtroll), eines furchtbaren Gesellen mit Haaren aus Moosen und langen Flechten; und da, unmittelbar nebenan, im kleinen Teich mit seinem grünen Überzug aus Entengrütze und Seerosen das ewig finstre Heim des hinterlistigen Nøkk. Schon manch arme Seele, die, angelockt von seinen golden funkelnden Augen, zu nah ans Ufer trat, riss er in die Tiefe. Dagegen ist sein Nachbar, der hinter Wasserfällen hausende Fossegrimen, geradezu nett, denn ihn hört man nicht selten zum dumpf rauschenden Wasser mit seiner zarten Fidel eine Erdensymphonie komponieren. Gefährlicher ist da schon der Draugen. Er haust im Meer, erscheint in Gestalt der in den Fluten Ertrunkenen und kündet so von Unheil und Tod. Auf andere Art nimmt die Huldra, ein weiblicher Troll, die Menschlein für sich ein. Ihrem Werben und ihrer unsagbaren Grazie kann kein Mann widerstehen. Allein, ihre Schönheit verunstaltet ein Pferdeschwanz, welchen sie nur verlieren kann, so ein sicher tragischer Held mit ihr den Bund der Ehe einginge. Das hässliche Gegenteil zur Huldra sind die mürrischen, launischen und nicht selten, oh Graus, mehrköpfigen Bergtrolle. Ihre Heimat ist das raue Trollheimen, das sie von Zeit zu Zeit über den Trollstigen, die Troll-Leiter, verlassen. Da heißt es auch am Tage aufgepasst! Nur allzu leicht verscherzt man es sich mit einem solchen Bergriesen. Aber sein Gemüt ist schlicht, und ein einfaches Steintürmchen erwärmt sein kaltes Herz. Auch kann es sein, dass er Milde walten lässt, da er sich gerade auf einer viele Tausende Jahre dauernden Reise nach Jotunheimen ins Reich der Jotun-Trolle befindet, wo im golden glänzenden Soria-Moria-Schloss eine, vielleicht ja seine, überschwengliche Hochzeit stattfinden soll. Ob zu dieser auch die Nisser eingeladen werden, ist fraglich, sind sie doch wesentlich kleiner und – ziemlich allein auf weiter Troll-Flur – dem Menschen wohl gesonnen. Sie helfen in Haus und Hof, bei der Arbeit und bringen zu Weihnachten die Gaben. Aber wehe man ärgert sie oder man vergisst ihnen am Weihnachtsabend als Dank für getane Arbeit die Weihnachtsgrütze vor die Tür zu stellen! Schnell brennt da die Scheune! Auch auf die Nisser der Nachbargehöfte sind sie nicht gut zu sprechen: Da gibt es nachts ein emsig Zanken und Streiten …

Exkurs: Die Wikinger

Die „Nordmänner“, wie die Wikinger auch genannt wurden, waren ursprünglich Bauern, die an den Küsten Skandinaviens lebten. Heute geht man davon aus, dass die Wikinger aufgrund widriger Lebensumstände ihre Heimat verließen, um im wohlhabenden und klimatisch angenehmeren Mitteleuropa zu siedeln. Geschichten über leicht zu erbeutende Reichtümer lockten viele der ärmlich lebenden Skandinavier auf Schiffe, um ihr Glück auf Raubzügen in der Ferne zu suchen. Die Wikinger plünderten an fremden Küsten und in fremden Flüssen und waren dabei nicht zimperlich. Als „Wikingerzeit“ wird die Zeit zwischen 517 und 1066 angesehen. Aufgrund der überlegenen Fähigkeiten im Schiffsbau waren die Wikinger gefürchtet. Ihre Schiffe waren schnell und wendig und somit ideal, um auf Raubzügen Angst und Schrecken zu verbreiten. Wie aus dem Nichts tauchten die Drachenschiffe auf und ebenso schnell verschwanden sie wieder. Christliche Mönche beschrieben angsterfüllt die grausamen Übergriffe der Wikinger auf reiche Klöster und Städte. Die Nordmänner stürmten vorwärts, die festgefügten Gemeinschaften terrorisierend, die zwar an Krieg gewöhnt waren, nicht aber an die Überraschungstaktik der Wikinger.

Aber die Wikinger waren mehr als nur „wilde Barbaren“ aus dem Norden. Sie waren kluge Händler, geschickte Seefahrer, ausgezeichnete Handwerker und Schiffsbauer. Sie handelten Waren bis nach Bagdad und kamen auf ihrer Landsuche bis nach Amerika. Und sie konnten bereits damals perfekte Glaslinsen schleifen. Die aus Bergkristall gefertigten Stücke, die auf den ersten Blick aussehen wie Schmucksteine, waren Meisterwerke der Optikerkunst. Man hätte sicher Fernrohre daraus anfertigen können, vermutlich aber wurden sie nur zum Entfachen von Feuer oder zum Ausbrennen von Wunden verwendet. Unübertroffen waren die Nordmänner aber im Bau ihrer sagenhaften Drachenschiffe, mit denen sie bis nach Amerika segelten. Zwei Exemplare kann man im Wikingermuseum in Oslo betrachten. Allerdings trugen die Wikinger keinen Helm mit Hörnern, wie er in zahlreichen populären Darstellungen auftaucht.

(WoMo-Tourguide S. 49)

Alle Texte aus: Reise Know-How Norwegen von Martin Schmidt, CityTrip Oslo von Martin Schmidt, Skandinavien – der Norden von Frank-Peter Herbst und Peter Rump sowie Die schönsten Routen durch Südnorwegen von Werner K. Lahmann.

Uhrzeit und Temperatur: Oslo

Titelbild: Thorsten Altheide.