Der Himmel Cuscos ist wie seine Frauen – völlig unberechenbar
(peruanisches Sprichwort)

Peru
República del Perú

17:52 h | 17 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl:
Knapp 30 Mio.

Bevölkerungsdichte:
22 Menschen pro km²

Fläche:
1.285.220 km²

Hauptstadt:
Lima

Staatsform:
Semipräsidentielles Regierungssystem

Hauptsprachen:
Spanisch, Quechua und Aymara

Währung:
Nuevo Sol PEN)

Nationalfeiertag:
28. Juli

Internationale Ankünfte/Touristen:
Jährlich knapp 3 Millionen Besucher

Flugdauer:
Frankfurt – Lima mit einem Stopp gut 15 Stunden

Dies und Das

Natur

© Sandra Wolf

Peru prägen drei signifikant unterschiedliche Landschaftsräume: Costa (Küste), Sierra (Andenhochland) und Selva (Amazonastiefland). Ein schmaler, wüstenartiger Küstenstreifen zieht sich über 3000 Kilometer am Pazifik entlang, der vor allem von April bis November trostlos ist, wenn die garúa, der Küstennebel, alles in depressives Grau hüllt. Verantwortlich dafür ist der Humboldtstrom, der als kalte Meeresströmung von Süden nach Norden an Perus Küste entlang fließt und die warme Pazifikluft abkühlt, die dann zu Nebel kondensiert.

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Obgleich Peru meist als Andenstaat bezeichnet wird, nimmt die Sierra tatsächlich nur etwa ein Drittel der Landesfläche ein. Die Anden, das längste Kettengebirge der Welt, ziehen sich von Patagonien bis hinauf nach Venezuela, mit Gipfeln über 6000 Metern. Der höchste Berg Perus ist der 6768 Meter hohe Nevado Huascarán. Zwischen den östlichen und westlichen Andenketten, den Kordilleren, erstreckt sich das Hochlandbecken des Altiplano mit einer Durchschnittshöhe von etwa 3500 Metern. Hier lebt der Großteil der andinen Bevölkerung.
An ihrem Ostrand fallen die Anden über Bergnebelwälder in das Tiefland des Amazonas ab. Mit etwa drei Fünftel der Landesfläche nimmt die Selva („Urwald“) den weitaus größten Teil Perus ein. In dem riesigen Gebiet lebt aber lediglich ein Zehntel der peruanischen Bevölkerung, es gibt nur wenige Straßen. Haupttransportwege sind die großen Flüsse, wie z.B. der Río Ucayali und der Río Marañón, beide vereinigen sich bei Iquitos zum Amazonas. Die Selva wird von unermesslichen Regenwäldern geprägt, wobei heute der sekundäre Regenwald immer mehr überwiegt, der nach der Abholzung und Brandrodung des Urwalds entstanden ist.

Tiere

In der Sierra haben Kleinkamel-Arten ihren Lebensraum, wie Lama, Alpaka oder Vicuña. Wo Lamas leben, tummeln sich auch die possierlichen Viscachas (Hasenmäuse), die zur Familie der Chinchillas gehören. Andengänse schnattern durch kristallklare Luft und locken Andenfüchse an. In diesen hoch gelegenen Regionen leben auch Tarukas (Andenhirsche), die in entlegenen Gebieten von vereinzelten Pumas (Berglöwen) bedroht werden. Kondore sieht man nur selten aus nächster Nähe, sie haben sich tief in die Berge zurückgezogen. Diese mächtigen Vögel zählen mit bis zu drei Metern Flügelspannweite zu den größten überhaupt. Von den mit Panzern aus Hornplatten geschützten Gürteltieren gibt es in Südamerika weit über ein Dutzend Arten. Das größte ist das rund einen Meter lange Riesengürteltier.

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Im Bergnebelwald schwirren noch sehr viele bunte Kolibris, darunter besonders in den hohen Andenregionen auch Riesenkolibris. Ab und zu schleicht ein Brillenbär oder Bergtapir durchs Unterholz, und dazwischen die Wollhaarbeutelratte, eine Art Opossum. Im Nebelwald kann auch das Wappentier Perus, der Tunqui bzw. Anden-Klippenvogel oder Roter Felsenhahn beobachtet werden.
Auch in der Selva begegnet man einer Fülle von Vogelarten, die bekanntesten sind Papageien, Aras, Tukane und Stärlinge, deren Nester keulenförmig an den Bäumen hängen. Und zwischendrin tummeln sich über 3000 farbenprächtige Schmetterlingsarten, schleichen die letzten Jaguare und Ozelote auf Beute durch die „Grüne Hölle“.
An der Costa trifft man riesige Kolonien von Seevögeln, darunter Meerespelikane, den Guano-Kormoran und den Peruanischen Tölpel, die den Guano-Mist produzieren, einen ausgezeichneten Dünger. Bemerkenswert ist der Fischreichtum in den peruanischen Küstengewässern. Auf den vorgelagerten Küsteninseln teilen sich Pinguine, Robben, Seelöwen und ab und zu auch See-Elefanten die begehrten Trockenplätze an der Sonne.

Essen

© Sandra Wolf

Die peruanische Küche basiert vielfach auf traditionellen Rezepten aus der Inkazeit, manche Gerichte sind noch älter. Deshalb trägt die Küche Perus viel zur nationalen Identität bei und wurde zum nationalen Kulturerbe erklärt. Perus wohl erfolgreichster Exportschlager aller Zeiten ist die Kartoffel, die im 17. Jahrhundert die Ernährung in Europa grundlegend veränderte. Die Kartoffel als das wahre Gold der Inka zu bezeichnen, scheint nicht übertrieben, denn heute übersteigt der Wert der jährlichen Weltkartoffelernte bei weitem den der Gold- und Silberbarren, die aus dem Reich der Inka nach Spanien gelangten. Im Hochland gibt es die weltweit größte Vielfalt mit vielen Hundert Sorten in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen, die, so scheint es manchmal, in ebenso vielen Varianten zubereitet werden.

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Das wichtigste Grundnahrungsmittel in den Anden ist jedoch der Mais, den übrigens bereits die Inka zu Popcorn verarbeiteten. Überall in Peru wird er in kleinen Garküchen am Straßenrand angeboten. Anticuchos, Spieße mit dünnen Rinderherzscheiben, mariniert in Essig und Bier und über einem Holzkohlefeuer gebraten, werden gerne als Vorspeise gereicht. Auf den Speisekarten der Restaurants finden sich Meerschweinchenbraten, Alpaka-Steaks und Cabrito al horno, gebackenes Zicklein, dazu gibt es selbst gemachten Andenhochlandkäse. Lecker sind auch gefüllte Avocados (Palta rellena).
Fast alle Gerichte und Soßen (salsas) werden mit aji zubereitet, der orangefarbenen peruanischen Chilischote (Hauptanbaugebiet ist die nördliche Küstenregion), entweder bereits in der Speise oder auch noch zum Nachwürzen – ein scharfes Vergnügen.
Die altüberlieferten Getreidearten Perus wie Quinoa waren fast in Vergessenheit geraten. Das sehr proteinhaltige Getreide diente schon den Stafettenläufern der Inka als Proviant. Erst seit neuester Zeit wird es wieder angebaut und zum Brotbacken verwendet oder als schmackhafte Suppe gereicht. Eine Spezialität an der Küste ist Cebiche, rohe Fischstücke in Limettensaft mit Zwiebeln und Aji, während in den Urwaldgebieten Tacacho, „Urwaldknödel“ aus Kochbananen, Speck und Maniok gegessen werden. Und überall im Land gibt es tropische Früchte zu kaufen, die frisch oder zu Säften gepresst, köstlich schmecken.

Reisezeit

Für die Andenregionen ist die ideale Reisezeit April bis Oktober, für die Küste November bis März. Im Amazonastiefland ist von November bis April mit den meisten Niederschlägen zu rechnen, was kein Nachteil sein muss. Denn dann sind die Flüsse voller Wasser und erleichtern das Erkunden des Primär- und Sekundärwaldes mit kleinen Booten.

Religion

© Sandra Wolf

Mit den spanischen Konquistadoren kam auch die katholische Kirche ins Land und mit der territorialen Eroberung des Inkareiches fand zugleich die geistige Unterwerfung statt. Doch der mit Gewalt aufgezwungene christliche Glaube vermochte nicht, die ältere kosmo-religiöse Welt der Urbevölkerung auszulöschen. Zahlreiche prähispanische Glaubenselemente und Göttervorstellungen fanden Eingang in den andinen Katholizismus. Entstanden ist ein christlich-animistischer Mischglaube, in dem oft noch Magie und Geistergläubigkeit eine Rolle spielen. Im Mittelpunkt des Alltagsglaubens stehen die Patronatsfesttage der Kirchenheiligen, die aber meist eine Doppelbedeutung haben, während christlicher Feste und Feiern werden gleichzeitig alte Rituale und Opfer zelebriert.

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Heiler und Schamanen: In allen altamerikanischen Kulturen hatten Priester, Heiler und Schamanen eine hohe Machtstellung inne. Sie allein wussten um die Geheimnisse über Religion, Wissenschaft und Heilkunde, sie bildeten die Brücke zur Welt der Götter und Geister, und noch heute werden sie in Peru um Rat gefragt. Peruanische curanderos sind hauptsächlich indigener Abstammung und bewahren das uralte, überlieferte medizinische Wissen ihrer Region. Je nach Wissen und Können bewegen sie sich im weiten Feld zwischen ärztlicher Kunst, spirituell-magischen Ritualen, Magie und medizinisch wirksamen Heilpraktiken. Immer wieder werden Patienten von Schulmedizinern, die mit ihrem Latein am Ende sind, an curanderos überwiesen, und oft gelingt diesen die Heilung.

Tipps

Links die weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.de | www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Fremdenverkehrsamt: www.peru.info, www.promperu.gob.pe

Deutsche Botschaft: www.lima.diplo.de

Reise- und Gesundheitsinformationen: www.crm.de

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

Dos and Don'ts

Peru ist ein armes Land, der Großteil der Menschen lebt unter einfachsten Bedingungen. Reiche Besucher aus dem Ausland bringen einerseits die dringend benötigten Devisen, andererseits greift der Tourismus auch in die überkommene Kultur ein. Deshalb ist es wichtig, sich auf seiner Reise den Landessitten anzupassen. Kleiden Sie sich nicht zu auffällig, fotografieren Sie Menschen nicht ungefragt aus nächster Nähe. Geben Sie einem bettelnden Kind nichts, denn es geht nicht zur Schule, wenn es mit Betteln gut verdient. Stellen Sie sich darauf ein, dass nicht immer alles so schnell und reibungslos klappt wie Sie es von Europa gewohnt sind – in Peru ticken die Uhren anders. Wenn Sie nun noch ein paar Brocken Spanisch lernen und die Bevölkerung nicht als „Indios“ bezeichnen, was diese als Beleidigung versteht, so wird man Ihnen überall freundlich und aufgeschlossen begegnen.

Exkurs: Pachamama

Ob die Ernte gut ausfällt, die Viehzucht gelingt und die Familie gesund bleibt, hängt vom Segen Pachamamas, der Erdgöttin, ab. Dieser Glaube ist in der andinen Bevölkerung bis heute erhalten geblieben. Bevor ein Bauer das Feld bestellt, bittet er mit traditionellen Riten und Opfergaben die Mutter Erde um Verzeihung für die Verletzungen, die er ihr zufügen wird. In aufwendigen Zeremonien gehen die Bauern mit Fackeln eine ganze Nacht auf ihrem Feld herum, streuen Cocablätter aus, vergraben Lamaföten und verbrennen das, was sie sich an materiellen Gütern wünschen, in Form von Miniaturen aus Zucker. Die Gaben sind Ausdruck höchster Achtung und gleichzeitig ein Handel: Soll Pachamama ihren Segen geben, so muss gut für sie gesorgt werden, denn die Götter sind nicht gnädig, sondern gerecht. Dabei sind über die Jahrhunderte Pachamama und die Jesusmutter miteinander verschmolzen. So heißt es im Glaubensbekenntnis der Aymara: „Ich glaube an Maria, welche die Mutter aller Menschen ist, was auch für Pachamama gilt.“

Aus: „Peru kompakt“ von Katharina Nickoleit und Sandra Wolf

Uhrzeit und Temperatur: Lima

Titelbild: © Juan Carlos Rojas