»Um an die Quelle zu kommen, muss man gegen den Strom schwimmen.«
»By dojść do źródła, trzeba płynąć pod prąd.«
Stanisław Jerzy Lec

Polen
Rzeczpospolita Polska
Republik Polen

01:11 h | 3 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl:
38.500.000

Bevölkerungsdichte:
123 pro km²

Fläche:
312.685 km2 (Weltrang 69)

Hauptstadt:
Warszawa (Warschau)

Staatsform:
Parlamentarische Demokratie

Hauptsprachen:
Polnisch

Währung:
Złoty (Zł)

Nationalfeiertag:
03. Mai

Flugdauer:
890,16 km ≈ 1 Std.

Entfernung über Land:
1.088 km

Anzahl der Seen:
9.300

Höchstes Sakralgebäude
Basilika der Muttergottes von Licheń, 136 m

Älteste Kneipe Europas:
Schweidnitzer Keller, Breslau (700 Jahre)

Bernsteinverarbeitung in Danzig:
Über 200 Unternehmen

Bernsteinvorräte:
Geschätzte 12.000 t

Längster hölzerner Seesteg der Welt:
Die Mole von Sopot (Zoppot) mit über 500 m

Seeadler-Horste in Nordpolen:
Ca. 140

Dies und Das

Natur

Polen gliedert sich in vier Landschaftszonen: Auf die Ostseeküste folgen nach Süden der Baltische Höhenrücken, dann die zentrale Tiefebene und eine stetig ansteigende, imposante Gebirgslandschaft. Wald bedeckt fast ein Drittel der Landesfläche. Die vorherrschende Baumart ist die Kiefer, gefolgt von Laubarten wie Eiche, Buche, Birke und Linde. Polens legendäre Pilze wachsen hier, darunter Steinpilz, Pfifferling und Morchel. Polen besitzt eine große Zahl einzigartiger Natur- und Wildnisgebiete, die anderswo in West- und Mitteleuropa oft längst verschwunden sind. Ein Drittel der polnischen Landesfläche steht unter Naturschutz in insgesamt 23 Nationalparks, gut 1350 Naturreservaten, 120 Landschaftsschutzparks, über 400 Landschaftsschutzgebieten und knapp 6500 ökologischen Nutzflächen.

Tiere

Der Wald, vor allem die großen zusammenhängenden Flächen im Osten, bieten zahlreichen in Westeuropa ausgestorbenen bzw. bedrohten Tieren einen Lebensraum: Der Wisent, das größte Säugetier des alten Kontinents, kann dank intensiver Nachzucht wieder auf freier Wildbahn leben: 500 dieser zotteligen Tiere bevölkern die Wälder an der Grenze zur Ukraine und zu Weißrussland. Polens Wölfe haben schon Schlagzeilen gemacht, weil sie in Rudeln die Grenze nach Deutschland passierten. Weniger beweglich sind Braunbären und Luchse, die vor allem in den Waldkarpaten leben. Außerdem gibt es an die 20.000 Biber, wilde Tarpanpferde und Elche, daneben „normales“ Wild wie Hirsch, Reh und Fuchs. Für Vogelbeobachter ist Polen längst kein Geheimtipp mehr, in Südpolen kommen sie vor allem im Polesie-Nationalpark nordöstlich von Lublin auf ihre Kosten. Den Storch sieht man überall: je weiter man gen Osten fährt, desto häufiger.

© Kristine Jaath

Reisezeit

Für Wintersportler ist die Zeit zwischen Weihnachten und Ostern am besten, als schneesicher gilt der Februar.  Wanderer kommen vor allem im Mai und Juni sowie im September; besonders farbenprächtig sind die Wädder im Frühherbst. Städte wie Breslau und Krakau lohnen zu jeder Jahreszeit einen Besuch. Während der Schulferien ist es in den traditionellen Urlaubsorten schwierig, spontan eine billige Unterkunft zu finden; auch Sportagenturen und Verleihstellen sind in dieser Zeit gut gebucht. Wer es einrichten kann, sollte in der Vor- und Nachsaison reisen: Viele Hotels in den Bergen stehen dann leer und man zahlt einen deutlich günstigeren Preis. Doch aufgepasst: In den Städten ist es anders! Dort sind während der Sommerferien Mittelklasse- und Luxushotels nur schwach gefüllt und gewähren Preisnachlass; knapper ist das Angebot in den Monaten Mai, Juni und September!

Essen

© Izabella Gawin

Die Polen lieben das lange und genussvolle Speisen. Jede sich bietende Gelegenheit nutzen sie, um einen Festschmaus zu bereiten. Und was da aufgefahren wird, kann sich sehen lassen: gemäßtetes Federvieh, Wildbret und Spanferkel, dazu Teigwaren und Sahnesoßen, zwischendurch immer wieder ein Wodka und am Ende eine Staffel Desserts. Suppen, wie beispielsweise auch der Klassiker Borschtsch (barszcz), rangieren auf der Beliebtheitsskala ganz oben. Sie sind mild und pikant, herzhaft und süß. Einige haben exotische Zutaten wie Sauerampfer, saure Gurke und Sauermehl, andere werden aus Rüben und Kräutern gemixt.

weiter

In Polen gibt es eine Vielfalt von Klößen, Nockerln, Fladen und Plinsen, die rund und rechteckig, süß und salzig sein können. Zur Familie der Teiggerichte gehören auch die Piroggen (pierogi), die mit den schwäbischen Maultaschen verwandt sind.
Tipp: In der staatlich subventionierten Milchbar kann jeder satt werden: ein dreigängiges Menü kostet nicht mehr als zwei oder drei Euro.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

tak
ja

nie
nein

dobrze
gut

proszę
bitte

dziękuję
danke

Nie rozumiem
Ich verstehe kein

po polsku.
Polnisch.

Cześć!
Hallo!, Tschüss!

Do widzenia!
Auf Wiedersehen!

Przepraszam!
Entschuldigung!

Kleine Sprachhilfe
Kauderwelsch Polnisch, Band 35

Links die weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.de | www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Deutsche Botschaft: www.warschau.diplo.de

Fremdenverkehrsamt: www.polen.travel/de

Barrierefreiheit und Zugänglichkeit: www.turystykadlawszystkich.pl

Reise- und Gesundheitsinformationen: www.crm.de

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

Dos and Don’ts

Bier trinkt man in Krakau besser nicht im Park oder auf der Straße. Der Genuss alkoholischer Getränke in der Öffentlichkeit ist nämlich verboten und wird mit bis zu 100 Złoty bestraft. Und dieses Verbot wird auch unerbittlich durchgesetzt – Unwissenheit oder das Touristendasein schützen nicht vor Strafe. Ähnlich streng sind die Ordnungshüter beim Ignorieren roter Ampeln – auch Fußgänger müssen hierfür Bußgelder zahlen. Daher stehen die Polen auch dann oft brav an der Ampel, wenn weit und breit kein Auto in Sicht ist.
Wer in Polen zur Toilette geht, wird schnell vor einem verflixten Problem stehen: Welche Tür soll ich nehmen. Die Piktogramme an der Tür sind dabei wenig hilfreich, denn sie zeigen einen Kreis und ein Dreieck – aber welches Zeichen steht für welches Geschlecht? Am besten auf einen Zettel schreiben und immer bei sich tragen: Für Frauen gilt der Kreis, für Männer das Dreieck.
Polenwitze erzählt man besser nicht. Die meisten Polen kennen sie sowieso schon und finden sie nicht besonders lustig. Noch fataler jedoch wäre ein Witz über den verstorbenen Papst Johannes Paul II.– das ist ein absolutes Tabu!
Im Restaurant kann der Gebrauch des Wortes dziękuję (danke) gefährliche Konsequenzen haben. Lässt sich der Kellner das Geld geben, so lassen Sie sich auf keinen Fall hinreißen, ein „Danke“ zu flüstern – es würde als Signal gedeutet, dass Sie kein Geld zurück wollen! Sagen Sie also proszę (bitte sehr) und lassen Ihr Portemonnaie geöffnet, damit der Kellner sieht, dass Sie noch etwas erwarten.

 

Exkurs: Um jede Ecke lugt ein Zwerg

Ein Gnom grüßt vorbeihastende Passanten, bevor sie in die Unterführung an der ul. Świdnicka abtauchen. Ein paar Schritte weiter schiebt ein Zwerg eine Kugel, die sein Kumpane blockiert. Am Eingang zur Touristeninfo stolpert man über einen Winzling mit Kamera und Reiseführer, vor der Bar „Polnische Volksrepublik“ über einen Mini-Lenin. Die witzigen Figuren sind nur einige von über einhundert über die Stadt verstreuten Zwergen.
Mit ihren Pendants aus dem Gartencenter haben sie wenig gemein: Sie sind aus Bronze gegossen und einfarbig, auch grinsen sie eher höhnischhämisch als lieb und nett. So beliebt sind sie, dass stets neue dazu kommen und man mittlerweile auf ihren Spuren wandeln kann – einen entsprechenden Stadtplan erhält man in der Touristeninformation. Doch was sollen all die Zwerge? So fragt sich manch ein Besucher. Die Antwort: Sie erinnern an die „Orange Alternative“, die in der Zeit des Kriegsrechts (1983–1984) durch skurrile Happenings von sich reden machte. Ihre Provokation bestand in anarchischer Übersteigerung: 1. Maifeiertag, ja, dann aber mit so vielen roten Fahnen, dass einem schwindelte. Am „Tag der polnischen Armee“ und an hohen kirchlichen Feiertagen bekamen selbstverständlich auch der polnische Nationalismus und der Katholizismus ihr Fett ab. Die Geschichte der „Orangen Alternative“ wird auf dieser Website bildlich nachgezeichnet: www.pomaranczowaalternatywa.republika.pl. Und auf www.krasnale.pl findet man eine Karte, auf der die wichtigsten Zwergenquartiere verortet sind.

Aus: Polen der Süden von Izabella Gawin, Polen Ostseeküste und Masuren von Kristine Jaath, CityTrip Breslau von Izabella Gawin, CityTrip Krakau von Martin Brand und Robert Kalimullin, CityTrip Warschau von Markus Bingel und Katarzyna Jone

Uhrzeit und Temperatur: Warschau

Titelbild: © Izabella Gawin