»Das portugiesische Volk, ist im wesentlichen, kosmopolitisch. Nie war ein wirklicher Portugiese portugiesisch: Immer war er alles.«
Fernando Pessoa

Portugal

República Portuguesa

18:09 h | 21 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
10.460.000

Bevölkerungsdichte
113 pro km²

Fläche
92.345 km² (109)

Hauptstadt
Lisboa (Lissabon)
(Lissabon wurde jedoch nie in einem offiziellen Dokument zur Hauptstadt erklärt.)

Staatsform
Parlamentarisch Demokratie

Hauptsprachen
Portugiesisch

Währung
Euro

Nationalfeiertag
10.6.

Internationale Ankünfte/Touristen
7.503.000 pro Jahr

Tourismus
Portugal gehört zu den 20 am meisten besuchten Ländern der Welt.

Flugdauer
2 ¼ h

Entfernung über Land
2.308,86 km

Längste Brücke Europas
Ponte Vasco da Gama (Vasco-da-Gama-Brücke in Lissabon), 17185 m

Zweit älteste Stadt Europas
Lissabon

Grenze zwischen Spanien und Portugal
1300 km

Namensgebung
Nur traditionelle portugiesische Vornamen sind erlaubt.

Ältestes Büchergeschäft der Welt
In Lissabon (1732 eröffnet)

Weltweit größter Kork-Exporteur
etwa 70% des weltweiten Korkexports

Sklaverei
Erste Kolonialmacht, die die Sklaverei abschaffte.

Älteste diplo. Allianz der Welt
Zwischen Portugal und England seit 1373

Dies und Das

Natur

Die beiden klimatischen Zonen innerhalb Portugals beeinflussen das Vorkommen mediterraner und und westeuropäischer Arten. Grob unterteilt unterliegt die nördliche Landeshälfte westeuropäischen Einflüssen während im Süden die Flora des Mittelmeerraums vorherrscht. Oliven, Zitrusfrüchte und Palmen betonen den südlichen Landschaftscharakter. Im Norden trifft man hingegen Eichen, Edelkastaninen und Nadelbäume. Zudem wird die portugiesische Landschaft durch die weltweit größten Korkwälder geprägt. Wie für die Baumarten gilt auch für Blumen, Sträucher und Kräuter die klimatische Unterteilung.

© Friedrich Köthe

Tiere

Die auch aus west- und zentraleuropäischen Regionen bekannten Säugetiere wie Rot- und Schwarzwild, Füchse und Hasen sind weit verbreitet. In geschützten Regionen kommen auch Luchse und Wölfe vor. Aus Nordafrika stammen die Mangusten, deren bekannteste Vertreter Erdmännchen sind. Die Vogelwelt ist ebenfalls reich: Steinadler und Geier finden sich in den nördlichen Bergregionen. Weiß und Schwarzstörche besiedeln die Kirchtürme des Alentejo. Im Delta des Sado lebt außerdem eine Kolonie von Delfinen.

Essen

Portugals Küche ist deftig und bodenstädig. Frische, saisonal variierende Zutaten bestimmen den Speisezettel. Gerichte wie bacalhau (Stockfisch) – exakt 365 Rezepte solle es für den Trockenfisch geben – sardinhas (Sardinen) oder caldo verde (Kohlsuppe) finden Sie in unzähligen Variationen auf so gut wie jeder Speisekarte. Die Desserts sind meistens sehr süß: Arroz doce beispielsweise, Milchreis mit Zimt oder leite creme, die portugiesische Variante von Creme Caramelle.

Reisezeit

© Friedrich Köthe

Die beste Jahreszeit für eine Portugalreise ist abhängig von der Region und den geplanten Aktivitäten. Die Zeit von Juli bis September eignet sich am besten für Badeferien an der Algarve sowie entlang der Westküste. An den Atlantik sollte man wirklich nur im Hochsommer fahren. Hier gilt die Faustregel je weiter nördlich man kommt desto kühler wird es. Für Stadt- und Kulturreisen ist der Frühling oder Herbst die beste Reisezeit. In Lissabon und Porto herrschen dank der atlantiknahen Lage auch im Hochsommer noch erträgliche Temperaturen.

Religion

95% der Portugiesen gehören der katholischen Kirche an. Als ideologische Waffe im Kampf gegen die Mauren und den Islam kam dem Christentum ab dem 12. Jahrhundert eine bedeutende Rolle zu. Heutzutage manifestiert sich der Glaube vor allem in den vielen Heiligenfesten und Wallfahrten, an denen die meisten Portugiesen mit Inbrunst teilnehmen. Der Glaube, den portugiesische Missionare in die Kolonien getragen haben, kehrt aber auch in veränderter Form ins Mutterland zurück. Evangelikale Sekten aus Brasilien finden immer mehr Anhänger und dies nicht nur unter den Einwanderern.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

Sim – Ja

Não – Nein

Faz favor, … – Bitte … (um etwas bitten)

De nada! – Keine Ursache!

Obrigado / a – Danke

Bom dia! – Guten Tag!

Boa tarde! – Guten Nachmittag!

Boa noite! – Gute Nacht!

Boa viagem! – Gute Reise!

Bem-vindo! – Herzlich Willkommen!

Como vai? – Wie geht`s?

Vou bem, obrigado / a – Danke, gut.

Mais ou memos. – So la la.

Até à proxima! – Auf Wiedersehen!

Olá, Tchau – Hallo,Tschüss

Até outra vez! – Bis zum nächsten mal!

Eu não sei. – Ich weiß nicht.

À nossa! – Auf uns(er Wohl)!

Desculpe! – Entschuldigung!

A conta, faz favor! – Die Rechnung, bitte!

Ajude-me, faz favor! – Helfen Sie mir bitte!

Portugiesisch – Wort für Wort, Band 11

Dos and Dont's

Wer nach Portugal mit dem Vorurteil reist, dort auf „südeuropäische“ Verhältnisse zu stoßen, wird überrascht sein: Portugiesen gelten als die Preußen der europäischen Halbinsel. Hoch diszipliniert wird überall dort, wo anstehen erforderlich ist, eine wohlgeordnete Reihe gebildet. Wer diese Gepflogenheit ignoriert, wird von den Anwesenden schnell zur Raison gebracht (in öffentliche Verkehrsmittel wie Bus und Tram steigt man übrigens immer nur vorne und nicht hinten ein). Auch stoßen bei Portugiesen die Arbeitsgepflogenheiten ihrer spanischen Nachbarn mit der ausgedehnten Siesta auf Unverständnis. In Portugal ist die Mittagsruhe zeitlich sehr begrenzt. Beim Einkaufen, an Theken, in Supermärkten und auch in kleineren Lebensmittelgeschäften und in den Postämtern ist häufig eine Nummer zu ziehen, die aufgerufen wird.

Verabredungen werden dagegen immer mit einem akademischen Viertelstündchen Verzögerung (und auch mehr) wahrgenommen. Dies ist üblich und sollte akzeptiert werden.

Essenszeit ist mittags ab 12.30 Uhr, das Abendessen wird nicht vor 19 Uhr, meist ab 19.30 Uhr und in gehobenen Lokalen ab 20 Uhr serviert. Im Gegensatz zu Spanien ist die Küche ab 22 Uhr, spätestens ab 23 Uhr geschlossen. Am Restauranteingang zu warten und voll Ungeduld von einem Bein aufs andere zu springen, während das Personal noch sein Abendessen einnimmt wird verständlicherweise als unhöflich empfunden. In manchen Lokalen wartet man am Eingang, bis man einen Tisch zugewiesen bekommt.

In fast jedem Restaurant kommen kleine Leckereien automatisch auf den Tisch – ein amuse gueule. Man täuscht sich allerdings, wenn man diese für eine kleine, kostenlose Aufmerksamkeit aus der Küche hält. Sardellenpaste, Käse, Wurst, Thunfisch und auch Oliven finden sich am Ende auf der Rechnung, egal ob beherzt zugegriffen oder nur zögerlich gekostet wurde. Wer dies nicht will, sollte das von Anfang an klarstellen und die Tellerchen wieder entfernen lassen. Denn gänzlich unpassend wäre es, am Ende eines Mahles diesen Rechnungsposten diskutieren zu wollen.

Portugiesen sind ein ausgesprochenes höfliches Volk und die Grußformeln werden ständig benutzt. Einen Raum oder auch ein Restaurant zu betreten, ohne zu grüßen gilt als unhöflich. Bis zum Mittag sagt man Bom dia, danach Boa tarde. Möchte man sich bedanken, sollte man dies tunlichst auf das eigene Geschlecht zugeschnitten tun: Damen danken mit obrigada, Herren mit obrigado.

Die Kleiderordnung ist im Allgemeinen für Touristen sehr leger. Wer in den Restaurants der Luxusklasse essen will, sollte sich entsprechend kleiden. Der Besuch von Kirchen in Strandkleidung gilt als unschicklich, lange Hosen sind angemessen.

Ein Lokal mit Fadomusik sollte man nur besuchen wenn man die Musik wirklich hören will. Lebhafte Tischgespräche während des Vortrages erwecken den Unmut derjenigen, die extra gekommen sind, um sich den Musikgenuss hinzugeben. 

Exkurs: Die portugiesiche Manuelinik

Im Grunde begann die Entwicklung dieser eigenständigen, rein portugiesischen Stilrichtung der Baukunst im Anschluss an die Spätgotik mit einem banalen Schwur: König Manuel I. (1495 – 1521, genannt „der Glückliche“) versprach, in Belém ein außergewöhnliches Kloster errichten zu lassen, falls Vasco da Gama tatsächlich den Seeweg nach Indien entdecken sollte. Als der Seefahrer im Herbst 1498 tatsächlich reich beladen aus Calikut zurückkehrte, löste Manuel sein Versprechen ein und ließ mit dem Hieronymus-Kloster in Belém das schönste Bauwerk der damaligen Zeit errichten – der clevere König Manuel hatte sich bereits 1496 eine entsprechende Genehmigung bei Papst Alexander VI. eingeholt.

Der nach Manuel benannte Stil ist dekorativ im Sinne der Spätgotik und verbindet in Flamboyant-, Mudéjar- und Platereskenstil geprägte Formen mit Elementen nautischen, maritimen und exotischen Ursprungs (Anker, Muscheln etc.). Der geradezu überladen-verspielt wirkende Baustil ist von verschiedenen historischen Umständen beeinflusst worden: Zum einen bewirkte der Erfolg da Gamas und die damit errungene Vorherrschaft Portugals in Europa und der Welt einen unbändigen Optimismus und Stolz aller Portugiesen, unmittelbar einhergehend mit Berichten über vollkommen Fremdes, Unbekanntes und Schönes, ja Märchenhaftes. Gleichzeitig hatte sich der Hofbaumeister Manuels, Diogo de Francisco de Arruda, lange in Marokko aufgehalten und war daher teilweise auch von der arabischen Bautradition beeinflusst worden. Und schließlich darf mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass Manuel einiges Gedankengut des Templer-Ordens (u.a. Kulturoffenheit), dessen portugiesischem Zweig (Ordem de Christo) er als Großmeister vorstand, in die Geisteshaltung am Hof einbrachte; was letztlich seinen Ausdruck in der Architektur fand. Wichtigste Bauwerke waren dabei das Monasteiro dos Jéronimos und der Torre de Belém. Die vielen Schnörkel und Verzierungen im Hieronymuskloster waren eine Wiedergabe des Erlebten, regten die Fantasie an und luden geradezu ein, die Gedanken schweifen zu lassen, statt der traditionellen introspektiven Meditation ohne Ablenkung nachzugehen. Die Manuelinik war insgesamt ein Ausdruck von Optimismus, der Wertschätzung des Schönen und dem Prinzip der Weltoffenheit, im Ergebnis eine Mischung unterschiedlicher Geisteshaltungen und Einflüsse der Spätgotik/Frührenaissance. Manuel I., der sich in all seinen Bauwerken mit den Initialen „MR“, (lat. Manuel Rex, „König Manuel“) verewigen ließ, war zudem der Initiator der typisch portugiesischen Azulejo-Kunst.

Exkurs: Das Geheimnis des »Heiligen Gral«

n zahlreichen Kirchen der Iberischen Halbinsel, vor allem aber in jenen, die in einem direkten oder indirekten Zusammenhang mit dem Templer-/ Christusritterorden stehen, sucht man vergebens ein Christuskreuz. Vielmehr wurde oftmals eine Art „Marienkult“ betrieben: so ist eine Pyramide mit einem mehr oder weniger offensichtlichen Gralsmotiv zu finden. Bemerkenswerten, wenngleich durchaus umstrittenen Christus-Forschungen zufolge verfügten die Ordensherren über ein einzigartiges, streng geheimes Wissen, welches nicht nur den damaligen Papst, sondern auch den König von Frankreich hätte stürzen können: Der seit Jahrhunderten mit abenteuerlichen Legenden umwobene, spätestens seit Wolfram von Eschenbachs „Parzival“ mystifizierte Heilige Gral (fränkisch San Gral, San Greal) wurde lediglich durch orthografischen Trennungsfehler „heilig“: die Templer wurden laut dieser Theorie zu den Hütern des Sang Real. Es steht für eine besondere königliche Linie: Maria Magdalena, mutmaßliche Witwe (!) Jesus von Nazareths, floh nach der Kreuzigung mit den leiblichen Kindern Christi in das heutige Südfrankreich und schweizerische Wallis (nicht Wales, was irrtümlich zu der Artussage um den Gral führte). Diese Linie wurde durch Heirat mit dort ansässigen Westgoten, später den Merowingern königlich: Merowingerkönig Dagobert II. ehelichte die Westgotin Gisela v. Razès, die in Rênnes-le-Chateau lebte, jenem Ort, in dem sich später (ab 1885) höchst mysteriöse Ereignisse im Zusammenhang mit einem sagenumwobenen Templerschatz abspielen sollten. Nach dem Ende der Merowingerherrschaft lebte die Linie (Sigibert VI. um 885) unter dem Namen Plantard in der Bretagne und in England fort, woraus u.a. der spätere englische König Stephan (um 1100, engl./frz.: Plantagenet, aus lat.: Plantard gentis, aus dem Geschlecht Plantard) und Gottfried von Bouillon hervorgingen – jener Gottfried, der nach dem Sieg im ersten Kreuzzug den Ordre de Sion, die geistigen Grundlagen des späteren Templerordens gründete. Sein Bruder Balduin wurde 1100 zum König von Jerusalem gewählt. Auch Hugo de Payens, offizieller Gründer der Templer (1119) war „zufällig“ mit den Plantards eng verbunden, und 1156 ehelichte Johann VI. de Plantard Frau Idoine aus dem Hause Payens. Ihr Bruder Johann war Großmeister des Ordre de Sion (um 1188), dessen Linie sich sogar über die Lothringer und Habsburger bis in die Gegenwart fortsetzt. Der Linie Plantard de Saint-Clair sitzt der Prieuré de Sion unverändert vor, der Zweig Saint-Clair beispielsweise wurde in Schottland als San’Clair (Sinclair) ein Inbegriff des Freimaurertums (Symbol: Totenschädel und Knochen). Merowingerkönig Dagobert II., mit dem die „königliche“ Phase begann, wurde 679 ermordet; sein Schädelknochen wurde eine der bedeutendsten Reliquien der Templer. Viele Schädeldarstellungen der Algarve, etwa in Nossa Sen hora de Guadalupe (öVila do Bispo), dürften auf ihn zurückgehen. Diese Verknüpfung um die Blutslinie Christi soll ein Hauptgrund gewesen sein, warum König Philipp von Frankreich die Templer vernichten wollte – er fürchtete legitime Thronansprüche der Merowinger-Abkömmlinge. Nicht unerwähnt bleiben darf, dass „Ordre de Sion“ nichts anderes als „Zion“ (jüdisch) bedeutet – für die katholische Kirche war (und ist) es geradezu kirchenpolitischer Selbstmord zuzugeben, dass die heutigen Nachfahren Christi als Zionisten existieren (Führungsanspruch). Daher wurden nach Auffassung der jüngeren Christusforschung nicht nur die Evangelien „zensiert“, zahllose Urkunden und Schriften vernichtet bzw. bis heute im Vatikan unter Verschluss gehalten. Zur Untermauerung ihrer Theorie führen die Christusforscher auch den Fund eines 1958 auf dem Tempelberg entdeckten Briefes des Bischof Klemens von Alexandria an den Kleriker Theodorus an, in dem es wörtlich heißt: „Gegebenenfalls muss man unter Eid leugnen, dass das geheime Evangelium von Markus stammt, denn nicht alles Wahre darf den Menschen mitgeteilt werden“. So wird vermutet, dass auch die Einführung des Zölibats durch die katholische Kirche dem Zweck diente, jeglicher Hypothese, Jesus könne ein normales Eheleben geführt haben, vehement entgegenzutreten. Da die Templer auf der Iberischen Halbinsel besonders geschützt waren (sie wurden 1307 während der europaweiten Verhaftungswelle in Portugal nicht verhaftet, sondern mussten sich lediglich umbenennen), erklärt sich auch die offene, seltsam anmutende Vorliebe für Maria (Magdalena) und das Sang Real, das königliche Blut in templernahen Kirchen.

Alle Texte aus: Portugal Kompakt von Daniela Schetar und Friedrich Köthe; Algarve und Lissabon von Werner Lips.

Uhrzeit und Temperatur: Lissabon

Titelbild: Friedrich Köthe.