Wer ein Kleid trägt, weigert sich nicht, ein anderes dazuzunehmen.
(Sprichwort aus Ruanda)

Ruanda

Repubulika y'u Rwanda

Republik Ruanda

00:45 h | 24 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl:
11 458 000

Bevölkerungsdichte:
435 pro km²

Fläche:
26338 km² (149)

Hauptstadt:
Kigali

Staatsform:
Präsidialrepublik

Hauptsprachen:
Kinyarwanda, Französisch, Englisch

Währung:
Ruanda-Franc

Nationalfeiertag:
01.07.

Ankünfte/Touristen:
700.000 im Jahr (2009)

 

Flugdauer:
11,9 Std.

Entfernung über Land:
9534 km

Parlament:
Mind. 24 Sitze Frauen vergeben

HIV-Rate:
5 %

Landwirtschaft:
90% Abhängigkeit

Dies und Das

Natur

Ruanda liegt im zentralen Afrika zwischen Kivusee und Viktoriasee. Der kleine Binnenstaat weist die höchste Siedlungsdichte in Afrika auf.  Das gebirgige „Land der tausend Hügel“ erstreckt sich auf Höhen zwischen 1400m und 4507m und verfügt über ein sehr ausgeglichenes, relativ niederschlagsarmes (900–1600 mm Jahresniederschlag) Klima mit mittleren Tagestemperaturen von 20–24°C. Die fast völlig entwaldete Berglandschaft Ruandas ist von Aufsehen erregender Schönheit – schon allein deshalb ist das Land eine Reise wert.
 

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Neben dem Volcanoes National Park, der vornehmlich dem Schutz der Berggorillas dient, sind vor allem der Nyungwe National Park, der eines der ältesten und artenreichsten Bergwaldgebiete Ostafrikas besitzt, und die tierreiche Savannenlandschaft des Akagera National Park im äußersten Osten sehenswert. Der Südwesten Ruandas wird geprägt von einer gebirgigen Kulturlandschaft, die von den Ufern des 1450m hoch gelegenen Kivusees bis zu den höchsten Erhebungen im Nyungwe-Wald auf 2950m reicht.

Tiere

© Christoph Lübbert

Die vielfältige Natur Ruandas bietet nicht nur vielen Pflanzen-, sondern auch einer Vielzahl von Tieren ein zuhause. Die Berggorillas im Volcanoes-National Park sind ein Aushängeschild des Landes. Mitte 2012 konnten acht Gruppen der „sanften Riesen“ besucht werden. Durch häufige Grenzquerungen in die DR Kongo stehen sie jedoch nicht immer alle für Besuche „zur Verfügung“.  Die Tiere können ganzjährig besucht werden, auch während der Ferien und an Feiertagen. Der Aufenthalt bei den Gorillas ist jedoch auf eine Stunde begrenzt, um ihre Verhaltensmuster nicht zu verändern.

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Weitere Primatenarten kann man im Nyungwe National Park beobachten, der mit unter anderem 500 Schimpansen und zwölf weiteren Affenarten, die größte Primatendichte weltweit besitzt.  Die für Afrika typischen Tiere, wie Löwen, Elefanten, Giraffen und Nashörner sind dagegen nur noch selten bis gar nicht mehr auffindbar. Die Tierbestände haben unter der mit Beginn der 1990er Jahre ausufernden Wilderei und der erzwungenen Lebensraumverkleinerung stark gelitten. In der Savanne im Akagera National Park sind kleine Herden von Impalas und Steppenzebras weit verbreitet und auch Kaffernbüffel werden bei fast jeder Beobachtungsfahrt gesichtet.

Essen

Im Norden werden traditionell Kartoffeln und Bohnen gegessen, im Osten Matoke (herzhafte Kochbanane) mit Bohnen, im Süden gibt es Kassava (Maniok) und Bohnen, die Menschen im Westen bevorzugen Kassava oder Ugali (Maisbrei) mit Sambaza, einem kleinen Fisch aus dem Lake Kivu. Die Hauptstädter lieben Pommes frites, hier „French fries“ genannt, mit einer speziellen Soße. Traditionelles Bier (als „Pombe“ bezeichnet) wird aus Sorghum, Hirse oder einer bestimmten Bananensorte gebraut. In den Dorfgerichten, also den Gacaca, spielt Bier als „Urgwawa“ eine große Rolle als eine Art symbolischer Genugtuungszahlung. Pombe gibt es allerdings nur in speziellen Ausschankhäusern auf dem Land zu kaufen, oft in alten Plastikcontainern und getrunken aus Kalebassen (ausgehöhlter verholzter Kürbis).

Reisezeit

Das gute Asphaltstraßennetz macht es prinzipiell möglich, das Land ganzjährig zu bereisen. Die große Trockenzeit, in der durchgehend die Sonne scheint, dauert von Juni bis September und eignet sich besonders gut für Gorilla-Tracking und Waldexkursionen. Eine kleine Trockenphase erstreckt sich erfahrungsgemäß von Ende November bis Ende Januar. In dieser Zeit ist es überwiegend trocken, doch fällt hin und wieder auch leichter Regen. Die Tagesdurchschnittstemperaturen in der großen Trockenzeit liegen bei 24–27°C. Tagsüber kann es bis über 30°C warm und nachts bis zu 15°C kühl werden. Im relativ hoch gelegenen Musanze (Ruhengeri) können die Temperaturen nachts bis unter den Gefrierpunkt sinken, in den Höhenlagen der Virunga-Vulkane (über 4000m) fällt gelegentlich Schnee.

Religion

Etwa 65% der Ruander fühlen sich christlichen Religionen (v.a. katholisch) zugehörig, 25% Naturreligionen, 10% sind moslemischen Glaubens.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

Ja
ego

Nein
oya

murabeho!
Auf Wiedersehen!

Mbabarire!
Entschuldigung!

1, 2, 3
ri-mwe, ka-biri, ga-tatu

Kleine Sprachhilfe
Kinyarwanda, Band 130

Dos and Don'ts

Die Einheimischen begrüßen es, wenn man sich mit der Geschichte und der Sprache des Landes auseinandersetzt. Über allen geschichtlichen Ereignissen steht der Völkermord von 1994. Mit Blick auf diesen Konflikt, sollte man auf keinen Fall fragen, ob er oder sie „Hutu“ oder „Tutsi“ sei. Diesen ethischen Unterschied gibt es offiziell nicht mehr. Alle Einwohner Ruandas sind Ruandesen!
Wenn man sich mit jemandem zum Essen trifft, wird von demjenigen der die Einladung ausgesprochen hat erwartet, dass er die Rechnung übernimmt.
Am letzten Samstag im Monat ist immer „Umuganda Day“. An diesem Tag steht die gemeinschaftliche Arbeit zum Wohle der Gesellschaft wie das Säubern der Straße oder die Pflege von Denkmälern im Mittepunkt. Wenn man sich ein wenig integrieren möchte, sollte man auch als Tourist an diesem Ereignis teilnehmen.

Exkurs: Umuganda Day – Der Staat ruft zur wohltätigen Gemeinschaftsarbeit

„Umuganda“ bedeutet in der deutschen Übersetzung so viel wie „öffentliche Gemeinschaftsarbeit“. Zwar wurde der Umuganda Day als Tag der kollektiven Arbeitsanstrengung der ruandischen Gesellschaft ins Leben gerufen, jedoch hat die Bezeichnung im Laufe der Zeit einen Wandel erfahren. In den 1990er Jahren benutzte der damalige Präsident Juvenal Habyarimana das Wort, um Anhänger der Hutu-Power-Ideologie zum Morden aufzurufen. „Arbeiten“ hatte in diesem Kontext einen zynischen, makabren Unterton.

Die Regierung unter dem aktuellen Präsidenten Paul Kagame führte den Umuganda- Tag an seinen Ursprung zurück: Ruandas Bevölkerung engagiert sich für die Entwicklung ihres Landes. Zu Beginn legte man den Umuganda-Tag auf jeden Samstag. Schnell sah man aber ein, dass eine wöchentliche Festsetzung zu Ablehnung in der Bevölkerung führte. Aus diesem Grund findet er heute an jedem letzten Samstag des Monats statt. Die Umuganda-Idee sorgt heute für Ordnung und Sauberkeit im ganzen Land. Auch ethnisch stiftet der Tag Ordnung, denn die Menschen kommen volksgruppenübergreifend zusammen, lernen einander besser kennen und fühlen sich als Einheit. Nicht zuletzt soll der Umuganda-Tag jeden Bürger für die Probleme und Mängel seines Landes sensibilisieren.

Woran wird regelmäßig gearbeitet? Vor allem an der Instandhaltung der Genozid-Gedenkstätten. Außerdem werden Straßen ausgebessert, Bäume gepflanzt, und es wird allgemein für Sauberkeit gesorgt. Nach der Arbeit versammeln sich die Arbeitsgruppen, um gemeinsam über Missstände in ihrem Ort zu sprechen: Man beklagt beispielsweise den Mangel an Sitzbänken in einer Schule, aber auch die allgemeine Sicherheitslage des Landes oder gesundheitliche Probleme kommen auf den Tisch. Hauptzielgruppe des Umuganda-Tages ist die Jugend des Landes – schließlich liegt die Zukunft Ruandas in ihren Händen. Experten helfen bei der Ausführung komplexer Arbeiten, wie etwa Bauarbeiten an Brücken. Nichtsdestotrotz sollen sich alle Bürger beteiligen. Um dies zu demonstrieren, nimmt auch Präsident Kagame regelmäßig an den Arbeiten teil. Auf dem Hügel von Rebero in Kigali half er zum Beispiel – zusammen mit dem Senatspräsidenten und dem Bürgermeister von Kigali – Erdreich für Bauprojekte zu verarbeiten. Damit will die Regierung die Ernsthaftigkeit ihres Projektes bezeugen und vor mangelnder Akzeptanz im Volk warnen. „Die Zahl der Teilnehmer am Umuganda-Tag steigt, auch wenn noch nicht alle mitmachen. Die Autoritäten müssen dafür Sorge tragen, dass die Verweigerer in die Pflicht genommen werden“, so Kagame Anfang 2008. Vor allem die Hirten in den Dörfern kommen ihren Pflichten bislang nicht nach – sie fühlen sich nicht angesprochen.

Bis der Umuganda-Tag im Bewusstsein jeder sozialen Schicht verankert ist, bleibt noch Einiges zu tun. Um Unregelmäßigkeiten zu verhindern, erinnern sogenannte Umuganda- Ankündigungen in jeder Provinz daran. Bis 13 Uhr bleiben am Umuganda Day alle Geschäfte geschlossen. Außerdem sorgen Polizei, Armee und die lokalen Autoritäten für die Umsetzung der Kollektivarbeiten. Wer sich nicht beteiligt, zahlt 500 RFr (umgerechnet etwa 0,60 Euro) Strafe.

Aus: Reiseführer Uganda, Ruanda von Christoph Lübbert, Exkurs von Arlette-Louise Ndakoze

Uhrzeit und Temperatur: Kigali

Titelbild: © Christoph Lübbert