»Orice călătorie începe cu primul pas«
Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt
– Rumänisches Sprichwort –

Rumänien

România

01:50 h | 22 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
19.911.000 (Weltrang 58)

Bevölkerungsdichte
84 Einwohner pro km²

Fläche
238.391 km² (83)

Hauptstadt
Bukarest

Staatsform
Semipräsidentielle Republik

Hauptsprachen
Rumänisch

Währung
Leu (RON)

Nationalfeiertag
1.12.

Internationale Ankünfte/Touristen
8.019.000

Flugdauer
1460 km ≈ 2 Std.

Entfernung über Land
1798 km

Höchster Berg
Moldoveanu (2544 m)

Länge der Donau in Rumänien
1075 km

Küstenlänge
225 km

Hafen Constanța
Größter Seehafen des Schwarzen Meers

Waldfläche
29,2%

Scărișoara-Höhle
Zweitgrößter, unterirdischer Gletscher Europas

Parlamentspalast Bukarest
Zweitgrößtes Verwaltungsgebäude der Welt

Elektrifizierte Straßenbeleuchtung
Timișoara 1889
(erste Stadt Europas)

Nicolae Paulescu
Entdecker des Insulins 1923

Hundebisse
≈ 16.000 pro Jahr

Währungsreform 2005
1.000.000 Leu = 100 Leu

Vlad III. Drăculea
1431 - 1476/77

Wert von Schloss Bran
(= Draculas Schloss)

≈ 95.000.000 €

Dies und Das

© Joscha Remus

Natur

Mit ca. 20 Millionen Einwohnern hat der Staat Rumänien ungefähr so viele Einwoher wie Mexiko-Stadt. Doch mit einer Fläche von 238.391 Quadratkilometern ist Rumänien knapp sechsmal so groß wie die Schweiz oder dreimal so groß wie Österreich. Im Gegensatz zu Holland, das seine Landmasse dadurch vergrößert, dass es dem Meer durch Polder Land abringt, wächst Rumänien auf natürliche Art. Durch die Schlammmassen der Donau erweitert sich das Delta am Schwarzen Meer jährlich um etliche Quadratmeter.

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Etwa ein Drittel der Landesfläche Rumäniens ist von Gebirgen bedeckt. Die Karpaten ziehen sich – als Fortsetzung der Alpen von der Slowakei über Polen und die Ukraine – halbkreisförmig von Norden nach Rumänien hinein, um das Land dann im Südwesten in Richtung Serbien und Montenegro als Banater Berge zu „verlassen“. In die offene Stelle, die dieser gebirgige Halbkreis im Westen Rumäniens hinterlässt, fügt sich das isolierte Apuseni Gebirge ein. Diese Region südwestlich von Cluj-Napoca wird von rumänischer Seite auch als Westkarpaten bezeichnet. Da sich die höchsten Erhebungen der Karpaten, nämlich alle vierzehn 2000er, in den Südkarpaten befinden, nennt man sie auch die Transsylvanischen Alpen. Im Westen beginnen diese ziemlich genau nach Osten verlaufenden Gebirgszüge mit dem eindrucksvollen Retezat-Gebirge, dem gleichnamigen Nationalpark und vielen klaren Bergseen. Wer hier seine Eintrittskarte gelöst hat, kann bis zum 2509 m hohen Peleaga oder dem benachbarten, 2482 m hohen Vârful Retezat hinaufklettern.
Rumänien ist ein ausgesprochen wasserreiches Land. Der Karpatenbogen ist der Ursprung zahlreicher Quellen, die die wichtigsten Flüsse des Landes speisen. Einige von ihnen wie der Olt haben dabei eine wahrhaft einschneidende Wirkung auf das Gebirgsmassiv. Der Olt, der mit deutschem Namen als Alt bekannt ist, hat in nord-südlicher Richtung eine tiefe Schneise in die Karpaten gezogen und damit in der Geschichte Einwanderern das Besiedeln und Kriegern das Erobern der transsilvanischen Hochebene wesentlich vereinfacht. Da der Olt nicht schiffbar ist und im Sommer recht ruhig dahinfließt, haben ihn Floßtouristen und Kanuten längst für sich entdeckt.
Die meisten Seen Rumäniens gibt es im und rund ums Donaudelta. Über 500 sollen es sein, jedoch schwanken die Zahlenangaben, auch die offiziellen, stark. So könnten es gut und gerne auch über 1000 Seen sein, wenn man die kleinsten Gewässer mit rechnet. Der größte See Rumäniens, der Razim-See, ist natürlich auch in der Nähe des Deltas zu finden, und mit seinen 394 Quadratkilometern verwechselt ihn so mancher Betrachter, der auf dem Hügel der Festung Heraclea bei Enisala steht, auch schon einmal mit dem nahen Schwarzen Meer.

Essen

Rumänen sind außerordentlich gastfreundlich, eine Einladung zum Essen ist fast unvermeidlich und für den Gast meist mit einigen positiven Überraschungen verbunden. Vor allem auf dem Land gibt es nur Selbstangebautes, Selbstgroßgezogenes, Selbstgekeltertes oder Selbstgebranntes. Geschmacklich ist dies für viele Mitteleuropäer eine Offenbarung.
Die Palette dessen, was ein Rumäne unter einer Vorspeise versteht, reicht von einem einfachen gemischten Salat (Salată asortată) über raffinierte, je nach Saison zubereitete Köstlichkeiten, wie gegrillte Pilze mit Käse und Schinken (Ciuperci la grătar cu caşcaval şi bacon), bis hin zu dem, was hierzulande durchaus auch als Hauptspeise durchgehen würde, beispielsweise geräucherte Entenbrust mit Remoulade (Piept de raţă afumat cu sos de remoulade). Die traditionelle Vorspeise ist und bleibt jedoch die Suppe. Rumänische Suppen können in drei verschiedenen Variationen daherkommen, als Borş, als Supă oder als Ciorbă. Der Borş ist eine Flüssigkeit, die der Suppe hinzugefügt wird, um diese anzusäuern.

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Da die Rumänen sehr gerne feiern und speisen, ist Essengehen im ganzen Land sehr preisgünstig. Trotz oft beträchtlicher regionaler Unterschiede kann man landesweit die Spezialität Mămăligă cu brânza şi smântână überall sehr billig bekommen. Traditionellerweise war dies das Essen der einfachen Leute und Schafhirten. Doch auch heute noch ist es Bestandteil jeder guten rumänischen Speisekarte, und ein ganzes Volk identifiziert sich mit dem festen Maiskuchen, zu dem Schafskäse und Sahne dazugehören.
In den Bergregionen kommen als Hauptspeise traditionelle Schäfergerichte auf den Tisch. Der Traista ciobanului, der in der korrekten Übersetzung „Schäfers Sack“ genannt werden müsste, wird in den meisten siebenbürgischen Lokalen verschämt mit „Brotsack“ übersetzt. Mit Brot hat dieses Gericht allerdings wenig zu tun. Elegant zusammengeknotet verbirgt sich dahinter ein überaus köstliches Fleischgericht. Die rumänische Bergküche unterscheidet deutlich zwischen Schaf-, Lamm- und Hammelgerichten. Cotlet de oaie la gratar (gegrillte Schafskoteletts) sind nicht zu vergleichen mit einem butterweichen Lammbraten, Friptură de miel. Länger haltbar ist Pastramă de oaie (gepökeltes Lamm), welches traditionellerweise mit Mamaligă, der überall erhältlichen rumänischen Polenta, serviert wird.
Ebenfalls in den Bergen zu Hause sind das Muşchi de porc sibian, das Hermannstädter Schweinefilet, und Muşchi de porc împănat, der gespickte Schweinebraten. Auf den Hütten in den Bergen wird auch gerne Fudulii la grătar, gegrillter Schweinehoden, angeboten. Erwähnt wird das deshalb hier, weil man schließlich doch wissen sollte, was einem die Almbäuerin so verzweifelt schmackhaft machen möchte.
Ähnlich der Mămăligă gehört auch die Tochitură zu den landesweiten Spezialitäten. Die eigentliche Heimat der Tochitură ist die Moldau, wo sie als Tochitură moldovenească (Geschnetzeltes nach moldauischer Art) mit Polenta und geriebenem Käse (Brânza rasă) serviert wird. Jeder Landesteil kennt seine eigenen Tochitură-Variationen. Sie reichen von der gewöhnlichen Schlachtplatte, der Tochitură măcelărească, bis hin zur würzigen Tochitură ardelenească in der Region des Maramureş.

© Joscha Remus

Tiere

Das größte Naturschutzgebiet Rumäniens ist eine eigene (Wasser-) Welt für sich. Im größtenteils unberührten Netzwerk aus Flussläufen, den drei Altarmen, Seen, Sandbänken, Inseln und Auwäldern findet sich eine einzigartige Artenvielfalt. Vor allem für Vögel scheint das Delta als Wasserparadies eine magische Anziehung zu haben. Je nach Jahreszeit leben hier 325 Vogelarten, von denen die meisten auch ihren Nistplatz im Delta haben. Zu den seltenen Arten, die andernorts vom Aussterben bedroht sind, gehören Silberreiher, Seeadler, Rothalsgans, Seidenreiher, Stelzenläufer, Löffler und der sehr scheue Krauskopfpelikan.

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Im Unterwasserbiotop des Deltas tummeln sich über neunzig Fisch- und zwölf Schlangenarten. Vor allem in den Kernzonen des Reservats finden sich Zander, Hecht, Wels, Barsch und Karpfen wohl. Dort, wo der Mensch das Delta nicht betreten darf und das Ökosystem noch intakt ist, leben die meisten Schleien, Karauschen, Plattfische, Aale und der große Stör. Natürlich lieben auch andere Tiere die Wasserlabyrinthe der Donauwelt. Neben zahllosen Libellen, Schmetterlingen, Bisamratten, Seeottern und Marderhunden streunen auch Füchse und Wildschweine durchs Schilf. Selbst der Wolf hat sich im Delta schon blicken lassen.
In einigen Höhlen des Bihor-Gebirges hat man neben Bärenskeletten auch solche von Hyänen gefunden, die hier in der Eiszeit gelebt haben müssen. Heute dagegen bewohnt vor allem die Zwergfledermaus die weiten dunklen Galerien und Deckenpassagen. In den bewaldeten Schluchten der Westkarpaten lassen sich Rothirsch und Luchs gelegentlich sehen. Mit etwas Glück kann man auch den Auerhahn bei seiner Balz oder den Schreiadler im jagenden Sturzflug erleben. Den passenden Lebensraum finden hier auch die Alpenringdrossel und der Tannenhäher.
Mit der Neuansiedlung einiger vom Aussterben bedrohter Tierarten hatte man vor allem im nördlichen Rodnei Gebirge Erfolg. Heute tummeln sich hier wieder einige seltene Gemsen. Auch Meister Petz lässt sich gerne sehen. Der Bestand an Braunbären hat sich in den letzten dreißig Jahren verdreifacht. Ebenfalls steigende Populationen verzeichnen der Baummarder und der Wolf. Zu den Vogelarten im Rodnei-Gebirge gehören u.a. das selten gewordene Birkhuhn und der Steinadler.

Reisezeit

Das von Meteorologen für Rumänien gern zitierte gemäßigt kontinentale Klima fällt in den verschiedenen Landesteilen Rumäniens sehr unterschiedlich aus. Angenehm und „gemäßigt“ ist das Wetter vor allem in den Frühlingsmonaten April bis Juni sowie im September und Oktober. Dies sind die Jahreszeiten der Radfahrer, Wanderer, der Liebhaber der siebenbürgischen Hochebenen und Berge, der kulturell interessierten Klosterbesucher sowie der Kanuten und Vogelfreunde im Donaudelta.

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Die Sommer können in Rumänien sehr heiß, die Winter sehr kalt werden. Bergfreunde, Paraglider und Kletterer wählen jedoch gerade die Sommermonate Juli und August für ihre Karpatentouren. Sie entgehen so dem regenreichsten Monat in Transsylvanien, dem Juni, und haben mit großer Sicherheit die beste Fernsicht.
Weitblick zeigen auch all diejenigen, die sich zur heißesten Jahreszeit erfrischende Wasserkuren in der vom mediterranen Klima beeinflussten Dobrudscha oder den Bädern Baile Felix oder Sovata gönnen. Die schattigen Täler der Karpaten spenden selbst zur heißesten Jahreszeit auch Fahrradreisenden die nötige Kühlung.
Die Floßfahrten auf dem Olt finden meist bereits im März oder April statt, wenn die Flüsse noch winterwild und das Wetter schon frühlingsmild ist.
Bukarest-Besucher schätzen vor allem den Oktober, der sich in Rumänien von seiner sonnigsten Seite zeigt. Auch die mittelalterlichen Städte Braşov, Sighişoara, Mediaş und Sibiu erleben im September und vor allem im Oktober ihren bunten Höhepunkt.
Die Saison zum Skifahren, Rodeln und Skaten wird in Rumänien je nach Höhenlage bereits im November eröffnet. Die Wintersport-Hochsaison dauert dann von Dezember bis Februar, wobei der Januar der im Jahresdurchschnitt kälteste Monat ist.
Reisen in den Nordosten des Landes, also ins Moldaugebiet, in die Bukowina oder nach Iaşi, sollte man im Januar und Februar nur in dringenden Ausnahmefällen unternehmen. Der von Russland und der Ukraine aus dem Norden kommende, eisige Kälte bringende Wind namens Crivăţ (sprich: Kriwatz) weht dann übers Land und bringt ein Stück Sibirien mit. Sehr trocken kann es in den Sommermonaten im Donaudelta und an der Schwarzmeerküste werden. Die Niederschläge werden bereits vom Karpatenbogen gestoppt. Kanuten und sonnenhungrige Meeresurlauber sollten während dieser Jahreszeit für genügend Flüssigkeitszufuhr sorgen.

© Joscha Remus

Religion

Jedem, der die verschiedenen Landesteile Rumäniens besucht, wird sofort die tiefe Frömmigkeit der zumeist orthodoxen Menschen ins Auge fallen. Die meisten auch der jüngeren Rumänen sind tief in der Orthodoxie verwurzelt. Als der Staat kurz nach der Revolution im Jahre 1991 eine Volkszählung durchführen ließ, bekannten sich 86,6 Prozent der Bevölkerung zur rumänischen orthodoxen Kirche. Nur 0,3 Prozent der Bürger gaben an, sie besäßen keine Religionszugehörigkeit.
Andere Religionen sind in Rumänien vor allem die der Minderheiten. So gehören die Deutschen in Siebenbürgen vor allem der evangelischen Kirche an, die Ungarn mehrheitlich entweder zur römisch-katholischen oder zur evangelischen Kirche. In den östlichen Landesteilen am Schwarzen Meer gibt es noch eine geringe Anzahl an Moslems. Die jüdischen Gemeinden in den größeren Städten erholen sich nur langsam vom Holocaust und der Verfolgung, der das Judentum auch in Rumänien ausgesetzt war. Im Donaudelta gibt es eine geringe Anzahl an Lippowenern, orthodoxen Altgläubigen, deren Zahl weiter am schrumpfen ist.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

Deutsch

Rumänisch

Hallo

Bună/Servus/Salut

Guten Morgen

Bună dimineata

Guten Tag

Bună ziua

Guten Abend

Bună seara

Gute Nacht

Noapte bună

Danke

Mulţumesc

Bitte

Vă rog

Ja

Da

Nein

Nu

Wie viel kostet …?

Cât costă …?

Wo ist …?

Unde este …?

Wann fährt der Bus/Zug nach … ab?  

Când pleacă  autobusul/trenul spre …?

Was ist das?

Ce-i asta?

Wie geht es Ihnen/dir?

Ce mai faceţi/faci?

Gut

Bine

Schlecht

Rău

Entschuldigung!

Scuză-mă

Kreuzung

Intersecţie

Straße

 Strada

Geradeaus

Tot înainte

Rechts

Dreapta

Links

Stânga

Heute

Azi

Morgen

Mâine

Gestern

Ieri

Wunderbar

Fantastic

Guten Appetit

Poftă bună

Prost

Noroc

Zahlen, bitte

Platesc, vă rog

Auf Wiedersehen

La revedere

Tschüss

Pa

Links die weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.de | www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Visum: berlin.mae.ro/de/visa | www.auswaertiges-amt.de/Laender/Rumaenien/Visum

Fremdenverkehrsamt: www.turism.ro/deutsch | www.romaniatravel.com (Englisch)

Deutsche Botschaft: www.bukarest.diplo.de

Rumänische Botschaft: berlin.mae.ro

Reise- und Gesundheitsinformationen: www.crm.de

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

Dos and Don’ts

Sicherlich ist das in Transsylvanien und anderen Landesteilen allgegenwärtige Thema „Dracula“ keine besonders originelle Art, in Rumänien ein Gespräch über Land und Leute zu eröffnen. Zwar wird die blutsaugende Touristenattraktion vor allem in den massenhaft frequentierten „Originalschauplätzen“ von Bran bis Sighişoara gerne vermarktet, da sie dort, vor allem bei Japanern, Koreanern, Deutschen und Amerikanern, gute Devisen bringt – identifizieren möchte man sich mit dem Graf Langzahn als Rumäne jedoch in den seltensten Fällen. Vampirismus und Knoblauchkunde sollte man getrost einheimischen Historikern überlassen, die einem beim Besuch der Museen und „Folterkammern“ gerne bestätigen werden, dass vieles, was im Namen der literarischen Figur Dracula in Rumänien geschieht, allein der Sensationslust der Touristen wegen getan wird. Das Tragen von Buttons mit unmissverständlich blutrünstigen Abbildungen oder T-Shirts mit Folterszenen wird einem in Rumänien keine wahren Freunde machen und ist unbedingt zu vermeiden.
Einladungen sind in Rumänien unausweichlich mit gutem Essen und Trinken verbunden. Falls man mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs ist, sollte man jede Aufforderung – und sei sie noch so gut gemeint – zum Trinken von Tuică oder Palincă, den rumänischen Schnäpsen, ablehnen. Weder wird eine rumänische Familie dies, wie in manchen Reiseführern behauptet, als Beleidigung empfinden, noch werden Sie von den männlichen Anwesenden fortan als Geschöpf von einem anderen Stern betrachtet. Auch sollte jede Form von Wettkampftrinken den Rumänen selbst überlassen bleiben. Falls man sich als Tourist darauf einlässt, kann dies nicht nur gesundheitlich schädliche Folgen haben, sondern auch zum Verlust von Geld und wichtigen Papieren führen.
Umwelt und Ökologie können in Rumänien dann zu heiklen Diskussionen führen, wenn man von „westlicher Seite“ dazu neigt, Vorhaltungen zu machen und das Umweltverhalten der Rumänen – das tatsächlich oft nicht gerade vorbildlich ist – kritisiert. Am besten geht man einfach mit gutem Beispiel voran, nimmt seine Plastikflaschen und seinen Müll vom Picknickplatz wieder mit und erkundigt sich nach Entsorgungsmöglichkeiten.
Rumänen begrüßen sich nach südländischer Manier mit einem doppelten Wangenkuss. Diese Begrüßung sollte von Besuchern aus dem Westen als Kompliment und nicht etwa als Form aufdringlicher Nähe aufgefasst werden.
Auf Wanderungen und Exkursionen in die Berge empfiehlt es sich, einige kleine Gastgeschenke dabeizuhaben. Die raue Bergwelt hat aus den Familien und Hirten, die dort oben wohnen, Könige der Gastfreundschaft werden lassen. Vom Gasfeuerzeug bis zum Kuscheltier für die Kinder kann sich der westliche Wanderer hier revanchieren. Autofahrer, die unterwegs auf halb verdurstete Hirten treffen, sollten immer eine Notfallflasche Mineraloder Quellwasser im Auto haben. Lassen sie sich unterwegs auf keinen Fall auf den Tausch „Foto gegen Bier“ ein. Bier trinken Hirten allenfalls nach getaner Arbeit abends zu Hause – nicht während der Arbeit.

Exkurs: Dracula – Legenden und Wirklichkeit

Als der irische Autor Bram Stoker die Marke „Dracula“ in Form des gleichnamigen Romans im Jahre 1897 in die Welt setzte, bezog er sich dabei auf die historische rumänische Figur des Vlad Ţepeş, einem walachischen Wojwoden, der von 1431 bis 1476 lebte. Dieser wird jedoch in der allgemeinen Wahrnehmung im Westen sehr häufig mit seinem Vater Vlad Dracul verwechselt, der auf dem Nürnberger Reichstag im Februar 1431 von König Sigismund von Luxemburg, der über die deutschen, böhmischen und ungarischen Ländereien herrschte, zum Fürsten der Walachei erhoben und zum Ritter des Drachenordens geschlagen wurde. Dieser Orden, „Ordo draconis“ (Drachen heißt auf lateinisch draco), war vor allem zur „drakonischen“ Bekämpfung der Ungläubigen, sprich der Osmanen und Tataren, ins Leben gerufen worden und somit vor allem ein reiner Kampfbund. Der Beiname „Dracul“ bezog sich also auf „der Drache“, und auch der Sohn Vlad Ţepeş sollte diesen Beinamen, sozusagen als reguläres Erbe, erhalten und hieß fortan Vlad Draculea, was man mit „Vlad, der Sohn des Drachen“ übersetzen könnte.
Der Autor Bram Stoker, der Rumänien nie bereist hatte, übernahm diesen Zusatz „Draculea“, strich das ihm überflüssig erscheinende „e“ und verpflanzte die ganze Geschichte nach Transsylvanien.
Mit Transsylvanien hat die wahre Geschichte des Vlad Ţepeş jedoch kaum etwas zu tun. Zwar lebte sein Vater hier in der Stadt Sighișoara (Schäßburg) , die natürlich auch sein Sohn kannte, aber letztlich waren sie Walachen und keine Siebenbürger. Doch das Wort Transsylvanien hatte um 1890 bereits einen magischen Klang in der Literaturszene Frankreichs und Englands gewonnen. So schwärmte auch Jules Verne von Transsylvanien als einem Land der Magier und Vampire, und so wurde aus dem realen, westlich orientierten und zivilisierten Land der Hochebene eines der Gespenster, der dunklen Schlösser und Blut saugenden Vampire in Menschengestalt.
In der Tat hat das historische Vorbild der Dracula-Figur, Vlad Ţepeş, es an blutiger Gewalt nicht fehlen lassen. Da er selbst in der frühen Kindheit Opfer von türkischer Folter und Gewalt geworden war, kann es kaum verwundern, dass er den türkischen Invasoren mit Hass und Härte entgegentrat. Sein Beiname „Ţepeş“ bedeutet auch „der Pfähler“ und bezieht sich auf eine der schrecklichsten Strafen der damaligen Zeit.
Die abschreckende Wirkung dieser Tötungsart lässt sich geschichtlich auch am Verhalten der eigenen Landsleute ablesen. Am Waldrand von Târgovişte ließ Vlad Ţepeş eine goldene Schöpfschale neben einen Brunnen legen. Jeder, der Durst hatte, konnte ihn aus dem wertvollen Gefäß stillen, musste die Schale aber auf dem Marktplatz lassen. Die goldene Schale wurde während der Herrschaftszeit von Vlad Ţepeş nie gestohlen.

Dacia – der rumänische Volkswagen

Die meisten Rumänen können die verschiedenen Dacia-Automodelle noch heute mühelos runterrasseln, auch wenn immer weniger von ihnen auf rumänischen Straßen zu finden sind. Kein Wunder, allzu viele Typenbezeichnungen hat es nicht gegeben, und für viele bedeutete der rumänische Kleinwagen die erste Chance auf ein wenig unabhängige Mobilität.
Während man sich in der DDR erst 1984 entschloss, den Trabant mit einem 1,1-Liter-Viertakter von Volkswagen aufzurüsten – was einige Zyniker zu dem Kommentar veranlasste, das sei so, als wenn man einer Leiche einen Herzschrittmacher einpflanzen würde – setzte die rumänische Staatsführung von Anfang an auf westliche Technologie. 1966 gab es eine internationale Ausschreibung für den Bau eines rumänischen Wagens, an der Alfa, Fiat, Renault, Peugeot und Austin teilnahmen. Als Wunsch hatte die Bukarester Führung einen Mittelklassewagen bis 1300 cm³ vorgegeben. Renault, das den Kooperationszuschlag erhielt, baute jedoch aufgrund „technischer Schwierigkeiten“ zuerst nur ein 1100-cm³-Modell, den Dacia 1100, der als Renault 8 auch für den französischen Markt hergestellt wurde.
Ähnlich dem DDR-Trabant war der nach dem ehemaligen Königreich Dakien benannte Dacia 1100, vor allem aber das Nachfolgemodell 1300, ein Wagen, auf den man lange warten musste. Wer ihn schließlich nach fünf bis acht Jahren bekam, nutzte die ungewohnte Freiheit dazu, zuerst einmal kreuz und quer durchs Land zu reisen. Von der ungarischen Grenze bis zum Schwarzen Meer sah man den Wagen ab 1970 immer öfters auf den Straßen.
Im 1968 gegründeten Werk in Piteşti gab es in der kommunistischen Zeit zwei Herstellungsbänder, eins für den Export, eins für die Inlandsproduktion. Die Einzelteile der für Rumänien produzierten Dacias waren schlechter, was aber die meisten Rumänen durch eigenhändige, oft wöchentliche Reparaturen wieder wettmachten.

Exkurs: Die schnellsten Blechbläser der Welt

Noten sind den Musikern zwischen 22 und 60 Jahren fremd – die Kunst des Musizierens wurde und wird seit ewigen Zeiten vom Vater zum Sohn weitergegeben. Die elf Roma der „Gypsy Brassband Fanfare Ciocârlia“ aus dem Dorf Zece Prajini im Nordosten Rumäniens spielen in enormem Tempo und mit einem unglaublichen Sinn für rasante Rhythmik alles, was ihnen gerade einfällt – von traditionellen Tänzen bis hin zum Jazz.
Die Musik der „Fanfaren“ – so bezeichnen die in Rumänien lebenden Roma ihre Blaskapellen – begleitet das rituelle Leben des nördlichen Teils von Rumänien. Ob Geburten, Taufen, Hochzeiten oder andere Feste – überall sind die Blasorchester fester Bestandteil. Im Laufe der Jahrzehnte haben dabei die Blasinstrumente ihren Glanz verloren und eine eigene Patina gewonnen, sie haben unzählige Narben und Beulen davongetragen, doch für eine zünftige Sîrba, Hora oder Brîu reicht es immer.
Das Repertoire von „Fanfare Ciocârlia“ besteht dabei aus einer schier endlosen Menge an Stücken, deren Wurzeln in der Volksmusik des Landes und der Balkanregion liegen und gleichzeitig eine Musiktradition der Roma repräsentieren. Das Vibrato der Trompeten, der mächtige Bass, treibende Paukenschläge, die schreienden Saxophon- und wilden Klarinettenklänge lassen inzwischen auch Amerikaner und Japaner in Verzückung geraten.
Längst sind aus den armen Dorfmusikern Platten- und Geldmillionäre geworden. Doch das hindert sie nicht daran, weiter auf Geburten, Taufen, Hochzeiten oder anderen Festen in ihrer Heimat aufzutreten. Überall sind sie fester Bestandteil. Die Musiker sind stolz auf ihr Orchester: „Wir sind eine der letzten Tzigani- Kapellen dieser Art in Rumänien, mit alter Tradition, reichem Repertoire und – wir sind die Schnellsten ...!“ Und damit meinen sie es wirklich ernst: Hat man bei der Dorfhymne „Sîrba de la Zece Prajini“ noch die Möglichkeit, den Takt mit dem Fuß mitzugehen, ist die Gefahr groß, bei der „Bâtuta la rînd“ den Boden unter den Füßen zu verlieren.
Übrigens hat auch der deutsche Spielfilm „Fanfare Ciocârlia“ mittlerweile entdeckt: Der Regisseur Fatih Akin lud das Orchester ein, in seinem Film „Gegen die Wand“ aufzuspielen. Der Film lief im Februar 2004 im Wettbewerb der Berlinale und gewann den Goldenen Bären.

Alle Texte aus: Reiseführer Rumänien von Joscha Remus

Uhrzeit und Temperatur: Bukarest

Titelbild: © Joscha Remus