»Als Schweizer geboren zu werden, ist ein großes Glück. Es ist auch schön, als Schweizer zu streben. Doch was tut man dazwischen?«
Sándor Friedrich Rosenfeld (1872-1945)

Schweiz
Schweizerische Eidgenossenschaft

01:22 h | 12 °C

Das Land In Zahlen

Einwohnerzahl:
8.081.000 (95)

Bevölkerungsdichte:
196 pro km²

Fläche:
41.285 km² (132)

Hauptstadt:
Bern

Staatsform:
Direkte Demokratie

Hauptsprachen:
Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch (Rumantsch)

Währung:
Schweizer Franken (sfr)

Nationalfeiertag:
01.08.

Internationale Ankünfte/Touristen:
8.566.000

Flugdauer:
Frankfurt -> Bern = ½ Std

Entfernung über Land:
Frankfurt -> Bern = 419,94

Frauenwahlrecht:
Ab 1971 (Kanton Appenzell Ausserrhoden seit 1990)

Durchschnittsalter:
41,6

Scheidungsrate:
2,2 je 1.000 Einwohner

Aids/HIV:
0,4 % der Bevölkerung

Höchster Punkt:
4634 m über NN (Dufourspitz)

Lebenserwartung:
Mann 79,8 Jahre, Frau 84,4 Jahre

Kleinstes Weingebiet der Welt:
1,67 m² und 3 Rebstöcke (Eigentümer: Dalai Lama)

Dies und Das

Natur

© Eva M. Neuenschwander

Eine Besonderheit in den Alpen ist die Flora, denn die Alpenflora muss unter schwierigen Klimaverhältnissen gedeihen: Am Tag steigt das Thermometer unter der intensiven Sonneneinstrahlung oft bis auf 40 °C, sinkt dann aber in der Nacht insbesondere im Winter extrem stark ab. Diesen Klimaanforderungen angepasste Pflanzen haben oft einen besonderen Wuchs und besondere Formen. Die Alpen sind aber auch ein naturnaher Kulturraum: Die sonnigen Südhänge sind oft gerodet, bestehen aus Äckern, Weiden und sind mit Reben bepflanzt, die schattigen Nordhänge dagegen meistens bewaldet. Die Blumen der Alpen zeichnen sich durch ihre besondere Farbenpracht aus, müssen sie doch die Insekten oft in sehr kurzer Zeit anlocken. Alpenrose, Enzian, Edelweiß, Alpenveilchen, Primel, Weißer und Gelber Alpenmohn, Soldanella und Türkenbund sind nur einige von ihnen. Viele, weit über Hundert, sind heute geschützt, d.h. pflücken und ausgraben ist strikt verboten.

Tiere

© Eva M. Neuenschwander

Die Tierwelt der Schweiz unterscheidet sich wenig von derjenigen des restlichen Mitteleuropas. Unter den Säugern sind Hasen seltener geworden, Rehe viel häufiger Füchse gibt es überall, neuerdings regelmäßig auch in den Städten. Dachse und Igel trifft man immer wieder an. Der Luchs wurde wieder angesiedelt und vermehrt sich dank Schutz in verschiedenen Gebieten der Alpen, v.a. im Berner Oberland. Der Wolf dringt langsam aus Italien wieder in das schweizerische Alpengebiet vor.

 

Essen

Die Schweizer Küche gibt es nicht, entweder ist sie international oder regional: Es gilt eine große Anzahl unterschiedlicher Gerichte auszuprobieren. Kulinarisch enttäuschen Schweizer Köche auch eher selten. Die Küche ist meist sauber, gepflegt, beeinflusst von der Kultur der Nachbarländer und auch von außereuropäischen Einflüssen. Einige Köche genießen Weltruhm. Nicht ganz zu Unrecht werden die Schweizer als ein Volk von Käseliebhabern bezeichnet. Einige Schweizerkäse wie der Emmentaler und der Gruyère genießen Weltruf. Die Käsespeisen Fondue und Raclette sind nicht nur bei Touristen die populärsten Speisen an kalten Tagen. Neben dem traditionellen Hartkäse produzieren die Käsereien in der Schweiz zunehmend sehr schmackhafte Weichkäse.

Reisezeit

© H. Salzmann

Die Reisezeit für einen Besuch der Schweiz hängt von den Interessen ab. Immer besuchenswert sind die größeren Städte mit ihrem Kulturangebot. Baden in den Seen und Flüssen kann man je nach Wetterlage von Juni bis ca. Ende August. Wanderungen können das ganze Jahr hindurch an schönen Tagen sehr attraktiv sein, gerade auch im Winter im Voralpengebiet oder Schneewandern in den Alpen (informieren Sie sich über die Witterungsverhältnisse und Routen und gehen Sie keine Risiken ein!). Milde Temperaturen oder viel Sonne bieten alle alpinen Regionen und die größeren Schweizer Seen, insbesondere der Lac Léman (Genfersee) und das Drei-Seen-Gebiet. Als überdurchschnittlich sonnig gelten alle Gebiete südlich der Alpen, d.h. neben der „Sonnenstube“ Tessin auch das Wallis und das Engadin.

 

weiter

Die Klimaveränderungen lassen jedoch kaum noch sichere Prognosen zu: War früher der Herbst ein sicherer Tipp für sonnige Tage, so kann man heute unangenehme Überraschungen erleben. Man soll sich durch die Nähe Italiens nicht täuschen lassen. In Folge der Höhenlage kann es überall empfindlich kalt werden. Im Mittelland ist im Herbst und Winter mit Nebel zu rechnen, besonders am Jura-Südfuß. Während des ganzen Jahres findet man in der Schweiz ein Bett. Es gibt keine richtige Hochsaison. Ausnahmen gelten jedoch für ausgesprochene Pauschalreisedestinationen (z.B. Luzern, Interlaken) im Juli und August.

Religion

38,6% Katholiken, 28,0% Protestanten, 4,5% Muslime, 0,2% Juden, u.a.; 20,1% konfessionslos

Tipps

Wörter die weiterhelfen

Wie häsch es? / Bisch zwääg?
Wie geht’s?

Machs guet! / Sii juu!
Bis bald!

Grüezi! / Grüessech!
Guten Tag!

Uf Widergüx! / En Schööne! / Adee! / Adiöö !
Auf Wiedersehen

Kleine Sprachhilfe
Kauderwelsch Schwiizertüütsch, Band 71

Dos and Don'ts

Dem Gast muss klar sein: „Schwyzertütsch“ gibt es nicht. Mit einem „Grüezi“ versuchen nette deutsche Gäste den Kontakt zu Schweizern zu erleichtern. Doch mit „Grüezi“ wird vor allem im Großraum Zürich und in der Ostschweiz gegrüßt. Wir empfehlen deshalb: Vermeiden Sie das „Grüezi“ und, wenn Sie nicht ausdrücklich zur allgemeinen Erheiterung aufgefordert werden, ein schwieriges Wort wie Miuchmäuchterli (Milchkanne) oder Chuchichäschtli (Küchenschrank) auszusprechen.

Verzichten Sie auch auf die berüchtigten Diminutive (Fränkli, Bubli, Schwiitzerli), mit denen Sie ganz sicher keine Bonuspunkte bei Schweizern holen. Diese empfinden das als Verunglimpfung ihrer Sprache, obschon sie andererseits selber ungehemmt solche Verkleinerungsformen verwenden. Aber eben: Unter Schweizern weiß man, welche Diminutive erlaubt sind! Bleiben Sie beim vertrauten Hochdeutschen oder sprechen Sie ruhig Schwäbisch oder Rheinhessisch. Man wird Sie im Allgemeinen verstehen.

In der italienisch- oder französischsprachigen Schweiz kennt man kaum Abgrenzungsprobleme gegenüber den deutschen Nachbarn: Ein „Pondtschorno“ ird hier durchaus als sympathisch empfunden, auch wenn es phonetisch etwas verunglückt ist.

Exkurs: Combats des Reines – Kuhkämpfe im Wallis

Im Frühjahr und im Herbst kann man im Wallis einer Volksbelustigung der besonderen Art beiwohnen, denn dann finden hier die Combats des Reines statt – die von heißen Wetten begleiteten Kuhkämpfe. Dabei werden die kampflustigsten Exemplare der alten Eringerrasse, einer kleinen schwarzbraunen gedrungenen Walliserrasse, zusammengeführt. Die packenden Ausscheidungskämpfe enden mit dem Sieg der „Königin“ (reine). Unterdessen gibt es natürlich Spezialisten in der Aufzucht besonders kampflustiger Exemplare und man munkelt von Doping mit Haferflocken und Ähnlichem. Doch weder die Blutrünstigkeit der spanischen Stierkämpfe noch die chemieunterstützten Spitzenleistungen des Sports wird man hier antreffen. Wer an einer der Arenen vorbeikommt, in der gerade ein Kampf stattfindet, sollte unbedingt einige Zeit zusehen. Der Final findet jeweils im Mai in Aproz statt.

Exkurs: Die Geschichte des Monte Verità

Auf dem Hügel oberhalb von Ascona gründeten zu Beginn des 20. Jh. verschiedene Persönlichkeiten unter der Leitung von Ida Hofmann und Henri Oedenkoven eine Kolonie. Sie befürworteten eine neue Lebensphilosophie, die auf der Rückkehr zur Natur, der Befreiung von allen Fesseln, der vegetarischen Ernährung, der Bewegung in der freien Natur, dem Sonnenbad, dem Nudismus und der Theosophie beruhte.

Die Kolonie wurde als Sanatorium Monte Verità bekannt und stand allen offen. Zu den Gästen zählten viele Persönlichkeiten des Kulturlebens der damaligen Zeit, einer der Ersten war Erich Mühsam, der seine Eindrücke in der Broschüre „Ascona“ von 1905 festhielt. Weitere Gäste waren der Locarneser Maler Filippo Franzoni, die Schriftsteller Hermann Hesse und Erich Maria Remarque, der Anarchist Raphael Friedeberg und der Psychoanalytiker Otto Groß. Auf dem legendären Hügel, auf dem schon im letzten Viertel des 19. Jh. eine unglaubliche Zahl von alternativen Kulturformen erprobt wurde, sind heute nur noch wenige Spuren der „Ballabiotti“ (Nackttänzer) zu finden, wie die Einheimischen die exzentrischen Persönlichkeiten nannten. Um den damaligen Bewohnern des Monte Verità nachzuspüren, empfiehlt sich ein Besuch des Museums Casa Anatta, eingerichtet in der einzigen erhaltenen Lichthütte.

Nach einer Bankkarriere kam der deutsche Baron Eduard von der Heydt 1926 nach Ascona und erwarb den Monte Verità. Der reiche Bankier war seit seiner Jugend von der asiatischen Kunst begeistert und wandte viel Energie und Geld auf, um den Monte Verità in ein Kulturzentrum von internationalem Rang zu verwandeln. Von 1929 bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs organisierte er in Ascona Seminare, an denen die bedeutendsten Kenner der asiatischen Kunst teilnahmen.

Von der Heydt gründete eine Stiftung für philosophische und religiöse Studien. Er veröffentlichte etliche seiner Studien über chinesische Kunst und stellte seine reichen Sammlungen den wichtigsten schweizerischen Museen zur Verfügung. 1956 trat er den Monte Verità an den Kanton Tessin ab und legte in der Schenkungsurkunde fest, dass dieser Ort ein Zentrum der künstlerischen und kulturellen Tätigkeit bleiben müsse. Baron von der Heydt liegt auf dem Friedhof von Ascona begraben.

 

Aus: Reiseführer Schweiz mit Lichtenstein von Eva Meret Neuenschwander und Jürg Schneider

Uhrzeit und Temperatur: Bern

Titelbild: © Eva M. Neuenschwander