»Ein erfahrener Mann ist ein kleiner Prophet«
Slowakischer Aphorismus

Slowakei

Slovenská republika
Slowakische Republik

01:16 h | 8 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
5.419.000 (Weltrang 114)

Bevölkerungsdichte
111 Einw. pro km²

Fläche
49.034 km² (131)

Hauptstadt
Bratislava

Staatsform
parlamentarische Republik

Hauptsprachen
Slowakisch

Währung
Euro

Nationalfeiertag
1.1.

Internationale Ankünfte/Touristen
1.670.000

Flugdauer
650 km ≈ 1 Std.

Entfernung über Land
780 km

Nachbarstaaten
5 (A, CZ, PL, UA, H)

Grenzlänge
1766 km

Höchster Berg
Gerlachovský štít (2.655 m)

Länge der Donau in SK
172 km

Längster slowakischer Fluss
Waag (403 km)

UNESCO Welterbestätten
7

Marathon Košice
seit 1924 (ältester Europas)

Burgen und Kastelle
645 Stück

Mineralquellen
1657 offizielle Quellen

Aragonit-Höhle Ochtiná
eine von vier weltweit

Höhle Krásnohorská jaskyňa
größter Tropfstein der Welt (32,6 m)

Geysir von Herľany
Wassertemperatur ≈ 15°C

Altar in Levoča
18,6 m lang (Weltrekord)

Münzstätte Kremnica
ältestes Unternehmen der Welt (seit 1328)

Erste Technische Hochschule der Welt
Bergbauakadamie Banská Štiavnica (1762)

Dies und Das

© Eva Gruberová und Helmut Zeller

Natur

Als das „Volk unter der Tatra“ bezeichnen die Slowaken sich selbst. Die Gebirgskette der Karpaten beginnt bei Bratislava und zieht sich über 1200 km hinweg bis nach Rumänien. An diesen Karpatenbogen schmiegt sich die Slowakei. Dessen höchste Erhebung, der 2655 Meter hohe Gerlachovský štít, liegt in der Tatra. Die waldreichen Gebiete der Karpaten und vieler anderer Bergketten bedecken mehr als zwei Drittel der Fläche der 49.034 Quadratkilometer großen Slowakei. Den Rest nehmen die Tiefebenen im Süden ein.

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Eine große Vielfalt an Naturerscheinungen, wobei es im Norden und Osten des Landes noch fast unberührte Gebiete gibt, charakterisiert das kleine Land im Herzen Europas: Hochgebirge und fruchtbare Tiefebenen, reißende Gebirgsbäche, Ströme, Wasserfälle, Mineral- und Thermalquellen, Gebirgsseen (Meeresaugen genannt), Schluchten und Höhlen von kilometerlanger Ausdehnung, tiefe Täler und Wälder mit Urwaldcharakter bilden die Grundlage für eine bunte Flora und Fauna mit einer großen Artenvielfalt, nach der man in Deutschland vergeblich sucht. Sieben Nationalparks bedecken etwa fünf Prozent der Landesfläche.
Die Slowakei hat ein subkontinentales Klima mit warmen Sommern und kalten Wintern. Die wärmste Gegend ist das Donautiefland, die kühlste die Tatra, wo die Schneedecke bis zu 200 Tage im Jahr liegen bleibt.
Die Slowaken lebten immer in enger Verbundenheit mit der Natur, die abwechslungsreiche Topographie hat die große Vielfalt an lokalen Kulturen hervorgebracht, die in den abgeschiedenen und schwer zugänglichen Gebirgstälern und Waldgebieten entstanden sind.

Tiere

Mehr als 40.000 Tierarten leben in der Slowakei. Die meisten Tiere sind in den natürlichen Refugien der Bergwelt und der dichten Wälder beherbergt. Wölfe, Luchse und Bären (die in anderen europäischen Ländern längst ausgestorben sind) kann man in den Karpaten antreffen. Murmeltiere, Gämsen und Steinadler vermehren sich in der Hohen Tatra. Reich ist auch der Bestand an Wildschweinen, Auerhähnen, Hirschen und Rehen. Das größte europäische Säugetier, der Wisent, wurde in einem Großgehege bei der Stadt Topoťčianky heimisch gemacht.
In der Donautiefebene leben seltene Vogelarten wie Kormorane, Seeadler, Großtrappen und Weißstörche, die auf Türmen und Schornsteinen ihre Nester gebaut haben.

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In den Flüssen gehen Otter auf die Jagd, und auch die Biber sind zurückgekehrt. In manchen der sauberen Gebirgsbäche tummeln sich Huchen, Gründlinge und Regenbogenforellen.
Im Naturpark Slowakisches Paradies (Slovenský raj) in der Mittelslowakei finden sich Hunderte von Schmetterlingsarten. Die europaweit größte Vielfalt an Fledermäusen soll es an der Grenze zu Polen und zur Ukraine geben.

© Eva Gruberová und Helmut Zeller

Essen

Auch an der slowakischen Küche merkt man die kulturelle Vielfalt des Landes und den Einfluss der Nachbarländer. Heimisch geworden sind ungarisches Gulasch und Palatschinken, scharfe Fischsuppe „Halászlé“ oder Paprikawürstchen, aus Österreich Wiener Schnitzel und Apfelstrudel, polnische und ukrainische Suppen (vor allem aus Kraut) oder Piroggen (Teigtäschchen aus Kartoffelteig). Aus Böhmen und Mähren wurden Knödel, Kartoffelgerichte und Dutzende von Kuchen übernommen. Gänsebraten, eine traditionelle Spezialität in den Kleinen Karpaten, stammt von den Kroaten, die sich in dieser Gegend im Mittelalter niedergelassen hatten. Zu einem Gänsebraten schmecken „lokše“, eine Art Palatschinken aus Kartoffelteig.

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Für die traditionellen slowakischen Gerichte werden vor allem einheimische Produkte verwendet: Wurzel- und Kohlgemüse, Kartoffeln, Kraut, Hülsenfrüchte, Fleisch von Schwein, Rind und Hammel, Geflügel, Wild und Süßwasserfisch. Fleischgerichte werden zwar schmackhaft, aber mit wenig Raffinesse zubereitet, es sei denn man besucht ein gehobenes und entsprechend teures Restaurant. Gegrilltes Fleisch dagegen wird überall gut zubereitet. Eine wichtige Rolle spielen in der slowakischen Küche Suppen – am häufigsten bekommt man Knoblauch-, Bohnen-, Pilz- und Sauerkrautsuppe (kapustnica), die man mit Pilzen, Knoblauch und pikanten Würstchen auch zu Weihnachten isst.
Die gebirgige Landschaft der Mittelslowakei, deren Bewohner vor allem Hirten waren, ist Heimat des ausgezeichneten Schafskäses, des Bryndza (Brimsen). Bryndza ist der Hauptbestandteil der slowakischen Nationalspeise Bryndzové halušky (Brimsen- Nocken). Dieses einfache Kartoffelteiggericht mit Speck, früher ein typisches Essen armer Leute, genießt in der slowakischen Küche Kultstatus. Nach einer anfänglichen Begeisterung für die westeuropäische und die amerikanische Küche, die sich nach der politischen Wende im Jahre 1989 ausgebreitet hatte, kehren die Slowaken zu ihren einheimischen Speisen und Lieblingsessen zurück. Diese Trendwende hat viel mit der Entstehung des eigenen Staates im Jahre 1993 und dem damit auflebenden Nationalbewusstsein zu tun. Obwohl ein ähnliches Produkt wie Bryndza auch in Rumänien, einem Land mit ebenfalls traditioneller Schafzuchtkultur, hergestellt wird, gilt der Brimsenkäse der Slowaken als einmalig. Das salzige Schafskäseprodukt ist in der Zeit vor dem EU-Beitritt sogar zum heiß diskutierten Thema geworden, als Brüssel den slowakischen Bergbauern und Milchproduzenten mit Exportverbot drohte: Die Experten für Lebensmittelhygiene sahen das Problem in der traditionellen Art, wie Bryndza hergestellt wird. In der überwiegenden Zahl von Almhütten, die hoch in den Bergen oder am Dorfrand liegen, wird die Milch von den Schafen nach wie vor mit den Händen gemolken und oft nicht pasteurisiert. Brimsenkäse, der aus einer solchen Milch hergestellt wird, beinhalte zu viele Bakterien, bemängelten die Brüsseler Wächter. Nur unpasteurisierter Brimsenkäse kann seine probiotische Wirkung erhalten, entgegneten die slowakischen Brimsenexperten. Für die slowakischen Schäfer ist die Sache klar: Nach dem Verzehr von Bryndza ist noch keiner gestorben, sagen sie spöttisch. Im Gegenteil – der Brimsenkäse und die Schafsmolke „žinčica“, die bei seiner Herstellung entsteht und in großen Krügen gesammelt wird, sollen als medizinische Wundermittel „hundert Krankheiten“ heilen. Wie dem auch sei, die Slowaken setzten sich mit ihrer Argumentation durch. Sie und nur sie allein dürfen auf dem EU-Markt Bryndza als landestypische Spezialität der Slowakei anbieten.

Reisezeit

Die beliebteste Reisezeit sind die Sommermonate Juli und August, die auch die wärmsten Monate mit Temperaturen bis 30° Celsius sind. In dieser Zeit haben die slowakischen Kinder und Jugendlichen Schulferien, viele Familien verbringen den Urlaub im eigenen Land. In den letzten Augusttagen geht die Saison in den touristischen Zentren langsam zu Ende. Einige Thermalbäder sind aber auch außerhalb der Sommermonate gut besucht.
Skifahrer bevorzugen naturgemäß die schneereichen Monate Januar bis März mit Durchschnittstemperaturen von minus 2°. Das ist die Zeit für den Wintersport in den Gebirgen der Hohen und Niederen Tatra sowie in der Kleinen und Großen Fatra. Zur Hochsaison gehören auch Weihnachten und Ostern.

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Von Anfang September bis Mitte Oktober herrscht ideales Wanderwetter. Die Temperaturen sind nicht allzu hoch, dennoch kann man noch einige Tage mit hochsommerlichem Wetter genießen. Die Niederschlagsmenge verringert sich, es herrscht ein stabiles, angenehmes Wetter. Die meisten Hotels, Pensionen und Ferienhäuser haben teilweise deutlich reduzierte Preise, und die Wanderwege sind nicht überlaufen.
Für Städte- und Kulturreisen eignen sich Frühjahr und Herbst. Bereits im Mai steigen die Temperaturen im slowakischen Süden auf sommerliches Niveau, die Burgen und Schlösser öffnen wieder ihre Tore für Besucher. Einen Kuraufenthalt kann man während des ganzen Jahres einplanen.

© Eva Gruberová und Helmut Zeller

Religion

Der Glauben ist in der slowakischen Bevölkerung weit verbreitet. Über 86% gaben an, dass sie einer Religion angehören. Davon ordnet sich die Mehrheit, nämlich 62%, dem römisch-katholischen Glauben zu. Dies ist wenig verwunderlich, existiert doch die Kirche St. Margareta bei Kopčany schon seit dem 9. Jahrhundert. Die nächstgrößere Glaubensgemeinschaft ist die evangelische Kirche mit 6% gefolgt von der griechisch-katholischen mit knapp 4%. Es gibt auf dem Territorium noch weitere, kleinere Glaubensrichtungen, darunter auch Orthodoxe, Juden und Muslime. Leute die angaben keiner Religion anzugehören machen einen Teil von gut 13% der Landesbevölkerung aus.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

dobré ráno

Guten Morgen

dobrý den

Guten Tag

dobrý večer

Guten Abend

dobrú noc

Gute Nacht

dovidenia

Auf Wiedersehen

ahoj

Hallo (auch beim Abschied)

ďakujem pekne

Dankeschön

prosím

Bitte

nemáš za čo

Nichts zu danken

vitajte

Willkommen

prepáčte

Entschuldigen Sie

áno

ja

nie

nein

neviem

ich weiß nicht

nevadí

das macht nichts

malý

klein

veľký

groß

starý

alt

nový

neu

pomoc

Hilfe

prvá pomoc

Erste Hilfe

Links die weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.de | www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Visum: www.pressburg.diplo.de/Visabestimmungen | www.auswaertiges-amt.de/Slowakei/Visa

Fremdenverkehrsamt: www.slovakia.travel/de

Deutsche Botschaft: www.pressburg.diplo.de

Slowakische Botschaft: www.berlin.mfa.sk

Reise- und Gesundheitsinformationen: www.crm.de

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

Dos and Don’ts

Ähnlich wie in südeuropäischen Ländern wird kaum ein Slowake in einem Restaurant eine getrennte Rechnung verlangen. Abwechselnd zahlt einer für alle. Das gehört zum guten Ton, weshalb die Kellner schon von sich aus eine gemeinsame Rechnung an den Tisch bringen. Üblich ist es auch, dass Männer für Frauen bezahlen, ohne dabei irgendwelche Hintergedanken zu hegen.
Die Slowaken haben ein anderes Verhältnis zur Zeit als etwa die Deutschen. Von einem eingeladenen Gast wird keine exakte Pünktlichkeit erwartet, 20 bis 30 Minuten Verspätung werden als normal empfunden. Eine Ausnahme sind Geschäftstreffen, aber auch da kann es vorkommen, dass ein Geschäftspartner nicht pünktlich erscheint.
Wenn Sie in eine Privatwohnung oder in ein Haus eingeladen werden, sollten Sie ihre Schuhe vor der Tür lassen. Die Gastgeber werden ihnen Hausschuhe anbieten, es sei denn, sie fordern Sie aus Höflichkeit auf, ihre Straßenschuhe doch anzulassen. Gelegentlich wird der Gast in einer Pension auch aufgefordert, seine Straßenschuhe beim Betreten des Hauses auszuziehen.
Gäste werden häufig mit einem Gläschen Hochprozentigem, durchaus auch schon am Morgen, begrüßt. Es wäre unhöflich, das Angebot auszuschlagen, es sei denn, Sie geben dafür gesundheitliche Gründe an. Wenn Sie ein zweites Gläschen, das fast immer folgt, vermeiden wollen, schieben Sie z.B. eine Magenverstimmung vor.

Exkurs: Die slowakischen Holzkirchen

Die meisten der Holzkirchen des östlichen Ritus (griechisch-katholische und orthodoxe) wurden im Nordosten der Slowakei im 17. Jahrhundert gebaut. Heute stehen auf diesem Gebiet zwischen West- und Ostkarpaten über 50 Holzkirchen dieser Art, die man „Cerkev“ nennt. 35 von ihnen sind als nationale Kulturdenkmäler geschützt. Die wertvollsten wurden in den Regionen gebaut, wo Ruthenen und Ukrainer lebten, also in der Umgebung von Bardejov, Svidník und Snina. Sie stellen bewundernswerte Werke der Volksarchitektur dar und sind reich ausgestattet mit Ikonen. Einige der Holzkirchen sind mittlerweile Bestandteile von Freilichtmuseen.
Die Kirchen wurden aus Holz gebaut, weil dieses Material reichlich verfügbar und am billigsten war. Hauptsächlich verwendete man Lärche, weniger Eibe, Fichte und Tanne. Für Glockentürme benutzte man Buchen- und Eichenholz. Ein Cerkev steht meistens an einem Hügel und dominiert die Umgebung. Charakteristisch für diese Art von Holzkirchen sind die Balkenkonstruktion und ein Schindeldach. Auf slowakischem Gebiet sind am meisten die Holzkirchen des Lemkauer Typs der Ostkirche vertreten, für die ein dominanter Westturm und Dreiteiligkeit charakteristisch sind: der so genannte Weiberraum (babinec) für die Frauen und Kirchgänger, die zu spät kommen, das mittlere Schiff mit den Sitzbänken, und der Altarraum, der durch die Ikonostase vom mittleren Schiff abgetrennt ist. Hier haben die Frauen keinen Zutritt. Beim bojkischen Typ, den zum Beispiel die Holzkirche in Nižný Komárnik bei Svidník vertritt, ist der mittlere Turm am höchsten.
Die evangelischen Artikularkirchen sind aus den politischen, sozialen und religiösen Unruhen im 17. Jahrhundert hervorgegangen. Zu den türkischen Einfällen kamen die antihabsburgischen Aufstände des ungarischen Adels. Die Erfolge des Thököly-Aufstandes, dem sich die evangelischen Gläubigen angeschlossen hatten, zwangen Kaiser Leopold I., auf dem Sopornyer Reichstag im Jahre 1681 den Protestanten den Kirchenbau zu erlauben. Nach dem 25. und 26. Artikel des kaiserlichen Dekrets nannte man diese Kirchen Artikularkirchen. Sie hatten strengen Auflagen zu entsprechen. Die Kirchen mussten an einem genau benannten Ort aus Holz, auf einem niedrigen Mauersockel und in einem dazu bestimmten Zeitraum erbaut werden. Sie durften nur am Ortsrand stehen, keinen Glockenturm haben (der wurde erst später angebaut), und das Eingangstor musste auf der Rückseite sein. Auch durfte kein Metallstück oder Stein für den Bau verwendet werden. Viele wurden deshalb nur provisorisch gebaut und später ersetzt. Die Mehrzahl der Artikularkirchen wurde von heimischen Zimmerleuten erbaut, an den größeren Bauten, wie etwa an der Artikularkirche von Kežmarok, arbeiteten erfahrene Bauleute.

Exkurs: Die slowakischen Weine

Schon die Kelten und Römer haben an den Hängen der Kleinen Karpaten Reben gezogen, die mit ihren günstigen Klima- und Bodenbedingungen wie geschaffen dafür sind. Seinen einstigen Reichtum verdankte Pressburg (Bratislava) dem Handel mit Wein. 1435 lebten in der Stadt bereits 474 Winzer mit ihren Familien. Der Wein wurde nach Böhmen, Österreich und in die deutschen Länder exportiert. 1579 tranken die Prager vor allem Wein aus der Region um Pressburg. 1825 baute angeblich ein zurückgebliebener Soldat der napoleonischen Truppen in Pressburg ein Sektimperium auf: „Hubert Sekt“ entstammt einer der ältesten Sektherstellungen nach der Champagner-Methode in Europa und kann noch heute gekauft werden. Heutzutage sind die unzähligen Heurigen-Lokale verschwunden, und kaum jemand möchte glauben, dass die Slowakei für ihre Weinregionen einst berühmt war. 40 Jahre Kommunismus haben die große Tradition unterbrochen: Die in den staatlichen Genossenschaften auf Menge produzierten Einheitsweine haben den ehemals guten Ruf slowakischer Winzer vergessen gemacht. Eine kleine Gruppe von Winzern in der Region der Kleinen Karpaten und im Tokaj-Anbaugebiet im Osten des Landes will an die verlorene Tradition anknüpfen. Noch fehlt Geld für die teure Technik der Weinherstellung, aber seit 1993 entstehen wieder beachtliche Kredenzen auf dem Boden der ältesten Weinanbauregion in den Kleinen Karpaten. Hier gedeihen als typische Rebsorten die Mädchentraube, Traminer, Rheinriesling, Grüne Silvaner und Veltliner.
In Rača, heute zu Bratislava gehörend, wird der „Frankovka“, der Blaufränkisch, der bekannteste slowakische Tropfen, gekeltert. Die heißen Sommer und kalten Winter bieten die Voraussetzung für fruchtige Weißweine und vollmundige Rotweine. Der Frankovka gilt als König der Rebsorten; diese sehr alte Rebe ist noch aus der Zeit vor den Römern vom Schwarzen Meer über die Donau in die Slowakei gelangt. Der Frankovka hält dem Vergleich mit manchem Rotwein aus West- oder Südeuropa durchaus stand.
Auch der Einzelhandel besinnt sich wieder auf die Weintradition: Neuerdings entstehen Feinkostläden, die neben französischen und italienischen Sorten auch die einheimischen Gewächse anbieten. In den Regalen der Geschäfte ziehen nun auch die typisch langhalsigen Flaschen des berühmten „Tokajers“ die Blicke auf sich. Zur allgemeinen Überraschung stammt dieser Tropfen jedoch nicht aus Ungarn. Im Osten des Landes an der Grenze zu Ungarn liegt ein schmaler Streifen des legendären Anbaugebietes für Tokajer auf slowakischem Territorium, der im 20. Jahrhundert nahezu brachlag. Sieben Winzer ziehen den edlen Tropfen in tiefen Weinkellern heran und machen den Ungarn Konkurrenz. Denn der kostet nicht nur weniger, sondern es gibt ihn auch in unterschiedlicheren Varianten der Schwere und Süße als bei den ungarischen Nachbarn.
Vor einigen Jahren noch war man nicht immer gut beraten, in einem Restaurant Wein zu bestellen. Die Situation hat sich grundlegend geändert. In den Vinotheken und Weinkellern der Altstadt von Bratislava wie auch in anderen Städten des Landes werden beachtliche Weine serviert.

Alle Texte aus: Reiseführer Slowakei von Eva Gruberová und Helmut Zeller
Außerdem von Max Reitmeyer

Uhrzeit und Temperatur: Bratislava

Titelbild: © Eva Gruberová und Helmut Zeller