»Wenn Freunde aus der Ferne zu Besuch kommen – ist das nicht wahre Freude?«

Konfuzius

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Taiwan (Republik ), China
Zhōnghuá Mínguó
Republik China

07:01 h | 27 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
23 318 000 (51)

Bevölkerungsdichte
648 km²

Fläche
36 006 km² (Weltrang 135)

Hauptstadt
Taibei (Taipeh)

Staatsform
Parlamentarische Republik

Hauptsprachen
Chinesisch / Taiwanisch

Währung
Neuer Taiwan Dollar (NT$)

Nationalfeiertag
10.10.

Internationale Ankünfte/Touristen
30 701 987 (2013)

Flugdauer
9 382,29 Entfernung km ≈ 12 Std.

Vogelarten
400

Taipeh
508 m, höchster grüner Wolkenkratzer

Taipeh Jademarkt
800 Jade-Händler

Fokuang Shan
480 vergoldete Buddhastatuen

Dies und Das

Natur

In den je nach Höhenlage unterschiedlichen Nadel-, Misch- und tropischen Wäldern Tai Wans wachsen über 4000 verschiedene Pflanzenarten. Neben der Akazie ist der Bambus die verbreitetste Art. Beide werden noch heute in entlegenen Gebieten als Brenn- oder gar Baustoff genutzt, die Sprossen des jungen Bambus auch als Lebensmittel. Von den zahlreichen Unterarten des Bambus werden Besucher vor allem den baumstammdicken Bambus in den tropischen Regionen sehen, oberhalb der Nadel Baumgrenze in den Berglagen ab 2500 m den fingerdicken Bergbambus.

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Für die heimische Forstwirtschaft spielen der immergrüne Lorbeer, Nutzpalmen und die chinesische Korkeiche die größte Rolle. Das Frühjahr ist auf Taiwan von einer faszinierenden Farbenpracht der Azaleen und der Kirsch- und Pflaumenblüte geprägt, im Sommer sind die rosafarbenen und weißen Lotosblüten auf Seen und Teichen sehenswert. An Speisefrüchten werden in den mittleren Höhenlagen Birne, Apfel und Kirsche, in den warmen Regionen der Ebenen Mango, Sternfrucht, Guave, Litschi und Ananas angebaut. In den unteren Höhenlagen rund um den ALiShan kann man ausgedehnte Teepflanzungen besuchen und einen Einblick in die Erzeugung des Nationalgetränks der Chinesen gewinnen.

Tiere

Aufgrund seiner Lage in der subtropischen Klimazone und der vielfältigen Höhen- und Meereslagen beheimatet Taiwan etwa ein Zwölftel aller Tier- und Pflanzenarten der Welt, darunter viele seltene und bedrohte Arten. Allein 400 verschiedene Schmetterlings-, rund 400 einheimische Vogelarten und ebenso viele Zugvögel sind auf Taiwan zu finden. Weiterhin haben dort 61.000 Säugetier-, 92 Reptilien-, 30 Amphibien-, 150 Süßwasser - fisch- und 50.000 Insektenarten ihren Lebensraum. Nicht verschwiegen werden darf, dass der Bestand an seltenen Tieren wie Schwarzbär, Leopard, fliegendem Fuchs oder Zibetkatze durch Urbarmachung und Rodung der Wälder erheblich reduziert wurde.

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Am häufigsten treffen Reisende heute auf Wildschafe, Wildschweine, Felsenaffen und Berghasen. In den Berglagen leben zwischen 1400 und 2000 Höhenmetern Mikado-Fasane und Drosselarten. In den Reisfeldern und Flussläufen der Niederungen brüten Wasserhühner, Rallen, Mandarin- und Krickenten.

Durch verstärkten Umweltschutz, Jagdverbote für geschützte Tiere und die Einrichtung besonderer Nationalparks sollen die bedrohten Tierarten wieder zu größeren Populationen heranwachsen. Zur Zeit existieren fünf Nationalparks auf Taiwan.

Essen

Das Kochen wird in China und TaiWan nicht als Handwerk, sondern als Kunst verstanden, die Verbindung von Optik, Geschmack und Geruch spielt in allen chinesischen Küchen eine Schlüsselrolle.

Die regionalen Besonderheiten Festlandchinas haben über die Jahrtausende zahlreiche vollkommen unterschiedliche Küchen entstehen lassen, die sich in etwa so unterscheiden wie die französische von der britischen. Auf TaiWan leben die Nachkommen von Chinesen aus allen Provinzen der Republik China vor 1949. Demzufolge sind auch die zahlreichen Stilrichtungen der chinesischen Küche auf sehr überschaubarem Raum vertreten, was TaiWan bei

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Freunden der chinesischen Kochkunst besonders beliebt macht. Kulinarisch wird China in vier Regionen mit weiter unterteilten Kochstilen gegliedert: nördliche (Peking- Stil, mongolischer Stil), östliche (Shang Hai-Stil), die südliche (kantonesischer, Hakka-,  taiwanesischer und FuChou-Stil) und die westliche Küche (SzuChuan-Stil, HuNan-Stil).

Taiwanesisches Essen:

Man darf die traditionelle taiwanesische Küche nicht mit den heute auf TaiWan angebotenen Richtungen aller chinesischen Küchen verwechseln. Meeresfrüchte und Suppen aller Art waren und sind die typischen Grundlagen einer ursprünglich taiwanesischen Mahlzeit. Eine besondere Spezialität – aber auch entsprechend Entsprechend teuer – ist der Hummer. Die Speisen der traditionellen taiwanesischen Küche sind mild gewürzt und auch für den europäischen Magen sehr bekömmlich.

Reisezeit

Grundsätzlich kann folgende Empfehlung als Richtlinie gelten: Der tropische Süden ist ganzjährig attraktiv; Bergfreaks sollten auf die (regenreiche) Zeit Mitte Juni bis Mitte September verzichten, Wassersportfreunde bevorzugt die Monate von Juni bis August wählen (Pescadoren Mai bis September), überwiegend kulturell Interessierte können sich ihr individuelles Programm ganzjährig gestalten.

Das chinesische Neujahrsfest – die größte Feierlichkeit und Haupturlaubszeit des gesamten chinesischen Kulturkreises – bringt trotz seiner unbestreitbaren Attraktivität etliche Beschränkungen mit sich (Mitte Januar bis Mitte Februar, abhängig vom Mondjahr). Museen und öffentliche Einrichtungen sind geschlossen, Urlaubsgebiete überfüllt, die eigene Planung ist dann großen Unwägbarkeiten ausgesetzt.

Religion

35% Buddhisten, 33 % Daoisten, 3,5 % Yiguan Daoisten, 2,6 % Christen

Die chinesische Oper

Eine Sonderform in der Musik nimmt die berühmte Chinesische Oper (KuoChü, GuóJú, auch Peking-Oper genannt) ein. Der Tang- Kaiser TaiTsung gründete 626 n. Chr. die erste kaiserliche Schule für Hofmusik. Gesang, Musik, Akrobatik, Pantomime und Rezitativ-Gesang vereinigten sich hier zu einer vollkommen neuen Kunstform. Mythen, Legenden und historische Ereignisse bildeten den Themenkern für Darbietungen dieser neuen Opernkunst, die sich im Laufe der Zeit regional weiter- und auseinanderentwickelte. Die Ausbildung der Darsteller gehörte zu den schwierigsten und langwierigsten überhaupt, da jede Geste und Bewegung bis ins kleinste Detail einschließlich Maske und Garderobe ausgefeilt waren. Alle Rollen, auch Frauenrollen, wurden ausschließlich von Männern gespielt.

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Der bekannte Film „Lebewohl meine Konkubine“ des Regisseurs Chen Kaige bietet einen ganz ausgezeichneten Ein blick in dieses Thema. Der Schauspieler der Peking-Oper spielt weniger eine Rolle als einen Charakter, der durch die farbige Maske und das Kostüm festliegt und für den Zuschauer sofort erkennbar ist (vergleichbar dem europäischen Puppentheater). Die wichtigsten Charaktere sind der alte (weise) und der junge (kämpferische) Sheng,  die ältere und die schöne Tan, der je nach Schminke gute oder böse Ching sowie der Spaßmacher und Kommentator Chou.

Neben traditionellen Stücken werden heute auch westliche Dramen umgearbeitet, zum Beispiel Shakespeares „Macbeth“ zum „Königreich des Verlangens“ von Wu HsingKuo. Moderne Themen handeln von der schwierigen Beziehung TaiWans zum Festland und aktuellen innenpolitischen Fragen, oft in verschlüsselter Form. Für Touristen empfiehlt sich weniger der Besuch eines kompletten Opernstückes als vielmehr ein Besuch der Proben von Peking-Opernschülern der National Fu Hsing Dramatic Arts Academy (177 NeiHu- Lu, Sec. 2, TaiBei, Tel. (02) 27962666). Dienstags, donnerstags und samstags wird  ein zweistündiges Besuchsprogramm mit kurzer Aufführung, Besuch der Ausbildungsstätte und der Möglichkeit für Besucher, selbst in Kostüm und Maske zu schlüpfen, angeboten.

Taifune und taifunfrei

Die größten Niederschlagsmengen gehen in den Monaten Juni bis August auf der Insel nieder. Mit der Strömung des SO-Monsuns zieht alljährlich aber noch eine weitere Wettererscheinung herauf, der Taifun. „Taifun“ heißt auf Chinesisch TaiFeng und ist eines jener Wörter, die als chinesische Fremdwörter auch in die deutsche Sprache Einzug fanden. Diese unberechenbaren tropischen Wirbelstürme entstehen über dem Südwestpazifik und ziehen mit der Monsunströmung zum asiatischen Festland. Besonders betroffen sind immer wieder die Philippinen, TaiWan, Japan und Südchina während der Monate Juli bis September.

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Man sollte einen Taifun keinesfalls unterschätzen, auch wenn bei angemessenem Verhalten keine große Gefahr für Leib und Leben besteht. Der taiwanesische Wetterdienst gibt frühzeitige Warnungen über Richtung, voraus sichtliche Ankunft und Zielregion des Taifuns in Funk, Fernsehen und Presse (auch den englischsprachigen) bekannt. Bei Taifunwarnung können vor allem Verkehrsverbindungen kurzfristig unterbrochen werden, sodass an eine Weiterreise dann nicht zu denken ist. Berufs- und Schulverkehr sind dann besonders betroffen, auch wenn sich die Kinder und Jugendlichen über das „taifunfrei“ natürlich genauso freuen wie bei uns über hitzefrei.

Jeder Aufenthalt im Freien während eines Taifuns ist unbedingt zu vermeiden, es sind vor allem unwissende Ausländer, die durch herum wirbelnde Gegenstände getötet werden, weil sie einen Taifun live und draußen erleben wollen. Wer mehrtägige Bergtouren in den Sommermonaten plant, muss immer mit Abbruch oder Stornierung rechnen; wer alleine in den Bergen unterwegs ist, sollte sich immer nach den neuesten Wetterprognosen (bei einheimischen Reisenden, in den Unterkünften usw.) erkundigen.

Tipps

Links die weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.de | www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Kultur- und Wirtschaftsbüros: www.roc-taiwan.org/de | www.roc-taiwan.org/at | www.roc-taiwan.org/ch

Vertretungen in Taiwan: www.taipei.diplo.de | www.austria.org.tw | www.swiss.org.tw

TaiPei Tourism Office: www.taiwantourismus.de

Offizielle Website der taiwanesischen Behörden: www.taiwanembassy.org/de

Reise- und Gesundheitsinformationen: www.crm.de

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

Exkurs Die Schattenwirtschaft

Jedes Land der Erde kennt Schwarzarbeit, Vetternwirtschaft, Steuerhinterziehung und Ähnliches mehr – auch das relativ wohlhabende Taiwn. Dennoch treibt das typisch chinesische Streben nach Einsparung und Gewinn manchmal seltsame Blüten. Die Zauberworte heißen GuanXi (Beziehung) und SuiBian (nach Belieben). Will jemand ein Geschäft betreiben und erhält keine Lizenz, so kauft oder mietet er eben ein Gebäude, hängt Leuchtreklame an die Fassaden und wirtschaftet SuiBian. Ausreichende GuanXi sorgen dafür, dass niemand daran Anstoß nimmt, Kapital privat besorgt wird usw. Aus Sicherheitsgründen (Erdbeben, Taifun) durften Wohngebäude früher nicht höher als drei Etagen gebaut werden. Nun gut, dann werden drei Etagen gebaut, das Gebäude wird staatlich abgenommen, später dann wird SuiBian eine Dachwohnung oben aufgesetzt (und schwarz Miete kassiert). Ganze Unternehmen, Buslinien, Restaurants, Schulen, Hotels, ja sogar eine komplette Kabel-TV-Gesellschaft wurden so aufgezogen! Auch wenn heute die Kontrollen und Bestimmungen spürbar strenger gehandhabt werden, so ist es für ausländische Investoren oder Arbeitsuchende immer noch von Bedeutung zu wissen, ob die Firma, mit der man es zu tun hat, staatlich, illegal privat oder legal privat (d.h. in das Handelsregister eingetragen) ist. Nach inoffiziellen Schätzungen laufen rund 15 % der Wirtschaft am Staat vorbei, dennoch wird auch in den kommenden Jahren (trotz der jüngsten internationalen Krisen) eine Wachstumssteigerung von gut 2 % erwartet. Nun darf man natürlich keineswegs annehmen, dass offizielle Stellen das Problem ignorieren. Faktum aber ist, dass es die Betreiber illegaler Geschäfte oft billiger kommt, eine Strafe zu zahlen, als für eine Genehmigung den Behördenweg zu gehen. Und sollte mal etwas sein – man hat ja gute GuanXi ...

Alle Texte aus:    Reiseführer Taiwan von Werner Lips und KulturSchock VR China und Taiwan von Henne Chen

Titelfoto von: