»Sie sind müßig, wenn es darum geht, die alltägliche Arbeit zu verrichten, aber emsig genug, bei den Vorbereitungen zu den Festtagsprozessionen.«
Ernest Young, 1898

Thailand
Ratcha-anachak Thai
Königreich Thailand

06:32 h | 26 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl:
66.785.00 (19)

Bevölkerungsdichte:
130 pro km²

Fläche:
513.115 km² (Weltrang 50)

Hauptstadt:
Bangkok (Krung Thep)

Staatsform:
Konstitutionelle Monarchie

Hauptsprache:
Thailändisch

Währung:
Baht (B)

Nationalfeiertag:
5. Dezember Geburtstag des Königs

Besucher/Touristen:
19 Mio. (2011)

Anzahl der Mönche:
ca. 300.000

Anzahl Klöster/Tempel:
30.678 Wat

Höchstes Gebäude:
Baiyoke Tower II, 304 m

Längste Brücke:
Bang Na Expressway, 54000 m

Flugdauer:
8.967,17 km ≈ 11 Std.

Entfernung über Land:
12.514 km

Dies und Das

Natur

© Aroon Thaewchatturat

Thailands Landschaftsspektrum reicht von tropischen Regenwäldern im immerwarmen, regenverwöhnten Süden bis zu den europäisch anmutenden Wäldern des temperierten Nordens. Der Baumbestand der Wälder umfasst Akazien, Bambus, Redwood, Sandel- und Teakholzbäume, wovon letztere wertvolle Exportartikel sind. Tausende von Blumen verschönen Wald und Wiese, darunter allein 1000 Arten von Orchideen. Thailand hat 63 Nationalparks und 32 Naturschutzgebiete.

Tiere

Der Rückgang der Wälder hat zu einschneidender Dezimierung der Tierwelt geführt. Acht Spezies sind bereits ausgestorben oder „so gut wie“, sechzehn weitere gehören zu den gefährdeten Arten. Unter anderem Sumatra- oder Java-Rhinozerosse, Kouprey (eine wilde Ochsenart), das seltenste große Säugetier der Erde, und Tiger. 880 Vogelarten, 10 % aller Vogelarten der Welt, nisten in den Bäumen, und gelegentlich verirrt sich sogar ein Geier aus der freien Wildbahn ins zubetonierte Bangkok. Auch 100 Schlangen-, tausende Insekten- sowie über 500 Schmetterlingsarten leben in Thailand.

Wirtschaft

Etwa 60 % der arbeitenden Bevölkerung sind in der Landwirtschaft beschäftigt, nur 11 % dagegen in der Industrie. Als wichtigste Agrargüter exportiert Thailand Fisch- und Krabbenprodukte, Reis, Tapioca-Produkte, Gummi, Zucker und Mais. Die zehn einträglichsten Industrieprodukte sind Textilien, Autos, Microchips, Stoffe, Computer, Schmuck und Edelsteine, integrierte Schaltungen, Schuhe, Plastikprodukte und Möbel bzw. Möbelteile.

 

Reisezeit

Thailands Klima lässt sich in drei Jahreszeiten unterteilen: Die trockene (nicht überall!) und relativ kühle Zeit von November bis Februar, die heiße Zeit bis Mai und den Monsun von Juni bis Oktober.

Essen

© CityTrip Bangkok

Die Basis einer Thai-Mahlzeit ist Reis (khao). Dieser kann auf herkömmliche Weise gekocht oder gebraten, oder aber als Reismehl zu Nudeln (kuay tio) verarbeitet sein. Eine Spezialität des Nordostens ist der „klebrige Reis“ (khao niu; engl. sticky rice). Gebratener Reis mit Gemüse (khao phat) ist das Standardgericht vieler Traveller, da es überall erhältlich und äußerst billig ist, besonders an den Straßenständen. Die Thais essen Fleisch und Fisch – und was für Mengen! Es gibt Huhn, Schwein, Ente, Rind, geröstete Heuschrecken (20 Baht/Tüte), jede Art von Meeresgetier und Frösche. Ebenso bietet Thailand eine unglaubliche Vielfalt von Obst: Bananen (über 100 Sorten), Mangos, Mangostinen, Ananas, Papayas, Lichees, Pomelos, Orangen, Lamyai, Rambutans und Durians.

Religion

95 % Buddhisten, 4 % Muslime, 1% Christen

© Aroon Thaewchatturat

Thaiboxen

Muey/muay thai ist so etwas wie der thailändische Nationalsport. Wie Judo, Karate oder Kung Fu war auch muey thai anfangs ein System der Selbstverteidigung, das von Kriegern angewendet wurde. Im Laufe der Zeit wurden die Bewegungsabläufe von den Lehrmeistern immer mehr ritualisiert und systematisiert, was die Boxkunst verfeinerte.

Tätowierung

Thailand hat eine große religiöse Tätowierungskultur. Die sogenannten Sak Yant sind weit verbreitet und werden sowohl von Mönchen in Klöstern als auch von sogenannten ajans, was soviel wie „Lehrer“ bedeutet, mit langen Stahlnadeln in die Haut von Gläubigen geritzt. Heilige Tätowierungen gibt es in Südostasien schon seit Jahrhunderten.

Tipps

Die wichtigsten Fragewörter

thìi-nái
wo?

 

nái
wohin?

 

thammai
warum?

 

yaangrai
wie?

 

khrai
wer?

 

thàorai
wie viel?

 

wan thìi thàorai
an welchem Tag?

 

naan thàorai
wie lange?

 

Kleine Sprachhilfe
Kauderwelsch Thai, Band 19

Links die weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.de | www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Visum: www.thaiembassy.de

Thailändisches Fremdenverkehrsamt: www.thailandtourismus.de

Tourist Authority of Thailand: www.tourismthailand.org

Deutsche Botschaft: www.bangkok.diplo.de

Reise- und Gesundheitsinformationen: www.crm.de

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

The Bangkok Post: www.bangkokpost.com

Dos and Dont's

Der Reisende sollte es so halten wie die Thais: Am besten das Thema Königshaus gänzlich meiden, denn eine unbedachte oder missverstandene Bemerkung kann eine Menge Ärger einbringen. Absolut zu unterlassen ist es, Menschen an den Kopf zu fassen! Der Kopf ist nach thailändischer Auffassung der Sitz der Seele und somit der höchste Teil des Körpers.Frauen dürfen Mönche nicht berühren oder ihnen keine Gegenstände oder Essen direkt übergeben. An einem Mittwoch sollten niemals größere Unternehmungen, darunter auch Wohnungsumzüge oder Reisen, begonnen werden. Selbst das Haareschneiden an diesem Tage könnte Unglück bringen. Aus diesem Grund bleiben viele Friseurgeschäfte in den ländlichen Gebieten am Mittwoch geschlossen, es käme ohnehin kaum jemand.
Beim Essen im Familienkreis sollte niemals gesagt werden, dass das Essen gut schmeckt. Dies würden Geister hören, die dann Bauchschmerzen verursachen würden. ln gleicher Weise sollten kleine Kinder nie als hübsch, sondern immer nur als hässlich bezeichnet werden, damit die Geister nicht auf das Kind aufmerksam werden und es aus Neid peinigen.
Wer zu Fuß geht oder in einem Fahrzeug sitzt und verendete Tiere sieht, sollte darüber keine Bemerkung machen, sonst könnte ihm/ihr ein Unglück zustoßen.
Die Tochter des Hauses sollte beim Kochen niemals singen. Ansonsten bekommt sie später einen Ehemann, der um vieles älter ist als sie.
Man sollte nie auf die Schwelle eines Hauses treten, sondern immer darüber hinweg, um nicht die Geister zu verstören, die im Hause wohnen.
lm Haus darf nicht geflötet werden, da dies unweigerlich die bösenGeister anlocken würde.
Finger- oder Fußnägel sollten niemals abends oder nachts geschnitten mwerden. Wer es dennoch tut, wird sich in einen bösen Menschen verwandeln.

Exkurs: Das Fest der „Hätschelkinder“

Mae Hong Son ist der Austragungsort eines der buntesten und lebhaftesten Feste Thailands, in dem Jungen im Alter von 6–14 Jahren für die Zeit der Sommerferien zu Mönchen geweiht werden. Passionierte Fotografen tun gut daran, reichlich Filmmaterial mitzubringen, denn am Ort sind Filme relativ teuer.
Das Fest entspringt der Tradition der Shan oder Thai Yai und dauert drei Tage und beginnt mit den Schulferien Ende März oder Anfang April. Die Überlieferung will es, dass jeder Shan-Junge einmal eine Zeit als Mönch verbringt – und dazu bieten sich heutzutage die Schulferien am besten an.
Bevor aber der Ernst der Mönchszeit beginnt, werden die Jungen – in diesem Fall auch luuk gäo oder „Hätschelkinder“ genannt – gefeiert wie kleine Könige. Zu Beginn der Feierlichkeiten werden den Jungen zunächst einmal die Köpfe geschoren, so wie es sich für angehende Mönche gehört. Dann aber werden sie in farbenprächtige Kostüme gehüllt, sie werden mädchenhaft geschminkt, und ihre kahlen Köpfe werden mit Blumengestecken und Stirnbändern geschmückt. Danach werden die Jungen in langen Prozessionen von erwachsenen (männlichen) Freunden und Anverwandten auf deren Schultern durch die Stadt getragen; dabei wird jeder wichtige Tempel aufgesucht sowie jedes Haus, aus dem ein Junge zum Mönch geweiht werden soll. In den Häusern bekommen die Jungen von den Bewohnern kleine Umschläge mit etwas Geld zugesteckt.
Der Tradition gemäß dürfen die Jungen für die Dauer des Festes nicht den Boden mit ihren Füßen berühren, außer im Tempel. Folglich werden sie überall hin getragen – für drei Tage sie sind sie eben verwöhnte „Hätschelkinder“. Das Tragen soll wohl auch die „elevierte“ Stellung der Jungen symbolisieren, die nun als angehende Mönche dem Himmel näher sind als der Erde. Während der Prozessionen tanzen die Träger der Jungen übermütig zu Trommelmusik, was bei der enormen Hitze zu dieser Jahreszeit seinen Tribut fordert: Oft sind sowohl Träger als auch Getragene von den Feierlichkeiten erschöpft. Die Träger müssen alle paar Minuten abgelöst werden.
Am zweiten Tag des Festes gehen die Prozessionen weiter. Es schließen sich nun auch zahlreiche traditionell gekleidete Bewohner von Mae Hong Son an, die den Jungen Geschenke mitbringen. Mehrere kleine traditionelle Orchester begleiten die Prozession.
Am dritten Tag versammelt man sich gegen 8.00 Uhr auf dem Gelände von Wat Hua Wiang. Viele Familien posieren stolz mit ihrem „Hätschelkind“ fürs Fotoalbum. Nach ein wenig letzter Ausgelassenheit setzt man sich nun im Tempel nieder, und es wird ernst. Die luuk gäo (wörtl. „Kinder aus Glas“) hocken sich in Reih und Glied vor einigen älteren Mönchen hin und geloben in althergebrachtem Ritual Treue zu Buddha, Treue zur buddhistischen Lehre, und Treue zur buddhistischen Mönchsgemeinschaft. Danach werden ihnen feierlich ihre Mönchsroben überreicht, und aus den zuvor so ausgelassenen gefeierten Schuljungs sind nun ernsthafte kleine Novizen geworden. Es beginnt ihre kurzeMönchsperiode. Mit dem Schulbeginn im Mai ist alles vorüber, dann wird die orangefarbene Mönchsrobe wieder gegen die vertraute Schuluniform eingetauscht.
Etwas zeitversetzt zum Fest in Mae Hong Son finden kleinere Shan-Mönchsweihen in Khum Yuam statt (meist ein paar Tage früher als in M.H.S.) sowie in Pha Bong, einige Kilometer südlich von Mae Hong Son (ein oder zwei Tage später als in M.H.S). Ähnliche Feierlichkeiten gibt es zur etwa gleichen Zeit noch in Chiang Mai, z. B. an Wat Phra Non Nong Phueng in Saraphi, an der Straße nach Lamphun. Hier werden die Jungen statt auf Menschenschultern von Ponys getragen. Manche Ponys sind sturzbetrunken, da die Festteilnehmer sie mit billigem Reisschnaps bei Laune zu halten versuchen. So manch volltrunkenes Pony bricht unter der Last seines „Hätschelkindes“ zusammen, und dann muss schnell ein halbwegs nüchterner Ersatz herangezerrt werden.

Exkurs: Begrüßungen

Das Händeschütteln ist unter Thais nicht üblich. Die traditionelle Art des Grußes ist der Wai. Dazu werden die Handflächen wie zum Gebet aneinandergelegt. Wie hoch die Handflächen gehalten werden, ist abhängig von der Person, die gegrüßt wird. Von Ausländern wird nicht erwartet, dass sie den Wai beherrschen, im Gegenteil, es wirkt zumeist sogar lächerlich, wenn Ausländer versuchen, sich durch den Wai wie Thais zu benehmen. Am schlimmsten ist, wenn Ausländer eindeutig niedriger gestellte Personen „waien“, also das Zimmermädchen, die Friseuse oder den Motorradtaxifahrer. Dies ist zutiefst peinlich, und der oder die „Gewaite“ wird es als unangenehm empfinden. Allerdings lassen sie sich dies nicht anmerken, um den „Waier“ nicht zu verletzen. Für Ausländer ist es ratsam, den Wai ganz zu unterlassen, denn meist geht er schief, und der Ausländer passt eh nicht ins thailändische „Kastensystem“. Hier dennoch eine kurze Erläuterung wie er unter Thais abläuft:

 

  • Niedriggestellte werden gegrüßt, indem sich beim Wai die Daumen etwa in Brusthöhe befinden.
  • Bei Gleichgestellten haben sich die Daumen etwa in Kinnhöhe zu befinden.
  • Höhergestellte werden durch Wai mit den Daumen in Höhe der Unterlippe gegrüßt.
  • Mönche mit den Daumen zwischen den Augenbrauen grüßen.

 

Der Wai wird im Allgemeinen durch ein leichtes Senken des Kopfes unterstützt: Je angesehener die Person, desto tiefer wird der Kopf gesenkt.Wais von eindeutig niedriger Gestellten (z. B. Bettler) sollten nicht durch einen Wai erwidert werden, sondern lediglich durch ein kurzes Lächeln oder Nicken. Wird eine eindeutig niedrigere Person durch einen respektvollen Wai gegrüßt, gleicht dies einer Verhöhnung!

Aus: Thailand Handbuch von Rainer Krack und Tom Vater, Kulturschock Thailand von Rainer Krack

Uhrzeit und Temperatur: Bangkok

Titelbild: Rainer Krack