»Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren. Die nächstbeste Zeit ist jetzt.«
Sprichwort aus Uganda

Uganda 

Jamhuri ya Uganda
Republik Uganda

09:44 h | 22 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
36.346.000

Bevölkerungsdichte
151 pro km²

Fläche
241.548 (81)

Hauptstadt
Kampala

Staatsform
Präsidialrepublik

Hauptsprachen
Englisch, Kisuaheli, Luganda

Währung
Uganda-Schilling (UGX)

Nationalfeiertag
09.10.

Internationale Ankünfte
210.000 Touristen pro Jahr

Flugdauer
5.980,85 km ≈ 7 ½ h

Entfernung über Land
9.687 km

Einwohner pro Arzt 
ca. 20.000 (Stand 2011)

Lebenserwartung
52 Jahre

Amtszeit des Präsidenten Yoweri Kaguta Museveni
28 Jahre (5 mal wiedergewählt/ seit 1986)

Dies und Das

© Christoph Müller

Natur

Die Vielfalt und Einzigartigkeit der ugandischen Natur ist der Hauptanziehungspunkt des Landes. Das Spektrum von den Tierherden der Savanne des Queen Elizabeth National Park über die Seen im Zentralafrikanischen Grabenbruch, die spektakulären Fälle des Nils, dichte tropische Wälder mit zahlreichen Primaten bis hin zum Vulkangebiet des Virungas. Wie aus einer verschwundenen Zeit erscheint die Fabelwelt des Ruwenzori-Gebirges, dessen bis zu 5109 m hohen Gipfel von bizarren Gletscher- und Eisformationen ummantelt werden.

Tiere

© Christoph Lübbert

Die einst reichen Tierbestände haben durch Krieg und Wilderei stark gelitten; Letzteres ist noch immer ein nicht zu übersehendes Thema. Uganda kann daher nicht mit den großen Tierherden Tansanias oder Kenias konkurrieren. Doch nirgendwo sonst in Afrika bestehen so gute Möglichkeiten zur Erkundung tropischer Berg- und Waldlandschaften und zur Beobachtung von Berggorillas und anderen Primaten wie hier. Unter Ornithologen gilt das Land als das Vogelparadies Afrikas. 

Essen

Grundlage beinahe jeden Essens in Uganda ist die Kochbanane (matoke), die weder süß noch fruchtig schmeckt und gedämpft (kartoffelbreiähnlich), frittiert als Chips oder im Stück gebacken angeboten wird. Maisbrei (Ugali / Posho und Reis bzw. Kartoffeln sind weitere Kohlehydratspender. Dazu gibt es meist Fisch, Fleisch oder Huhn. Verbreitet sind auch Maniok (cassava), Süßkartoffeln, Bohnen und Kohl. Mandazis (Krapfen), Chapatis (dünne Fladen aus Mehl und Wasser), Samosas (gefüllte Teigtaschen) sowie hart gekochte Eier sind die afrikanischen Snacks schlechthin. Vor allem an den Busständen werden sie feilgeboten. Dazu kommen über dem offenen Feuer gegrillte Hähnchenhälften, die auf einen Stock gespießt und den Reisenden wie ein Blumenstrauß angeboten werden. Das Angebot an Fisch beschränkt sich vorwiegend auf den köstlichen Tilapia, eine in fast allen Seen verbreitete Barschart.

© Esther Lengauer

Religion

Mehr als 80 Prozent der Ugander gehören den großen christlichen Religionen an, die eine Hälfte sind Katholiken, die andere Protestanten (Anglikaner). Die religiösen Differenzen zwischen beiden Gruppen haben zeitweise zur Verschärfung der politischen Konflikte beigetragen. Nur etwa 12 Prozent der Bevölkerung sind Moslems, die vor allem im Norden leben. Andere Religionen spielen für etwa 8 Prozent der Ugander eine Rolle. Vor der Vertreibung der Asiaten durch Idi Amin 1972 gab es größere Zahlen an Sikhs und Hindus in den Städten, in Kampala sind ihre Tempel unübersehbar. Eine kleine Minderheit der Uigander ist Naturreligionen verbunden.

42% Katholiken, 42% Protestanten (v.a. Anglikaner und Pfingstler), 12% Muslime; indigene Religionen

© Christoph Müller

Reisezeit

Aufgrund der politischen Wirren der jüngeren Vergangenheit hat sich bislang – verständlicherweise – kein Massentourismus mit den bekannten negativen Folgen entwickeln können. Viele ursprüngliche Afrika-Erlebnisse sind sozusagen garantiert. Die meisten Menschen strahlen Optimismus und Hoffnung aus, denn nach über zwanzig Jahren Terror, Krieg und Vertreibung richtet jeder in Uganda den Blick in die Zukunft, friedlich und lebensfroh. Reisende erfahren eine zuvorkommende und freundliche Behandlung. Englisch wird beinahe überall sehr gut gesprochen. 

Tipps

Wörter die weiterhelfen

ninakupenda
Ich liebe dich

Kwa heri
Auf Wiedersehen

Mambo vipi?
Wie geht es dir?

Poa, fresh.
Gesund, gut!

pole pole
Immer mit der Ruhe

Haraka, Haraka!
Beeilung!

ndiyo
Ja

Hapana
Nein

mimi ni msafiri
Ich bin ein Tourist

Una miaka mingapi?
Wie alt bist du?

Kleine Sprachhilfe
Kauderwelsch Kisuaheli, Band 10

Dos and Dont's

Versuchen Sie, europäische Verhaltensnormen abzulegen. Eine Anpassung an den afrikanischen Lebensrhythmus ist insbesondere bei den Zeitvorstellungen erforderlich. Machen Sie sich frei von abfälligen Bewertungen des oft chaotischen und zwischen Hektik und fauler Trägheit hin- und hergerissenen afrikanischen Alltags. Nutzen Sie vielmehr die Vorzüge dieser Lebensweise, die nicht so stark von Stress und materiellen Zwängen geprägt wird wie in Europa.

Legen Sie Vorurteile über die Afrikaner ab („Rückständigkeit“, „Faulheit“ usw.) und genießen Sie deren Gastfreundschaft. Erfreuen Sie sich an den zahllosen strahlenden und lachenden Gesichtern.

Kleiden Sie sich immer so ordentlich, wie Sie es auch zu Hause tun. Kein Afrikaner wird je verstehen, warum ein Europäer in abgerissenen, löchrigen Klamotten herumlaufen muss, wo er doch das Geld für vernünftige Kleidung übrig hat. Er wird es als einen Affront auf die eigene Situation verstehen. Wenn Sie sich dazu verleiten lassen, in einer Art „privater Entwicklungshilfe“ Kugelschreiber, Schreibhefte u.a. an Kinder und „Bedürftige“ zu verteilen, tragen Sie wesentlich zur Förderung der Bettelei mit bei. Falls Sie Ihre Reise über einen einheimischen Reiseveranstalter buchen oder mit einem Guide unterwegs sind, dann können Sie diese um entsprechende Informationen bitten, wenn Sie gern eine Organisation oder Schule z.B. unterstützen möchten.

Fragen Sie beim Fotografieren von Menschen immer nach dem Einverständnis der Betroffenen und lassen Sie es lieber sein, wenn Geld dafür gefordert wird.

Der Austausch von Zärtlichkeiten zwischen Mann und Frau in der Öffentlichkeit (z.B. Küssen) ist unüblich. Wenn Sie zwei afrikanische Männer Hand in Hand gehen sehen, so sind diese nicht homosexuell. Händehalten ist in der afrikanischen Kultur eine Geste der Freundschaft.

Achtung! Homosexualität wird in Uganda staatlich sanktioniert und das sollte auch von europäischen Reisenden mit entsprechender Vorsicht bedacht werden.

Viele Preise sind Verhandlungssache, davon ausgenommen sind nur Gebühren und fixe Beträge.

Gelegentlich stößt man auf Trinkgeld bzw. Schmiergeldforderungen bei Beamten und Soldaten. Fast immer reicht eine entschiedene Ablehnung aus, um diese im Keim zu ersticken. Fördern Sie die Korruption nicht, es sei denn, eine Notsituation lässt nur die Zahlung eines Schmiergeldes als einzigen Ausweg zu.

Exkurs: Die Rückkehr der Könige

Den kulturellen Kern des modernen Uganda bilden die bantusprachigen Königreiche von Buganda, Bunyoro, Busoga und Toro, deren traditionelle Monarchen unter Obote 1967 abgesetzt und ab 1993 unter dem amtierenden Präsidenten Museveni wieder installiert wurden. Lediglich das Königreich Ankole wurde bislang nicht wieder errichtet, da es dort eine starke antimonarchistische Bewegung gibt. Die Wiederherstellung der Monarchien stellte eine symbolische Anerkennung und Rückbesinnung auf traditionelle afrikanische Strukturen dar, die Museveni viel Anerkennung im Volk einbrachte. Politisch gesehen war es ein cleverer Schachzug, zumal die Monarchen keinerlei politische Macht erhielten. Nach mündlicher Tradition sind die heutigen Monarchien Ugandas Nachfahren der mittelalterlichen Königreiche der Batembuzi und Bachwezi, deren Zentrum in der Gegend der heutigen Orte Mubende und Ntusi lag.

Etwa ab dem 15. Jahrhundert entstand im Westen Ugandas in der Region um den Albertsee das Königreich von Bunyoro, das von nilotischen Hirten begründet wurde und das erste der fünf größeren Reiche Ugandas der Neuzeit darstellt. Ab dem 17. Jahrhundert begann Buganda am Nordwestufer des Viktoriasees zunehmend an Einfluss zu gewinnen, erreichte im 18. Jahrhundert eine Vormachtstellung gegenüber Bunyoro und entwickelte sich zum bis heute bedeutendsten der ugandischen Königreiche. Die Könige Bugandas, die sich Kabaka nannten, bauten ihre Herrschaft insbesondere durch kriegerische Raubzüge und den florierenden Handel mit Elfenbein aus, welches vor allem an Araber verkauft wurde, die sich an der Küste des späteren Kenia angesiedelt hatten. Weitere, deutlich kleinere Reiche stellten Ankole im Südwesten, Busoga im Südosten und Toro, das zwischen Ankole und Bunyoro lag, dar. Toro war eine Provinz Bunyoros, bevor es sich im 19. Jahrhundert von diesem lossagte. Im dominierenden Königreich Buganda lag der Grundbesitz in Händen des Kabaka mit Sitz in Kampala. Er unterteilte Buganda in einzelne Distrikte und installierte untergeordnete Chiefs an deren Spitze, die für die Aufrechterhaltung der Ordnung, Steuererhebung, Rechtsprechung und Landverteilung an die Bauern verantwortlich waren. Alle Chiefs gehörten dem Bakungu an, dem höheren Adel, und konnten einen Teil ihrer Privilegien an die Angehörigen des Batongole, des niederen Adels, delegieren. Die genannten Adelsposten waren primär nicht erblich, sondern wurden vom Kabaka bestimmt. Dem Kabaka zur Seite stand der Lukiiko, ein parlaments ähnlicher Rat hoher Adliger, der zwar kein festgesetztes Mitbestimmungsrecht hatte, aber durchaus Einfluss auf Entscheidungen. Schließlich verfügte der Kabaka über eine eigene Armee und eine Flotte von einigen hundert Kriegsbooten sowie ein vergleichsweise gutes Straßensystem. Bei Wiedereinführung der Monarchie in Buganda 1993 wurde der Sohn des letzten, 1967 abgesetzten Königs Mutesa II., Ronald Muwenda Mutebi II., als 36. Kabaka inthronisiert. Buganda ist nunmehr eine konstitutionelle Monarchie. Das Lukiiko besitzt einen parlamentarischen Führer, einen Sprecher und provisorische Sitze für die königliche Familie, 18 Bezirksoberhäupter (Chiefs), Kabinettsminister, mehr als 50 Clanführer und geladene Gäste sowie eigene Präsentationsräume. Der Kabaka nimmt nur an zwei Parlamentssitzungen im Jahr teil: wenn er die erste Sitzung im Jahr eröffnet, und wenn er zeremoniell die letzte Sitzung des Jahres beendet.

Exkurs: Die Karamojong – kriegerische Herren Karamojas

Die Karamojong bewohnen vor allem den südlichen Teil der Provinz Karamoja. Sie bilden sechs verschiedene ethnische Gruppen, die in einem komplizierten Clansystem zusammenleben, das füreinen Europäer kaum durchschaubar ist. Die Karamojong leben halbnomadisch und sprechen einen jeweils eigenen ostnilotischen Dialekt, der von den eng verwandten Völkern der Turkana, Toposa, Dodoth oder Jie verstanden wird. Was für die Karamojong zählt, ist ihr Vieh – das ganze Denken um Werte und Bezahlungen spielt sich in Stück Vieh ab. Der Viehdiebstahl war über Jahrzehnte hinweg für viele Karamojong-Clans ein alltäglicher Vorgang, ja sogar ein Sport. Untereinander, aber auch von anderen Stämmen und sogar über die Grenze zu Kenia hinweg stahlen die „Cattle Rustlers“ in nächtlichen Aktionen ganze Viehherden. Es entwickelte sich ein regelrechter Viehkrieg, der durch die weite Verbreitung von automatischen Gewehren des Typs AK-47 (insbesondere nach der Plünderung der Arsenale Idi Amins in Moroto Ende der 1970er Jahre) von Gewalt und moderner Waffentechnik geprägt war. Stämme und Gruppen, die nicht über moderne Waffen verfügten, wurden einfach überrannt. Versuche des ugandischen Staates, die Karamojong in die Selbstverwaltung ihrer Region einzubinden und auf diese Weise eine Befriedung der Region zu erreichen, haben sich als Trugschluss erwiesen. Zwar konnte so in den 1990er Jahren ein Teil der Waffen der Hirten registriert werden, und der Staat zahlte ihnen sogar ein kleines Gehalt für ihre „Wachentätigkeit“. In den Jahren 1999 und 2000 kam es aber bereits wieder zu erheblichen bewaffneten Auseinandersetzungen um Viehbestände in Karamoja, in deren Folge abermals mehrere hundert Menschen starben. Im Jahr 2001 startete die ugandische Regierung daher ein groß angelegtes Entwaffnungsprogramm, um eine dauerhafte Befriedung Karamojas zu erreichen. Das Programm musste bereits 2002 als gescheitert beendet werden, da nur 9000 der geschätzt ca. 100.000 Handfeuerwaffen in Karamoja konfisziert werden konnten. Nach neuerlichen blutigen Auseinandersetzungen in Nordkaramoja im Zusammenhang mit dem von der Zentralregierung in Kampala unterstützen Goldabbau bei Kaabong durch einen südafrikanischen Minenbetreiber wurde Ende 2006 ein weiterer Entwaffnungsversuch gestartet. Auch diesmal stehen die Chancen der Regierungssoldaten relativ schlecht, ihr Ziel mit Gewalt zu erreichen, zumal den Karamojong-Kriegern alternative Einkommensmöglichkeiten zu den spärlichen Einkünften aus der Viehzucht und Landwirtschaft in einer von chronischer Dürre geplagten Region fehlen. Neben der natürlichen Anziehungskraft der Macht des Gewehres sind es gerade diese Umstände, die immer wieder zu gewaltsamem Viehdiebstahl, Waffenhandel oder Schmuggel führen. Ein positiver Nebeneffekt der zunehmend erfolgreichen Befriedungsmaßnahmen Karamojas ist die Bereisbarkeit dieser wunderschönen und unter vielen Aspekten hochinteressanten Region. Überlandfahrten zum Kidepo Valley National Park durch Karamoja sind wieder problemlos möglich. Dabei lassen die sehr ursprüngliche Landschaft und ihre faszinierenden Bewohner das Herz eines jeden Afrikaliebhabers höher schlagen.

Alle Texte aus dem Reiseführer Uganda, Ruanda von Christoph Lübbert.

Titelbild: Christoph Müller.