»Um einen Freund zu sehen, ist kein Weg zu lang«
(Ukrainisches Sprichwort)

Ukraine

Україна
Ukrajina

02:30 h | 0 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
45.363.000 (Weltrang 31)

Bevölkerungsdichte
75 Einw. pro km²

Fläche
603.700 km² (44)

Hauptstadt
Kyïv (Kiew)

Staatsform
Präsidialrepublik

Hauptsprachen
Ukrainische, Russisch (regional)

Währung
Hrywnja (UAH)

Nationalfeiertag
24.8.

Internationale Ankünfte/Touristen
12.712.000 (Stand 2014)

Flugdauer
1.545 km ≈ 2 Std.

Entfernung über Land
1.863 km

Küstenlänge
2.872 km

Längster Fluss
Dnepr (2.201 km)

Höchste Erhebung
Howerla (2.061 m)

Nord-Süd Ausdehnung
875 km (inklusive Krim)

Ost-West Ausdehnung
1300 km

Nachbarländer
7 (RU, BY, PL, SK, HU, RO, MD)

Großstädte
45 (über 100.000)

Landwirtschaftliche Nutzfläche
71%

Waldfläche
16%

Exportnation
Getreide (Weltrang 3)

Erste Verfassung der Welt
Pylyp Orlyk (5. April 1710)

Nationalhymne
lediglich 6 Zeilen

Tiefste Metrostation der Welt
Arsenal'na station Kyïv (105 m)

Größtes Flugzeug der Welt
Antonow An-225 (Länge 84m, Spannweite 88,4m)

Reisefreudigkeit
≈ 77% der Bevölkerung haben die Ukraine nie verlassen

Dies und Das

© Peter Koller

Natur

Die Ukraine nimmt einen großen Teil dessen ein, was gemeinhin Osteuropa genannt wird und ist abgesehen vom eurasischen Russland der größte Staat Europas. Mehr als 600.000 km² bilden ein in jeder Hinsicht abwechslungsreiches Stück Osteuropäische Ebene, das an Russland, Weißrussland, Polen, die Slowakei, Ungarn, Rumänien und Moldawien grenzt. Um die Ukraine von Norden nach Süden zu durchfahren, vom Prypiat bis zur Krim, muss man nahezu 900 km in gerader Linie hinter sich bringen, von Osten nach Westen, vom Mittelrussischen Landrücken bis zu den Karpaten, sind es 1300 km.

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Der überwiegende Teil der Ukraine liegt in der Osteuropäischen Ebene. Ihr geologisches Fundament ist die aus altem kristallinen und metamorphen Gestein bestehende osteuropäische Plattform. Innerhalb der Ukraine unterscheidet man das zentral gelegene ukrainische Massiv, die Dnepr-Donets-Senke und den Südhang des kristallinen Woronescher Massivs.
Die Ukraine besteht nicht nur aus Ebenen, Schwarzerde und Wäldern; zusammen mit dem Krimgebirge sind 5% ihrer Fläche von Gebirgen bedeckt. Im Süden der Halbinsel Krim erhebt sich ein junges Faltengebirge. Die bekannteste Gebirgslandschaft ist jedoch Transkarpatien. Die Oblast Transkarpatien wird in zwei Regionen unterteilt: Gebirge (Karpaten) und Flachland (Transkarpatische Ebene). Den größeren Teil nehmen die Berge ein, deren höchster Gipfel der Howerla (2.061 m) ist, der aus dem Gebirgsmassiv Chornohora aufragt.

Tiere

Landwirtschaftlich nicht genutzte Wald- und Wiesenfläche gibt es in der Ukraine ziemlich wenig, weswegen es auch nur einen geringen Lebensraum für Säugetiere gibt. Große Teile der ukrainischen Ebenen sind kultiviertes Land und so als Lebensraum ungeeignet für Wildtiere. Dennoch gibt es, vor allem in den Gebirgs- und Waldgebieten, einige Rückzugsgebiete, wo sich auf kleinem Raum eine große Artenvielfalt wiederfindet. Dort kann man noch Bären und Wölfe antreffen, ebenso wie Füchse, Marder, Schweine, Ruhe und teilweise sogar Elche. Auch kleiner Nagetiere, wie Ziesel, Mäuse, Biber und Ratten fühlen sich dort wohl und heimisch.

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Allen voran das Gebiet der Krim, welches völkerrechtlich weiterhin zur Ukraine gehört, auch wenn die ukrainische Regierung dort keinen Einfluss hat, ist ein beliebter Haltepunkt für vielerlei Zugvögel auf ihren Reisen. Ebenso trifft man dort teilweise schon subtropische Vegetation und auch suptropische Fauna. Eidechsen und Schlangen sind beispielsweise auf der Krim beheimatet. 

© Heike Maria Johenning

Essen

Die Geschichte der Ukraine hatte auch auf ihre Küche einen gewaltigen Einfluss, sie ist der Grund für ihre große Vielfalt. Man findet hier Gerichte, die von polnischen Einflüssen und einer slawischen Herkunft zeugen, doch ebenso mühelos auch exotische Spezialitäten aus Zentralasien, die im Sowjetimperium von Wladiwostok bis Lemberg verbreitet waren.
Als Erbe der Kiewer und Galizischen Rus sind die Tradition des Brotbackens und die Vorliebe für Fischgerichte und Hülsenfrüchte – Bohnen, Erbsen, Ackerbohnen u.a. – geblieben. Aus den Steppen Asiens und des Schwarzen Meeres kam der Buchweizen, den man zu Grütze und Mehl verarbeitete. Aus Zentralasien gelangten über Astrakhan Wassermelone und Maulbeere in die Ukraine. Man stellte Sauerkraut her und legte Rüben ein und eine große Rolle spielte im täglichen Speiseplan der Honig.

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Noch aus den Zeiten der Rus stammt auch das ukrainischste aller Gerichte, der Borschtsch, eine Suppe aus roten Rüben. Rezepte für ukrainischen Borschtsch oder Borschtsch mit Tomaten gibt es im Grunde so viele wie Köche in der Ukraine. Die einzelnen Varianten unterscheiden sich in den verwendeten Gemüse- und Fleischsorten und in den Gewürzen. Doch jeder ukrainische Borschtsch ist vom Geschmack her konkurrenzlos. Aus Fleischbrühe mit einer Einlage aus Grütze oder Erbsen wurden die bis heute beliebten Yushki gekocht. Eine besondere Spezialität der Ostslawen war eine Yushka aus Trockenpflaumen, Äpfeln und Sauerkirschen, Uzvar genannt, oder aus Himbeeren und Moosbeeren, der Uzvarets.
Die ukrainische Küche widmet den Suppen überhaupt viel Aufmerksamkeit: Außer Borschtsch erfreuen sich saure Gurkensuppe, Krautsuppe mit Pilzen und Jägersuppe großer Beliebtheit. An zweiter Stelle stehen Mehlspeisen. Sehr populär sind auch Piroggen mit Kraut- oder Kartoffel-Pilz-Füllung sowie Fleischgerichte: Hammelfleisch mit Trockenpflaumen und mit Knoblauch gespickte Leber. Die bekanntesten Fischgerichte sind Fisch auf Kosakenart und Lachssalat. Ebenfalls beliebt: Pampushki (Hefebrötchen mit Knoblauch, die zur Suppe gereicht werden) und Okrashonki oder Okrashki (saure kalte Suppen).

Reisezeit

Die Größe der Ukraine und die unterschiedliche Beschaffenheit des Landes sind die Ursachen für verschiedene klimatische Bedingungen im Land. Daher ist es schwer ein Gesamtempfehlung für die Ukraine abzugeben, denn wenn es in einem Landesteil gerade Sommer wird, kann ein anderer Teil noch von Schnee bedeckt sein.
Im Allgemeinen kann man von einem gemäßigten Kontinentalklima sprechen, welches in der Ukraine herrscht. Die Winter sind kalt und streng und die Monatsmitteltemperatur im Januar sind in allen Landesteilen unter 0° Celsius. Im Sommer beträgt das Temperaturmittel über 20°Celsius und Spitzenwerte von über 35° Celsius sind auch keine Seltenheit.

© Heike Maria Johenning

Religion

Die Ukraine ist ein Land in dem viele verschiedene Konfessionen nebeneinander existieren. Ungefähr 75% gehören der orthodoxen Kirche an. Dabei teilen sich die Gläubigen noch weiter in verschiedene Strömungen auf. Die international anerkannte Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats besitzt die meisten Mitglieder. Daneben gibt es noch die Ukrainisch-Orthodoxe des Kiewer Patriarchats, die jedoch international nicht anerkannt ist und sich traditionell im Streit um Gläubige und Immobilien mit der vorher genannten Kirche befindet. Außerdem gibt es mit der Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche noch die dritte östlich-orthodoxe Kirche des Landes.
Weiterhin gibt es auch eine größere Anzahl von Katholiken im Land, vorwiegend im Westen des Landes. Und auch kleinere Gruppen verschiedener bekannter Religionen findet man im Land vor. Darunter Muslime, Buddhisten und Juden.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

Deutsch

Ukrainisch (deutsche Transkription)

Guten Tag!

dóbryj den’; dobrýden’

Hallo!

prywít

Gelobt sei Jesus Christus!

sláwa isúsu chrystú

In alle Ewigkeit!

na wiký wítschni

Auf Wiedersehen!

do pobátschennja; do sútritschi

Viel Glück!

schtschaslýwo

Verzeihung

wýbatsch, wýbatschte, bud´láska; perepróschuju

Bitte

próschu

Danke

djákuju

Keine Ursache. Das macht nichts.

nemá sa schtscho

Auf unsere Gesundheit!

búd´mo sdorówi

Auf (dein, euer...) gutes Gelingen!

chaj (necháj) tobí (wam…) schtschástyt´!]

Zum Wohl! Prost!

na sdorówja

Links die weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.de | www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Visum: www.auswaertiges-amt.de/Laenderinformation/Ukraine

Fremdenverkehrsamt: www.traveltoukraine.org (Englisch)

Deutsche Botschaft: www.kiew.diplo.de

Ukrainische Botschaft: germany.mfa.gov.ua/de

Reise- und Gesundheitsinformationen: www.crm.de

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

Dos and Don’ts

Die politische Lage in der Ukraine ist stabil, jedoch sollte man die Medienberichterstattung verfolgen um etwaige Veränderungen zu registrieren. Zu Reisen in die Ostukraine und auf die Halbinsel Krim wird dringend abgeraten. Obwohl die Situation durch den Friedensvertrag von Minsk beruhigt wurde, kann es trotzdem vorkommen, dass Kampfhandlungen wieder erstarken.
Die Ukraine ist nach wie vor ein sehr armes Land. Führt man sich vor Augen, dass Rentner beispielsweise mit nur 50 Euro pro Monat auszukommen haben, so wird klar, dass einiges an Sensiblität im Umgang mit den Einheimischen erforderlich ist. Stolzes Vorführen der persönlichen Reichtümer sollte also vermieden werden. Dasselbe gilt für Bemerkungen wie: „Ist das aber billig ...“.
Dass gerade Deutschland wegen seiner wenig ruhmreichen Geschichte zu Beginn des 20. Jh. einen nicht unbedeutenden Anteil an der Misere hat, ist ein weiterer Punkt, den man nicht aus den Augen verlieren sollte. Umso überraschender ist es, dass Deutschland bei den meisten Ukrainern ein sehr positives Image hat und Anfeindungen aufgrund des Zweiten Weltkrieges praktisch nicht vorkommen.
Beim Einkaufen oder am Fahrkartenschalter sollte man nicht erwarten, freundlich angesprochen zu werden. Die Kontaktaufnahme erfolgt zumeist von Seiten des Kunden, indem man einfach seine Wünsche artikuliert.
Wird man von Privatleuten eingeladen, so wird regelrecht erwartet, dass man sich satt isst. Eine zu große Bescheidenheit kann als Unhöflichkeit ausgelegt werden. Dasselbe gilt für das Ablehnen von Wodka.
Wenn Frauen bei der Begrüßung nicht die Hand geben, so ist dies nicht als Unfreundlichkeit zu werten. Es ist schlicht und einfach nicht üblich.
Beim Besuch orthodoxer Kirchen besteht häufig eine Kleiderordnung: Kurze Hosen bei Männern sind im Allgemeinen nicht zulässig, während Frauen Kopftücher zu tragen haben. Männer haben die Kopfbedeckung abzunehmen. Auch wird es nicht gern gesehen, wenn in der Kirche fotografiert wird.

Exkurs: Der „heilige“ Howerla – höchster Berg der Ukraine

Der Howerla (Goverla, 2061 m) ist der höchste Berg der Ukraine und ein nationales Symbol. Sein Name soll vom rumänischen hovirla stammen, das „schwer zu bezwingender Gipfel“ bedeutet, doch selbstverständlich existieren noch ein paar andere Theorien. In der Tat erinnert der Umriss des Hoverla, wenn man von Süden kommt, an einen Vulkankegel, aber die Aussicht vom Gipfel belohnt alle Mühen des Aufstiegs. Es stehen hier zwei Kreuze, ein Betonpfahl (bis 1991 mit einem Schild zu Ehren der Roten Armee), die ukrainische Staatsflagge (die blau-gelbe Fahne wurde schon 1990 aufgepflanzt, ein Ereignis, das damals große Wellen schlug) und ein Obelisk mit der Beschreibung der ukrainischen Regionen.
Für einen ukrainischen Berg ist der Hoverla sehr überlaufen – viele Ukrainer halten es für ihre nationale Pflicht, diesen Berg einmal bestiegen zu haben –, außerdem begegnet man zu den verschiedensten Anlässen sehr häufig diversen Reisegruppen von bis zu mehreren Tausend Personen (!), wie z.B. dem jährlichen Aufstieg der Anhänger des Blocks Nasha Ukraina („Unsere Ukraine“) aus dem Raion Kolomyia mit Viktor Juschtschenko an der Spitze. 2003 fand auf dem Gipfel sogar eine Hochzeit statt. Die Folge all dessen waren jahrelang herumliegende Müllhalden, erst seit Kurzem wird der Gipfel regelmäßig beräumt (was allerdings auch nicht viel bringt). Von Westen führt eine Traverse um den Berg herum, unterhalb derer eine große Quelle entspringt, aus der sich der Gebirgsbach Howerla speist. Dort befindet sich auch ein günstiger Übernachtungsplatz (man sollte aber daran denken, dass man hier eigentlich auch nicht zelten darf, und man ist schon von Weitem zu sehen).

Ein Meteoriteneinschlag am Uzhok

Am 9. Juni 1866, 16 Uhr – bei schönem, wolkenlosen Wetter – erschien über Liptovský Mikuláš in der Slowakei eine Feuerkugel, die über Prešov hinweg nach Osten raste und mit großem Getöse in 40 km Höhe auseinanderbarst, wonach in der Gegend des heutigen Dorfs Kniahynia (Knqginq) ein Meteoritenregen niederging. Die Explosion wurden von mehreren Tausend Menschen beobachtet, es entstanden sogar Bilder, gemalt von Künstlern, die Zeugen dieses Ereignisses waren. Durch die herabstürzenden Steine kam niemand zu Schaden. Als die Einheimischen sich wieder aus ihren Verstecken hervorwagten – nicht ohne sich vergewissert zu haben, dass das Jüngste Gericht doch noch nicht angebrochen war –, begannen sie, die Felssplitter einzusammeln, die bald zu gefragten Talismanen wurden.
Es bildeten sich Sonderkommissionen, die die Meteoritenbrocken sammeln und untersuchen sollten. Insgesamt fand man 1200 Brocken, deren größter 280 kg wog und beim Aufprall 8 km vom Dorf entfernt in zwei Hälften zersprungen war. Seine Teile gelangten ins Museum nach Wien, die anderen Überreste des Meteoritenhagels liegen in 115 Museen auf der ganzen Welt. Das Museum für Landeskunde in Uzhhorod besitzt einen Brocken, der 2697 g wiegt. Er war von einem gewissen J. Wolf im Jahr 1866 gefunden und in dessen Haus bis 1960 als Familienreliquie aufbewahrt worden.

Alle Texte aus: Reiseführer Ukraine ­der Westen von Krzysztof Bzowski, Artur Grossman und Aleksander Strojny. Übersetzt von Peter Koller.

Uhrzeit und Temperatur: Kyïv (Kiew)

Titelbild: © Dominika Zaręba