»Es ist schön ein Ungar zu sein, es ist sehr schwierig, aber nicht unmöglich!«
Graf Istvan Széchenyi (1791 – 1860)

Ungarn

Magyarország

 

07:41 h | 3 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl:
9.944.000 (88)

Bevölkerungsdichte:
107  km²

Fläche:
93.030 km² (Weltrang 108)

Hauptstadt:
Budapest

Staatsform:
Parlamentarische Republik

Hauptsprachen:
Ungarisch

Währung:
Forint (Ft)

Nationalfeiertag:
20. August (St. Stefanstag)

Touristen:
3,8 Millionen (2011)

Flugdauer:
811,59 km ≈ 1,5 Std.

Entfernung über Land:
964 km

Alkohol am Steuer:
0,0 Promille

Geschmacksrichtungen Paprika:
6 Abstufungen

Größter See in Mitteleuropa:
Plattensee (Balaton), 594 km²

Gesamtlänge der Landesgrenze:
2242 km

Anzahl Nachbarländer:
7 (davon 3 außerhalb der EU)

Höhlen in Aggtelek:
200 Stück

Dies und Das

Natur

Ein Großteil Ungarns liegt in der Großen und Kleinen Tiefebene. Hier herrschen sandige Böden vor. Die Sommer sind zwar recht trocken, doch die gesamte Niederschlagsmenge über das Jahr verteilt lässt eine reiche Pflanzenwelt gedeihen, die wiederum Lebensraum für viele Tiere bietet. Je nach Berechnung variiert die Zahl, doch knapp die Hälfte des ungarischen Bodens wird landwirtschaftlich genutzt – mit ständig abnehmender Tendenz.Knapp 20 Prozent der Landesfläche sind von Wäldern bedeckt. Immerhin 2200 verschiedene Pflanzengattungen wurden in Ungarn bisher gezählt, 535 davon stehen derzeit unter besonderem Naturschutz.

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Als die seltensten davon werden der Nieswurz, die wilde Pfingstrose, die ungarische Windblume, der Salbei und das Feuerröschen angegeben. Das schönste „Pflanzen-Erlebnis“ ist für viele Ungarn-Besucher aber der intensive Duft der Lindenbäume, wenn sie in voller Blüte stehen, was bereits im Mai und vor allem im Juni der Fall ist. Die Einrichtung von Nationalparks und Naturschutzgebieten auf insgesamt fast 10 Prozent der Gesamtfläche Ungarns reflektiert ein neues Verständnis dafür, wie wichtig der Natur und Umweltschutz ist. Zum Erhalt und zur Pflege der einzigartigen Lebensvielfalt wurden im ganzen Land neun Nationalparks, 38 Landschaftsschutzgebiete, 142 Naturschutzgebiete, ein Naturdenkmal und 1125 so genannte Naturgebiete (kommunal verwaltet) eingerichtet.

Essen

© Mirko Kaupat und A. Milanowska-Kaupat

Ungarische Speisen sind einerseits für Feinschmecker reizvoll, andererseits aber auch oft sehr deftig und mit hohem Fettgehalt. Dies ist kaum verwunderlich, bildet der traditionelle Gänseschmalz doch die Grundlage vieler Gerichte – besonders derjenigen aus der Pfanne. Vielleicht der wichtigste Inhaltsstoff der ungarischen Küche ist die Paprika (paprika) – als Gewürzpulver, Gewürzpaste aus dem Glas oder als Schote.

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Ein Gericht, dass wenn nicht die Welt, so doch sehr viele Länder eroberte, ist das Gulasch. Dieser Name stammt aus dem Ungarischen: „Gulyás“ hieß ursprünglich „Rinderhirtenfleisch“ und bezeichnet heute die klassische Gulaschsuppe, die oft stilecht im Kessel über einem Feuer serviert wird. Dazu gibt es Kartoffeln oder Brot. Der Preis einer Gulaschsuppe ist auch immer eine gute Orientierung, wie teuer ein Restaurant ist. Über 1000 HUF darf der „gulyás“ eigentlich nicht kosten, eher 700–900 HUF.

Vegetarier übrigens haben es angesichts der geballten Fleischmacht in Ungarn nicht ganz leicht, viele Lokale stellen sich aber inzwischen auch auf ihre Bedürfnisse ein.

Tiere

Es wird geschätzt, dass gut 45.000 Tierarten in Ungarn ein Zuhause finden. Wer durch das Land fährt, wird am häufigsten Kühen, Schafen und Pferden begegnen. Dabei sind neben gewöhnlichen Kühen oft Graurinder zu sehen, die auch als „ungarische Steppenrinder“ bezeichnet werden. Die Herkunft dieser Rasse ist nicht endgültig geklärt. Fest steht aber, dass sie seit Jahrhunderten in Ungarn leben und für die Menschen zu einer Art nationalem Gut geworden sind. Ein weiteres ungarisches Original ist das Zackelschaf. Es fällt auf durch seine wie Antennen hervorstehenden langen Hörner, die gewunden sind wie Korkenzieher.

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Diese Schafe sind in ihren Bedürfnissen den bescheidenen Bedingungen der Steppenlandschaft angepasst und daher sehr zäh und widerstandsfähig. Und noch eine Variation einer sehr vertrauten Tierart hat Ungarn zu bieten: das Mangalica-Schwein (ausgesprochen „Mangaliza“). Es handelt sich um ein relativ kleines, sehr robustes Schwein mit dichten Borsten und ist damit eines der wenigen Hausschweine, das über ein Fell wie ein Wildschwein verfügt. Daher wird diese Rasse auch Wollschwein genannt.

Reisezeit

© Mirko Kaupat und A. Milanowska-Kaupat

Die Hochsaison konzentriert sich naturgemäß auf die beiden Monate Juli und August – dann haben die Ungarn und der Rest Europas Sommerferien. Selbstverständlich ist auch der ungarische Sommer wunderschön. Doch gerade wer in touristische Gebiete fährt, sollte sich auf viele in- und ausländische Besucher gefasst machen. Hinzu kommt die Hitze, die nicht durchweg, aber doch über weite Strecken des Sommers herrscht – meist um einige Grad mehr als in Mitteleuropa. Wer irgend kann, sollte daher ernsthaft über einen Ungarn-Urlaub in der Zwischensaison nachdenken, also von April bis Anfang Juni und von September bis Oktober.

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Frühling und Herbst empfehlen sich auch für Rundreisen: Die Blüte vieler Bäume und Pflanzen beginnt schon im März oder gar Februar, und grün bleibt es bis spät ins Jahr. Hinzu kommt im Herbst noch die Weinlese mit vielen Festen und Veranstaltungen – ein echter Höhepunkt in den entsprechenden Regionen, besonders in den Bergen des Nordostens und am Nordufer des Balaton, aber auch in den kleineren Gebieten wie in Sopron oder in Szekszard. Die Winter sind in der Regel recht mild, und Städte wie Budapest, Pécss und Szeged bieten auch dann große Reize und nur wenige Touristen machen einem Konkurrenz.

Religion

55 % Katholiken, 16 % Calvinisten, 3 % Lutherener, 15 % konfessionslos, 10% o.A.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

Kérnék (egy) ...
Ich hätte gern (ein) ...

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Wie viel ...?

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Wie viele ...?

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Wie viel kostet ...?

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Wo ist/liegt ...?

öszönöm
Danke

 

Kleine Sprachhilfe
Kauderwelsch Ungarisch, Band 31

Exkurs: Paprikapaste

Ein ganz besonders wertvolles Mitbringsel sind die Paprikapasten in kleinen Gläsern, die in vielen Geschäften und Supermärkten zu finden sind. Anders als das Pulver sind sie bei uns weitaus schwieriger zu erhalten, eignen sich aber geradezu perfekt zum Würzen aller möglichen Speisen zu Hause. Wer sich gleich einen kleinen Vorrat besorgt, wird noch über Monate oder Jahre leckere Speisen und schöne Erinnerungen an Ungarn genießen können. Die grobkörnigen Pasten gibt es meist nur in zwei Geschmacksvariationen: erős (scharf) und édes (mild), wobei Erstere tatsächlich mit Vorsicht genossen werden muss. Während die Pflanze ursprünglich aus Mittel- und Südamerika stammt und dann in ganz Europa verbreitete, so fand sie doch in Ungarn seit dem 17. Jahrhundert ein besonderes Zuhause. Schon der heutige Name „Paprika“ stammt nach Meinung der meisten Sprachforscher vom ungarischen Wort für „Pfeffer“ ab. Der Szegeder Wissenschaftler Albert Szent-Györgyi erhielt 1937 den Nobelpreis in Physik für seine Entdeckungen zum Vitamin-C-Gehalt der Paprika (sieben Mal höher als in Orangen). Szent-Györgyi wurde übrigens 93 Jahre alt – offenbar schenkte ihm die Paprika lange Gesundheit.

Exkurs: Wie das Schloss Haydn nervte und inspirierte

Viele Klassik-Fans werden schon einmal die spektakuläre Haydn-Symphonie Nr. 45 auf der Bühne gesehen und gehört haben. Sie wird auch „Abschieds-Symphonie“ genannt. Das Werk aus dem Jahr 1772 hat eine besondere Beziehung zu Fertőd, denn entgegen der schönen Worte in den Tourismusprospekten hat es Joseph Haydn im Schloss nicht allzu gut gefallen. Der Überlieferung zufolge langweilte er sich so sehr, dass er beschloss, seinem Arbeitgeber, Prinz Nikolaus Esterházy, eine Lehre zu erteilen. Weil Esterházys Hofkapellmeister Haydn und seine Orchestermitglieder endlich wieder zu ihren Familien zurückwollten, komponierte der Österreicher die Symphonie so, dass im Adagio des letzten Satzes die Musiker nach und nach aufhören zu spielen, die Bühne verlassen und dabei ihre Kerzen löschen. Am Ende halten zwei einsame Geiger die Stellung, bis auch sie schließlich aufstehen, ihre Lichter ausmachen und gehen. Esterhá zy verstand die nicht allzu subtile Andeutung: Am Tag nach der Aufführung konnten alle nach Hause gehen. Die Musikwelt hat Fertőd also eine echte Pioniertat zu verdanken: Wohl nie zuvor endete eine Symphonie statt mit einem Paukenschlag mit sich langsam ausbreitender Stille …

Aus: Reiseführer Ungarn von Mirko Kaupat

Uhrzeit und Temperatur: Budapest

Titelbild: © Mirko Kaupat und A. Milanowska-Kaupat