Libertad o Muerte
Freiheit oder Tod
Wahlspruch von Uruguay

Uruguay

República Oriental del Uruguay
Republik Östlich des Uruguay

03:46 h | 15 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
3.419.000 (Weltrang 132)

Anzahl der Kühe
≈ 10 Mio

Bevölkerungsdichte
19 Einw. pro km²

Fläche
176.216 km² (91)

Hauptstadt
Montevideo

Staatsform
Republik

Hauptsprachen
Spanisch

Währung
Uruguayischer Peso (UYU)

Nationalfeiertag
25.8.

Internationale Ankünfte/Touristen
2.683.000 (Stand 2013)

Flugdauer
11.374 km ≈ 14 Std.

Grenzlänge
1564 km

Küstenlänge
660 km

Längster Fluss
Rio Uruguay (1790 km)

schiffbare Wasserwege
≈ 1.600 km

Höchste Erhebung
Cerro Catedral (514 m)

Größe
Zweitkleinstes Land Süderamerikas

Bevölkerungsverteilung
Ballungsraum Montevideo ≈  58%

Alphabetisierungsrate
98% (Platz 1 in Südamerika)

Informationstechnik
Platz 1 in Südamerika

Pressefreiheit
Platz 1 in Südamerika

1. Fußball Weltmeister
Im Jahr 1930

Marihuana
Legalisierung des Handels 2013 (erstes Land der Welt)

Dies und Das

© Lars Borchert

Natur

Landschaftlich stellt Uruguay die Verlängerung der argentinischen Pampa dar. Savannen und flache Hügelketten leuchten fast das ganze Jahr über in einem saftigen Grün. Diese extrem fruchtbaren Böden prägen das landwirtschaftliche Bild des Landes.
Die Strände und Ufer entlang der Flüsse und am Atlantik bleiben bis auf wenige Wochen im Jahr vom Massentourismus weitgehend unberührt. Im Süden und Südwesten liegen ausgedehnte Sumpfgebiete, die im Winter häufig überschwemmt werden. Im Norden prägt eine hügelige Landschaft die Topografie Uruguays. Der Cerro Catedral (Kathedralenhügel, auch bekannt als Cerro Cordillera) in der Provinz Maldonado ist der höchste Punkt des Landes und erhebt sich 514 m über den Meeresspiegel.

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Es gibt nur noch sehr wenige Wälder (5–6% der Landesfläche). Entlang der Flussläufe stehen die wichtigsten Baumbestände (Akazien, Kiefern, Eukalyptus, Palmen, Weiden und Carobbäume). In der Nähe der Küsten und in einigen Tälern des Landesinneren dominieren Palmen, Eukalyptus und Kiefern. Im Südosten nahe der Stadt Castillos befindet sich der weltweit einzigartige Ombúe-Wald mit seinen über 500 Jahre alten Bäumen.
Das Land verfügt über großen Wasserreichtum: Der Río Uruguay hat dem Land nicht nur seinen Namen gegeben, sondern ist mit 1790 km auch sein längster Fluss. Er entspringt in Südbrasilien und bildet zusammen mit dem Río de la Plata (Silberfluss) die uruguayische Westgrenze. Der Río Negro durchquert das Land auf 750 km Länge von Nordost nach Südwest und ist in der Landesmitte zur Gewinnung elektrischer Energie zu dem See Rincón del Bonete aufgestaut (1140 km2). Abgesehen von diesem Stausee und vielen weiteren (kleineren) Flüssen liegen mehrere (Strand-)Lagunen in Uruguay, etwa die Laguna Merín an der nordöstlichen Grenze zu Brasilien, mit deren Hilfe Uruguay einen Teil seines Trinkwasserbedarfs abdeckt. Aber nicht nur oberirdisch verfügt Uruguay über großen Wasserreichtum: Unter dem Boden des Landes (sowie in Nordargentinien, Paraguay und Südbrasilien) dehnt sich der Acuífero Guaraní aus: Dieser immens große Grundwassersee führt 37.000 Kubikkilometer Wasser und ist damit eines der größten Süßwasserreservoirs der Welt.

Tiere

Republik östlich des Flusses der bunten, singenden Vögel – das bedeutet Uruguay.
Und ganz so wie der Landesname verheißt, gibt es in Uruguay eine große Anzahl bunter, singender Vögel (mehrere Hundert verschiedene Arten). Zu den typischsten Vertretern zählen der Rosttöpfer, der Schwefeltyrann (ein Sperlingsvogel), Kolibris, der südamerikanische Vogel Strauß Ñandú, Wellensittiche in sehr großer Zahl, Flamingos, Fischreiher, Eulen, Kardinale, Störche, Geier, Schwäne (auch die seltenen schwarzhalsigen), Rebhühner sowie diverse andere Tauben- und Wildentenarten.

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Zu den am Boden und im Wasser lebenden Tieren gehören Rotwild, Wildschweine, Wildkatzen, Pumas, Tapire, Gürteltiere, Füchse, Eidechsen, Schildkröten, Ameisenbären, Klapperschlangen und Fischotter (bis zu 2,20 m lange Exemplare und vom Aussterben bedroht). Außerdem lebt auf der Isla de Lobos vor Punta del Este die zweitgrößte Seehund- und Seelöwen-Kolonie weltweit (nach der in Alaska). Wale und Delfine finden sich in den Küstengewässern im Süden und Südosten. Haie wurden bislang nur auf hoher See gesichtet, nicht in Küstennähe, Alligatoren gibt es lediglich am oberen Flusslauf des Río Uruguay.

© Lars Borchert

Essen und Trinken

Die Uruguayos sind Genießer und Familienmenschen – das gemeinsame Essen hat daher einen hohen sozialen Stellenwert und nimmt einen zentralen Platz in ihrem Leben ein.
Während Frühstück (desayuno; Kaffee, Croissants, getoastete Sandwiches) und Mittagessen (Empanadas, Salat) eher mager ausfallen, ist das Abendessen (cena) üppig. Die Küche ist kreolischen Ursprungs (comida criolla) und stark von den spanischen und italienischen Einwanderern beeinflusst. Aus Italien stammen Pasta und Pizza, aus Spanien Meeresfrüchte und Fleisch. Ohnehin ist Rindfleisch Grundnahrungsmittel. Manche Restaurants servieren schon ab 10 Uhr Gegrilltes. Die Uruguayos sind große Freunde des Asado, des Grillens auf Holzkohle, zu dem verschiedene Fleischsorten gehören, auch Innereien.

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Ein weiteres traditionelles Gericht ist der Chivito, eine Art Burger mit einer Scheibe Rindfleisch und einer riesigen Menge Beilagen (eine Portion reicht locker für zwei). Seit einigen Jahren kommen auch Vegetarier auf ihre Kosten: Vegetarische Gerichte sind in vielen Restaurants selbstverständlich, es gibt auch immer mehr vegetarische Restaurants, und manche Supermärkte verkaufen Tofu und andere Sojaprodukte. Zum guten Essen gehört Nachtisch: Kuchen, Torte, Eis oder Milchspeisen – und fast immer in Kombination mit Dulce de Leche, einer Milch-Karamellcreme mit Vanillezucker.
Mate-Tee ist das Nationalgetränk Nummer Eins und wird in Thermoskannen überall mit hingenommen. Außerdem trinken die Uruguayos Mineralwasser (aus Flaschen, an vielen Orten kann man es aber auch unbedenklich aus der Leitung trinken), Kaffee und Wein bzw. Bier. Es gibt auch Spezialitäten wie Medio y Medio (trockener Weißwein mit Sekt) und Clericó (Wein gemischt mit Saft und Fruchtstücken). In einigen Orten wird auch sehr guter Tee serviert.
Die meisten Restaurants bieten landesübliche Gerichte an, vor allem Fleisch. Fisch und Meersfrüchte stehen natürlich in den Küstenorten auf der Karte. Viele Lokale haben sich auf italienische Küche spezialisiert, einige auf französische und einige wenige auf japanisches Essen (vor allem Sushi). Es ist üblich, ein Trinkgeld zu geben. Meist wird der Rechnungsbetrag etwas aufgerundet (max. 10%). Ohnehin verlangen fast alle Restaurants einen Zuschlag für Brot und Besteck, genannt cubierto; der muss gezahlt werden, auch wenn man das Brot nicht anrührt.
Für Touristen ist auch Selbstversorgung eine Option, aber nicht viel günstiger als das Essen in einfachen Restaurants, das gut und üppig angeboten wird. In den Supermärkten und Läden ist die Auswahl ähnlich wie in europäischen Geschäften. Obst und Gemüse vor dem Verzehr gründlich waschen – aber egal ob aus dem Supermarkt, an einem Straßenimbiss oder im Restaurant: Hygiene und Produktqualität sind generell einwandfrei!

Reisezeit

Die Hauptsaison konzentriert sich auf die Zeit von Mitte Dezember bis Ende Januar, dann sind auch die meisten Touristen im Land, hauptsächlich Brasilianer und Argentinier. Warm ist es von Oktober bis Ende März. Man bedenke, dass die Hauptsaison deutlich teurer ist, die Zimmerpreise steigen dann (vor allem in den Strandorten) mindestens um das Dreifache.

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Da Uruguay so viel auf so kleinem Raum zu bieten hat, lohnt sich das Land ohnehin zu jeder Jahreszeit als Reiseziel – wenn es denn nicht unbedingt ein Badeurlaub sein muss. Aber selbst im Winter kann man Kitesurfen oder Wellenreiten. Die kleinen Kolonialorte und Fischerdörfer, Estancias und Weingüter und natürlich Montevideo mit all seinen Möglichkeiten lohnen immer einen Besuch. Die Jetset- Destination Punta del Este versinkt zwar in den Monaten von (spätestens) April bis einschließlich Oktober regelmäßig in einen tiefen Dornröschenschlaf, ist aber auch dann einen Aufenthalt wert.
Einer der (touristischen) Höhepunkte ist auf jeden Fall der Karneval, der im ganzen Land gefeiert wird. In manchen Städten dauert er bis zu einem Monat, in Montevideo sogar 45 Tage. Will man Uruguay in seiner ganzen Vielfalt genießen, ohne zu viel Geld auszugeben und ohne Schwierigkeiten bei der Zimmersuche zu haben, sind die Frühjahrs- und Sommermonate vor und nach der Hauptsaison optimal, also November, die zweite Februarhälfte und März. Im Meer und in den Seen bzw. Lagunen kann man ab etwa (Mitte) November baden.

© Lars Borchert

Religion

Uruguay ist ein laizistisches Land. Nachdem es schon 1885 die Pflicht zur standesamtlichen Trauung und 1907 das Recht auf Ehescheidung eingeführt hatte, nahm es 1917 die Trennung zwischen Kirche und Staat in die Verfassung auf. Auch die Religionsfreiheit ist konstitutionell festgeschrieben.
Im Gegensatz zu anderen lateinamerikanischen Ländern hat die katholische Kirche als Institution kaum mehr Einfluss in der Gesellschaft. Zudem zementierte der Staat seine Absicht, alles Religiöse zu „privatisieren“, durch die Umbenennung christlicher Feste:Weihnachten heißt „Tag der Familie“ (Dia de la familia) und Ostern „Reisewoche“ (Semana de viajes).

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Die Daten zur Konfessionszugehörigkeit der Uruguayos unterscheiden sich z. T. deutlich, daher sind die folgenden Angaben als Richtwerte zu verstehen: 37 bis 47% der Menschen sind römisch- katholisch, 20 bis 22% sind konfessionslose Gläubige, 10 bis 15% Atheisten bzw. Agnostiker, 5 bis 11% nichtkatholische Christen (Lutheraner, Protestanten etc.), 1 bis 2% sind Muslime, 0,5 bis 1% gehören der Umbanda-Religion (oder anderen afro-brasilianischen Glaubensrichtungen) an und 0,3 bis 1,5% sind Juden.
Andere Weltreligionen wie Hinduismus oder Buddhismus sind nur marginal vertreten. Zu erwähnen sind noch kleinere Gruppen, wie die Zeugen Jehovas oder Mennoniten, sowie aus den USA bzw. Brasilien stammende christliche Splitterreligionen. Nicht zu vergessen ist die okkulte Seite Uruguays: Ähnlich wie in Brasilien gibt es auch hier zahlreiche Menschen, die tagsüber einem „normalen“ Beruf nachgehen, aber nach Feierabend und am Wochenende als Voodoo-Priester, Geistheiler, Hellseher, Hand- oder Kaffeesatzleser, Deuter von Muschelorakeln oder Engelskundler arbeiten und eine große (aber nicht erfasste) Zahl von Anhängern haben.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

Hallo

hola

Guten Tag

buenos días

Tschüss/Auf Wiedersehen

adiós

Ja

Nein

no

Danke

gracias

Bitte

por favor

Entschuldigung

perdón

Gern geschehen

de nada

Ich heiße …

Me llamo …

Ich spreche kein Spanisch.

No hablo español.

Ich hätte gerne …

Quisiera …

Hilfe

ayuda

Ich brauche Ihre Hilfe.

Necesito su ayuda.

Wo finde ich …?

Dónde se encuentra …?

Ich suche …

Estoy buscando …

Wo ist …?

Dónde está …?

Was kostet …?

Cúanto cuesta / vale …?

Zahlen, bitte!

La cuenta, por favor!

Toilette

servicios (baño, aseos)

Links die weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.de | www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Visum: www.auswaertiges-amt.de/Laenderinformation/Uruguay

Fremdenverkehrsamt: www.turismo.gub.uy/en (Englisch)

Deutsche Botschaft: www.montevideo.diplo.de

Uruguayische Botschaft: www.urualemania.de

Reise- und Gesundheitsinformationen: www.crm.de

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

Dos and Don’ts

Uruguay gehört zu den mit Abstand sichersten Ländern Lateinamerikas. Gerade an den Küsten und im Landesinneren ist die Kriminalität verschwindend gering. Die allgemeine Sicherheitslage ist vergleichbar mit der in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Aber: Laut Polizeistatistik des uruguayischen Innenministeriums hat gerade die Kriminalität in Montevideo in den vergangenen Jahren zugenommen. Dabei liege der Schwerpunkt auf Raub- und Diebstahlsdelikten (zunehmend mit Waffengewalt), kritisch seien vor allem die Altstadt (Ciudad Vieja) und das Zentrum, insbesondere abends nach Geschäftsschluss. Aber auch in den Ausgehvierteln Punta Carretas und Pocitos komme es vermehrt zu Überfällen. Generell solle man sich zu Fuß möglichst in Gruppen bewegen und Handtaschen, Fotoapparat und Schmuck möglichst nicht oder zumindest nicht sichtbar tragen. Auch im Umfeld der Hostels rät der Bericht zu besonderer Vorsicht. Sowohl in Montevideo als auch in Punta del Este wird saisonal eine Touristenpolizei eingesetzt.
Prostitution ist in Uruguay legal. Sie findet in Bordellen, Stundenhotels und auf Straßenstrichen statt. Männer und Frauen ab 18 können als Prostituierte arbeiten, wenn sie sich vorher registrieren lassen und danach regelmäßige Gesundheitschecks absolvieren. Wie alle anderen Arbeitnehmer auch sind Prostituierte in Uruguay sozialversichert. Bei den SexarbeiterInnen auf den Straßenstrichen kann man davon ausgehen, dass sie sich keinen Gesundheitskontrollen unterziehen.
Anders als Prostitution sind Zuhälterei und die sexuelle Ausbeutung von Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern illegal. In den vergangenen Jahren hat es einen verstärkten Zuzug von Prostituierten aus den karibischen Ländern gegeben, da sie kein Visum benötigen und Freier in Uruguay deutlich mehr bezahlen müssen als in ihren Heimatländern.
Um die Drogenkartelle und die mit ihnen verbundene Kriminalität zu bekämpfen, sind Anbau und Verkauf von Marihuana legalisiert worden. Um Missverständnissen vorzubeugen, aber noch der Hinweis, dass die Kiffer-Gesetze ausschließlich für uruguayische Staatsbürger gelten – eine „drogentouristische“ Infrastruktur wie etwa in den Niederlanden mit seinen Coffeeshops (oder Ähnliches) ist weder vorhanden noch geplant.

Grandiose Gewächse – Weine und Weingüter in Uruguay

Uruguay ist für die meisten Europäer nicht nur als Urlaubsland noch immer ein Insidertipp, auch seine fantastischen Weine sind den meisten Menschen auf der anderen Seite des Atlantiks unbekannt. Tatsächlich ist die Geschichte des Weinanbaus am Río de la Plata (zumindest nach europäischen Maßstäben) ziemlich kurz. Die Basken hatten zwar bereits Ende des 18. Jahrhunderts die ersten Rebstöcke mit ins Land gebracht und angepflanzt, aber erst um 1870 begann der kommerzielle Anbau. So wie Australien, Südafrika, Chile und Argentinien liegt Uruguay zwischen dem 30. und 35. Breitengrad, aber sein Klima wird meist mit dem Bordelais verglichen, denn die frischen Winde des Río de la Plata und des Atlantiks sorgen (ähnlich wie an der Gironde) für kühle Nächte und eine gute Durchlüftung der Rebstöcke.
Die heute bevorzugt angebaute rote Rebsorte ist noch weit vor Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc sowie Syrah der Tannat. Rund 40% des in Uruguay erzeugten Weins wird aus ihm vinifiziert. Die Tannat-Traube (ursprünglich in Südfrankreich zu Hause) ist berühmt(-berüchtigt) für ihren sehr markanten Geschmack, und es bedarf echter Winzerkunst, diesen Kraftprotz zu zähmen.
Für die Weißweine werden viele verschiedene Rebsorten angebaut, u. a. Chardonnay, Chenin und Sauvignon Blanc, Gewürztraminer, Marsanne und Muskateller, Weißburgunder, Semillón, Viognier und Torrontés – sogar Riesling vinifizieren einige Weingüter, allerdings nur in sehr geringen Mengen.
Die rund 300 uruguayischen Bodegas haben sich einen guten Ruf erworben und runden Ecken und Kanten ihrer Weine durch einen vorsichtigen Fassausbau bzw. durch den geschickten Verschnitt mit anderen Rebsorten ab.
In den 1990er Jahren hat man sich in Uruguay bewusst dazu entschieden, Qualitätsweine zu erzeugen, und die staatlichen Vorgaben (mind. 10,5 Vol.-% Alkohol, max. 0,80g/l Säuregehalt und max. 200 mg/l Schwefel) werden streng überwacht. Kein Wein soll ohne chemische Analysen und sensorische Tests eines staatlichen Labors (Laboratorio Tecnológico del Uruguay) das Land verlassen dürfen. Auf jeder Flasche befindet sich zudem eine Kontrollnummer, die vom Nationalen Institut für Weinanbau (Instituto Nacional de Vitivinicultura, INAVI) ausgegeben wird.
Vor zehn Jahren haben sich viele Weingüter zusammengetan und die Asociación de Turismo Enológico del Uruguay (Weintourismus- Verband Uruguay) gegründet. Seitdem können Interessierte unter freundlicher und fachkundiger Begleitung die Weinberge und -keller der Bodegas besuchen und ihre Weine verkosten

Zwei Religionen – Fußball und Politik

Die Begeisterung und der Fanatismus, die in anderen (südamerikanischen) Ländern noch immer für die Religion aufgebracht werden, haben in Uruguay vor allem zwei andere Kultobjekte gefunden: Fußball und Politik.
Gerade der Fußball löst als Breiten- und als Spitzensport eine Euphorie, Hingabe und Identifikation aus, die selbst uralte Fußballnationen wie England, Deutschland oder Italien blass dastehen lassen. Egal ob auf Straßen und Plätzen, im Park, am Strand oder selbst an den Bushaltestellen: Fußball wird überall gespielt, und die Fußballergebnisse vom Wochenende bestimmen noch Tage danach die Unterhaltungen. Wer fündig wird, kauft sich sogar die Thermosflasche für seinen Mate-Tee in den Farben seines Vereins. Die beiden Weltmeisterschaftssiege 1930 und 1950 (vor allem der Triumph über Brasilien, den großen Nachbarn und Rivalen im Norden), die beiden Olympiatitel und natürlich die zahllosen Siege bei der Copa América machen einen wichtigen Teil des Selbstbewusstseins der Uruguayos aus und werden im weltweit ersten Fußball-Museum in Montevideo entsprechend gewürdigt.
„Equipo Celeste“ (Himmelblaue Mannschaft) heißt die Nationalmannschaft in Anlehnung an die Farbe der Trikots, die sich wiederum an der Farbe der Staatsflagge orientiert. Und „Nací Celeste“ (Ich wurde himmelblau geboren) von der Rockgruppe „No Te Va Gustar“ lautet die Fußballhymne der Uruguayos, die auch gerne als inoffizielle Nationalhymne bezeichnet wird. Wenn die Himmelblauen bei internationalen Wettkämpfen spielen, freuen sich schon vorher die Fernsehverkäufer (und die Banken, die extra Kredite für den Erwerb eines neuen und größeren Geräts anbieten), denn: Das ganze Land schaut zu. Wer nicht zu Hause vor dem Bildschirm sitzt, steht mit Fahne, Schal und Tröte ausgerüstet auf den Plätzen der Städte und schwenkt die Nationalflagge. Nach den Siegen ihrer Himmelblauen füllt ein Meer aus Fahnen die Avenida 18 de Julio in Montevideo. Selbst auf den Stufen des Monuments für den Nationalhelden Artigas werden Fahnen geschwenkt.
Ein ähnliches Bild bekommt man in Uruguay bei Wahlen zu sehen. Dann strömen ebenfalls Tausende von Menschen auf die Straßen und schwenken die Fahnen ihrer Partei und die Nationalflagge. Wobei Politik nicht nur ein Grund für Begeisterungsstürme ist. Die Parteien und ihre Gruppierungen sind traditionell tief in der Gesellschaft verankert, die Identifikation mit ihnen war sehr lange Zeit außergewöhnlich hoch. Nach der Unabhängigkeit Uruguays bekämpften sich die Anhänger der beiden traditionellen Parteien „Blancos“ und „Colorados“ über viele Jahrzehnte sprichwörtlich bis aufs Messer. Die „falsche“ Parteizugehörigkeit war oft Grund genug, jemanden umzubringen oder aber zumindest abgrundtief zu hassen. Noch heute entflammen selbst unter Freunden und Verwandten heftigste Konflikte, wenn es um Politik geht. Daher kam es einem Quantensprung gleich, als sich die Uruguayos von diesen beiden Parteien abwandten und die neue Regierungspartei Frente Amplio wählten. Der Schriftsteller Eduardo Galeano hat das geradezu religiöse Verhältnis der Uruguayos zu Politik und Fußball sehr treffend auf den Punkt gebracht, als er sagte, ein Mann könne zwar seine Frauen wechseln, aber weder seine Partei noch den Lieblingsverein.

Tango Uruguayo – Milongas in Montevideo

Ähnlich wie der Fußball ist auch der Tango eines der nationalen Heiligtümer der Uruguayos, obwohl der Ort seiner Entstehung noch immer umstritten ist. Doch ganz gleich auf welcher Seite des Río de la Plata der Ursprung liegt, der Tango löste sowohl in Uruguay als auch in Argentinien einen wahren Rausch aus. Der Legende nach schrieb der Komponist Gerardo Matos Rodríguez „La Cumparsita“, das wahrscheinlich bekannteste und meistgespielte Lied dieser Gattung, um nicht zu sagen die Hymne des Tango, auf eine Serviette des Restaurants La Pasiva an der Plaza Independencia in Montevideo. Carlos Gardel wurde im Valle Edén nahe seiner (vermeintlichen) Heimatstadt Tacuarembó ein Museum errichtet, dessen einzige Aufgabe offensichtlich darin besteht, seine Herkunft als Uruguayo zu dokumentieren. Und als die Argentinier bei einer Olympiaeröffnung eben jene „Cumparsita“ zum Einmarsch ihrer Athleten spielen ließen, kam es zu diplomatischen Verwerfungen zwischen beiden Ländern. Noch heute wird die „Cumparsita“ auf der ganzen Welt häufig am Ende einer Tango-Tanzveranstaltung (Milonga) gespielt, um anzukündigen, dass es Zeit ist, nach Hause zu gehen.
Milongas und andere Tangoveranstaltungen gibt es vor allem in Montevideo noch heute in großer Zahl. Man muss auch nicht bis zum Wochenende oder späten Abend warten, um Tango tanzen zu können. Ähnlich wie der Fußball wird Tango auf öffentlichen Plätzen, in Parks oder am Strand gespielt. Einige Cafés laden zum Nachmittags-Tango, andere rücken dafür am Abend die Tische zur Seite, viele Bars spielen ihn allabendlich (live oder vom Band oder beides), manches Kulturzentrum veranstaltet regelmäßig schon mitten in der Woche bis um vier Uhr morgens seine Milonga, viele Restaurants bieten Tango-Vorführungen zum Abendessen an (cena show), selbst Museen veranstalten ein-, zweimal die Woche ihren Tangoabend, und: Es gibt noch immer die Tangosalons, in denen fast nur Tango gespielt wird sowie einige verwandte Musikstile wie Vals oder Milonga.
Allerdings sollte man nicht erwarten, hier nur sexy gekleidete Frauen mit hohen Absätzen und tiefem Ausschnitt vorzufinden, die verrucht an ihrer Zigarettenspitze ziehen und ihrem stattlich ausstaffierten Tanzpartner in Frack und auf Hochglanz polierten Schuhen den Rauch ins Gesicht blasen, während sie schon dem nächsten Galan schöne Augen machen, der das etwas dickere Portemonnaie haben könnte. In Montevideo ist auch der Tango im 21. Jahrhundert angekommen: Menschen aller Generationen und Schichten tanzen ihn, in Jeans und T-Shirt genauso wie in Jogginghosen oder Strandkleidung oder eben in Abendrobe – aber noch immer eng umschlungen.

Alle Texte aus: Reiseführer Uruguay von Lars Borchert

Uhrzeit und Temperatur: Montevideo

Titelbild: © Lars Borchert