»Wenn du Englisch sprichst, öffnen sich Türen, wenn du aber Spanisch sprichst, dann öffnen sich die Herzen.«
Venezolanisches Sprichwort

Venezuela

República Bolivariana de Venezuela
Bolivarische Republik Venezuela

13:07 h | 26 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
30.851.000 (Weltrang 41)

Bevölkerungsdichte
34 Einw. pro km²

Fläche
912.050km² (33)

Hauptstadt
Caracas

Staatsform
Bundesrepublik

Hauptsprachen
Spanisch

Währung
Bolívar Fuerte (VEF)

Nationalfeiertag
5.7.

Internationale Ankünfte/Touristen
1.084.776 (Stand 2013)

Flugdauer
8080 km ≈ 10 Std.

Höchster Erhebung
Pico Bolívar (4.981 m)

Anzahl der Tafelberge
≈ 115

Längster Fluss
Río Orinoco (2.140 km)

Höchster Wasserfall
Salto Angel (978 m Weltrekord!)

Geschützte Gebiete
62,9% der Landesfläche

Entdeckung Venezuelas
3.8.1498 (Christoph Kolumbus)

Offizieller Wechselkurs
1€ ≈ 7 Bolívar

Kurs auf dem Schwarzmarkt
1€ ≈ 810 Bolívar

Dies und Das

© Volker Alsen

Natur

Das kontinentale Venezuela grenzt im Westen und Südwesten an Kolumbien, im Süden an Brasilien und im Osten an Guayana. Venezolanische Gewässer grenzen an die Territorien der Dominikanischen Republik, von Puerto Rico, den niederländischen Antillen, Martinique, Guadalupe und letztendlich Trinidad und Tobago. Die Fläche des Landes umfasst 912.050 km², von denen 1270 km² auf die Inseln entfallen. Die Grenzlänge zu anderen Staaten beträgt: 2220 km  mit Kolumbien, über 2000 km mit Brasilien und 740 km mit Guayana. Mit den Inseln verfügt Venezuela über 4000 km Küste, davon 2800 km auf dem Festland.

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Venezuela kann in vier Regionen eingeteilt werden und zwar im Nordwesten in die Tiefländer von Maracaibo und die Anden, die sich von der kolumbianischen Grenze entlang des Karibischen Meers nach Osten erstrecken, in die Orinoco-Ebene (Llanos) im Zentrum und das Hochland von Guayana im Südosten mit der bekannten Gran Sabana.
Das Tiefland von Maracaibo und der Lago de Maracaibo sind umgeben von Gebirgsketten, ausgenommen ist nur der Norden, wo das Land ans Karibische Meer angrenzt. Die Region ist sehr flach und steigt nur leicht in Richtung der umliegenden Berge an. Der 13.000 km² große und bis zu 50 m tiefe Maracaibo-See nimmt einen Großteil der niedriger liegenden Bereiche ein. Er ist durch die 75 km lange Meerenge Canal de San Carlos mit dem Golf von Venezuela verbunden. Am Ostufer des Sees lagern die reichsten Erdölvorräte von Venezuela.
Der höchste Gipfel der venezolanischen Anden, der Pico Bolívar, reicht bis 5007 m über Meereshöhe. In den fruchtbaren Tälern wohnt ein beachtlicher Teil der Bevölkerung, und es wird intensiv Landwirtschaft betrieben. Die Gebirgszüge an der Grenze zu Kolumbien sind sehr dünn besiedelt. Einige Gipfel dieser Region wie der Pico Bolívar sind das ganze Jahr über mit Schnee bedeckt. Ein breites Tal trennt den Gebirgszug der Anden von einem anderen Tal, welches der Küste folgt und in dem sich Caracas befindet. Diese Region ist die am dichtesten besiedelte Venezuelas mit einem bestens ausgebauten Verkehrsnetz. Caracas liegt in einem breiten Tal, welches an die östlichen Berge angrenzt, die vom Karibischen Meer ansteigen.
Auf der Südseite der Berge erstrecken sich die weitläufigen Llanos. Sie dehnen sich von der karibischen Küste bis zur kolumbianischen Grenze aus. Die südliche Grenze stellt der Flusslauf des Orinoco dar. Es gibt sehr viele Steppen in den Llanos und im Orinoco-Delta Sumpfgebiete, wie auch an der Grenze zu Kolumbien mehrere Sumpfgebiete vorhanden sind. Die höchsten „Berge“ in den Llanos übersteigen keine 200 m.
Südöstlich des Orinoco erhebt sich eine der ältesten Landschaften der Welt, das Hochland von Guayana mit seinen Tafelbergen, Wasserfällen und Flüssen, welche fast alle über den Río Caroní schlussendlich in den Orinoco fließen. Dieses Hochland weist an die 115 Tafelberge auf, man schätzt ihr Alter auf 70 Millionen Jahre. Fauna und Flora sind einzigartig, viele Arten endemisch, das heißt, sie wachsen oder leben nur in dieser Gegend der Welt. Vom Tafelberg Auyantepui stürzt der höchste Wasserfall der Erde, der Salto Angel (978 m), vom Tafelberg Kukenán der gleichnamige Salto mit 710 m freier Fallstrecke. Alle Wasserfälle sind Teil des Nationalparks Canaima, der zum UNESCO-Weltnaturerbe gehört.

 © Volker Alsen

Tiere

Das Tierleben des Landes gehört zu den reichsten weltweit, man zählt 2120 Tierarten die zu den Erdbewohnern zählen, vor allen Dingen Säugetiere, und an die 3000 verschiedenen Fischarten. Dieser Reichtum ist der Vielfalt an Klimazonen zu verdanken, unterschiedlichen Höhenlagen und verschiedenen Ökosystemen.
Es gibt 306 Säugetiere, welche auf der Erde bzw. auf Bäumen leben, und 21 Arten, die im Wasser beheimatet sind. 14 Tierarten sind endemisch, sie kommen also nur in Venezuela vor. Eine ganz seltene und vom Aussterben bedrohte Art ist die Seekuh (Manatí), die vor allem in der Mündung des Orinoco und im Nationalpark Turúepano lebt. Sie wird bis zu 5 m lang und 300 kg schwer.

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An den ruhigen Seitenarmen des Orinoco und des Apure kommen auch die seltenen Riesenotter vor. In sämtlichen Flüssen Venezuelas gibt es verschiedene Fischotterarten. Auch sind viele Nager vertreten, von kleinen Mäusen über Wald- und Wüstenratten, von Beuteltieren wie verschiedenen Opossumarten bis zum Capybara, dem Wasserschwein – es ist das größte Nagetier weltweit. Die Wasserschweine sind in einigen Teilen Venezuelas sehr wichtig für das ökologische Gleichgewicht, da sie die Wurzeln der Wasserhyazinthen zerbeißen, von denen sie sich ernähren. Auch Stachelschweine und Stinktiere sind in den tropischen Regenwäldern beheimatet. Die größte Artenvielfalt unter den Säugetieren findet man in Gestalt der vielen verschiedenen Fledermausarten. Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die sich im Flug paaren. Es ist bekannt, dass es im Amazonasgebiet noch viele unentdeckte und unbestimmte Arten gibt.
Auch als Felis pardalis oder Ozelot bekannt, ist die Wildkatze Cunagaro das bestimmende Wildtier des Landes. Die 70 bis 100 cm große Katze liebt vor allem die feuchten Regenwälder bis in eine Höhe von 1000 m, sie lebt aber auch in Galerieregenwäldern, in Steppen und trockenen Zonen. Die Katze ist ein ausgezeichneter Kletterer, jagt aber auch am Boden. Vorwiegend nachtaktiv, verbringen die Tiere die Tage in Baumhöhlen, im Gebüsch oder Geäst. Zu ihren Lieblingsspeisen gehören Mäuse, Ratten, Frösche, Schlangen und Vögel. Die größte Bedrohung für den Ozelot stellen Sportjäger dar, früher war das Fell ein begehrter Artikel. Inzwischen sind scharfe Maßnahmen zum Schutz der Tiere verfügt worden.
Venezuela ist ein Paradies für Vogelliebhaber. Man zählt insgesamt 1381 Vogelarten mit vielen Unterarten. Das entspricht mehr als der Hälfte aller in Südamerika vorkommenden Arten. 46 Vogelarten sind nur in Venezuela vorzufinden, 86 Vogelarten sind regional endemisch. Die kleinen Kolibris, die farbenreichen, leuchtenden Tangaren und die Ameisenvögel sind Vögel, die nur in den Neotropen vorkommen, das heißt in den Tropen der Neuen Welt in Mittel- und Südamerika.
254 Arten von Reptilien zählt das Land insgesamt. Es gibt drei Kaimanarten und zwei Krokodilarten. Das größte Krokodil ist das Orinocokrokodil, welches bis zu 6 m lang wird und im Orinoco- Becken, -Delta und in den Llanos vorkommt. An den Salz- und Brackwasserlagunen leben die vom Aussterben bedrohten Spitzkrokodile. In allen Süßwasserflüssen Venezuelas, vor allem aber in den Armen des Orinoco und Apure gibt es den Schwarzen Kaiman, den Glattstirnkaiman, der nur etwas über 1 m lang wird, und am häufigsten den Brillenkaiman, der bis zu 3 m Länge wächst.
Man geht davon aus, dass in Venezuela an die 3000 Fischarten leben. Viele Meeresfische wie Tintenfische, Thunfische und Sardinen, aber auch Süßwasserfische wie der Pfauenaugenbarsch oder die Forelle erfreuen das Herz der Angler. In den Flüssen kommen diverse Pirañaarten vor. Der aggressivste Typus ist der Orangebrustpiraña. In der Regenzeit, wenn die Flussarme überflutet sind, ist der Fisch in der Regel nicht gefährlich. Wenn aber der Wasserspiegel in der Trockenzeit fällt und das Nahrungsangebot sinkt, da keine neuen Fische mit den Überflutungen in die Seitenarme kommen, dann werden die Pirañas aggressiv. Auch Stachelrochen und Zitteraale tummeln sich in den Flüssen des Amazonas. Verschiedene Fische wie Regenbogenbarsche, Welse und Guppis sind als Aquarienfische in Europa sehr beliebt

Reisezeit

Wer gerne die Vegetation, Wasserfälle und Flüsse in voller Pracht erleben will, kommt am besten in der Regenzeit. Dann fühlen sich allerdings auch Moskitos wohl – ihr massenhaftes Auftreten wird in der Umgangssprache als „plaga“ bezeichnet. Wer lieber trocken auf die Tafelberge steigen möchte, tut das besser während der Trockenzeit. Im März und April ist erfahrungsgemäß mit sehr wenig oder gar keinem Niederschlag zu rechnen. Das hat den Nachteil, dass die Natur ihre „Frische“ verliert, dafür sind keine Moskitos unterwegs. Die Wasserfälle kommen teilweise komplett zum Erliegen. Viele Bootstouren sind nur noch eingeschränkt realisierbar, dafür ist die Tierbeobachtung umso interessanter; die wenigen verbleibenden Wasserlöcher sind dann übervölkert.

© Volker Alsen

Essen

Praktisch jede Region hat ihre Eigenheiten und Spezialitäten, bei den Indianern isst man selbstverständlich anders als in Caracas. Und natürlich hat die venezolanische Küche in Anbetracht der Landesgeschichte spanische Wurzeln.
Das Frühstück mag man gerne deftig, fettig. Als Getränk bevorzugt der Venezolaner am Morgen einen Kaffee, liebevoll „cafecito“ genannt, aber auch ein Fruchtsaft (jugo natural) gehört dazu. Vereinzelt werden auch Eier gebraten (huevos fritos), eine Spezialität, aus Kuba stammend, ist der périco, Rührei mit Tomaten, Zwiebeln und Peperonistücken. Die arepas und empanadas aus Maismehl, aber auch die pastelitos aus Weizenmehl, werden frittiert und sind mit leckeren Sachen wie Fleisch, Huhn, Thunfisch, Schinken, Käse etc. gefüllt. Es lohnt sich auch nachzufragen, ob domplins im Angebot sind, eine einfache, leckere Spezialität aus Weizenmehl.

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Zu den beliebtesten Mittagstellern gehört Hühner- oder Rindfleisch mit Reis, schwarzen Bohnen und Kochbananen; diese Speise heißt pabellón criollo, ist quasi das Nationalgericht und wird dauernd und überall serviert – wer länger unterwegs ist, kann ein Lied von der „Vielfalt“ des Mittag- und Abendessens singen … Daneben gibt es zahlreiche Suppen wie den sancocho, einen Eintopf, der sowohl mit Fleisch als auch mit Huhn oder Fisch zubereitet wird. Er enthält auch viel Gemüse und schmeckt sehr lecker. Ebenso beliebt ist die sopa de mondongo, eine Kuttelsuppe. Gerne isst man auch eine minestrón, eine Gemüsesuppe aus Frischprodukten und Speckstücken. Eine weit verbreitete Spezialität ist cachapa con queso, ein süßlicher Pfannkuchen aus Maiskörnern mit leicht salzigem Käse.
Eine Nachspeise ist das quesillo. Sie besteht aus Eiern, Kondensmilch, Vanillearoma und Zucker, gleicht einem „Flan“ und schmeckt ausgezeichnet.
Am Meer, auf den Inseln und überall, wo es Flüsse gibt, verzehrt man natürlich viel Fisch (pescado). An den Küsten gibt es selbstverständlich viele Krustentiere, mariscos genannt. Die kulinarisch wichtigste Zeit ist Weihnachten. Dann deckt man sich nicht nur mit neuen Schuhen und Kleidern ein, sondern speist und trinkt gut und ausgiebig. Ostern fährt man traditionellerweise ans Wasser zum Baden. Das Essen ist zweitrangig, allerdings wird gemäß katholischem Glauben Fisch der Vorzug gegeben – daher steigt der Preis an Ostern entsprechend.

Religion

96% der Venezolaner sind offiziell katholisch. Den Glauben ins Land gebracht haben die spanischen Eroberer, und sie „bekehrten“ sowohl die Indianer wie auch die schwarzen Sklaven mit aller Gewalt zu dieser Religion. Später kamen weitere europäische und amerikanische Missionare hinzu, die „Überzeugungsarbeit“ leisteten. Heute ist die Missionstätigkeit umstritten. Allzu häufig ging es den „Missionaren“ nicht um die Verbreitung des (katholischen) Glaubens, sondern darum, den Waldbewohnern die Bodenschätze wie Gold und Diamanten billig abzuluchsen.

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Als der Unabhängigkeitskrieg gewonnen war und die Spanier das Land verlassen hatten, wurde im Jahr 1833 auch der „Zehnte“ abgeschafft. Diese Steuerabgaben an die Kirche mussten vormals alle bezahlen, die ein sichtbares Einkommen erzielten. Präsident Guzmán war es dann 40 Jahre später, der alle Kirchen schließen ließ und die Religionsfreiheit ausrief. 1904 wurden die Zivilehe und die Scheidung eingeführt, und damit war der katholischen Kirche endgültig die Macht genommen. Die demokratischen Verfassungen Venezuelas enthielten fast immer die Religionsfreiheit.
Obwohl die meisten Venezolaner katholisch getauft sind, praktizieren viele den Glauben nicht wirklich. Man sieht denn auch vor allem ältere Kirchgänger, und die Priester stehen oft vor fast leeren Kirchenbänken. Viele Sekten sind in den vergangenen Jahren im Lande aktiv geworden und haben immer mehr Zulauf – kein rein venezolanisches Phänomen.
Daneben ist Venezuela bekannt für seine Heiligenverehrung. Es gibt unzählige Heilige über das ganze Land verteilt. Einer der bekanntesten dürfte sicher San Onofre sein. Der von der Kirche nie heiliggesprochene Dr. José Gregorio Hernández soll schon zu Lebzeiten viele Wunderheilungen vollbracht haben, und nach seinem Unfalltod im Jahre 1919 berichteten viele Besucher seiner Grabstätte von wundersamen Genesungen. Viele venezolanische Autofahrer haben daher ein Bildnis von José Gregorio im Fond des Wagens aufgestellt, um sich vor Unfällen zu schützen.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

¡Hola!

Hallo!

Buenos días

Guten Morgen

Buenas tardes

Guten Tag

Buenas noches

Guten Abend, gute Nacht

¿Qué tal? / ¿Cómo estás?

Wie geht’s?

muy bien, gracias

Danke, sehr gut

gracias

danke

por favor

bitte

el amigo

Freund

la casa

Haus

la calle

Straße

el número

Nummer

el pueblo

Dorf (auch: Volk)

la ciudad

Stadt

el centro

Zentrum

la policía

Polizei

mis documentos

meine Ausweispapiere

bueno

gut 

malo

schlecht

mucho

viel

poco

wenig

grande

groß 

pequeño

klein

viejo

alt

nuevo

neu

caro

teuer

barato

billig

cerca

nah

lejos

weit, entfernt

limpio

sauber

sucio

schmutzig

lento

langsam

rápido

schnell

Links die weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.de | www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Visum: www.auswaertiges-amt.de/Laenderinformation/Venezuela

Fremdenverkehrsamt: www.venezuelanature.travel | www.republica-de-venezuela.com (Englisch)

Deutsche Botschaft: www.caracas.diplo.de

Venezolanische Botschaft: www.botschaft-venezuela.de

Reise- und Gesundheitsinformationen: www.crm.de

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

Dos and Don’ts

Mit der Pünktlichkeit sollte man es nicht zu ernst nehmen, man hat in Venezuela viel mehr Zeit als in Europa, und schließlich ist man ja auch im Urlaub. Trotzdem: Die meisten Verkehrsmittel wie Autobusse und Flugzeuge sind relativ pünktlich. Gibt es Verzögerungen, macht es wenig Sinn zu reklamieren. Das Gegenteil wird die Folge sein, Sie werden nicht beachtet und warten noch länger. Grundsätzlich ist Geduld angebracht, besonders in Banken und auf Ämtern. Die Warteschlangen können endlos sein. Der Venezolaner nimmt das mit Gelassenheit hin, er ist es von Kindheit an gewohnt.
Hat man eine Verabredung um 9 Uhr morgens, heißt das nicht, dass der Betreffende Punkt 9 Uhr erscheint. Auch bei Geschäftstreffen ist es durchaus üblich, später zu kommen. Bei privaten Einladungen wird Pünktlichkeit genauso wenig geschätzt, man kommt zwischen 30 und 60 Min. später.
Viele Bewohner, vor allem in den Städten, gehören zu den Armen im Land. Auf keinen Fall mit teuren Uhren, Goldketten, Kameras oder Geldbündeln protzen. Anstand und Sicherheit gebieten, bescheiden und unauffällig aufzutreten.
In Geschäften ist es nicht üblich zu feilschen, am ehesten noch auf den Wochenmärkten. Wer einen Fehlkauf gemacht hat, darf nicht damit rechnen, dass er Geld zurückbekommt.
Man sollte mit kritischen Äußerungen über Venezuela sehr vorsichtig sein, dazu braucht es längere Erfahrung im Gastland. Auch der Vergleich der Zustände vor Ort mit dem, was man von zu Hause gewohnt ist, läuft ins Leere, denn die meisten Venezolaner kennen Europa nicht, und es interessiert sie auch kaum, was dort für Regeln gelten oder Zustände herrschen. Auf keinen Fall Beamte der Polizei oder Militärs beschimpfen, das bringt nur gewaltigen Ärger.
Obwohl das Leben in Venezuela generell einfacher ist als in Europa, legen die Venezolaner, auch die ärmere Bevölkerung, sehr großen Wert auf gepflegte Kleidung. Es ist verboten, mit nacktem Oberkörper durch die Straßen zu wandern, nicht selten greift in solchen Fällen die Polizei ein und verlangt, dass man sich auf der Stelle etwas anzieht. Auch geht man hier nicht barfuß. Oben ohne am Strand ist für Frauen tabu. Europäische Besucher haben den Ruf, dass sie stinken. Natürlich ist der Europäer das tropische Klima nicht gewöhnt und duscht sich in der Regel auch nicht dreimal am Tag, auch wenn es notwendig sein sollte. Vielleicht macht man seinen Gastgebern den Gefallen und benutzt das Deo intensiver als sonst und lässt seine Urlaubsklamotten regelmäßig waschen; preiswerte Wäschereien (lavandería) gibt es zuhauf.

Exkurs: Die Pemón-Indianer

Im Nationalpark Canaima leben die Stämme der Pemón. Es handelt sich um ein freundliches, sympathisches und offenes Volk, das sich die „Unschuld“ eines Urvolkes bewahrt hat. Trotzdem haben sich die Menschen in gewisser Weise dem modernen Leben angepasst, neugierig geworden durch den Einfluss der Touristen, die aus allen Ländern dieser Welt ihre Naturwunder besuchen kommen. Die Pemón sind von Natur aus, aber auch per Gesetz, die „Parkwächter“ des Nationalparks Canaima und haben dadurch auch weitreichende Befugnisse. Niemand außer ihnen darf sich im Nationalpark dauerhaft ansiedeln, mit Ausnahme der Orte Canaima und Santa Elena de Uairén. „Normale“ Venezolaner oder Immigranten haben hier weniger Rechte als die „echten“ Venezolaner, die seit Generationen dieses Land bevölkern. Nur wer einheiratet, kann sich hier niederlassen, und das sind ganz seltene Fälle. Daher werden sämtliche Camps, Campingplätze, Hotels, Restaurants, Souvenirläden entlang der Gran Sabana ausschließlich von Pemón-Indianern betrieben und sind ihr alleiniger Besitz. Dies sind uralte Gesetze, die noch auf Einflüsse von Alexander von Humboldt zurückgehen.
Das Wort „Pemón“ wird seit Mitte des 20. Jh. benutzt, um einige Volksgruppen mit ähnlicher Kultur und Sprache zusammenzufassen. Man könnte das Wort mit „Leute“ oder „Menschen“ übersetzen. Trotzdem haben die verschiedenen Gruppen unterschiedliche Bräuche und Dialekte, je nachdem aus welcher Gegend sie stammen. Sie sind über den gesamten Nationalpark verteilt und gliedern sich in drei Gruppen: die Kamaracotos, die in der Gegend um Canaima, La Paragua und Kamarata zu Hause sind, die Arekunas, die man in Kavanayén und Umgebung trifft, und die Taurepanes, die im Süden der Gran Sabana bei Santa Elena de Uairén und San Francisco de Yuruani zu Hause sind. Trotz der verschiedenen Dialekte ihrer Sprache, des „Caribe“, können sie sich untereinander problemlos verständigen, ebenso wie ein Bayer sich auch in Norddeutschland ein Bier bestellen kann.
Die Pemón standen seit Mitte des 18. Jh. unter dem starken Einfluss von Missionaren, schon 1779 waren über 20 Gemeinden gegründet, die meist einträgliche Landwirtschaft betrieben. Durch den Bau der Landstraße nach Brasilien, quer durch das Land der Pemón, wurden die Kontakte intensiviert und die Indianer „zivilisiert“; sie passten sich den neuen Gegebenheiten, sowohl in religiöser Hinsicht als auch im Sozialverhalten, an. Man trifft wenige Venezolaner, die ein so fehlerfreies Spanisch sprechen, dabei aber ihre eigene Sprache und Kultur pflegen.
Die Bevölkerung wird heute auf etwa knapp 20.000 Menschen geschätzt, meist wohnen sie in typischen Rundbauten mit Palmdächern und Lehmwänden (waipa) und leben von der Landwirtschaft, der Jagd, dem Kunsthandwerk und natürlich dem Tourismus. Sämtliche Einnahmen, die ein Mitglied einer Kommune hat, z.B. als Guide auf den Roraima, kommen theoretisch der gesamten Gemeinde zugute.
Die Pemón bezeichnen sich selbst als Savannenmenschen, und obwohl sie in den Wald ziehen, um zu jagen, bevorzugen sie als Lebensraum die Gran Sabana. Ihre Siedlungen sind relativ permanent, mit großer Sorgfalt wird der zukünftige Wohnort auf einer freien Fläche, nahe an einem ruhigen Wasserlauf zum Schwimmen und Fischen, ausgesucht und dann über Jahrzehnte gehalten. Die typische Bauweise, die in der Gran Sabana seit ewigen Zeiten vorherrscht, findet heutzutage bei fast allen Camps in der Gran Sabana Verwendung – ein Beweis für ihre Qualität.
Mittlerweile hat die Regierung neue Häuser für die Bewohner errichten lassen, die aber anfänglich keine große Freude an den Behausungen hatten, da sie nicht ganz stilgerecht aussahen. Inzwischen aber haben sich die Indianer an die neuen Häuser gewöhnt. Siedlungen davon kann man auf dem Weg von Santa Elena de Uairén nach El Pauji sehen und im Indianerdorf Chirikayén.

Exkurs: Innovativer Brückenbau in Ciudad Guayana

Die Stadt Ciudad Guayana am Zusammenfluss von Caroní und Orinoco wurde in den letzten 60 Jahren zum Schwerindustriezentrum Venezuelas ausgebaut. Stahl- und Aluminiumwerke verarbeiten das in der Nähe vorkommende Eisenerz und Bauxit, dazu kommen Stahlbaufirmen, verarbeitende Industrie und ein leistungsfähiges Wasserkraftwerk. Die Industriegebiete liegen im Wesentlichen im Stadtteil Puerto Ordaz am westlichen Ufer des Caroní, die Wohngebiete im Stadtteil San Félix am östlichen Ufer. Beide Stadtteile waren zunächst nur durch Fähren über den Caroní miteinander verbunden.
1961 wurde ein internationaler Wettbewerb für eine rund 500 m lange zweispurige Straßenbrücke über den Río Caroní ausgeschrieben. Eine Stahlbrücke wurde nicht ernsthaft erwogen, da der Bauherr die Verwendung anderer Baustoffe wünschte. Andererseits kam der Bau einer Stahlbetonbrücke auf üblichen Lehrgerüsten wegen der Hochwasserverhältnisse des Caroní kaum infrage. Bei Hochwasser steigt der Wasserspiegel im Bereich der Brückentrasse um bis zu 12 m an und erreicht dabei Geschwindigkeiten von 4–5 m/sec. Ein Bauen im Fluss ist daher während mehrerer Monate im Jahr außerordentlich erschwert, wenn nicht gar unmöglich.
Den Zuschlag erhielt ein Entwurf des namhaften deutschen Ingenieurs Prof. Leonhardt, der vorsah, den rund 500 m langen Überbau an Land aus 9,20 m langen Fertigteilen herzustellen, diese insgesamt mittig zusammenzuspannen und so als Ganzes in Längsrichtung über den Fluss hinweg auf den inzwischen hergestellten Pfeilern und Hilfspfeilern in seine endgültige Lage zu verschieben. Der Überbau konnte so unbeeinflusst durch Witterung und Hochwasser hergestellt und die Pfeiler alle zu gleicher Zeit gebaut werden.
Die Pfeiler sind auf Granitfels in rund 8 m Tiefe unter Normalwasser flach gegründet und mit vorgespannten Felsankern zusätzlich nach unten verankert. Der Bereich über Wasser besteht aus Stahlbeton.
Die innovative Neuerung dieses Brückenentwurfs ist der Längsverschub eines gesamten Überbaus über die Pfeilerköpfe hinweg mit einem Verschubweg von 500 m. Diese Brücke war damals die Geburtsstunde des Taktschiebeverfahrens, welches Prof. Leonhardt nach weiterer Vervollkommnung patentiert wurde. Inzwischen sind weltweit Hunderte, meist große Spannbetonbrücken nach diesem Verfahren gebaut worden. Die Brücke wurde im Mai 1964 dem Verkehr übergeben.
1977 wurde dann direkt neben der ersten Brücke eine zweite Brücke mit gleichen Abmessungen, ebenfalls in dem zu dieser Zeit bereits klassischen Taktschiebeverfahren gebaut.
Der ständig wachsende Verkehr machte um 1990 den Bau einer dritten Brücke an der Stromenge (Angosturita) des Caroní erforderlich. Der Fluss wird hier durch eine Basaltformation auf etwa 250 m Breite eingeengt. Die Brücke bietet neben einer Straße mit zwei dreispurigen Richtungsfahrbahnen auch einer eingleisigen Schienenverbindung Platz, die u.a. Erz vom Cerro Bolívar zu dem Stahlwerk und den Verladeanlagen in Puerto Ordaz bringt. Sie ist weltweit die erste Großbrücke mit Doppelverbund und einer Rekordspannweite von 214 m.

Exkurs: Kalter Krieg in Venezuela

Bei der Einschätzung der Politik Betancourts müssen wir von der historischen Tatsache ausgehen, dass zu jener Zeit der Raum der Karibischen See der Brennpunkt des Kalten Krieges in der westlichen Hemisphäre darstellte. Fidel Castro war gerade in Kuba an die Macht gekommen. Mehr als vielleicht in Europa deutlich wurde, entspann sich zwischen Castros Kuba und Betancourts Venezuela ein Wettkampf. Beide Länder wollten beweisen, dass ihr System das bessere ist: Kuba beschritt, auch unter Zwang (Blockade durch die USA), den Weg des kommunistischen Sozialismus, während es Venezuela mit dem demokratischen Sozialismus mittels Reformen versuchte. Dabei geriet Venezuela automatisch in die „Schusslinie“ des von der Sowjetunion geführten internationalen Kommunismus und ihres ersten lateinamerikanischen Verbündeten Castro.
Die Kommunisten und ihre Verbündeten, vor allem die Movimiento de Izquierda Revolucionaria (MIR), setzten alles daran, Betancourt zu Fall zu bringen. Sie hofften, durch ein von der Regierung nicht kontrolliertes Eingreifen des Militärs einen Bürgerkrieg entfachen zu können. Die Aussichten für einen Erfolg der Gegner Betancourts waren tatsächlich nicht schlecht. Das Land verlangte dringend nach inneren Reformen. Zudem hatte die provisorische Regierung zerrüttete Finanzen hinterlassen. Die Reaktion Betancourts auf die Attacken der Kommunisten zeigte aber sehr bald, dass er kein „venezolanischer Castro“ war. Die politische Lage komplizierte sich zusätzlich dadurch, dass vor allem in der ersten Zeit starke Angriffe von den reaktionären Kräften und Militärs, von Großgrundbesitzern und anderen Anhängern der Diktatur gegen die demokratische Regierung geführt wurden. Am 24. Juni 1960 wurde Betancourt selbst das Opfer eines Anschlags von rechts, dessen Urheber der Diktator der Dominikanischen Republik Trujillo war. Eine ferngesteuerte, in einem Auto versteckte Bombe zerstörte den Wagen des Präsidenten, der schwere Verbrennungen erlitt. Sein Fahrer und Adjutant wurden dabei getötet.
Es galt also, geschickt zwischen links und rechts zu lavieren, ohne wesentliche Abstriche vom Reformprogramm zu machen. Wie turbulent es in Venezuela während der fünfjährigen Amtszeit Betancourts zuging, zeigt schon die Tatsache, dass alle verfassungsmäßigen Rechte insgesamt nur sieben Monate in Kraft waren. Die neue Verfassung von 1961 hatte dem Präsidenten das Recht eingeräumt, in Notfällen gewisse Garantien zu suspendieren.
Im Jahr 1962 erfolgten zwei linksgerichtete militärische Aufstände, der erste am 4. Mai in Carúpano („Carupanazo“), Sitz einer Marineinfanteriegarnison im Osten des Landes. Die Rebellen wurden am nächsten Tag von loyalen Truppen umstellt und ergaben sich noch am selben Tag. Knapp einen Monat später, am 2. Juni, rebellierten Einheiten des wichtigsten Marinestützpunktes in Puerto Cabello („Porteñazo“). Der Aufstand wurde von loyalen Truppen blutig niedergeschlagen.
Etwas Neues begann sich in der venezolanischen Geschichte abzuzeichnen: Die venezolanischen Streitkräfte änderten ihre Haltung gegenüber der zivilen politischen Macht, waren kein Staat im Staate mehr, und seit 1959 hatte ganz bewusst ihre Institutionalisierung als demokratische Einrichtung eingesetzt.

Alle Texte aus: Reiseführer Venezuela von Volker Alsen

Uhrzeit und Temperatur: Caracas

Titelbild © Volker Alsen