»Wer nicht die Berge und Schlösser gesehen hat,
ist erstaunt beim Anblick eines Ofens.«

Zypriotisches Sprichwort

Zypern

Griechisch: Κύπρος,
Türkisch: Kıbrıs,
Republik Zypern

02:31 h | 16 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
890.000 (Weltrang 155)

Bevölkerungsdichte
166 Einw. pro km²

Fläche
5.364 km² (166)

Hauptstadt
Lefkosía (Nikosia)

Staatsform
Präsidialrepublik

Hauptsprachen
Griechisch und Türkisch

Währung
Euro

Nationalfeiertag
1.10.

Internationale Ankünfte/Touristen
2.405.000 (Stand 2013)

Flugdauer
2594 km ≈  3,5 Std.

Entfernung über Land/Wasser
3324 km

Teilung der Insel
Seit 1974

Länge der Green Line
≈ 270 km

"Grenzübergänge" auf Zypern
7 für Fußgänger, 5 für Autos

Fläche des britischen Hoheitsgebiets
254 km²

Beitritt zur EU
2004

Einführung des Euros
2008

Autobahndichte
38,6 km je 100.000 Einwohner (Höchstwert der EU)

Ewiger Medaillenspiegel bei Olympischen Spielen
Rang 108, 1x Silber: Segeln 2012

Höchste Erhebung
Olympos 1.951 m

Anzahl der Skilifte
4

Pistenlänge
4 km

Dies und Das

Natur

Mit einer Fläche von 9251 km² ist Zypern die drittgrößte Insel im Mittelmeer. Sie misst bis zu 240 km Länge und 96 km Breite. Als zugleich östlichste und südlichste Mittelmeerinsel liegt Zypern im Schnittpunkt dreier Kontinente und antiker Seewege, die das „Morgenland“ mit dem „Abendland“ verbinden.
Von der Gesamtfläche Zyperns liegen 3355 km² im türkisch kontrollierten Norden, die britischen Militärbasen Dhekeleia und Akrotiri (britisches Hoheitsgebiet) nehmen immerhin knapp 250 km² ein, außerdem richtete die UN eine Pufferzone ein, sodass Südzypern lediglich 5384 km² umfasst.
Wichtigster Großraum abseits der Küste ist das mächtige Troodos-Gebirge mit dem
1951 m hohen Olympos, welches mit seinen Ausläufern rund zwei Drittel des südzypriotischen Territoriums bedeckt. Zwischen den Nordostausläufern des Troodos und dem schmalen Pentadaktylos-Gebirge Nordzyperns liegt beidseitig der Grenze die fruchtbare Mesaoria-Ebene, die das Zentrum der Landwirtschaft bildet und in deren Mitte die geteilte Hauptstadt Lefkosia (Nikosia) liegt.

© Werner Lips

Tiere

Ausrottung und britischer „Jagdsport“ haben den Bestand an frei lebenden Säugern in den vergangenen Jahrhunderten gegen Null dezimiert. Einziger Überlebender ist das zum Nationaltier erhobene Wildschaf (Mufflon), welches ebenfalls kurz vor der Ausrottung stand und dessen Bestand durch die Errichtung der Wildgehege Stavros tis Psokas und Platania gesichert wird. Ansonsten dominieren domestizierte Esel, Schafe, Ziegen und Katzen die heimische Tierwelt. Kleinsäuger wie Wildkaninchen, Wiesel, Eichhörnchen und Füchse sind hauptsächlich in den Waldgebieten des Troodos anzutreffen.

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Im Bereich der Schlangen und Echsen besteht eine wesentlich größere Chance, auf ein Tier in freier Wildbahn zu treffen, als bei den Säugern. Dabei wird in der Literatur, teilweise aber auch im Land selbst, eine beinahe panische Angst vor Schlangen verbreitet. Nun ist es zwar richtig, dass man auf Zypern während einer Urlaubsreise mit etwas Glück mehr Schlangen sehen kann als in Mitteleuropa im Laufe eines Menschenlebens, doch muss dem sogleich entgegengehalten werden, dass auf der Insel bislang noch nie (!) ein Tourist von einer Giftschlange gebissen wurde. Zudem gibt es auf Zypern nur eine „gefährliche“ Schlange, nämlich die tödlich giftige Levanteviper (Blunt Nose Viper), die sehr langsam und scheu ist, gut getarnt auf Beute wartet und mit ihrem Gift sparsam umgeht. Sie gehört zu den Vipern, alle anderen zypriotischen Schlangen mit Ausnahme der amphibischen Grasschlange zu den Konstriktoren (Würgeschlangen). Sehr häufig begegnet man der schwarzen, schnellen Zornnatter (Whip Snake). Sie ist ungiftig und daher harmlos, aber der natürliche Feind der Levanteviper und lebt endemisch auf Zypern.

Des Weiteren kommen auf der Insel vor: Münzotter (Coin Snake, grau mit braunem Muster), Wurmschlange (Worm Snake, nur nachts Eier von Termiten und Ameisen jagend), Eidechsennatter (Montpellier Snake, schwach giftig), Katzenschlange (Cat Snake, leicht giftig, beide letztgenannte können Menschen wegen tief sitzender Giftzähne nicht gefährden) sowie die vom Aussterben bedrohte, amphibisch lebende Grasschlange (Gras Snake). Durch Abholzung und Wiederaufforstung in Monokulturen fehlen den Schlangen die natürlichen Beutetiere des Berglandes, daher rücken sie zunehmend auf die Ebenen vor, wo in Feldern und Obstplantagen Mäuse, Ratten und Vögel vorkommen.
Zypern bietet über 300 Vogelarten eine dauerhafte Heimat, in den Wintermonaten nutzen zudem zahlreiche Zugvögel die Insel als Zwischenstation zwischen Europa und Nordafrika/Nahost. Am bekanntesten sind die am kaspischen Meer beheimateten Flamingos, die im Winter an den Salzseen Zyperns (Akrotiri, Larnaka) Station machen. Dauerhaft findet man in den Bergregionen Raubvögel (Falken, Kaiseradler), im Hinterland Singvögel (Kohlmeisen, Seidensänger) sowie Rebhühner, Tauben, Schnepfen und Reiher. Der größte Feind der Vögel ist der Mensch, einerseits durch Abholzung natürlicher Lebensräume, aber auch durch antiquierten „Jagdsport“.


 

© Werner Lips

Essen

Wegen des eher knappen Frühstücks bilden Mittag- und Abendessen in Zypern etwa gleichwertige Hauptmahlzeiten, zu denen warm gegessen wird. Das Mittagessen wird in den Restaurants von ca. 12–14 Uhr, das Abendessen von ca. 19– 23 Uhr serviert, wobei 21 Uhr als Richtzeit in den Touristengebieten gilt. Zu einem guten Urlaub gehört auch ein gutes Essen – und davon gibt es in Zypern reichlich. Die zypriotische Küche erweist sich als Mischung griechischer, nahöstlicher und nordafrikanischer Einflüsse, ist aber deutlich griechisch gepragt.

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Von den Vorspeisen (orektika) sind sicherlich die gefüllten Weinblätter (dolmades), gegrillter Schafskäse (feta) und Tzaziki (talattouri) am bekanntesten. Probieren sollte man auch halloumi (fester Ziegenkase, bevorzugt gegrillt), Schinken (lountza oder chiromeri), winzige Bratfische (marides) oder Pilze (manitaria). Dazu gibt es Fladenbrot (pitta) mit Sesamsoße (tachini) oder humous, eine Soße aus Kichererbsen, Sesam, Olivenöl und Zitrone.
Zu den beliebtesten Hauptgerichten, die auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden sind, gehören zweifelsohne moussakas (Auberginenauflauf mit Hackfleisch und Béchamelsauce), souflakia (Schaschlikart, meist Lamm) und kleftiko (ofengebackenes Lammfleisch, gut gemacht eine absolute Delikatesse!).
Daneben findet man auf den Karten auch oft paidakia (Lammkoteletts), keftedes (gebratene Hackfleischbällchen), afelia (Schweinefleisch in Rotwein eingelegt, mit Koriander zubereitet), sti fado (Rindfleisch mit Zwiebeln, im Tontopf gekocht heißt es tavas), pas tisio (ursprunglich ein „Resteauflauf“ mit Nudeln, Kartoffeln und Hackfleisch), sheftalia (Fleischröllchen mit Minze, gewöhnungsbedürftig!) oder arni me fassolia (Lammfleisch mit Bohnen).
Eine Sonderrolle nimmt das traditionelle Meze ein, welches entweder in „normalen“ Restaurants oder aber in speziellen „Meze-Houses“ serviert wird. Wer sich selbst einen (kulinarischen) Gefallen tun mochte, sollte zumindest einmal wahrend seiner Reise an einem Meze-Essen teilnehmen.
Es besteht je nach Art aus 12 bis 30 (!) Einzelgerichten – allesamt ein Miniaturabbild der gesamten zypriotischen Küche. Je nach Art und Umfang kostet ein echtes Meze-Essen ab 12–15 € pro Peson, ist jeden Cent wert und wird etwa in den folgenden „Schichten“ serviert: zunächst Salat mit Fladenbrot und Dips (Saucen); es folgen Omelettes, Pilzgericht, gegrillter Ziegenkäse und Schinken; in der dritten Runde werden Kalamari und gefüllte Weinblätter kredenzt, ehe in der fünften Runde allmählich die Hauptspeisen (Souflaki, gegrilltes Huhn, Lammkoteletts) nebst Beilagen kaum noch Platz im beängstigend beanspruchten Magen finden.
Eine Besonderheit unter den Süßwarenwaren ist soudsoukos, eingedickter Traubensirup mit Nüssen oder Mandeln, zu meterlangen Schnüren gerollt und zum Trocknen aufgehangt. Diese wurstähnliche Spezialität wird in der Marathasa- Region, der Heimat der Nuss- und Mandelbäume, hergestellt und auf Märkten bzw. in Souvenirgeschäften vertrieben.

Reisezeit

Zypern kann man durchaus als ganzjähriges Reiseziel bezeichnen, auch wenn man mit offiziellen zypriotischen Statistiken sehr vorsichtig umgehen muss. Denn: Die laut Werbung „über 340 Sonnentage“ gelten ausgerechnet dann nicht, wenn man außerhalb des Hochsommers vor Ort ist! Und ein Sprung ins kühle Nass empfiehlt sich auch nur von Mai bis November. Für die Urlaubsplanung sind die Zeiten Mitte Mai bis Mitte Juli und Anfang September bis Ende Oktober das, was man den idealen Zeitraum nennen könnte. Über die Osterferien ist das Wasser trotz angenehmer Temperaturen recht frisch, ab Mitte November muss mit Schlechtwetterperioden gerechnet werden. Im Hochsommer wird es an der Küste und im Landesinneren so heiß, dass man kaum vor die Tür gehen möchte – mithin Gelegenheit für Ausflüge ins kühlere Bergland.
Auch wenn die Monate Juli/August trotz der Hitze die absolute Hauptsaison sind (gelegentlich sogar mit Engpässen, was Unterkunft oder Leihfahrzeug anbelangt), so ist es doch insgesamt sehr angenehm, dass sich die Reisesaison sehr weit dehnt und Zypern somit eher selten das Bild eines überlaufenen Reisezieles bietet.

© Werner Lips

Religion

Insgesamt gehören 78 % der Bevölkerung auf dem gesamten Territorium Zyperns zum Christentum (traditionell Orthodoxe, Maroniten und Apostolische Armenier) und 18 % zum Islam (Sunniten und Sufisten); eine alteingesessene Minderheit stellen die Juden. Durch Einwanderung gibt es im Südteil auch über 1 % Buddhisten und Hindus. 0,6 % hängen keiner Religion an.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

Hallo (Du/Sie) – ja su/ja sas

Guten Morgen – kali méra

Guten Tag – kali spéra

Gute Nacht – kali níchta

Ja – nä, ne

Nein – óchi

(Ich) bitte – parakaló

(Ich) danke – efcharistó

Einverstanden – endáxi

nichts – típota

Ich suche – psáchno

Entschuldigung – signómi

Es hat (gibt) nicht... – then échi...

geschlossen – klistó

geöffnet – anichtó

besetzt – piasméno

frei – elefthero

Ich will – thélo

Ich möchte – tha íthela

Ich nehme – pärno

groß – megálo

klein – mikró

schön – oräa

gut – kaló

schlecht – kakó

Was ist das? – ti íne aftó?

Wie heißt Du? – pos se léne?

Links die weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.de | www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Visum: www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/Zypern

Fremdenverkehrsamt: www.visitcyprus.com/de

Deutsche Botschaft: www.nikosia.diplo.de

Reise- und Gesundheitsinformationen: www.crm.de

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

Dos and Don’ts

Allgemein sind die Zyprioten sehr freundlich und höflich, dabei aber weit weniger aufdringlich, laut oder „machohaft“, als man dies aus anderen Ländern der Region gewohnt ist. Es ist aber sehr wichtig, die Privatsphäre zu achten, bei aller Freundlichkeit bleibt man Fremden gegenüber immer etwas reserviert. Eine Ausnahme bilden Kleinkinder – über die Kinder kommt man meist sehr schnell in Kontakt zu den kinderfreundlichen Zyprioten.
Die Gastfreundschaft ist ein weiteres markantes Merkmal, welches einen Besuch auf Zypern so liebenswert erscheinen lässt. „Kopiaste“ („Setz dich und sei dabei“) heißt das Schlagwort, mit dem auch die Tourismusbehörden für die Menschen des Landes werben. Und sollte man einmal auf einen Kaffee eingeladen werden, so gilt als alte Benimmregel, dass man sich nicht entfernt, ehe die Tasse erkaltet ist. Allerdings – und auch das soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben – wird der Griechisch sprechende Tourist manchmal deutliche „Freundlichkeitsvorteile“ gegenüber dem Englisch sprechenden Reisenden erfahren; dies gilt besonders bei Preisverhandlungen vor Ort (Taxi, Wohnung usw.). Leider erwähnen immer mehr erfahrene Zypernreisende eine auch auf rückläufige Besucherzahlen zurückzuführende „Hochpreismentalität“ auf Zypern.
Das Wichtigste aber ist, dass die Besucher den Stolz auf die recht junge nationale Unabhängigkeit beachten und nicht durch abwertende Bemerkungen über Land, Leute und Eigenheiten verletzen. Ein höchst sensibles Thema ist dabei stets die Zypernfrage, wobei man jegliche Sympathie für den Norden tunlichst für sich behalten sollte. So sind Formulierungen wie „Turkish Coffee“ oder „Präsident Nordzyperns“ zu vermeiden; just in dieses scheunentorgroße Fettnäpfchen trat vor Jahren ausgerechnet der deutsche EU-Kommissar G. Verheugen, als er den Nordteil besuchte und den dortigen Regierungschef M. Talat als „Präsidenten“ ansprach – und damit allerhöchste Entrüstung im Süden hervorrief!
Typisch südländisch und angesichts der im Hochsommer unerträglichen Hitze auch verständlich ist die lange Mittagspause, die teilweise von 12 bis 16 Uhr andauert. Zu dieser Zeit scheinen die Dörfer und Altstadtgassen wie ausgestorben.
Der familiäre Zusammenhalt ist nach wie vor sehr groß und bildet den Kern der sozialen Gemeinschaft. Während bei uns Familiennamen wie Müller, Meier oder Schulze nichts mehr miteinander gemein haben, steht in Zypern hinter Namen wie Papadopoulos, Nicolaides oder Georgios immer eine Großfamilie, die nicht nur gemeinsame Vorfahren hat, sondern innerhalb derer auch heute noch tatsächlich engere Bande bestehen. Die jüngere Generation versucht jedoch zunehmend sich „abzunabeln“ und einen eigenen Weg zu gehen – sofern durch einen städtischen Arbeitsplatz die Möglichkeit dazu besteht. Ein derartiger Generationenkonflikt ist zwar nichts neues, führt aber zu einem Auseinanderklaffen der sozialen Schere zwischen Jung und Stadt auf der einen sowie Alt und Land auf der anderen Seite.

Exkurs: Zypern und der EU-Beitritt

Nicht nur für Zypern selbst, auch für die EU erweist sich die Zypernfrage nicht erst seit dem offiziellen Beitritt Zyperns am 1. Mai 2004 als Quadratur des Kreises. Die Mittelmeerinsel wurde in der jüngsten Vergangenheit – nach langem Stillstand – wieder einmal zum Spielball der Interessen externer Mächte, welche die inneren Verhältnisse nur unzureichend zu berücksichtigen scheinen.
Der seit 1974 anhängige Status quo mit der faktischen, nie jedoch international anerkannten Teilung Zyperns schien mit den Beitrittsverhandlungen Zyperns zur EU erstmals wieder deutlich aufzuweichen. Brüssel verlangte zunächst die Wiedervereinigung als Voraussetzung für den Beitritt, stieß jedoch aufgrund der unüberbrückbaren Positionen beider Landesteile, aber auch der „Mutterländer“ Griechenland und Türkei, bald an die politischen Grenzen. Die UN erarbeiteten unter Sondervermittler Alvaro de Soto für Februar 2003 einen Plan, der eine innere Verwaltung nach dem Vorbild der Schweizer Eidgenossenschaft vorsah. Doch sowohl die Türkei als auch Südzypern lehnten diese Lösung ab.
Damit saß auch Brüssel erheblich in der Klemme: Für April 2003 war in Athen die Unterzeichnung der Beitrittserklärungen der neuen EU Mitglieder vorgesehen – was passiert nun mit dem Nordteil, der international nicht anerkannt und somit (theoretisch) Teil des Südens ist? Man wand sich, formulierte vorsichtig und einigte sich darauf, dass das EU-Recht zunächst für die „Republik Zypern ohne die derzeit nicht kontrollierten Gebiete“ gelte (Südzypern formulierte schärfer: „unrechtmäßig von der Türkei besetzte Gebiete“). Zu allem Überfluss ging Türkenführer Denktaş, auch unter dem Eindruck der jüngsten Massenproteste im Norden wegen des Scheiterns der Verhandlungen, in die politische Offensive. Zwei Wochen vor den Athener Verträgen (16.4.2003) brachte er einen Sechs-Punkte- Plan ein, den der Süden ablehnte, so lange die „Besetzung des Nordens“ andauere.
Nach Unterzeichnung der Beitrittserklärung in Athen jubelten der Süden wie auch Griechenland, dessen Premier und seinerzeitige EU-Ratspräsident Simitis, gleichsam ein Elefant im Porzellanladen, sogar von „endlich vollzogener Enosis“ (Einheit) sprach – was in der Türkei, die nicht in Athen anwesend war, um nicht die Anerkennung „eines Zypern“ zu implizieren, Empörungsstürme hervorrief. Umgekehrt weiß Ankara auch, dass mittelfristig ob der eigenen Beitrittsabsichten die Nicht-Anerkennung des Südens keinen Bestand haben kann.
Und Brüssel? Zwar schlug der damalige EU Erweiterungskommissar Günther Verheugen die Hände über dem Kopf zusammen angesichts der mutmaßlichen Äußerungen Simitis’, doch musste auf dem Abschlussfoto von Athen mit zusammengebissenen Zähnen gelächelt werden. Der EU-Botschafter in Ankara sprach sogar davon, es sei vielleicht ein Fehler gewesen, Zypern in die EU aufzunehmen, bevor dieses Problem gelöst sei, aber jetzt sei es zu spät, um darüber zu diskutieren. Es sei passiert und es werde unterschrieben.
Der langjährige „Nordpräsident“ Denktaş, der im Scherz behauptete, er ginge nicht einmal auf die Toilette, ohne vorher Ankara um Erlaubnis zu fragen, verlor dann zwar die Präsidentenwahlen gegen den europafreundlichen Mehmet Ali Talat, dessen Partei 2009 bei den „Parlamentswahlen“ aber keine Mehrheit fand. Dennoch wurden zumindest neue Grenzöffnungen erreicht: die Ledras- Street in Nicosia (2008) sowie Limnitis/ Yesilirmak im Nordwesten (2009).
Dass hinter allen augenscheinlich lokalen Entwicklungen stets die Weltpolitik steht, ist sicher: Das Streben der Türkei nach EU-Vollmitgliedschaft, regelmäßig wiederkehrende (und regelmäßig scheiternde) UN- und EU Pläne oder auch Zypern als Basis für den seinerzeitigen Libanon-Einsatz der Bundeswehr (2006) zeigen die neue, alte Problematik der Schnittpunktlage Zyperns im Einflussbereich anderer Staaten und Kontinente. Allerdings ist Zypern nicht nur als „unsinkbarer Flugzeugträger“ von strategischer Bedeutung: Über die Rolle der Insel als Energielieferant an drei Kontinente wird spekuliert, seit es 2013 Hinweise auf große Erdgasvorkommen vor den Küsten Zyperns gab.

Exkurs: Das Geheimnis der Filfar-Rezeptur

„Es war einmal ...“ könnte die (wahre!) Lebensgeschichte des Takis Philippou beginnen. Geboren im frühen 20. Jh., arbeitete er in den 40er Jahren für die Briten in einer Kaserne in Famagusta (griechisch Ammochostos, türkisch Gazimağusa) als eine Art Soldatenkonditor und kochte Marmeladen. Er erinnerte sich während dieser Zeit an seine Großmutter, die einen Orangenlikör nach einem von Mönchen mündlich überlieferten Rezept herstellte, welches vermutlich bis in die Johanniterzeit zurückreicht. Und da er beim Kochen der typisch englischen Orangenmarmelade viel mit diesen Früchten zu tun hatte, probierte er es selbst einfach einmal aus – und wurde zunächst zur Lachnummer der britischen Offiziere.
Erst nach unzähligen Versuchen gelang es ihm, eine passable Mischung zu finden, und da er seine Vorgehensweise notiert hatte, gab es nun sogar ein Rezept. Die Briten liebten sein Getränk so sehr (insbesondere die verblichene Queen Mum im fernen Buckingham Palace!), dass Philippou sich ermutigt fühlte, nach dem Zweiten Weltkrieg eine kleine Destillationsanlage zu eröffnen. Mit steigendem Erfolg musste er sich registrieren lassen und einen Namen eintragen – er entschied sich für „Fil Fab“, die Abkürzung für „Philippou Fabrique“. Dem Handelsbeamten unterlief jedoch ein Schreibfehler, sodass „Filfar“ daraus wurde, was indes besser klang und beibehalten wurde. 1974 baute Takis Philippou im Alter von 65 Jahren eine kleine Fabrik in Famagusta, doch nur zwei Monate nach ihrer Eröffnung verlor er sie an die türkischen Invasionstruppen. Er floh nach Lemesos und destillierte Filfar nur noch für seine Verwandten und Freunde.
Wie der Zufall so spielt, begegnete Philippou bald darauf dem Touristikexperten Demos Aristidou, der in Kanada studiert hatte und von dortigen kanadischen Lehrern nach dem bekanntesten Exportgut Zyperns gefragt worden war. Auf seine (Aristidous) Antwort, das sei der Commandaria- Wein, hätten die Lehrer erwidert, der Orangenlikör Filfar sei in Nordamerika weit bekannter! So bewegte Aristidou Takis Philippou zum Verkauf des Rezeptes und begann bald mit der fabrikmäßigen Produktion des berühmten Likörs. Die Rezeptur wird bis heute geheim gehalten, bekannt ist lediglich, dass 18 Orangen zweier Sorten sowie drei zypriotische Kräuter enthalten sind.

Exkurs: Dr. Fazıl Küçük (1906–1984)

Fazıl Küçük wurde 1906 in Nikosia als Sohn eines Bauern geboren. Später studierte er Medizin in Istanbul, Lausanne und Paris. 1937 eröffnete er eine Arztpraxis und setzte sich bald für die Belange der türkischstämmigen Zyprioten ein. Küçük gründete im Nebenberuf die Zeitung „Stimme des Volkes“ (Halkın Sesi), die britische Kolonialverwaltung verweigerte ihm jedoch aufgrund seiner Kritik an den Briten die Genehmigung zur Veröffentlichung. So wurde er 1943 mit Mitbegründer der KATAK (Kıbrıs Adası Türk Azınlık Kurumu, türkischer Minderheitenverband) mit dem Ziel der Verbesserung der Lebensumstände dieser Volksgruppe und als politischen Arm die „Zyperntürkische Nationale Einheitspartei“ (Kıbrıs Türk Milli Birlik Partisi). Aufgrund dieses vielfältigen Engagements wurde Küçük zum Vertreter der Türkischzyprioten während der Unabhängigkeitsverhandlungen mit Großbritannien in den 1950er Jahren (Abkommen von Zürich und London) und am 3. Dezember 1959 zum Vizepräsidenten der Republik Zypern gewählt. Auch während der Zypernkonflikte blieb Küçük im Amt (bis 1973) und unterstützte seine Landsleute auch propagandistisch mit seiner Zeitung. Zwei Monate nach der einseitigen Unabhängigkeitserklärung der „Türkischen Republik Nordzypern“ starb Küçük am 15. Januar 1984 in einer Londoner Klinik.

Aus: Zypern der Süden von Werner Lips

Uhrzeit und Temperatur: Lefkosía (Nikosia)

Titelbild: © Werner Lips