Aus dem Reise-Archiv: Bali 1976

Feierliche Prozession © Peter Rump

Wer einen Verlag für Individualreiseführer gründet, kann auch selbst auf eine reiche Reisegeschichte zurückblicken. Peter Rump zumindest ist sein Leben lang gereist – und hat beim Digitalisieren alter Dias so einige Schätzchen aus der Vergangenheit gefunden.

1976 reist Peter Rump nach Bali. Dort findet er vom Tourismus noch beinahe gänzlich unberührte Orte und gerät unerwartet in eine große Feierlichkeit:

„Wir waren froh, endlich Bali erreicht zu haben. Conni und ich hatten Singapur verlassen und erreichten nach zehn Tagen und Nächten Fahrt mit unterschiedlichen Bussen, Zügen und Fähren und mit Übernachtungen in Jakarta und Surabaya schließlich unser Ziel - es gab noch keinen Flughafen auf Bali zu der Zeit. Im Hafenort Gilimanuk wartete ein Bus auf die Reisenden. Nach einigen Stunden Fahrt über eine schmale Straße unterbrochen von Sandpiste erreichten wir den Busbahnhof in Denpasar.

Bali - Plausch auf der Veranda © Peter Rump

Von hier aus nahmen wir ein Bemo (= Sammeltaxi) zu einem Hotel an der Hauptstraße nach Süden. Es waren kaum Traveller unterwegs, einige Australier, ein paar Franzosen. Am nächsten Tag ging es mit dem Bemo an den Strand von Kuta. Hier gab es noch keine Losmen (= Familienpensionen), aber Fischer hatten einfache Hütten mit Palmblattdächern errichtet. Darin ein Doppelbett, Gemeinschaftstoilette draußen. Kostenpunkt 4 Rupien die Nacht, immerhin eine DM.

Der Strand war endlos, tolle Wellen mit australischen Surfern und wenig Touristen. Kuta war ein funktionierendes Fischerdorf. Der nächste Ort Legian lag einige Kilometer weiter westlich. Etwa eine Stunde zu Fuß durch lichte Kokospalmenplantagen.

Wanderung von Kuta nach Legian durch die Kokosplantagen © Peter Rump

Andere Traveller hatten uns erzählt, dass sich ein Besuch in Ubud lohnen würde. Wir kamen dort nach mehrmaligem Bemo-Wechsel gegen Mittag an. Wir waren total erstaunt, als wir realisierten, dass das Essen an den vielen Essenständen am Straßenrand völlig umsonst war. Für jedermann. Warum?

Der König von Ubud und Sukavati war gestorben und das Festessen für alle wurde zum Anlass der feierlichen Verbrennung der Leiche in ein paar Tagen veranstaltet. Bis zur Verbrennung hatten alle Verköstigung. In den nächsten Tagen schien sich die Bevölkerung von Ubud zu verdoppeln, dann zu verdreifachen. Von überall strömten Menschen in die Stadt. Busseweise wurden sie aus den umliegenden Dörfern herangefahren.

Hängebauchschweine - eine beliebte Zutat für Festessen © Peter Rump

Am dritten Tag kündigten teure Privatwagen mit Militärs und anderen Würdenträgern und ein BBC-Team, das sich an der Hauptstraße positionierte, den Höhepunkt der Festlichkeiten an. Ein prachtvoller Umzug mit diversen Gamelanorchestern, unzähligen opfertragenden Frauen und dann einem überlebensgroßen Stier aus Pappmaché, gefolgt von einem riesigen, zig Meter hohen Turm, der von über 100 Menschen getragen wurde und sich häufig gefährlich neigte, wenn er gedreht wurde.

Es war ein riesiges Gedrängel und wir waren froh, als der Zug endlich an uns vorbei war und sich mit allen Neugierigen zum Verbrennungsplatz bewegte. Um 18.00 Uhr wurde es zügig dunkler und wir begaben uns zurück in unsere Unterkunft. Denn nach 18.00 Uhr war es gefählich noch draußen zu sein, in Ubud gab es noch keinen Strom und in der stockdunklen Nacht gingen Leyaks (böse Geister) um, und trieben unheimliche Dinge, hatte man uns gewarnt.“