Aus dem Reise-Archiv: Borneo-Abenteuer

Auf dem Rückweg – im Kanu © Cornelia Krempf

Wer einen Verlag für Individualreiseführer gründet, kann auch selbst auf eine reiche Reisegeschichte zurückblicken. Peter Rump zumindest ist sein Leben lang gereist – und hat beim Digitalisieren alter Dias so einige Schätzchen aus der Vergangenheit gefunden.

1972 reist er ohne Flieger von Bangkok nach Bali und erlebt bei einer Flussfahrt, was es bedeutet, bei Niedrigwasser unterwegs zu sein:

„Jetzt standen wir wieder im hüfttiefen, gelben Wasser des Flusses und versuchten mit vereinten Kräften, unser „Rivertaxi“ von der Sandbank zu schieben. Diesmal klappte es nicht.

Es muss 1972 gewesen sein, dass ich mit einer WG-Mitbewohnerin, Conni, eine Tour von Bangkok nach Bali ohne Flieger unternahm. Wir waren schon auf dem Rückweg, als wir in Surabaya ein australisches Paar trafen, das mit einem PELNI-Schiff nach Kalimantan übersetzen wollte und dann von Bajarmasin, der südlichen Hafenstadt Borneos, auf dem Fluss Barito etwa 400 km bis Muara Teweh schippern wollte. Dort lebten Menschen vom Volk der Dayak, die ehemals Kopfjäger gewesen sein sollen.

Conni und ich wurden neugierig und wir beschlossen, mitzufahren. Schon am nächsten Tag fanden wir im Hafen ein Motorboot, das auf einem Schild kundgab, nachmittags nach Muara Teweh zu fahren. Das Boot hatte einen Einraum-Aufbau, in dem sich ca. 50 Menschen und Tiere drängelten. 2 Tage und 1 Nacht war die Ansage. Wir rollten unsere Matten aus und schon startete die Fahrt.

Der Australier, Conni und ich mit neuen Freunden © Cornelia Krempf

Der Fluss hatte Niedrigwasser, was man am Ufer deutlich sehen konnte. Normalerweise reichte das Wasser wohl gut 3 Meter höher. Nur eine kurze Strecke sahen wir noch einzelne Hütten am Ufer, schreiende Kinder und kläffende Hunde. Dann begann der Regenwald. In den Bäumen turnten Massen von Affen, darunter auch viele Nasenaffen. Wir sahen Nashornvögel und jede Menge andere Tiere. Wir waren begeistert.

Abends gab es Bananen und mitgebrachte Kekse. Irgendwann wurden wir wach, weil der Motor nicht mehr lief. Wir waren auf einer Sandbank gelandet. Wir erfuhren, dass erst bei Sonnenlicht weitergefahren würde. In aller Früh sprangen alle männlichen Gäste in den völlig undurchsichtigen, gelben Fluss, um das Schiff zu schieben. Der Australier und ich sprangen ebenfalls, wenn auch mit etwas ungutem Gefühl – was da wohl alles unter Wasser lebte? Aber mit vereinten Kräften bekamen wir den Kahn wieder flott. Und weiter ging es.

Conni im Rivertaxi © Cornelia Krempf

Es dauerte nur Stunden, dann saßen wir erneut fest. Wieder sprangen alle über Bord, aber erstmal nicht zum Schieben. Am nahen Ufer räkelte sich eine ca. 6 Meter lange Boa. Sie war noch nicht ganz auf Betriebstemperatur. Es war einfach für die Männer, die Schlange zu ergreifen und dann totzuschlagen. Die Boa würde gehäutet und die lange Haut triumphierend an Bord gebracht. Erst danach wieder schieben. Dann ging es weiter. Aber im Schneckentempo. Abends bekam jeder Passagier ein ordentliches Stück gegrilltes Fleisch. Sehr lecker. Auf die Frage, was für Fleisch das sei, zeigte man nur auf die zum Trocknen aufgehängte Schlangenhaut.

Eine weitere Nacht im Boot, schlafen und am nächsten Tag weiter. Es war klar, dass unser Zeitplan nicht einzuhalten war. Noch ein Tag, und dann hingen wir endgültig fest. Der Kapitän teilte uns mit, dass er erst nach dem nächsten Regen weiterfahren könne. Er hoffte in einem Monat.

Unser Rivertaxi © Cornelia Krempf

Am nächsten Morgen tauchten jede Menge Kanus auf, die unsere indonesischen Mitfahrer familienweise einsammelten und weiter flussaufwärts brachten. Schon hatten wir Sorgen, vergessen zu werden. Das letzte Kanu, das kam, lud uns aber ein, nach Muara Teweh mitzukommen.

Dort angekommen begann der Australier, der glücklicherweise Indonesisch sprach, sich nach einer Rückfahrgelegenheit umzuhören. Die Dayak-Jungs waren alle nett, aber niemand wollte fahren. Zu weit, es würde 3-4 Tage dauern. Erst nach endlosen Verhandlungen wurden wir einig. Zwei nette Kerle würden uns rudern – für 200 US-Dollar! Wow. Aber wir hatten keine Wahl.

Wir waren weitere 4 Tage unterwegs. Abends fanden die Jungs stets eine Familie, die in der Nähe wohnte und uns versorgte und schlafen ließen. Eigentlich war die Tour gar nicht überteuert. Der Australier brachte mir unterwegs die Grundlagen des Indonesischen bei – es war eine gemütliche Fahrt, mit der Strömung ohne Motorengeräusch dem Meer entgegen zu gleiten.“

Niedrigwasser in Borneo © Cornelia Krempf