Aus dem Reise-Archiv: Indonesien – Bei den Mentawai, Teil II

© Peter Rump

Wer einen Verlag für Individualreiseführer gründet, kann auch selbst auf eine reiche Reisegeschichte zurückblicken. Peter Rump zumindest ist sein Leben lang gereist – und hat beim Digitalisieren alter Dias so einige Schätzchen aus der Vergangenheit gefunden.

Hier folgt Teil II des Berichts vom Leben bei den Mentawai auf der Insel Siberut im Jahr 1988 (Teil I kann hier nachgelesen werden):

„Kurz nach dem Sonnenaufgang begann das Leben im Uma. Im hinteren Teil des Langhauses war die Feuerstelle und in einem großen Topf brodelte Wasser. Vor dem Haus wurde der Boden gefegt und so von Ungeziefer freigehalten. Im fensterlosen Uma blieb es den ganzen Tag über halbdunkel. Und so hielten auch wir uns draußen auf der Terrasse auf. Insgesamt bestand unsere Gruppe aus sechs Personen. Wir hatten uns in Bukittingi kennen gelernt, begleitet wurden wir von einem Guide und Übersetzer. Die Mentawai sprachen kein Indonesisch, sondern ihre eigene Sprache. Das einzige Wort, das ich gelernt habe: „Aloita“, das heißt „Hallo“. Ansonsten war ich damit beschäftigt, Informationen von unserem Führer aus dem Indonesischen zu übersetzen, damit alle verstanden, was er sagte.

© Peter Rump  

An einer Seite der Terrasse lagen einige große Baumstämme, sauber entrindet mit je einem langen Schlitz. Das war das „Telefon“ der Leute, die mit einem Knüppel darauf schlugen und verschiedene Töne erzeugten, die mehre Kilometer weit gehört werden konnten. Uns wurde strikt verboten, den Stämmen auch nur nahe zu kommen. Zu groß die Angst, wir könnten etwas Falsches mitteilen.

Alle Erwachsenen waren mit Linien- und Punktmustern tätowiert und hatten ein wahres Haifischgebiss. Alle Schneidezähne wurden mit einem Meißel spitz zugehauen. An das Lächeln musste man sich erst gewöhnen. Zu essen bekamen wir gekochte Sagostangen, das Grundnahrungsmittel der Mentawai. Ein dicker Sagobrei wurde in einer Tüte aus Bananenblättern (ähnlich einem Eishörnchen) gekocht. Ohne Salz oder andere Gewürze schmeckte es ähnlich wie Seife.

© Peter Rump

Am vierten Tag kamen viele Leute, wohl aus umliegenden Umas, zu Besuch. Man hatte einen riesigen Topf (wie aus einem Kannibalenwitz) aufs Feuer gestellt. Irgendjemand schleppte ein geschlachtetes Schwein heran und nach dem Abflämmen der Borsten wurde es fein säuberlich in handliche Stücke zerlegt. Alles wanderte in den Topf und wurde stundenlang gekocht. Danach legte man für jeden Anwesenden eine passende Portion auf Bananenblättern bereit. Auch wir wurden nicht vergessen. Völlig ohne Salz und Gewürze war das Fleisch kein wirklicher Leckerbissen, aber es gab keine Alternative. Nachts bebte dann wieder der Tanzboden.

Am nächsten Morgen mussten wir aufbrechen, das Schiff nach Sumatra fuhr nur ein Mal die Woche. Es war eine schöne Zeit und wir haben Pak Aman Patre wirklich ins Herz geschlossen.“