Aus dem Reise-Archiv: Die Jagd nach dem Schmetterling

© Peter Rump

Wer einen Verlag für Individualreiseführer gründet, kann auch selbst auf eine reiche Reisegeschichte zurückblicken. Peter Rump zumindest ist sein Leben lang gereist – und hat beim Digitalisieren alter Dias so einige Schätzchen aus der Vergangenheit gefunden.

1976 reist er auf die Philippinen. Er ist auf der Jagd nach einem ganz bestimmten Schmetterling – den er unter erstaunlichen Umständen schließlich auf einer Gefangenen-Insel findet:

„Auf die Philippinen bin ich eigentlich nur gefahren, weil ich gelesen hatte, dass es nur dort, auf der Insel Palawan, einen bestimmten Schmetterling gab: Trogonoptera trojana. Seit jungen Jahren sammelte ich Insekten und pflegte mit einem Kescher, wie Chris Howland in den Winnetou-Filmen, die, die mich sahen, zu erheitern. Wir, meine Freundin und ich, flogen nach Manila, der Stadt der Jeepneys. So nannte man die bunten, mit Spiegeln und Pferdchen verzierten Sammeltaxis. Nach ein paar Tagen ging es zum Hafen auf eine Fähre nach Puerto Princessa, der Inselhauptstadt im Süden. 1976 gab es dort keinen Tourismus und nur ein einziges Hotel für Einheimische. Glücklicherweise hatte uns auf dem Schiff ein Herr angesprochen und zu sich nach Hause eingeladen, freie Logis und Verpflegung. Er hat uns sozusagen adoptiert und wir konnten nichts ohne Begleitung von Verwandten oder Freunden unternehmen.

Als ich davon erzählte, dass ich auf der Suche nach diesem Schmetterling sei, schickte er uns zu einem Verwandten, der Gefängnisdirektor auf einer Gefangenen-Insel mitten im Dschungel war. Hier lebten nur Schwerverbrecher mit Familie und Kindern in eigenen Hütten und beackerten unter Aufsicht Felder, quasi ein autarker Knast. Der Direktor logierte mitten drin in einer Villa und war sichtlich erfreut, ein wenig Abwechselung zu haben. Wir bekamen nach Tagen einen Guide, der uns im Dschungel zu einer Lichtung brachte, auf der Schwärme meines Schmetterlings gaukelten. Hier konnte ich mein Exemplar schließlich fangen.

Nach vier Wochen verließen wir Palawan, ohne ein einziges Mal am Strand gewesen zu sein. Zurück auf Luzon reisten wir mit dem Bus in den Norden. In den Bergen strandeten wir in Bontok, wo sich gerade Seltsames tat. Hier hatten sich zwei verfeindete Bergstämme, die Kalingas und die Igorot (ehem. Kopfjäger), zu einer Friedenskonferenz getroffen. Es schien, dass sie sich geeinigt hatten – denn spät abends wurde ein Fest gefeiert."