KI-Reiseführer: Warum Erfahrung, Redaktion und Verantwortung entscheidend bleiben
Reiseführer entstehen heute nicht mehr ausschließlich in Redaktionen und werden nicht mehr nur von echten, landeskundigen Autor:innen geschrieben. Auf Online-Plattformen wie Amazon tauchen zunehmend Reiseführer auf, die in sehr kurzer Zeit mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt wurden. Oft wirken sie auf den ersten Blick professionell: ansprechende Cover und zahlreiche positive 5-Sterne-Bewertungen. Doch hinter der Fassade steckt häufig automatisiert erzeugter Inhalt – mit vielen Floskeln, wenigen konkreten Details und kaum Mehrwert für Reisende.
KI-gestützte Buchproduktion ermöglicht es, innerhalb weniger Minuten komplette Bücher zu erstellen und zu veröffentlichen. Kombiniert mit gezieltem Online-Marketing, suchmaschinenoptimierten Titeln und aggressiven Platzierungen entstehen so Reiseführer, die vor allem eines sind: schnell am Markt.
Das Problem zeigt sich meist erst beim Lesen – oder unterwegs. Inhalte bleiben oberflächlich, wichtige Details fehlen, Informationen sind ungenau oder schlichtweg falsch. Für Reisende kann das ärgerlich sein, im schlimmsten Fall sogar problematisch, denn: Gute Reiseführer leben von Einordnung, Erfahrung und Kontext. Sie entstehen durch Autorinnen und Autoren, die die Regionen kennen, vor Ort recherchieren und mit Einheimischen in Kontakt treten.
Thorsten Altheide, Leiter des Bielefelder Reise Know-How Verlags, bringt es auf den Punkt: „Automatisch erzeugte Texte können vorhandenes Wissen zusammenfassen – aber sie können keine Reiseerfahrung ersetzen, keine aktuellen Einschätzungen liefern und keine verlässliche Auswahl treffen. Die KI kann nie selbst vor Ort gewesen sein.“
Bei Reise Know-How entstehen Reiseführer in enger Zusammenarbeit mit erfahrenen Autorinnen und Autoren. Jede Veröffentlichung durchläuft redaktionelle Prüfungen, regelmäßige Aktualisierungen und fachliche Abstimmungen. Genau dieser Prozess unterscheidet verlässliche Reiseführer von massenhaft produzierten KI-Titeln: „Unsere Bücher werden von Menschen geschrieben, die wissen, wovon sie sprechen – und die Verantwortung für ihre Inhalte übernehmen“, so Altheide. „Gerade beim Reisen erwarten Leser zu Recht, dass die Informationen auch stimmen und aktuell sind.“
Die Herausforderung für Leserinnen und Leser
Bei Online-Händlern wie Amazon ist Qualität für Käuferinnen und Käufer nicht immer leicht zu erkennen. KI-generierte Reiseführer haben meist viele positive Bewertungen, von deren Glaubwürdigkeit sich jeder selbst ein Bild machen kann. Durch Werbeanzeigen werden die Bücher ganz oben in den Suchergebnissen angezeigt. Ein weiteres Problem: Die Bücher lassen sich hier nicht durchblättern. Während man im Buchhandel schnell merkt, ob ein Reiseführer Substanz hat, entscheidet online oft der erste Eindruck – und dieser kann täuschen.
„Selbst wenn die Bücher inhaltlich schlecht sind und irgendwann entlarvt werden, haben sie bis dahin schon Sichtbarkeit und Verkäufe weggenommen. Im schlimmsten Fall ziehen enttäuschte Käuferinnen und Käufer den Schluss, dass sie gar keine Reiseführer brauchen“, so Altheide. Verkompliziert wird das Ganze dadurch, dass es durchaus seriösen Content über „Kindle Direct Publishing“ geben kann, zum Beispiel Einzelpersonen, die Spezialwissen zu einem bestimmten Gebiet haben und zu diesem einen Reiseführer publizieren: „Redaktionell gut erarbeitete Reiseführer von Self-Publishern haben definitiv eine Berechtigung. Dieser Konkurrenz müssen wir uns als Verlag nun mal stellen“, sagt Thorsten Altheide.
Technischer Fortschritt oder Täuschungsversuch?
„Die KI ist Teil unseres Lebens, das ist nicht die Frage. Doch wenn die Technik genutzt wird, um den Buchmarkt mit minderwertigen Inhalten zu fluten, um einen schnellen Euro zu verdienen, dann sollten Buchkäufer:innen lieber ganz genau hinsehen“, so Thorsten Altheide.
Checkliste: So erkennen Sie KI-Reiseführer
- Auffällig glatte Sprache mit vielen Floskeln und Wortwiederholungen
- Kaum Hintergrundinformationen und wenige Details
- Viele 5-Sterne-Bewertungen, oft schon nach kürzester Zeit
- Massenproduktion: Der Autor hat nach kürzester Zeit viele Bücher veröffentlicht
- Suchmaschinenoptimierte Titel wie: „Der ultimative Leitfaden für …“
- Falsche Klassifizierungen, wodurch die Bücher oft als „Bestseller“ markiert werden
- Lokal klingende Pseudonyme als Autorennamen